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Die Welt · 1912-03-08 · 10 (8.3.1912) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
10 (8.3.1912)
Date
1912-03-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 10 tausende alte Geschichte lehrt uns, daß wir stets auf eigene Kraft angewiesen waren und unsere jüdischen Interessen nur mit eigener Kraft zu wahren vermögen. Reichstagsabgeordneter Bakonyi betonte, daß man niemandem Gewissenszwang antun wolle, und daß in der einheitlichen jüdischen Organisation jede Liturgie, aber auch jede Lebensauffassung, sie möge noch so radikal oder konservativ sein, Platz finden müsse. Der Redner wies auf Grund der ungarischen Gesetze nach, daß Ungarn nur e i n Judentum kenne. Die ungarische Judenheit dürfte sich ihre Freiheit nicht rauben lassen, die jüdischen Honveds, die im Jahre 1848 zu Tausenden ihr Leben geopfert haben, sind nicht bloß für die ungarische Freiheit gefallen, sie haben mit ihrem Herzblute die jüdische Freiheit erkauft, und diese Freiheit können die Juden nur dann ausüben, wenn ihnen die Möglichkeit gegeben wird, ihre jüdischen Kultusbedürfnisse innerhalb einer einheitlichen jüdischen Organisation zu befriedigen. Nachdem noch verschiedene Redner, u. a. unser Gg. Oberrabbiner Dr. Alexander Jordan das Wort ergriffen hatten, wurde unter frenetischem Jubel folgende Resolution gefaßt: „I. Der Kongreß erklärt feierlich, daß das Judentum trotz seiner verschiedenen Parteien und Schattierungen einheitlich und unteilbar ist und von niemandem in mehrere Konfessionen getrennt werden dürfe. II. Der Kongreß beschließt daher, eine einheitliche Organisation der gesamten ungarischen Judenheit mit gesetzlich gesicherter Autonomie vorzubereiten. III. Der Kongreß wählt zu diesem Zwecke ein Landeskomitee, das für den Herbst einen zweiten Landeskongreß vorbereiten und demselben einen autonomen Organisationsstatutenentwurf unterbreiten soll." Der Kongreß wählte hierauf das Landeskomitee, dem unter anderen seitens der zionistischen Organisation Ingenieur Benjamin B e r e g i, Advokat Dr. Lajos Dömeny, Advokat Dr. Nison K a h a n , Samuel Bettel heim, David Kohn und Alexander H o r v ä t angehören. Der Kongreß, der in seinem ganzen Verlaufe von wahrhaft jüdischem Geist durchweht war, bildete eine mächtige Demonstration des erwachenden jüdischen Selbstbewußtseins! * * * Zu Ehren des Kongresses veranstaltete die zionistische akademische Vereinigung „Makkabäa", in den Sälen des Deniokratenklubs einen Festkommers, der sich zu einem Triumphe der zionistischen Idee gestaltete. Mehr als 300 Gäste hatten der Einladung unserer wackeren akademischen Jugend Folge geleistet, alle Führer der ungarischen Judenheit hatten sich eingefunden; wir nennen bloß die Hofräte Franz Szekely, Winterh e r g, Josef Engel, Reichstagsabgeordneten Bakonyi, den Leiter der neologen Landeskanzlei Dr. Franz Mezey, vom Rabbinerseminar Rektor Dr. Wilhelm Bacher und die Professoren Dr. Blau und Dr. Richtmann, Kultuspräsident Dr. Adolf Klein, die Oberrabbiner Dr. Bernhard Singer (Szabadka), Dr. Kiss Arnold (Budapest), Dr. Jordan (Szatmär), Dr. Neumann (Nagykanizsa), Dr. Schweiger (Erlau), Dr. F e 1 d m a n n (Czegled), Dr. Funk (Preßburg), Dr. Gerstl (N. Sz. Miklös), Dr. Heves (Szolnok), Dr. Kelemen (Fogaras), seitens der jüdischen Presse die Redakteure Max S z a b o 1 c s i, Samuel B e 11 e 1 h e i m , Dr. Josef P a t a i, Dr. Moses B o 1 g ä r. Das Präsidium führte Dr. Nison K a h a n. Als erster sprach m Namen der „Makkabäa" Erstchargierter cand. jur Ludwig Mmon. Er feierte die Idee der jüdischen Einheit, und versicherte die anwesenden Führer, daß ihnen die jüdische Jugend, wo es sich um den Kampf fürs Judentum handelt, stets treue Gefolgschaft leisten werde. 301 Im Namen des zionistischen Landeskomitees begrüßte Dr. Ludwig Dömeny die Gäste, und verlieh seiner Freude Ausdruck, daß nach so vielen Jahren scharfer Kämpfe wir uns endlich in herzlicher Eintracht zusammengefunden hätten. Hofrat Szekely feierte in seiner Rede Dr. Adolf Klein, den Einberufer des Kongresses, würdigte die Bedeutung dieses Kongresses, der nicht allein ein Zeugnis der jüdischen Begeisterung abgegeben habe, sondern ihm auch Gelegenheit bot, die jüdische Jugend und ihre hohen Ideale kennen zu lernen. Rektor Dr. Bacher sprach in klassischem Hebräisch über die kulturelle Bedeutung des Zionismus. Oberrabbiner Dr. Jordan schilderte, zuerst hebräisch und dann ungarisch fortfahrend, die Kämpfe, die der Zionismus in Ungarn mit der Assimilation einerseits, der fanatischen Orthodoxie andererseits zu bestehen hatte und aus denen er, dank der begeisterungsfähigen Jugend, siegreich hervorging. Hofrat Winterberg — eine der idealsten Persönlichkeiten der ungarischen Judenheit — feierte in hinreißenden Worten die zionistischen Ideale der Jugend, die er aufs innigste mitempfinde; die zionistische Jugend verbürge dem jüdischen Volke die Zukunft, und jeden ehrlichen Juden müsse diese Jugend mit Stolz erfüllen. Samuel Bettelheim würdigte den Kongreß als Zionist. Der Kongreß habe nicht bloß Orthodoxe und Neologe einander näher gebracht, er habe bewiesen, daß im Dienste des Judentums alle Gegensätze verschwinden und nur das jüdische Herz zum Herzen spricht. Königl. Rat Dr. Franz Mezey, der geistige Führer der ungarischen Judenheit, forderte unter brausenden Ovationen die zionistische Jugend auf, ihren Idealen treu zu bleiben, denn der Weg, den sie wandle, sei der richtige Weg, der zum Judentume führt. Mit herzinnigen Worten versicherte er die Makkabäer, daß ihre Ideale auch sein Herz und das Herz eines jeden guten Juden erfüllen. Reichstagsabgeordneter Dr. Samuel Bakonyi, der den Zionismus wiederholt von der Parlamentstribüne herab bekämpft hatte, gab zu, die zionistischen Bestrebungen verkannt zu haben, im Zionismus sehe er das aktive Judentum, an Stelle der Passivität müsse das stolze Selbstbewußtsein treten, damit niemand ungestraft am Juden sich vergreife. Dr. Bela Oesterreicher begrüßte im Namen des zionistischen Zentralkomitees die illustren Gäste, es freue ihn, daß nun auch unsere Gegner von gestern unsere Freunde geworden sind, und eingesehen haben, daß die Zionisten in ihren scharfen Kämpfen einzig und allein die Liebe zum Judentume leite. Wir werden unsere Waffen jedem leihen, der die Interessen des Judentums hoch hält. Dr. Adolf Klein, den die Versammelten mit brausenden Hedadrufen feiern, spricht Franz Szekely und Franz Mezey seinen Dank aus für ihre erfolgreiche Betätigung im Dienste des Kongresses, dessen bleibenden Erfolg er in der glühenden Begeisterung der Jugend gesichert sieht. Dr. Josef Schönfeld feiert in launiger Weise die jüdische Presse, die durch ihre Aktion in breitester Oeffentlichkeit den Kongreß ermöglicht hat. Dr. Nison K a h a n begrüßt die anwesenden Damen, die in erster Reihe berufen sind, die jüdische Jugend in jüdischem Geiste zu erziehen. Im Namen der jüdischen Frauen spricht Frau Dr. Schweiger. Sie beklagt mit beredten Worten den Indifferentismus der jüdischen Frauen in Ungarn, die das Judentum und sein Wesen überhaupt nicht kennen. Die jüdische Frau müsse ein Apostel des jüdischen Gedankens werden und an der Seite ihres Mannes für die Erweckung des jüdischen Gefühls mitkämpfen.

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