Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 9 (1.3.1912)
- Date
- 1912-03-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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274 DIE33KLT: Nr. 9 Vorlesungen über jüdische Emigration und Kolonisation Herr Davis Trietsch spricht in einem vom zionistischen Verein West-Berlin veranstalteten Vorlesungszyklus über jüdische Emigration und Kolonisation. Die Vorlesungen, die 4 Abende umfassen, finden statt an den Dienstagen (5., 12., 19., 26.) des Monats März in der Aula der Charlottenburger Gemeindeschule (Bleibtreustr. 43), abends S Uhr. Herr Trietsch wird folgende Themen behandeln: 1. Abend: Allgemeines über jüdische Emigration. Die Auswanderung seit 1SS1 nach Umfang und Richtungen. — 2. Abend: Der Orient. Die wirtschaftlichen und Verkehrsverhältnisse der Einzelgebiete. Die bisherige jüdische landwirtschaftliche und städtische Kolonisation. 3. Abend: Weitere Möglichkeiten des Orients für die jüdische Einwanderung. Ausdehnung des Landwirtschaftswerkes. Städtische Siedlung. Industrielle Kolonisation. Gartenstadt. 4. Abend: Die Organisation der jüdischen Einwanderung. Jüdische Kolonisations-Politik. Ein zionistisches Emigrationsamt. Karten für 4 Vorlesungen zu 2 M. sind in der Buchhandlung von Louis Lamm, Neue Friedrichstr. 61, in der Buchhandlung G o n z a r , Oranienburger Str. 26, Drogerie L e v i t, Rankestr. lb, bei A. Wertheim und an der Abendkasse erhältlich. Jüdische Landeskonferenz in; Budapest Auf Anregung des Präsidenten der jüdischen Kultusgemeinde in S z a b a d k a , Dr. Adolf Klein, fand am 20. d. M. in Budapest eine Landeskonferenz der jüdischen Kultusgemeinden statt, an der über 600 Delegierte der Kultusgemeinden des Landes teilnahmen. Die Konferenz hatte den Zweck, die Frage zu erörtern, auf welche Weise eine einheitliche Autonomie der in drei Lager gespaltenen jüdischen Kultusgemeinden (orthodoxe, neologe und Statusquo- Gemeinden) erzielt werden könnte. Es wurde eine Resolution angenommen, derzufolge noch im Laufe dieses Jahres ein Landeskongreß der jüdischen Gemeinden aller Richtungen einberufen werden soll, der die Aufgabe haben wird, den Frieden zwischen den verschiedenen jüdischen Parteien im ungarischen Judentum wiederherzustellen, damit der jüdischen Glaubensgemeinschaft die ihr im Sinne der Gesetze gebührende Autonomie auf einheitlicher Basis gesichert werden könne. — Die Einheitsbestrebungen, deren Wortführerin die Landeskonferenz war, werden übrigens von der Landesvertretung der orthodoxen Kultusgemeinden (orth. Landeskanzlei) entschieden bekämpft. Diese strebt eine separate Autonomie der orthodoxen Gemeinden an und will von einer organisatorischen Gemeinschaft irgendwelcher Art mit den fortschrittlich (liberal) gesinnten Gemeinden nichts wissen. Bisher hat es die ungarische Regierung vermieden, in dieser Streitfrage Stellung zu nehmen. Von ihr allein hängt es aber ab, ob die ungarische Judenheit nach dem Muster der christlichen Konfessionen eine autonome Verfassung überhaupt — auf einheitlicher oder dualistischer Grundlage — erhalten wird. Große Neigung, den Juden dieses Zugeständnis zu machen, scheint bei der Regierung nicht vorhanden zu sein, vielmehr bietet ihr die Haltung der orthodoxen Landesvertretung offenbar den erwünschten Vorvvand, den Juden das ihnen gesetzlich zustehende Recht zu versagen. Eine neue hebräische Zeitung in Tunis Die nationaljüdischen Bestrebungen haben neuerdings auch bei der arabisch sprechenden jüdischen Bevölkerung von Nordafrika lebhaften Anklang gefunden. Besonders unter den Juden in Tunesien gibt sich reges Interesse für die hebräische und jungjüdische Renaissancebewegung in allen ihren Formen kund. In den letzten Jahren sind in der Hauptstadt Tunis und in einigen Provinzstädten, wie B e j a u. a., zionistische Vereine entstanden, deren Mitglieder auch die moderne hebräische Sprache und Literatur eifrig pflegen. Seit kurzem erscheint nun in Tunis auch eine hebräische Monatsschrift, unter dem Namen „Hapardes", die von Herrn Simah Levy herausgegeben wird. Die erste Nummer enthält interessante Mitteilungen über das jüdische Vereinsleben in Tunis. Todesfall. Aus Odessa geht uns die Trauerkunde zu, daß dort der Vater unseres geschätzten Gesinnungsgenossen M. M. Ussischkin verschieden ist. Wir sprechen Herrn Ussischkin und seinen Angehörigen unser herzliches Beileid aus. SPRECHSAAL v^ä^ Wir erhalten folgende Zuschrift: Pozsony, 24. Februar 1912. Löbliche Redaktion! Ich gestatte mir, um die kollegiale Gefälligkeit der Aufnahme folgender Zeilen zu bitten: In der letzten Nummer des „Israelit14 finde ich zu meiner Bestürzung eine sehr schlimm entstellte Darstellung über einen gegen meine „Ung. Jüd. Zeit." seitens der orth. Gemeinde in Pozsony angestrengten Preßprozeß. Die tendenziöse Schilderung des Vorganges mag vielleicht das Recht dieses Blattes sein, ich muß aber entrüstet dagegen protestieren, daß selbst über das Urteil in unwahrer Weise berichtet wird und mit der Ehre eines Mannes, der jedenfalls seit Jahrzehnten dem Judentume nach bestem Gewissen dient, in solch frivoler Weise gespielt wird. Es ist unwahr, daß ich zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Das Urteil lautet auf 200 Kronen Strafe und enthält den üblichen Nachsatz, daß im Nichteinbringungsfalle die entsprechende Freiheitsstrafe in Kraft tritt. Die Verurteilung selbst erfolgte wegen eines formalen Fehlers, während die Wahrheit der gegen die Gemeinde erhobenen Beschuldigungen im Urteile anerkannt wird. In einem anderen Teile des Blattes wird mir eine auf dem Bankette des Dr. Klein gehaltene Rede in den Mund gelegt. Ich habe an diesem Abend überhaupt nicht gesprochen und diese , Rede" basiert bloß auf einer dem Korrespondenten des „Israelit" hingeworfenen privaten Bemerkung, welche in arger Weise verdreht ist. Ich werde andren Ortes auf diese empörende Kampagne näher zurückkommen. Mit bestem Danke für die freundliche Aufnahme dieser Zeilen, zeichne ich FI o ch a cht ung sv o 11 Samuel Bettelheim Redakteur der „U. J. Z." Um den noch vorhandenen geringen Restbestand der für die Verbreitung einer genauen Kenntnis £ Palästinas hervorragend geeigneten j Sammelschrift „Palästina" j abzusetzen, haben wir uns entschlossen, den Preis des S 7 ' Heftes bedeutend zu reduzieren. Bestellungen sind £ möglichst sofort autzugeben, da die Bestände sehr £ bald vergriffen sein dürften. Der Preis für einzelne £ Exemplare beträgt für Deutschland u. Oesterreich-Ungarn £ 50 Pfennige 60 Heller, £ für alle übrigen Länder 60 Pfennig. Für zionistische £ Vereine, Vertrauensmänner und Kolporteure £ in Deutschland und Österreich-Ungarn 10 Exemplare mit JC. 4.— 25 „ „ 9.—- 50 „ „ „ 16.- 100 „ „ „ 30.- in allen übrigen Ländern JU 5.— „ 10.50 „ 18.- „ 34.- Verlag „DIE WELT" Berlin W15 Sächsische Strasse 8