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Die Welt · 1912-03-08 · 10 (8.3.1912) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
10 (8.3.1912)
Date
1912-03-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Funktionen einer Auskunftsstelle für Arbeitsuchende, richtiger einer Vermittlungsstelle zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern erfüllt. Besondere Verdienste hat sich nach dieser Richtung das Jerusalemer Bureau erworben. Der Referent führt eine Reihe von Ziffern über die Tätigkeit des Jerusalemer Bureaus auf dem Gebiete der Arbeitsvermittlung an, und gelangt zu dem Ergebnis, daß das Komitee, hinsichtlich der unmittelbaren Hilfeleistung an die Emigranten, weit über den Rahmen eines gewöhnlichen Emigrationsbureaus hinausgeht. Allein diese Aufgabe ist in den Augen des Referenten lange nicht die einzige, nicht einmal die wichtigste. Wir haben es nicht nur mit einem gewissen Teil der allgemeinen Auswanderung zu tum, sondern wir haben daneben und darüber hinaus noch ein spezielles Interesse an der Einwanderung nach einem bestimmten Lande. Es kommt uns darauf an, unsere Position in Palästina zu stärken. Darum müssen wir richtunggebend wirken und einen Teil des großen Emigrationsstromes nach Palästina abzulenken suchen. Gewiß vermeiden wir eine künstliche Steigerung der Auswanderung. Wir sollen aber eine vernünftige Einwanderung nach Palästina fördern. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten für jüdische Auswanderer in Palästina sind jedenfalls weit größer, als sie tatsächlich ausgenutzt werden. Namentlich ist hier für bemittelte Personen jetzt schon ein verhältnismäßig großes Arbeitsfeld. Nun haben wir aber gerade bei der Palästina-Auswanderung mit bemittelten Personen zu rechnen. Der durchschnittliche Vermögenszensus des Palästina-Auswanderers stellt sich bedeutend höher, als derjenige anderer Auswanderer. Der Referent belegte dies durch Zahlen und gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß die nationalen Motive, die bei der Auswanderung relativ bemittelter Personen mitspielen, in weit größerem Umfange fruchtbar gemacht werden könnten. Aber auch für unbemittelte Personen gäbe es noch manche Erwerbsaussichten im Lande. Der wirklich tüchtige Handwerker, der ausdauernde und anspruchslose Arbeiter wird immer sein Brot im Lande finden. Daraus resultieren für unseren Informationsdienst viel größere und weitere Aufgaben, als diejenigen eines gewöhnlichen Emigrationsbureaus. Wir müssen ganz genau über die verschiedenen Arbeitsmöglichkeiten in Landwirtschaft, Handel und Industrie Bescheid wissen und über die Schwankungen in Angebot und Nachfrage in jedem einzelnen Arbeitszweig auf dem Laufenden sein; ja, wir müssen geradezu systematische Forschungen über alle Fragen des Wirtschaftslebens in Palästina und in den Nachbarländern und über die damit verbundenen politischen und rechtlichen Fragen anstellen. Die Förderung einer gesunden Emigration stellt uns indes noch vor eine andere wichtige Aufgabe. Wir müssen nämlich nicht nur das Land, sondern auch unser Menschenmaterial näher kennen lernen. Der innere Zusammenhang zwischen Emigration und Kolonisation, die Abhängigkeit einer vernünftigen Kolonisationspolitik von einer zweckmäßigen Emigratianspolitik ist so klar, daß man kein Wort darüber zu verlieren braucht. Die Losung eines nach modernen volkswirtschaftlichen Prinzipien organisierten Informationsdienstes über Palästina müßte sein: den Emigranten ins Land zu bringen und dem Lande den Emigranten zu geben. Für diese beiden Aufgaben, nämlich, für die Erforschung des Landes und seiner wirtschaftlichen Möglichkeiten und für die nähere Fühlungnahme mit unserem Emigrantenmaterial, ist bis jetzt sehr wenig geschehen. Das gesamte Informationswesen lag im Laufe der letzten drei Jahre ausschließlich in unseren Händen, und schotn aus diesem Grunde war an eine wesentliche Erweiterung dieses wichtigen Arbeitszweiges nicht zu denken. Hierin soll nun Wandel geschaffen werden. Die Generalversammlung sollte nach Ansicht des Referenten dem Komitee den Auftrag erteilen, daß es sich mit der „befreundeten Organisation für Palästina-Arbeit", wie er sich vorsichtig ausdrückte, in Verbindung setze, behufs gemeinsamer Arbeit auf dem Gebiete des Informationswesens. Unter gemeinsamer Mitwirkung der Vertreter des Komitees und der Zionistischen Organisation soll nun einerseits die bisherige unmittelbare Hilfeleistung fortgesetzt werden, andererseits soll aber auch der gesamte Informationsdienst in der Weise organisiert werden, daß die systematische Sammlung und Sichtung des Materials über die wirtschaftlichen Möglichkeiten im Lande und über die damit verbundenen politischen, rechtlichen und kulturellen Fragen in höherem Maße als bisher durchgeführt wird. Neben diesem Auftrag an das Komitee könnte die Generalversammlung' noch ganz konkrete Vorschläge für die eigentliche Arbeit machen. Drei Aufgaben sind es, die zurzeit dringend der Erledigung harren. Ein reorganisierter Informationsdienst hätte in erster Reihe für einen regelmäßigen Verkehr der Zentrale mit den Kolonien und Städten zu sorgen. Durch zuverlässige und sachkundige Personen soll die zentrale Informationsstelle regelmäßig mit Nachrichten über Erwerbsgelegenheiten, Arbeitsbedarf, Löhne, allgemeine Bedingungen der Lohnarbeit usw., versehen werden. In den Kolonien speziell könnten die Vorstände (Waadim) zu regelmäßiger Mitarbeit veranlaßt werden. Dies würde zurzeit einem autoritativen Zentrum für Informationswesen um so leichter gelingen, als jetzt in den Kolonien selbst das Prinzip der organisierten gesellschaftlichen Selbsthilfe und das Verständnis für allgemeine Aufgaben des jüdischen Jischub sich immer mehr Bahn bricht. Konkret würde sich die Mitarbeit der Kolonie vorstände im folgenden äußern: sie hätten zunächst dem Jaffaer Bureau in jedem einzelnen Falle über Erwerbsgelegenheit und Arbeitshedarf Mitteilung zu machen. Daneben hätten sie periodisch über alles Wissenswerte aus dem inneren Leben der Kolonie Bericht zu erstatten. Insofern sich diese Verhältnisse in allgemeine Formeln fassen lassen, würde das Jaffaer Bureau einen detaillierten Fragebogen auszuarbeiten haben, den die Waadim periodisch auszufüllen hätten. Mit Hilfe der Waadim wird das Bureau auch spezielle Enqueten und statistische Erhebungen über bestimmte Fragen unter den Kolonisten veranstalten können. (Als Beispiel sei die Veranstaltung einer genauen Schulstatistik genannt.) Damit haben wir bereits eine andere wichtige Aufgabe berührt. Wir haben heutzutage sehr wenig statistisches Material über die jüdische Bevölkerung in den Städten und Kolonien Palästinas. Hier könnte unser Informationsdienst etwas leisten. Die bisherigen Versuche scheiterten aus Mangel an Mitarbeitern und Hilfsmitteln. Ganz anders könnten derartige Bestrebungen organisiert werden, wenn ^einerseits an der Leitung des Informationsdienstes auch die Zionistische Organisation teilnehmen würde und wenn es andererseits einem autoritativen Zentrum für Informationswesen gelänge, die Waadim der Kolonien und zuverlässige Personen in den Städten zu regulärer Mitarbeit heranzuziehen. Die laufenden Arbeiten müßten nicht gerade von speziellen Beamten und Fachmännern besorgt werden. Auch in Rußland ist es bei der von den Zemstwos veranstalteten Statistik des Bauernstandes in der Regel der Dorfschullehrer und -geistliche, der diese Arbeiten besorgt. Alles Material, das beim Zentralbureau in Jaffa einläuft, wäre dann systematisch zu verarbeiten. Periodisch wären die verschiedenen Nachrichten in speziellen Bulletins zusammenzufassen und den interessierten Zentren in der Diaspora, aber auch der Presse zugänglich zu machen. Auf diese Weise würden wir nicht nur eine genauere Kenntnis des Landes und des jüdischen Jischub erzielen, sondern durch größere Vertrautheit mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten auf das Auswandererelement Einfluß nehmen und die Privatinitiative tatkräftig anregen können. — Auch hier in Rußland haben wir wichtige Aufgaben in bezug auf das Informationswesen. Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß im Laufe des letzten Jahres sich bloß an 17 Bureaus der Jca — es gibt ihrer in Rußland nahezu 400 — ca. 1000 Emigranten mit Anfragen über die Lebens- und Ansiedelungsverhältnisse in Palästina wandten. Und es unterliegt keinem Zweifel, daß manchem geeigneten Emigranten die Richtung nach Palästina gewiesen werden könnte, wenn wir eben in jenen Bureaus Leute hätten, die selbst über die wirtschaftlichen Möglichkeiten in Palästina informiert sind und die Emigranten über dieselben aufklären könnten. Hieraus ergibt sich für uns die Aufgabe: Wir müssen in diesen Bureaus unsere Leute haben, die über die Verhältnisse und die Erwerbsaussichten in Palästina Bescheid wissen. Wenn unsere Bureaus in Palästina die Ergebnisse ihrer Arbeit in periodischen Berichten und Bulletins verarbeiten, so werden sich schon dadurch nähere Beziehungen zu den Bureaus der Jca anbahnen lassen, indem denselben regelmäßig das bezügliche Material zugestellt wird. Das Zusammenarbeiten mit diesen Bureaus in der skizzierten Weise hätte also für uns die Bedeutung, daß wir dadurch mit unseren Auswanderermassen in nähere Fühlung kämen und die Möglichkeit erhielten, gewisse Elemente darunter zu beeinflussen. Diese Arbeit hätte aber zugleich für uns eine andere prinzipielle Bedeutung. Sie würde für uns den ersten

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