Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 9 (1.3.1912)
- Date
- 1912-03-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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266 - D1E%|KELT Nr. 9 Eine der Quellen für Boehmers Darstellung dürfte das ist die lateinische Kirche im Orient, ihre Tradition, ihre Besitz- Kapitel Kämpfende Mächte'" in den „Palästinensirechte, und von da führen keinerlei Fäden hin zu der jüdischen sehen Kulturbilder n" meiner Institutsgenossen Ek- Immigration. Ob nicht diese Erscheinung ihren tieferen Qrund kardt, Zickcrmann, Fenn er (Leipzig 1907) gewesen in der geistigen Physiognomie der beiden Mächte hat, des sein. Es geht auf das Verhältnis von Araber- und Judentum Protestantismus und des Romanismuis? im obigen Sinne näher ein, fällt freilich im übrigen über die Zum Schluß nenne ich zwei Erzeugnisse der christlichen ländliche Kolonisation das Urteil: ,,Ls ist wahrscheinlich, daß Novellistik von Frauenhand: „Israels Tochter", eine Erdie Kolonisten sich immer besser einrichten, wenn anfangs auch Zählung aus dem jüdischen Volksleben von H il j a Kr oh n (aus viele dem Landbau keinen Geschmack abgewinnen konnten. Man dem Finnischen, Wandsbek 1910) und „Die großen Sehnkann aus den Zusammenbruch von jüdischen Ackerbaukolosucht", jüdische Novellen von Luise Algenstaedt nien in anderen Ländern noch nicht folgern, daß er auch in (Leipzig 1910). Einer Charakterisierung enthalte ich mich aus Palästina erfolgen werde. Hier kommt zum nationalen und verschiedenen Gründen, vor allem deshalb, um manchen Leser wirtschaftlichen das religiöse Moment; der Kolonist hängt am zu eigener Kenntnisnahme zu veranlassen. Die Urteile, die mir Boden, weil ihm dieser heilig ist, und läßt sich hier nicht so über diese Bücher zu Ohren gekommen sind, lauten sehr verleicht durch anfängliche Mißerfolge zur Aufgabe der Ansiedlung schiedenartig; aber das wird jeder vorurteilsfreie Leser anerbewegen." Das Gesamturteil lautet: ,,Sollte es dem Zionismus kennen, daß hier warmherzige Frauen sprechen, denen die gelingen, unter Ueberwindung aller Schwierigkeiten, die in Liebe zu dem jüdischen Volke, das Verständnis für den idealen den örtlichen Verhältnissen und im Volkscharakter begründet und praktischen Wert des Zionismus und eine nicht gewöhnsind, wieder ein landsässiges, jüdisches Volk zu schaffen, so liehe Kenntnis jüdischen Volkslebens und Volkssehnens die möchte man das von rein menschlichem Gesichtspunkte aus dem Feder geführt hat. „Schildern will ich's nicht, aber von der heimatlosen Judentum gönnen.*' Da das Buch bereits früher Hilfe will ich euch sagen. Wie sich in der Erde tief die unan dieser Stelle besprochen ist, erübrigt sich ein weiteres sichtbaren Kräfte sammeln und steigern und spannen, bis sie Eingehen. mit einemmal das Gestein sprengen und hervorschießen Unsere Revue hat uns ausschließlich aus protestantischen lassen den heißen Strom, so schlug plötzlich aus den jüdischen Kreisen Literatur vor Augen geführt. Wenn man auf Grund der- Herzen die langgetragene Sehnsucht nach dem Heimatboden selben sagen kann, daß für Palästinafreunde eine Würdigung der wie eine Flamme gen Himmel. Wir sind jetzt losgekommen Landesverhältnisse nicht mehr möglich erscheint unter Ausvon der Meinung, daß unsere Not zeitlich und örtlich sei Schaltung der zionistischen Bewegung und daß eine Reise durch und vorübergehen könne - wir wissen jetzt, daß sie alldas Land heute normalerweise auch die Berührung mit dem umfassend ist und nur durch ein einziges großes Mittel kann jüdischen Koloniewesen mit sich bringt, so ergibt sich ein geheilt werden. Wir bekennen uns jetzt als Volk! In Zehnanderes Urteil aus der Einsicht in die katholische Palästinatausenden ist Stolz und Mut und Pflichtgefühl gegen die Literatur, soweit sie mir zur Verfügung steht. Weder „Das Brüder im Elend wieder aufgewacht. Man muß ihn mit erlebt h e i 1 i g e L a n d", das Organ des katholischen Vereins vom heihaben - den Aufschwung und Umschwung; es ist eine Beiigen Lande, noch gediegene Reiseberichte, wie die „W an dervvegung, die nicht mehr stillstehen kann! Unsere Verbindung fahrten und Wallfahrten" des Rottenburger Bischofs mit Palästina kann nicht mehr zerrissen werden, sie wird von Dr.v. Kepp'ler im Orient (6. Aufl., Freiburg 1909), oder leichte Tag zu Tag tiefer und stärker. Alle unsere Führer wissen, stimmungsvolle Plauderei wie die des Benediktiners Petrus daß ™ir das Ziel erreichen werden und zweifeln nicht! Sie Klotz j,Was ich unter Palmen fand'4 (Freiburg 1912) wissen es, obgleich sie meist den stärksten Grund noch nicht nehmen auf das jüdische Leben und die jüdischen Bestrebungen einmal kennen, weshalb es geschehen muß!" im heiligen Lande Bezug; der Brennpunkt ihres Interesses (L. Algenstaedt, Zwei Oelbäume.) Die Konferenz der Chowewe-Zion (Eigener Bericht.) Man wäre beinahe versucht, von einem „Kongresse" der Chowewe-Zion zu sprechen. In der Tat erinnerte die achte ordentliche Generalversammlung der Chowewe-Zion nach äußerer Erscheinung und imposanten Kundgebungen an die zionistischen Kongresse, und zwar an die großen, zahlreich besuchten Kongresse. Rund 1200 Mitglieder waren zur Generalversammlung erschienen, darunter ca. 400 aus den verschiedensten Städten Rußlands. Die auswärtigen Mitglieder waren zum großen Teil offiziell mit der Vertretung ihrer Ortsgruppen bei der Generalversammlung beauftragt. In dieser Gruppe befanden sich die hervorragendsten Gesinnungsgenossen, die besten und eifrigsten Arbeiter der Bewegung hierzulande, die wir auf den zionistischen Kongressen zu sehen gewohnt sind. Um so mehr wurde es daher als störendes Mißverhältnis empfunden, daß die in der Regel inaktiven, ja, zum großen Teil sogar indifferenten Odessaer Mitglieder, die überwiegende Mehrheit bildeten. Unter diesem Mißverhältnis, das in den offiziellen Statuten der Gesellschaft seinen Grund hat, haben übrigens immer die Generalversammlungen des Odessaer Komitees zu leiden. Man muß es jedoch den Odessaer Mitgliedern lassen: sie haben nie ihre zufällig entscheidende Stellung mißbraucht. Aus Taktgefühl, aus schüchternem Bewußtsein der eigenen Inkompetenz, vielleicht auch gar aus Indifferentismus, vermeiden es die „zufälligen" Odessaer Teilnehmer der Konferenz, die Geschäfte der Generalversammlung wesentlich zu beeinflussen, und es ist auch tatsächlich nicht zu bemerken, daß sie in wesentlichen Dingen der Versammlung ihr Gepräge verliehen hätten. Schwerer fällt ins Gewicht ein zweiter äußerer Mißstand, der durch unsere spezifischen Verhältnisse bedingt ist. Die Versammlung hat keine eigentliche Möglichkeit, sich frei zu entfalten. Gerade in den interessantesten und bedeutungsvollsten Momenten muß weise Selbstbeschränkung geübt werden. Man ist eben in Odessa, und nicht in Basel. Und doch wurden die Verhandlungen der Generalversammlung durch die strenge Zensur, oder durch das Bewußtsein derselben nur wenig beeinflußt. Man hatte schließlich doch Gelegenheit, über die wichtigsten Fragen unserer Palästina-Arbeit zu beraten und Beschlüsse zu fassen. Daß man