Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 10 (8.3.1912)
- Date
- 1912-03-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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296 DIESqKELT Nr. 10 Landerwerbs- und Kolonisationsgruppen Referat von B. Goldberg erstattet am 2. Sitzungstage. Referent spricht einleitend von der überragenden Bedeutung der Landwirtschaft für die Schaffung und Entwicklung eines normalen jüdischen Wirtschaftssystems in Palästina. Die wichtigste Frage der Palästinaarbeit sei die Frage der Schaffung eines gesunden Bauernstandes im Lande. Als wichtigste Vorarbeit nach dieser Richtung bezeichnet der Referent die Schaffung des Palästinaamtes. Erst durch das Palästinaamt sei die Möglichkeit geschaffen worden, sämtliche Bestrebungen und Maßnahmen, die auf eine Bereicherung des jüdischen Bodenbesitzes im Lande ausgehen, zu konzentrieren und in ein System zu bringen. Seit dem Bestehen des Palästinaamtes wurde auch die Schaffung von sog. nationalen Farmen ermöglicht, wo sämtliche Arbeiten ohne Ausnahme ausschließlich von Juden geleistet werden. Durch diese Farmen wurde auch eine systematische praktische Ausbildung von Landarbeitern möglich, so daß zurzeit nacheinander verschiedene jüdische Landarbeitergenossenschaften gebildet werden, die bei gemeinsamer Garantie die Bestellung von Nationalfonds- oder privaten Gütern übernehmen. Das Beispiel dieser Farmen und Genossenschaften blieb nicht ohne Einfluß auf die bestehenden Kolonien. Nach und nach lernen die Kolonisten den großen nationalen und kulturellen, ja sogar wirtschaftlichen Wert der jüdischen Lohnarbeiter kennen und schätzen. Die Gründung der jüdischen Wächterorganisation „Haschomer", die jetzt schon von großer Bedeutung für den jüdischen Jischub ist, ist gleichfalls diesen Einflüssen zu verdanken. Dem Palästinaamte ist aber auch das Entstehen von zwei Parzellierungsgesellschaften, für städtische und für ländliche Terrains, zu verdanken, die berufen erscheinen, unsere Kolonisationsarbeit in Palästina um ein beträchtliches vorwärtszubringen. Zurzeit gibt es vier Gesellschaften, die sich diese Autgaben gestellt haben. Es sind dies die Geulah, die Pale s t i n e Land Development Company, Agudath N e t a i m und die Immobiliengesellschaft „Palästina". Referent bespricht ausführlich die Aufgaben, Entwicklung und Leistungen dieser Institutionen. Die elementarste Voraussetzung einer großzügigen Kolonisationsarbeit ist ein Institut für Bodenkredit. Die bestehenden Institutionen leiden daran, daß ihre Mittel viel zu beschränkt sind. Aus Mangel an Mitteln sind sie gezwungen, den in Betracht kommenden Personen und Gruppen, die Land in Palästina erwerben möchten, um sich dort als Landwirte niederzulassen, ungemein schwierige Bedingungen zu stellen. Zurzeit kann niemand Kolonist werden, der nicht über die verhältnismäßig hohe Summe von 12 00Q—15 000 Francs bar verfügt. Dazu kommt, daß unsere Parzellierungsgesellschaften überhaupt sehr kleine Umsätze machen und in der Regel nur geringfügige Vorräte an Boden zur Veräußerung aufzuweisen haben. Referent geht dann zu der mangelhaften organisatorischen Vorbereitung der in Betracht kommenden Volkskreise über. Er spricht von den verschiedenen Versuchen zur Bildung von Kolonisationsgruppen, die im Laufe der dreißigjährigen Palästinabewegung gemacht wurden, die zum größten Teil infolge unzweckmäßiger Organisation und unzureichender Mittel mißlungen sind. So ist denn der bekannte Versuch der „Agudath E1 e f", der seinerzeit großes Aufsehen erregte und viele hunderte Personen vereinigte, gescheitert, während die fast zu gleicher Zeit mit weniger Aufsehen, aber mit solideren Mitteln und rationelleren Methoden gebildete Warschauer Gruppe „M enuchah wenachalah" zur Gründung von Rechoboth führte, das zu unseren besten Positionen in Palästina gehört. In den letzten Jahren, namentlich seit der Neugestaltung der türkischen Staatsverhältnisse, machen sich wiederum derartige Bestrebungen bemerkbar. Diese Bestrebungen sind nicht ohne praktischen Erfolg geblieben. Die bisherigen Versuche haben zur Evidenz bewiesen, daß die Anteilquote bei der Bildung von Kolonisationsgruppen so bemessen sein muß, daß sie den Besitz einer ganzen in sich geschlossenen Wirtschaft gewährleisten könnte. Bei der Werbung von Mitgliedern muß streng darauf gesehen werden, daß diese auch den übernommenen Verpflichtungen nachkommen können. Referent behandelt sodann ausführlich die Frage der in sich* geschlossenen Wirtschaft und des geeigneten Wirtschaftssystems. Erst wenn die Privatinitiative gewonnen sein wird, wird die Palästinasache von einem bloß kulturellen und ^nationalen zu einem ebenso wichtigen wirtschaftlichen Faktor im jüdischen Leben werden. Die Beschlüsse der Generalversammlung (Fortsetzung aus der vorigen Nr.) IV. Resolution bezüglich des Informations"^ wesens. 1. Die Generalversammlung erkennt die große Wichtigkeit der Informationsarbeit an, die vornehmlich in der Erleichterung der Ueberfahrt nach Palästina, in der Erteilung von Auskünften über die allgemeinen Lebens- und Ansiedlungsverhältnisse im Lande, ferner in der Vermittlung von Arbeit an die Neuankömmlinge besteht, und empfiehlt demgemäß dem Komitee, seine Arbeit nach dieser Richtung weiter auszugestalten. 2. Die wichtigste Aufgabe des palästinensischen Informationsdienstes erblickt jedoch die G.-V. in der systematischen Erforschung des Landes und all seiner wirtschaftlichen Möglichkeiten. Die Generalversammlung empfiehlt daher dem Komitee, sich mit den verwandten Organisationen für Palästinaarbeit *) in Verbindung zu setzen zwecks gemeinsamer Ausgestaltung des Informationsdienstes. 3. Die Generalversammlung macht das Komitee auf folgende unaufschiebbare Aufgaben des Informationsdienstes aufmerksam: a) organisierte Mitarbeit von sachkundigen Personen an Ort und Stelle, ferner der Vorstände der Kolonien, geeigneter Korrespondenten in den anderen Städten und von Vertretern der Arbeiterschaft, b) Vorarbeiten zur Sammlung und Sichtung von statistischem Material über die jüdische Bevölkerung Palästinas, c) periodische Veröffentlichung des gesammelten und verarbeiteten Materials. 4. Die G.-V. empfiehlt dem Komitee, mit den Emigrationsbureaus anderer Organisationen in nähere Beziehungen zu treten und ihnen sein informatives Material zur Verfügung zu stellen. Die Generalversammlung faßte ferner noch folgende Resolution : In Anerkennung der Wichtigkeit ritueller Küchen aut den Dampfern, die zwischen Odessa und den syrisch-palästinensischen Häfen verkehren, spricht die G.-V. den Wunsch aus, daß das Komitee nach dieser Richtung weiterhin tätig sei. V. Zur Kulturarbeit. 1. Das Komitee möge die Gründung des Seminars für Kindergärtnerinnen und Volksschul- Iehrerinnen auf den Namen Lewin skys beschleunigen. 2. Das Komitee soll in seiner Schultätigkeit mehr Gewicht auf die Verbreitung von Fachkenntnissen, namentlich aut dem Gebiete der Landwirtschaft, legen. Darum soll es die Einrichtung praktischer Kurse für Gemüse- und Gartenbau für und Frauen in jeder Weise fördern, soll das Jerusalemer Gymnasium unterin den Städten in den Städten populär-wissenerwachsene Männer 3. Das Komitee stützen. 4. Das Komitee soll die „Volkshäuser" und größeren Kolonien fördern. 5. Das Komitee möge dafür sorgen, daß und größeren Kolonien Palästinas geeignete schaftliche Vorträge abgehalten werden. 6. Die G.-V. empfiehlt dem Komitee, statistische Daten über Zahl, Alter und Geschlecht der Schüler sämtlicher vom Komitee subventionierten Schulanstalten zu veröffentlichen. 7. Das Komitee möge einen genauen Plan des palästinensischen Schulwesens ausarbeiten, wobei sämtliche bestehenden Schulen genau zu bezeichnen wären. 8. Die G.-V. schlägt dem Komitee vor, auch Talmud- Thora's zu unterstützen, in welchen die hebräische Sprache vorherrscht/ *) Gemeint i#t die zionistische Organisation.