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Die Welt · 1912-03-01 · 9 (1.3.1912) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
9 (1.3.1912)
Date
1912-03-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 9 die Untergaliläa besuchen wollen, wird die Farm Treidel, die in wundervoller Landschaft liegt, eine gute Unterkunft und einen bequemen Ausgangspunkt für den Besuch der galiläischen Kolonien bieten. jfSßf II o o o ^52- PALASTINA Tö^a o o oj| s%& Bosnische Sephardim in Palästina Am 9. Februar traf in Jaffa eine Gruppe von dreißig sephardischen Juden aus Sarajewo ein. (Vergl. die Notiz „Eine Ansiedlung bosnischer Sephardim in Palästina*4 in der vorigen Nummer.) Die Teilnehmer der Reisegesellschaft sind gutsituierte Kaufleute mit einem Chacham an der Spitze. Gleich nachdem sie in Jaffa eingetroffen waren, besuchten sie den Chachambaschi Usiel, bei dem sich zu ihrer Begrüßung einige Mitglieder der Gemeinde versammelt hatten. Der Chachambaschi hieß die Gäste mit herzlichen Worten willkommen und legte ihnen ans Herz, in Erez-Israel nicht nur die Denknicäler unserer ruhmreichen Vergangenheit zu besichtigen, sondern auch den neuen Schöpfungen unseres Volkes im Lande der Väter ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die Mitglieder der Reisegesellschaft begaben sich sodann in die Mädchenschule der russischen Chowewe-Zion (Beth-Sefer Lebanoth) und folgten mit Interesse dem in hebräischer Sprache erteilten Unterricht. Nach einer eingehenden Besichtigung des jüdischen Stadtviertels T e 1 - A w i w reisten sie nach Jerusalem. Von dort aus werden sie eine Rundreise durch die jüdischen Kolonien unternehmen. Es wäre zu wünschen, .daß das Beispiel der bosnischen Sephardim auch unsere spaniolischen Brüder in den anderen Ländern, insbesondere in der europäischen Türkei, zur Nachahmung aneifern möchte. Bisher haben sephardische Juden nur in Aegypten ähnliche Gesellschaftsfahrten nach Palästina veranstaltet. Ankunft jemenitischer Juden in Palästina An demselben Tage, an dem die bosnischen Sephardim in Jaffa landeten, trat dort auch eine größere Anzahl jemenitischer Juden ein. Sie haben die Absicht, sich in den jüdischen Kolonien, insbesondere in P e t h a c h - T i k w a h , als Landarbeiter niederzulassen. Die Jemeniten werden von den Kolonisten sehr gern als Arbeiter verwendet, weil sie anspruchslos, arbeitsam und ehrlich sind. Insbesondere werden sie auch ihrer großen Frömmigkeit wegen von den Kolonisten orthodoxer Richtung gern gesehen und vielfach den aus Rußland stammenden aschkenasischen Arbeitern vorgezogen. Die Jemeniten, bei denen auch die Frauen und Kinder arbeiten, sparen im Laufe der Zeit von ihrem Arbeitslohn einiges Geld, das sie zum Ankaut kleiner Parzellen und zur Errichtung eines Häuschens verwenden. Es wäre für Palästinafreunde eine überaus dankenswerte Aufgabe, diesen strebsamen, sympathischen Ansiedlern durch kleine Darlehen den Bau eines Häuschens und den Erwerb eines Stückchen Landes zu ermöglichen. In letzter Zeit sollen die Juden in Jemen, da die kleineren Stammesfürsten (Imame) wieder an Macht gewonnen haben, in manchen Teilen des Landes schweren Verfolgungen ausgesetzt sein. Die neu eingetroffenen Jemeniten erzählen, daß sehr viele ihrer unglücklichen Brüder den Wunsch gehabt hätten, sich ihnen anzuschließen, um sich durch Uebersiedlung nach Palästina vor den Verfolgern zu retten, daß sie aber leider keine Mittel für die Reise gehabt hätten. Die Neuankömmlinge selbst haben ihre geringe Habe verkauft, um die Reise unternehmen zu können. Von der Kunstgewerbeschule Bezaiel in Jerusalem Dieser Tage besuchte Rabbiner Lev y aus San Franc i s c o, der Großmeister des Ordens B n a i - B r i t h in Amerika, die Bezalelschule, und äußerte sich in begeisterter Weise über den Eindruck, den die Leistungen der Anstalt auf ihn gemacht haben. Er versprach der Leitung der Schule, seinen ganzen Einfluß als Ordensgro-ßmeister aufbieten zu wollen, um sämtliche Bnai-Brith-Logen in Amerika zum Anschluß_ an den Verein „Bezaiel" zu veranlassen. Mitte Februar wurde in Kairo eine Bezalel-Aus- Stellung eröffnet, die sehr erfolgreich zu werden verspricht. Zur Demission des türkischen Großrabbiners Aus Konstantinopel geht uns folgende Darstellung der gegenwärtigen Sachlage zu: Noch immer ist die Angelegenheit der Demission des Großrabbiners in Händen der Regierung. Man weiß zwar, daß diese schon im Ministerrate vom 18. Februar einen Beschluß gefaßt hat, doch ist dieser Beschluß sonderbarerweise bisher weder Rabbi N a h u m , noch dem Konsistorium mitgeteilt worden. Ich bin aber in der Lage, folgendes als Resultat des Ministerrates angeben zu können. Das über den Beschluß gefaßte Protokoll besagt folgendes: Rabbi Nahum hat das Konsistorium (den Medschliß Dschismani) ungesetzlicher Handlungen beschuldigt. Nach den von ihm hierzu gelieferten Angaben sieht sich jedoch die Regierung nicht in der Lage, ihr Urteil darüber abzugeben. Auf der anderen Seite ersucht der Medschliß Dschismani, zur Wahl eines Kaimakams schreiten zu dürfen. Angesichts dessen hält es die Regierung für das Zweckmäßigste, daß der Medschliß Umumi (der Große Rat) zusammenberufen werde, um über die Lage zu befinden. — Ueber das Demissionsgesuch Nahums sagt das Regierungsprotokoll überhaupt nichts. Alle abweichenden Nachrichten, denen zufolge die Demission Nahum offiziell abgelehnt worden sei, sind demnach hinfällig. Mit diesem Bescheide der Regierung wäre die Frage soweit geklärt, daß nunmehr feststeht, daß ihre Lösung nicht von den höchsten Staatssphären, sondern von einer rein jüdischen Instanz abhängen wird, nämlich vom Medschliß Umumi. Es ist wahrscheinlich, daß dieser für kommenden Sonntag, den 3. März, einberufen werden wird. Wie seine Entscheidung ausfallen wird, das steht dahin. Es muß hier daran erinnert werden, daß Rabbi Nahum, bevor er den Umumi einberuft, noch einige vorgeschriebene Formalitäten zu erledigen hat. Er muß erst einmal mit dem Dschismani gemeinsam die strittige Aschkenasimfrage diskutieren, er muß ihm außerdem zweimal schriftlich die etwaigen üesetzesüberschreitungen vorhalten, dann erst kann er, wenn das Konsistorium beharrt, zur Einberufung schreiten. Man ist gespannt darauf, ob Nahum diese Bedingungen erfüllen wird oder nicht; bisher hatte er sich dessen bekanntlich geweigert. Eine letzte Frage bleibt dann noch, nach erfolgter Entscheidung durch den Umumi, zu beantworten. Erhält, was nicht zu erwarten, das Konsistorium ein Mißtrauensvotum, so wird es demissionieren und einem anderen Platz machen, das ist klar. Erhält es aber das Vertrauen votiert, worin impücite eine Verurteilung von Nahums Vorgehen läge: wird dieser dann auf seinem Platze bleiben oder wird er gehen? Nach den bisherigen Erfahrungen wirjd man nicht mit Bestimmtheit darauf antworten können. Das Jubiläum der „Hazefirah" Die Warschauer jüdisch-literarischen Kreise treffen umfassende Vorbereitungen zur Feier des 50 j ä h r i g>e n J u b i - I ä u m s der h e b r ä i s c h e n T a g c s z e i t u n g „H a z e - firali", das am 15. Adar (4. März) d. J. festlich begangen werden soll. Die „Hazefirah'4 wurde im Jahre 5622 (1862) von dem bekannten jüdischen Schriftsteller und Mathematiker Ch. S. S I o n i m s k y , zunächst als Wochenblatt, gegründet. In der Geschichte der modernen hebräischen Publizistik nimmt das gegenwärtig von Nahum S o k o 1 o w und David Frischm a n n geleitete Blatt eine hervorragende Stelle ein. Aus Aidaf) der Jubelfeier sollen dem Chefredakteur Sokolow, der seit Jahrzehnten an der Spitze der Zeitung steht und sie zum führenden Organ der hebräischen Tagespresse erhoben hat, mannigfache Ehrungen erwiesen werden. Unter anderem haben die Verehrer Sokolows in Aussicht genommen, auf seinen Namen eine gemeinnützige Stiftung in Palästina ins Leben zu rufen.

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