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Die Welt · 1912-03-08 · 10 (8.3.1912) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
10 (8.3.1912)
Date
1912-03-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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302 DIEMKE LT j Nr. 10 Oberrabbiner Dr. Bernhard Singer erinnert an die Schwierigkeiten, die der Zionismus zu überwinden hatte, als noch keine Jugend ihm und seinen Mitkämpfern zur Seite stand; es sei Aufgabe der Rabbiner, die jüdische Jugend in zionistischem Geiste zu erziehen, eine Mission, die den Rabbiner mit Glück erfüllen müsse, denn sie sichere den Fortbestand des Judentums. Dies offene Bekenntnis honorierte die Jugend mit donnerndem Beifallssturm. Redakteur Max Szabolcsi, der grimmigste Bekämpfer des Zionismus in Ungarn, erklärte, daß er der zionistischen Bewegung hindernd im Wege gestanden habe, weil es die Verhältnisse erfordert hätten, doch sei er der zionistischen Idee stets geneigt gewesen. Oberrabbiner Dr. Kiss Arnold feierte in poetischer Rede das Erwachen des jüdischen Volkes und eiferte die Jugend zur Arbeit an. Rabbiner Rosenberg schloß mit einer hebräischen Rede, in der er den Sieg des jüdischen Einheitsgedankens feierte, den Reigen der Redner. Der Kommers, der von 9—1 Uhr nachts dauerte, verlief in gehobenster Stimmung, die jüdischen Nationalgesänge und Volkslieder der akademischen Jugend, die Sologesänge der Herren G r ü n w a 1 d und Engelberg, ein hebräischer Vortrag des ungarischen hebräischen Poeten Avigdor Feuerstein (er trug unter frenetischem Beifall sein Gelegenheitsgedicht „Ad anah", vor, das demnächst in seiner Gedichtsammlung erscheinen wird), und nisht in letzter Reihe der burschikose Geist und die stramme Disziplin, sie alle trugen dazu bei, in allen Anwesenden eine unauslöschliche Erinnerung an den herrlichen jüdischen Festabend zu hinterlassen. Für den Zionismus aber war der Abend von programmatischer Bedeutung, denn zum ersten Male geschah es, daß die vornehmsten Führer der gesamten ungarischen Judenheit auf einer zionistischen Festlichkeit, im zionistischen Kreise so offen und freimütig ihren jüdischen Gefühlen Ausdruck verliehen und ihre Sympathien für unsere Idee in so feierlicher Form bekannten, wie es an diesem Festkommers der „Makkabäa" am 20. Februar geschah. Die zionistische Bewegung in Ungarn hat einen Schritt vorwärts getan! K. N. o o o o o o o^) . oooooooll _^ AUS DER BEWEGUNG Anläßlich der Sitzung des Actions-Comites, die vom 17. bis 19. März im Zionistischen Zentralbureau stattfindet, tagen auch folgende Körperschaften: Montag, den 18. März, vormittags 9 Uhr: Direktorium des Jüdischen Nationalfonds. Montag, den 18. März, nachmittags 4 Uhr: Aufsichtsrat des Jewish Colonial Trust. Dienstag, den 19. März, vormittags 9 Uhr: Generalversammlung des Jüdischen Nationalfonds. Herr N. Sokolow hielt sich eine Woche lang in Rumänien auf, wo er an den Feierlichkeiten anläßlich des 30jährigen Bestehens der jüdischen Kolonisationsbewegung in Rumänien teilnahm und in einer Reihe von Städten Vorträge hielt. Ueberall wurde ihm ein begeisterter Empfang bereitet. Wir verweisen auf den nachstehenden Bericht über die Feier in Galatz und werden auch über die weiteren Veranstaltungen berichten. * Herr Kurt Blumenfeld hat sich für einige Wochen nach Oesterreich begeben. Er sprach bisher in Aussig, Budweis und Prag. Der Vorsitzende des Nationalfondsdirektoriums, Herr Dr. Bodenheimer, hat sich vor einigen Tagen zu einem mehrwöchentlichen Aufenthalt nach Palästina begeben. Während dieser Zeit wird ihn der stellvertretende Vorsitzende, Herr Wolffsohn, in der Leitung der Nationalfondsangelegenheite.ni vertreten. Die Gedenkfeier der rumänischen Zionisten Sonntag, den 12./25. v. M., hat in Galatz in Anwesenheit des Herrn Nahum Sokolow, Mitglied des E. A. C, und von 40 Delegierten aus verschiedenen Städten die Feier anläßlich des dreißigjährigen Jubiläums seit der Gründung des ersten chowewezionistischen Comites stattgefunden. Die öffentliche Versammlung wurde um drei Uhr nachmittags im größten Galatzer Theater eröffnet. Es waren über 1000 Personen anwesend; die Gemeinde und alle Vereine waren vertreten. Herr M. H. Schein, Vorsitzender der rumänischen Föderation, wies in einer schönen Rede auf die Bedeutung der Feier hin und begrüßte Herrn Sokolow im Namen des Föderations-Comites. Herr Nahum Sokol o w dankte für die schöne Aufnahme, die ihm zuteil wurde und erklärte, die rumänischen Zionisten hätten es durch ihren Eifer und ihre materiellen Opfer erreicht, daß man sie zu den besten Kämpfern für die heilige Sache des jüdischen Volkes zählen müsse. Dr. Nacht überbrachte in schwungvoller Rede die Grüße aller Zionisten des Landes. Herr Sam. Pineles, das einzige noch lebende Mitglied des ersten Chowewre-Zion-Comites von 1882, sprach über die Gründung der Cbowewe-Zion-Bewegung und zeigte alle Hindernisse und Kämpfe, die diese zu überwinden hatte, bis zum Erscheinen Theodor Herzls. Herr Schein verlas die sehr zahlreichen Telegramme und Begrüßungsschreiben, darunter einen Brief Dr. Lippes, früheren Mitglieds des Cho\vewe-Zion-Comites. Auf Vorschlag des Herrn J. B. Monosen wird ein Telegramm an das Berliner Actionscomite und an Dr. Lippe gesandt. Darauf ergriff Herr Sokolow das Wort zu einer Rede über die Entwicklung des Zionismus seit dem Auftreten Dr. Herzls bis zum heutigen Tage. Die über zweistündige Rede wurde mehrfach von minutenlangem, nicht endenwollenden Beifall unterbrochen. Der Eindruck der Rede war ganz außerordentlich, und der Enthusiasmus und die Begeisterung kannten keine Grenzen. Um 7 Uhr wurde die Versammlung geschlossen und man folgte der von der Sektion „Sam. P i n e 1 e s" ausgehenden Einladung zu einem Tee, der alle Delegierten zu einer zweistündigen angenehmen Unterhaltung vereinigte. Sämtliche Reden wurden dabei in hebräischer Sprache gehalten. Dann folgte der Hebräerabend, der von 10 Uhr abends bis 3 Uhr nachts währte und mit der Annahme mehrerer Anträge endete. Herr Sokolow referierte über die „Histadruth Ibrith". In der Diskussion, die sieih entspann, nahmen das Wort: Dr. Nacht, Neuwirth, Schächter sen., Isac Agent, Schächter ju.n., Schapiro. Schließlich wurde eine Kommission gewählt, die die Frage der Gründung eines hebräischen Lehrerseminars hierzulande prüfen soll. Herr M. Z. K a t z hielt danach ein Referat über die Aufgaben der jüdischen Gemeinden in bezug auf die hebräische Sprache. Nach einigen Bemerkungen der Herren Neuwirth und Sokolow wurde das folgende Comite der rumänischen Organisation für die Pflege der hebräischen Sprache gewählt: Dr. Nacht, M. Z. Katz, Conane Isac, Mibasan, Schäffer.

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