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Die Welt · 1912-03-08 · 10 (8.3.1912) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
10 (8.3.1912)
Date
1912-03-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Francs, so möchte ich wissen, welcher Betrag" als Kosten für Rohmaterialien angenommen werden kann, damit sich so der Betrag ergibt, der für Arbeitslohn verausgabt wurde. Ich möchte ferner diesen Betrag dividieren durch die Zahl der bezahlten Arbeiter, und selbst, wenn ich annehme, daß von den erwähnten 457 Männern, Frauen und Kindern die übergroße Mehrheit keinen Arbeitslohn erhält, so scheint mir doch, daß für die Ueberbleibenden nur wenig herauskommt. Ich habe vergangenen Sommer in meinem Schreiben an den Kongreß eine Reorganisation des „Bezalel" befürwortet. Prof. Warburg hat damals gesagt, daß er ein gewerbliches Unternehmen sehen möchte, daß derartig sicher steht. Leider hat sich bis heute meine Meinung nicht geändert. Ich wünsche nur, daß ich im Irrtum bin, auch schon in Anbetracht der großen Aufwendungen, die der Jüdische Nationalfonds im Interesse des „Bezalel" gemacht hat. Seilten die Tatsachen mir aber recht geben, dann ist dem „Bezalel" mit einem Betriebsfonds allein nicht geholfen. Nur eine nach kaufmännischen Prinzipien geführte Einrichtung kann hier Abhilfe schaffen. Daß ich nach meinen Kräften bereit bin, mitzuarbeiten, um zu einer solchen Einrichtung zu kommen, brauche ich wohl kaum hinzuzufügen. Mit Zionsgruß! J. Kann. * Zu den vorstehenden Bemerkungen des Herrn Kann schreibt uns Herr Prof. Warburg: Die wenigen in dem Artikel vom 12. Januar gegebenen Zahlen harten durchaus nicht den Zweck, ein deutliches Bild über den Status des Bezalel zu geben, sondern sie sollten nur das Wachstum der Schule verdeutlichen. Dasselbe stellt sich in Wirklichkeit sogar noch viel günstiger dar, als infolge eines Schreibfehlers aus dieser Aufstellung hervorgeht Die Zahlen für 1911, welche die Aktiva der Bilanz und die 1 Jeberschüsse derselben darstellen, sind nämlich bedeutend höhere als angegeben wurde, d. h. 220129 Frcs. statt 104 704 Frcs., und 88 391 Frcs. statt 50 904 Frcs. Die Ueberschüsse haben also im letzten Jahre nicht abgenommen, wie infolge des erwähnten Schreibfehlers anzunehmen sein würde, sondern um 37 000 Frcs. zugenommen. Die Ueberschüsse werden natürlich vorläufig noch sämtlich in den Jerusalemer betrieb investiert, der Verein selbst kann, wie übrigens die veröffentlichten Bilanzen zeigen, vorläufig leider noch nicht daran denken, Fonds anzusammeln. Die Details finden sich in den ausführlichen Bilanzen der Jahresberichte, die ja auch Herr Kann als Mitglied des Bezalel "seitdem erhalten haben wird, und es ist einigermaßen verwunderlich, daß er, bevor er seine Zuschrift an die „Welt" sandte, nicht erst die Verwaltung des Bezalel um Sendung ler genaueren Zahlen resp. des Jahresberichts gebeten hat. Herr Kann fragt ferner, wo die Ueberschüsse resp. der laraus entstandene Betriebsfonds steckt. Nach den veröffentlichten Jahresberichten wurden in den Ueliers in Jerusalem ausgegeben eingenommen 1909/10 92 479.68 Frcs. 72 456.18 Frcs. 1910/11 180 096.77 „ 133 424.50 „ 272 576.45 Frcs. 205 880.68 Frcs. Dem Ueberschuß der Ausgaben über die Einnahmen in len zwei überhaupt erst für den eigentlichen Betrieb in Bedacht kommenden Jahren von 66 695.82 Frcs. steht aber ein X'ert der Waren, Materialien und Werkzeuge im Betrage on 104 704.76 Frcs. gegenüber, so daß in den zwei Jahren -in Mehrwert von 38 080 Frcs. geschaffen wurde. Dazu kommt!er Wert des Museums und der Schule in Höhe von 56 000 rancs; wenn man aber Bibliothek, Museum und Mobiliar s nicht werbende Werte außer Betracht lassen will, so bleibt umerhin ein Posten für Immobilien von fast 20 000 Frcs., orunter besonders das Teppichatelier zu verstehen ist. Die Ueberschüsse bestehen also, wenn man von den 36 000 Frcs. für Bibliothek, Museum und Mobiliar absieht, in den ca. 20 000 Frcs. Immobilien (speziell Teppichatelier) und in den ca. 38 000 Frcs. Ueberschüssen der Ateliers, die in Waren und Materialien derselben enthalten sind, also in der Tat eine Art Betriebsfonds darstellen. Herr Kann möchte ferner die Unterlagen haben, um sich herauszuireehnen, wieviel Arbeitslohn jeder Arbeiter erhält. Das wird auf die Weise, wie er will, nicht möglich sein zu erfahren, da bisher die Zahl der Arbeiter im stetigen Wachsen begriffen ist; und ebenso wächst der Lohn, den jeder einzelne erhält, je nach seiner Kunstfertigkeit. Immerhin sind wir ja über die Löhne orientiert und wissen genau, daß Arbeiter, die ausgelernt haben, auch, d. h. nach Jerusalemer Verhältnissen, gut bezahlt werden, wofür übrigens schon der große Andrang um Arbeit bittender Leute spricht. Daß das Unternehmen des Bezalel sicher steht, muß auch heute aufrecht erhalten werden. Wo gibt es eine Fabrikation, bei der alles verkauft wird, Ladenhüter nicht vorkommen, Tausende unentgeltlich für den Verkauf Propaganda machen, und die Beiträge und Spenden die Ausgaben ä fonds perdu bedeutend übersteigen? Die jetzige Schwierigkeit gefährdet nicht das Unternehmen an sich, sondern die Größe des Betriebes; fehlt es an Kredit und Betriebskapital, so kann es dahin kommen, daß man die Löhne nicht länger zu bezahlen vermag, und dann sieht man sich gezwungen, wenigstens zeitweilig einen großen Teil der Arbeiter entlassen zu müssen, und das wäre gerade für Jerusalem eine sehr traurige Sache, weil es dort für die Entlassenen fast unmöglich ist, andere Arbeit zu finden. Die Existenz der Schule und des Vereins wird dadurch natürlich nicht berührt. Dank den vielen zum Betriebsfonds beisteuernden Freuinden des Bezalel scheint die Institution auf dem besten Wege zu sein, die momentanen Schwierigkeiten zu überwinden; auch wurde mit Erfolg versucht, durch Abmachungen mit großen Warenhäusern zu einem schnelleren Umsatz zu gelangen, ferner hat ja im Gegensatz zu der Odessaer Ausstellung diejenige in Lodz einen schnellen und großen Absatz ergeben, und das gleiche erwartet man von Kairo und London, so daß die Gefahr, viele Arbeiter entlassen zu müssen, gegenwärtig nicht mehr so akut ist. Immerhin wird sie so lange bei jeder Absatzstockung drohen, als nicht ein genügend großes Betriebskapital vorhanden ist. Hierzu nach Kräften beizutragen, sollte demnach jeder Freund des Bezalel für seine Pflicht halten. Die letzte 'Generalversammlung des Vereins hat auch die Bildung einer kaufmännisch geleiteten Betriebsgese'.Ischaft beschlossen. Die Verhandlungen bezüglich Gründung derselben schweben, und vor allem ist noch die Hauptfrage, d. h. die eines geeigneten Leiters, zu lösen. Auch herrscht jetzt die Ansicht vor, diese Gesellschaft nicht in Deutschland zu domizilieren, wo der Minimalsatz für den Anteil 500 M. beträgt, sondern in einem Lande, wo Anteile von 100 Frcs. gestattet sind. Auf diese Weise würde der Verein die Möglichkeit haben, sämtlichen Kontribuenten des Betriebsfonds später Gesellschaftsanteile zu überlassen, und zahlreiche nicht so wohlhabende Freunde des Vereins würden dann Anteile zeichnen können. Diese Zukunftsfragen sollten uns aber nicht abhalten, schon jetzt mit möglichster Energie weiter für den Betriebsfonds zu werben, damit der Bezalel aus dem unhaltbaren Zustande herauskommt, dauernd von der Hand zum Mund leben zu müssen und bei jeder Ausstellung, bei jeder Ansammlung eines Lagers und bei jeder größeren Bestellung auf Vorschüsse angewiesen zu sein. Der Bezalel muß vielmehr dazu gelangen, in jedem Lande, wo nicht, wie zu erstreben, eine Vertriebsgesellschaft seine Stelle einnimmt, selbst dauernd ein größeres Lager halten zu können. Eine Fabrik, die sich ihren Betriebsfonds kümmerlich aus Vereinsüberschüssen ansammeln muß, kann sich naturgemäß nur langsam entwickeln, der Bezalel hat aber den Ehrgeiz, nicht wie jetzt 450, sondern Tausenden von Leuten Arbeit zu geben. An Absatz fehlt es nicht, sondern nur an Betriebskapital, und das ist vorhanden, sobald jeder Freund der Sache wirklich — nicht nur in der Theorie — sein Scherflein dazu beiträgt. O. Warburg.

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