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Die Welt · 1912-03-22 · 12 (22.3.1912) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
12 (22.3.1912)
Date
1912-03-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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riaWyri^ifriCTai^ CTf-rtffT 360 DIEÄELT: Nr. 12 bi-Schwat" vom 3. Feber stand wiederum im Zeichen des nationalen Hochgedankens und ergab für den Jüd. N. F. ein nettes Sümmchen. Die Glanzleistung des Vereins bildete das gemeinsam mit dem jüd. akad. Verein „Achduth" am 2. März abgehaltene Purimf est. Der ansehnliche Reingewinn von 237.46 K. wurde in gleichen Teilen der Kunstgewerbeschule Bezalel, der jüd. Bibliothek des Vereins Achduth und der Zedokoh in Graz zugewendet. England London. Sonntag vor acht Tagen hielt Mr. I. G o o d m a n in der Young Hebrevv Association einen Lichtbildervortrag über „Die Arbeit des Nationalfonds". Miß Franks veranstaltete eine Sammlung für den Nationalfonds. Manchester. Die diesjährige Generalversammlung der Manchester Zionist Association fand dieser Tage statt. Die Neuwahlen wurden vorgenommen. Es wurde einstimmig beschlossen, daß sich die Gesellschaft hauptsächlich mit dem Landerwerb in Palästina befassen solle. Eine Versammlung der Young M e n 's Zionist Society fand vor kurzem statt. Mr. M. Greenberg sprach über „Die Anfänge der Gewerkschaftsvereine". Leeds. Bei einer Versammlung der Zionist and H e - b r e w L i t e r a r y Society sprach Dr. Fox über „Die Geschichte und Entwicklung der hebräischen Sprache". Rabbiner A s t r i n s k y hielt dieser Tage einen Vortrag über „Zionismus" vor einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft. Zum Schluß wurde eine Sammlung für den Nationalfonds veranstaltet. Inverness. Sonntag vor acht Tagen sprach Rev. L. A. Falk in der Synagoge über „Zionismus" mit dem Erfolge, daß sich sofort ein neuer Verein, „Dorshei Zion", bildete, für den die Herren L. M i c h a e 1 als Vorsitzender, L. G o v a n als Schatzmeister und Rev. L. A. Falk als Schriftführer gewählt wurden. Es wurde auch eine Sammlung für den Nationalfonds veranstaltet. Südafrika Miß R. Mofsowitz, welche zwei Jahre lang ein sehr schätzenswertes und eifrig tätiges Mitglied des Komitees der West Rand Lemaan Zion Association war, mußte ihren Posten aufgeben. In Anerkennung ihrer Leistungen soll eine Anzahl Oelbäume auf ihren Namen gestiftet werden. Daß der Zionismus unter der Jugend von Kapstadt immer mehr Verbreitung findet, zeigt die Tatsache, daß die Mitgliederzahl der Wvnberg Junior Zionist Society in den zwei Monaten ihres Bestehens von 20 auf 50 gestiegen ist. Die Bnei and Bnoth Zionist Association, Worcester ist reorganisiert und wird hoffentlich gute Erfolge haben. Kapstadt. Leider war Mr. Keßlers Aufenthalt in Kapstadt vor seiner Abreise nach Europa zu kurz, um eine öffentliche Versammlung einzuberufen, aber er konnte immerhin in einer kleinen Versammlung von Zionisten eine Ansprache halten. Während Herrn Goldreichs Besuch fanden große Versammlungen statt. Prot. Alexander vom Rhodes College in Grahamstovvn hielt einen Vortrag über „Politischen und praktischen Zionismus". Er hielt auch eine Ansprache an die jungen Zionisten des Ortes. Die Junior-Zionisten sind eifrig dabei, einen Kursus für jüdische Geschichte zu gründen, und man kann sie nur beglückwünschen, daß sie die Unterstützung des Advokaten M. Alexander als Leiter ihres Lesezirkels genießen. Brief aus Wien (Von unserem Berichterstatter.) Zionistische Protestversammlung Die Sombarthetzc der Wiener Kultusoemeinderepräsentaiiz konnte von zionistischer Seite nicht stillschweigend hingenommen werden. Man mußte die breite Oeffentlichkeit über die tieferen Lirsachen dieses Kesseltreibens aufklären, die „sittliche" Entrüstung der Zionsfeinde auf das richtige Maß zurückführen und festlegen, daß unsere Gegner in den Kampf, den wir mit geistigen Waffen austragen wollten, Polizei und Sophisten schickten. Die Massenversammlung, welcher der Obmann des Zioinistischen Zentralvereins, Gg. Markus, präsidierte, nahm einen glänzenden Verlauf. Der erste Referent, Gg. Dr. Egon Zweig, betonte einleitend, daß nur das Verhalten der inneren Feinde der jüdischen Moderne uns immer wieder zwinge, neben der Kelle auch noch das Schwert zu führen, während wir nichts sehn<- licher wünschten, als ungestört mit beiden Armen an unserem Werke zu schaffen. Er erzählte die Geschichte des Sombartrummels: Wie zunächst die Gemeindekreise die Abhaltung des Sombartvortrages zu hintertreiben suchten, wie der Präsident Dr. Stern die Veranstalter des Abends zu sich beschied, um sie von ihrem gemeingefährlichen Vorhaben abzubringen, wie er von allen Tempelkanzeln gegen den Besuch des Vortrages predigen ließ, wie der Verein zur Abwehr des Antisemitismus mobilisiert und Herr Rabbiner Dr. Grunwald ins Vordertreffen abkommandiert wurde, der in diesem edlen Streite den Beweis erbringen sollte, daß er geeignet sei, Gemeinderabbiner in der Leopoldstadt zu werden. Kein Mittel sei unversucht geblieben, der Oeffentlichkeit vorzuspiegeln, die Veranstaltung des Vortrages sei eine, die jüdische Ehre verletzende, ja antisemitische Tat gewesen. Redner gibt nun eine Darstellung des Verhaltens unseres (offiziösen Israelitentums gegenüber dem Zionismus vom ersten Auftreten Theodor Herzls angefangen bis auf den heutigen Tag und weist nach, daß es süch nicht um eine „Verteidigung der jüdischen Würde gegen den Judenfeind Sombart" handle, sondern um einen hinterhältigen, schmählich mißlungenen Angriff gegen das bewußte Judentum und den Zionismus, dem Sombart so kräftig und überzeugend das Wort gesprochen habe. Nach Erscheinen des „Judenstaates" -.mußte Herr Oberrabbiner Dr. O ü d e in an n seine antizionistische Broschüre veröffentlichen, auf welche Nord au scharf replizierte. Als Herzl die Bank ins Leben rief, unterfing man sich, immer dreister zu zischeln, er wolle den Gründergewinn einsacken und die Steuergroschen der israelitischen Mitbürger für utopistische Schwärmereien vergeuden, und als unser Führer die Parole zur Eroberung der Kultusgemeinden ausgab, als wir auf die schmähliche Verfassung unserer Gemeinde hinwiesen, auf das reaktionäre, plutokratische Wahlrecht, das in Europa seinesgleichen sucht, wurde kein Mittel zu schlecht, um den verhaßten Zionisten Knüppel zwischen die Füße zu werfen, ihre Führer zu verdächtigen und zu verleumden. Da müsse man denn doch den famosen Verteidigern der jüdischen Ehre wieder einmal einen Spiegel vorhalten. Den Pogrombankier R. v. T a u s s i g haben sie unter ihre Fittiche genommen, ,,tief ergriffen" schritten sie hinter der Bahre Luegers, für den Rabbiner David, der die Ostjuden beschimpfte, gaben sie die Folie ab, die flüchtigen russisch-jüdischen Märtyrer und die hungernden demonstrierenden Schänker pochten vergeblich an ihre Türe. Im Jahre 1904 hatten sie bereits fest zugesagt, das schändliche Wahlrecht zu reformieren. Sie haben das gegebene Wort nicht nur gebrochen, sondern 1908 jene Verschärfung eingeführt, die der frühere Präsident der Gemeinde einen Akt der Roheit nannte. Die „Sombartpolitik" — schloß der Referent — sei allzu durchsichtig. Wieder ständen Kuftuswahlen vor der Tür, und es gälte, der Oeffentlichkeit die Augen auszuwischen, die allgemeine Entrüstung über die Mißwirtschaft, die verzettelte Wahlreform und das autokratische Regiment des Präsidenten Dr. Stern, der das letztemal nur mit ein paar Stimmen Majorität gewählt wurde, auf den erzantisemitischen Bcflecker der jüdischen Ehre Sombart" abzulenken, den die ruchlosen Zionisten nach Wien zitierten. Unter stürmischer Zustimmung forderte Dr. Zweig die Versammelten auf, im Kampfe gegen den volksfremden Geist der Kultusgemeindeclique unentwegt auszuharren. Lebhaft begrüßt, ergriff hierauf der Sekretär der Gesamtorganisation, Gg. Kurt B I u m e n f e 1 d , das Wort zu einem glanzenden Vortrage über die „Zukunft der Juden". Ausgehend von der Säkularfeier der preußischen Judenemanzipation legte er die Grundidee dar, die der Emanzipation zugrunde lag. Als sich der Satz Rottsseaus, alle Menschen seien gleich gut und alle gleich frei, durchsetzte, war mau im Zweifel, ob auch die Neger und die Juden in diesem Sinne Menschen wären. Diejenigen, welche sich f ü r die Juden einsetzten, taten es, weil sie die Emanzipation für das beste Mittel hielten, die Judenheit zu beseitigen. So sagte Humboldt: „Wir müssen dafür sorgen, daß die Auflösung der Juden schneller vorwärts schreitet*', und schlug zu diesem Zwecke vor, i n j e de Gemeinde vier Rabbiner zu setzen (stürmische Heiterkeit), und Hardenberg erklärte: „Die Emanzipation wird die einzig wirksame

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