Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 8 (23.2.1912)
- Date
- 1912-02-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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NACHRICHTEN Das Demissionsgesuch des Großrabbiners abgelehnt! (Eigenes Telegramm.) Konstantinopel, 20. Februar. Der Ministerrat Ii a t das Demissionsgesuch Nahums abgelehnt. Die E i n b e r u f u n g d c s M eds c h 1 i s s Umumi (Nationalversammlun g) i s t wahrscheinlich. * * * Danach scheint die Meldung der Konstantinopler jüdischen Blätter, der Großrabbiner habe Schritte unternommen, um seine Demission zurückzuziehen, auf Wahrheit zu beruhen. Die formelle Ablehnung des Demissionsgesuchs durch die Regierung dürfte nach vorheriger Uebereinkunft mit dem Großrabbiner erfolgt sein. Wie sich nunmehr die Differenzen innerhalb der Gemeinde klären werden, insbesondere, wie sich das Verhältnis des Großrabbiners zur aschkenasischen Gemeinde und zu seinem. Konsistorium (Medschliss dschismani) gestalten wird, läßt sich noch nicht übersehen. Vorlesungen über jüdische Emigration und Kolonisation Herr Davis Trietsch spricht in einem vom zionistischen Verein West-Berlin veranstalteten Vorlesungszyklus über jüdische Emigration und Kolonisation. Die Vorlesungen, die 4 Abende umfassen, finden im Laufe des Monats März statt. Näheres über Ort und Zeit in der nächsten Nummer. Herr Trietsch wird folgende Themen behandeln: 1. Abend: Allgemeines über jüdische Emigration. Die Auswanderung seit 1881 nach Umfang und Richtungen. — 2. Abend: Der Orient. Die wirtschaftlichen und Verkehrsverhältnisse der Einzelgebiete. Die bisherige jüdische landwirtschaftliche und städtische Kolonisation. — 3. Abend: Weitere Möglichkeiten des Orients für die jüdische Einwanderung. Ausdehnung des Landwirtschaftswerkes. Städtische Siedlung. Industrielle Kolonisation. Gartenstadt. — 4. Abend: Die Organisation der jüdischen Einwanderung. Jüdische Kolonisations-Politik. Ein zionistisches Emigrationsamt. Karten für 4 Vorlesungen zu 2 M. sind in der Buchhandlung von Louis Lamm, Neue Friedrichstr. 61, und bei A. Wertheim erhältlich. Tod des Oberrabbäners von Prag Der Oberrabbiner von Prag, Dr. Nathan Ehrenfeld, ist am 17. d. M. im Alter von 69 Jahren gestorben. Dr. Ehrenfeld war ein Schüler Israel Hildesheimers und gehörte der orthodoxen Richtung an. Er war früher Rabbiner in Prenzlau und Onesen. Umfassendes talmudisches Wissen und große rhetorische Fähigkeit zeichneten den Verstorbenen aus. Dem Zionismus brachte er Verständnis und Sympathie entgegen. Unser geschätzter Mitarbeiter, der bekannte jüdische Gelehrte Dr. H. Brody, betrauert in dem Verstorbenen seinen Schwiegervater. Bestätigung der jüdischen „Militärentziehungsstrafe44 durch die Reichsduma In geheimer Sitzung setzte die Reichsduma am Freitag, den 16. d. M,, die Beratung über die Reform der Heeresdienstordnung fort. Der Referent der Justizkommission, Skoropodsky, führte aus, daß der Paragraph 395 des alten Reglements, wonach die Verwandten eines jeden Juden, der sich durch Auswanderung oder in sonstiger Weise der Wehrpflicht entzieht, eine Strafgebühr von 300 Rubel entrichten müssen, dem allgemeinen Grundsatz der russischen Rechtspflege widerspreche, demzufolge niemand für die gesetzwidrige Handlung eines andern verantwortlich gemacht werden kann. Der Oktobrist Protopopow erklärte im Namen der Landesverteidigungskommission, daß diese der Forderung der Justizkommission nicht zustimmen könne. Nachdem noch der Gehilfe des Ministers des Innern, Likoschin, erklärt hatte, die Regierung halte die Abschaffung der jüdischen Militärentziehungsstrafe für unmöglich, wurde der Antrag der Justizkom'mission zur Abstimmung gebracht und mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Zahl der Juden in New York Die Zajil der jüdischen Bevölkerung von New York betrug nach einer statistischen Studie, die Mr. Joseph Jacobs im Auftrage der New Yorker Kehilla herausgibt, am 1. Januar 1912 ungefähr 906 000 Seelen. Bisher wurde die Zahl der Juden in New York auf weit über eine Million geschätzt, Mr. Jacobs hat aber auf Grund umfangreicher statistischer Nachforschungen festgestellt, daß die jüdische Bewohnerschaft von New York sich am 1. Juli 1910 auf 825 000, am gleichen Tage des Jahrvs 1911 auf 882 400 Seelen beliet und seither durch die Einwanderung und den Geburtenüberschuß auf 906 000 Personen gestiegen ist. Alliance Isra61ite Universelle D'ie deutsche Konferenzgemeinschaft der Alliance versendet ein Zirkular, dem wir folgendes entnehmen: „Das Lokalcomite Frankfurt a. M. hatte zum 11. Februar eine Tagung einberufen, um über die Gründung eines süddeutschen Bezirkskomitees, im Gegensatz zum Deutschen Landescomite beschließen zu lassen. An dieser Tagung haben 13 Comites teilgenommen, wovon nur sechs bei zwei Stimmenthaltungen sich für den Frankfurter Antrag, Bezirkscomites in Süd-, Südwest- West- und Nordwestdeutschland zu gründen, entschieden haben. Dabei ist zu bemerken, daß unter den sechs sich auch Herr Rabbiner Dr. Frank befindet, der sich als Vertreter des Lokalcomites Köln ausgegeben hat, obwohl er dem statutenmäßig von den Kölner Alliance-Mitgliedern gewählten Lokalcomite überhaupt nicht angehört und auch keine Befugnis hatte, es zu vertreten. Herr Dr. Frank hatte vorher an 25 Comites geschrieben und um Mandate zur Vertretung in Frankfurt ersucht mit dem Bemerken, daß er Stillschweigen als Einverständnis ansehen würde. Nachdem 12 Comites die Erteilung des Mandats abgelehnt hatten, wollte Herr Dr. Frank in Frankfurt 13 Lokalcomites vertreten, mußte jedoch auf Protest aus der Versammlung hiervon absehen. In jedem Fall ist aus dem Verlauf der Frankfurter Tagung mit Sicherheit festzustellen, daß die Mehrzahl der deutschen Mitglieder nicht mit dem Vorgehen des Frankfurter Lokal- Comites einverstanden ist und in richtigerer Auffassung der Sachlage die Ueberzeugung hat, daß die Schaffung von Teilorganisationen gegen das deutsche Landes-Comite ein dem Alliancegedanken in Deutschland gefährliches Unterfangen ist, das von den ruhig denkenden deutschen Alliancemitgliedern nicht unterstützt werden kann. Weit entfernt davon, eine friedliche Weiterentwicklung des Alliancewerkes und eine Beilegung der Differenzen herbeizuführen — wie es von Frankfurt aus behauptet wird -—, kann eine Zersplitterung der deutschen Mitglieder in Teilorganisationen, im Gegensatz zu dem bereits von über 90 Lokal-Comites unterstützten deutschen Landes-Comite, nur einen unseligen Bruderkampf in Deutschland entfachen, unter dessen Folgen das segensreiche Werk der Alliance völlig vernichtet werden würde. Das Vorgehen der Frankfurter Herren erfährt dadurch eine eigenartige Beleuchtung, daß die Frankfurter Mitglieder des Central-Cornites v o r der Einleitung des vorjährigen Wahlkampfes gerade aus den Gründen ihre Demission gegeben hatten, die nachher die Deutsche Conferenz-Gemeinschaft zu dem Kampf gegen die Parister Kandidatenliste mit veranlaßt haben, und daß das Frankfurter Lokal-Comite alle Bemühungen, die von hier aus gemacht worden sind, sie zur Mitarbeit und zur Herbeiführung einer Einigung mit Paris zu bewegen, in schroffer Weise zurückgewiesen haben. Noch merkwürdiger wird das Vorgehen der Frankfurter Herren durch folgende Tatsache beleuchtet: Derselbe Herr Justizrat Blau, der jetzt die Abschaffung des Wahlrechts für gut und billig, ja notwendig erklärt, war es, der auf dem Alliancetag vom 6. November die Ihnen bekannte Resolution einbrachte, in der gerade die Abschaffung des Wahlrechts als eine Gefährdung, ja Vernichtung des Alliancegedankens