Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 11 (15.3.1912)
- Date
- 1912-03-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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die spät und ungenügend unterrichte teil Blätter Jerusalems einige Warte des Bedauerns über sein plötzliches Ausscheiden aus dem Amte. Aber bald sind auch diese Stimmen still geworden, und nur noch der Ton herbster Kritik läßt sich vernehmen. Der „Hacheruth" schreibt: „Traurigkeit überfällt uns vor dem moralischen Niedergange und dem Chillul Haschern, der durch die Demissionsaffäre Rabbi Nahums hervorgerufen worden ist. Ein großer Skandal ist durch die Schuld desjenigen entstanden, der nichts vorauszusehen verstand, und der Handlungen beging, die ihn selbst und seine Gemeinde entehren. Alle murren gegen ihn und sagen, daß seine Sünde unentschuldbar groß sei, denn er hat durch seine Handlungsweise Zwiespalt in die Herzen und Krieg unter Brüder geschleudert . . . Der Antwortbrief der Regierung an ihn hat einen wahren Sturm hervorgerufen, denn es steigt ein Duft von Denunzierumg auf aus diesem Briefe." Smyrna war immer Rabbi Nahums Hochburg gewesen. Aber heute führen von den dort existierenden vier jüdischen Zeitungen drei eine strenge Sprache gegen ihn, während die vierte schweigt und nicht ein Sterbenswörtchen zu seiner Verteidigung findet. In Saloniki, in Adrianopel die gleiche Erscheinung. Und (nun noch in der Hauptstadt sein letzter Genosse zum Kampf gegen ihn erhoben! Bleibt Nahum im Amt, so werden alle diese Vorgänge eine Lehre für ihn sein. NACHRICHTEN (ßttf II o o o ^IS- PALASTINA 72$, o o o | i SQ& Der Bau des Technikums in Haifa Die Vorarbeiten zum Bau des jüdischen Technikums in Haifa haben bereits begonnen. Aus einzelnen galiläischen Kolonien sind jüdische Landarbeiter nach Haifa gekommen, um als Bauleute beim Technikum Beschäftigung zu finden. Eine neue jüdische Lesehalle in Jaffa Sonntag, den 25. Februar wurde in dem neuen jüdischen Stadtviertel „N a c h a 1 a t h - B e n j a m i n" — das bekanntlich nach dem Muster von T e 1 - A vv i w in dessen Nachbarschaft erbaut worden ist —- eine jüdische Bibliothek und Lesehalle eröffnet. Die hebräische Eröffnungsrede hielt Herr Josua Eisen stadt (Barsilai). Sodann trug der hebräische Schriftsteller S. Ben-Zion eine seiner neuen Novellen vor. Die neue Lesehalle entspricht einem fühlbaren Bedürfnis der Bewohner von T e 1 - A w i w und Nachalath-Benjamin, die bisher auf die Bibliothek „Schaar Zion" im weit entfernten Stadtinnern angewiesen waren. Besuch des Chachambaschi von Jaffa in Pethach-Tikwah Am 16. Februar stattete Rabbi Benzion Usiel aus Jaffa der Kolonie Pethach-Tikwah einen offiziellen Besuch ab. Von Seiten des Waad wurde ihm ein festlicher Empfang bereitet. Am Sabbath hielt Rabbi Usiel in der Synagoge eine mit großer Begeisterung aufgenommene hebräische Predigt. Abends versammelten sich die Koloniebewohner im Gemeindehause zur Begrüßung des Chachambaschi. Am Sonntag besuchte Rabbi Usiel die Schulanstalten der Kolonie und fuhr dann nach Jaffa zurück. Ein neues Volksbildungsheim in Rechoboth Dieser Tage fand in Rechoboth die Grundsteinlegung für den Bau eines ßeth-Haam (Volksbildungsheims) in Gegenwart der Herren J. L. G o 1 d b e r g aus W i 1 n a und W. G 1 u s k i n aus Warschau statt. Die Errichtung des neuen Beth-Haam ist den Bemühungen der genannten beiden Zionsfreunde zu verdanken, die auch den größten Teil der Kosten beigesteuert haben. Grundsteinlegung der sephardischen Talmud- Thora in Jaffa Dieser Tage wurde die Grundsteinlegung des neuen Talmud-Thora-Gebaudes der Jaffaer sephardischen Gemeinde in feierlicher Weise vorgenommen. Der Chachambaschi Benzion Usiel und Oberrabbiner A. J. K u k hielten begeisternde Ansprachen. Ferner hielt Schriftsteller Barsilai eine vielbemerkte Rede, in der er sich gegen die jüdischen Eltern wandte, welche ihre Kinder in die Schulen der christlichen Mission schicken. Deutsche Konferenz-Gemeinschaft der Alliance Israelite Universelle Am 10. März fand in Berlin die Generalversammlung der Berliner Alliancemitglieder statt, die, trotz der gleichzeitigen Hundertjahrfeier in der Neuen Synagoge einen recht stattlichen Besuch aufwies. Die Versammlung wählte die bisherigen Mitglieder des Local-Comites durch Zuruf wieder, und als neue Mitglieder die Herren Rechtsanwalt Schachtel, Professor Carl L e vv i n , Oskar Löwenberg, Sanitätsrat Dr. Eugen Cohn und Syndikus Dr. F e i t e 1 b e r g. Nach dem vom Vorsitzenden Herrn Justizrat Fuchs erstatteten Bericht über die Lage, dem sich eine Aussprache anschloß, nahm die Versammlung die nachfolgenden Resolutionen an: 1. Die Generalversammlung bestätigt den Beschluß des Local-Comites in seiner letzten Sitzung betr. die Verwendung der in Berlin einlaufenden Beiträge, und beauftragt die zur Bildung des Landes-Gomites eingesetzte Kommission, die Konstituierung des Landes-Comites möglichst zu beschleunigen. Die Generalversammlung erblickt in der Organisation des Landes-Comites die einzige Möglichkeit, den deutschen Mitgliedern der Alliance die ihnen nach Zahl und Bedeutung gebührende Einflußnahme auf die Leitung der A. I. U. zu verschaffen. 2. Die Generalversammlung der Berliner Alliancemitglieder nimmt mit Entrüstung davon Kenntnis, daß die Pariser Leitung der Alliance bei ihrem letzten Kooptationsvorschlag den um unsere Sache wie um das Judentum seit vielen Jahren so hochverdienten Herrn Rabbiner Dr. Werner nicht zur Kooptation vorgeschlagen hat und so von der Mitarbeit auszuscheiden versucht. Die Generalversammlung sieht in der nach Beseitigung des Wahlrechts versuchten Ausscheidung des Herrn Dr. Werner die Absicht, sich jede unbequeme Kritik fernzuhalten. Sie spricht Herrn Dr. Werner ihr volles Vertrauen und ihren Dank für seine treue Arbeit aus und hofft auf seine eifrige Mitarbeit im Landes-Gomite. In der anschließenden Sitzung des Lokal-Comites Berlin wurden die bisherigen Vorstandsmitglieder: Justizrat Max Fuchs, Vorsitzender, Rabbiner Dr. Weise, stellvertretender Vorsitzender, und Heinrich Frankel als Kontrolleur wiedergewählt. Neugewählt wurden: Justizrat D z i a 1 o s z i n s k y als Schriftführer, San.-Rat Dr. Cohn als stellvertretender Schriftführer, Rentier Gideon H e y m a n n als Schatzmeister, Assessor Dr. F r i e d e m a n n als stellvertretender Schatzmeister. Hilfsverein der Deutschen Juden Wir erlauben uns, unsere Mitglieder hierdurch zur Ordentlichen Generalversammlung zu Sonntag, 14. April, vormittags 11 y2 Uhr, Berlin, Gesellschaft der Freunde, Potsdamer Str. 9, ergebenst einzuladen. Tagesordnung. 1. Erstattung des Geschäftsberichts. Uebersicht über die zehnjährige Tätigkeit des Hilfsvereins. 2. Entlastung der Verwaltung. 3. Wahlen. Hilfsverein der Deutschen Juden. Dr. James Simon. Die englischen Juden und die russische Paßfrage In einer der letzten Nummern der „Times" ist eine von Mr. L. Alexander, Präsident des Jewish Board o f D e p u t i e s , und Mr. Claude G. Montef iore, Präsident der Anglo-Jewish Association, unterzeichnete Erklärung abgedruckt, in der gegen das Vorgehen der russischen Behörden gegen jüdische Reisende aus England Protest erhoben wird. U. a. heißt es in dieser Zuschrift: In der Regel werden die Pässe englischer Juden, die nach Rußland reisen wollen, überhaupt nicht vidiert, geschieht dies aber dennoch, so werden die Inhaber solcher Pässe in Rußland verschiedenen unerträglichen Beschränkungen unterworfen. Dies alles widerspricht offenkundig den Bestimmungen des englisch-russischen Handelsvertrags vom 12. Januar 1859. Die Unterzeichner der Erklärung beziehen sich auf einen Artikel der „Times" zum amerikanisch-englischen Paßkonflikt, in dem gesagt wurde,