Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 8 (23.2.1912)
- Date
- 1912-02-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 DIEMELT 243 gemeinsamen Council (ohne Bedingungen), bestehend aus einer gleichen Anzahl von Vertretern der English Zionist Föderation und des Order of Ancient Maccabeans.14 Mr. Leon Simon berichtete, daß einige Tage vor der Konferenz eine Besprechung zwischen drei Vertretern der English Zionist Federati on und drei Vertretern des Order of Ancient Maccabeans stattgefunden habe, um die Frage der Gründung eines gemeinsamen Councils zu beraten. Ein provisorisches Ii eberein kommen wäre dahin erzielt, daß der gemeinsame Council aus einem neutralen, von außen gewählten Vorsitzenden, zwei Vizepräsidenten, zwei Schriftführern, einem Schatzmeister und noch sieben Mitgliedern bestehen solle d. h. aus zwölf Mitgliedern außer dem Präsidenten. Ein Antrag namens der London Zionist League, den Mr. Grad und Mr. E 11 i n g e r stellten, daß das Exekutiv-Komitee die Bestimmungen bezüglich der Zahlung der Jahresbeiträge der Vereine an die Zentrale in London genau beachten sollte, wurde einstimmig angenommen. Es wurde erklärt, daß, wenn die Vereine ihre Jahresbeiträge nicht regelmäßig und voll zahlen würden, die Föderation keine Arbeit leisten könnte. Während des ganzen verflossenen Jahres zahlten die angegliederten Vereine, welche die Zahl von 40 überschreiten, die Summe von 19 £ an die Föderation. Nach Schluß der Konferenz fand eine große öffentliche Versammlung statt, die von mehr als 1000 Personen besucht war. Mr. Co wen, welcher präsidierte, erwiderte schart auf die Angriffe, die Lord Rothschild vor kurzem gegen die zionistische Bewegung erhoben hatte, und wies auf die Absurdität seiner Erklärung hin, daß die Juden in Palästina den Wunsch hätten, die Landesgesetze zu umgehen. Ein Begrüßungsschreiben des E. A. C. wurde vorgelesen. Zionistische Erfolge Daß es bei anhaltender Arbeit möglich ist, bedeutende Erfolge in der zionistischen Erziehung der jüdischen Jugend in England zu erzielen, ist durch die Tätigkeit unseres unermüdlichen Gesinnungsgenossen J. K. üoldbloom bewiesen worden. Als Leiter der Redman's Road Talmud Torah, im East End Londons, hat Mr. üoldbloom eine Erziehungsanstalt ausgebaut, die in jeder Hinsicht als ausgezeichnet gelten muß. Die Ibrith b'Ibrith - Methode, die dort angewandt wird, hat die Schule vorbildlich gemacht, und diese Woche ist auch im westlichen Stadtteil Soho, wo eine zahlreiche Kolonie ausländischer Juden sich angesiedelt hat, von einigen unserer Gesinnungsgenossen ein solches „Beth Sefer" eröffnet worden. Nächsten Sonntag soll die jährliche Versammlung der Redman's Road Talmud Torah stattfinden, wo Sir Fancis Montefiore den Vorsitz führen und Dr. M. Gaster eine Festrede halten wird. Es ist besonders zu betonen, daß Mr. üoldbloom es möglich gefunden hat, auch uns fernstehende Kreise für die Schule zu gewinnen. Wie wir die Hilfe so mancher Andersgesinnten für unsere Zwecke erwerben können, ist uns durch den Besuch Dr. M o ssinsoh n s klargemacht worden. Gewiß hat seine sympathische Erscheinung und vor allem die gute Sache, die er vertrat, bewirkt, daß seine Sammlung 560 £ ergab, aber was uns an seiner Sammlungsliste besonders auffällt, sind die bedeutenden Zeichnungen solcher, die sonst nichts für rein zionistische Zwecke übrig haben. Daß wir uns über den verhältnismäßig guten Erfolg Dr. Mossinsohns in England freuen können, ist insbesondere Mr. Herbert Bentwich zu verdanken, der es sich nicht nehmen ließ, alles Erdenkliche im Interesse des Jaffaer Gymnasiums zu unternehmen. Die endemischen Krankheiten Palästinas Am Montag, den IQ. Februar, hielt der bekannte Kliniker Prot. Dr. v. W a s s e r m a n n in der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin einen Vortrag über „Die Bedeutung der in Palästina endemischen Krankheiten und die Möglichkeit ihrer Bekämpfung'4. Der Redner führte u. a. aus: In Palästina sind folgende Krankheiten endemisch: 1. Das Wechselfieber oder die Malaria. Gegen diese Krankheit haben wir ein Gegenmittel: das Chinin. Die Krankheit läßt sich nur durch unentgeltliche Verabfolgung von Chinin wirksam bekämpfen. So macht es Italien und so müßte es auch in Palästina geschehen. In Jerusalem müßten Depots errichtet werden, wo Chinin unentgeltlich zu haben ist und jeder, der Parasiten hat, müßte umsonst behandelt werden. 2. Das Maltafieber. Diese Krankheit ist nicht so gefährlich wie die Malaria, bringt aber den Menschen in seiner Arbeitsfähigkeit ungeheuer herunter. Das Maltafieber wird durch die Maltaziegen verbreitet. Die Milch der Ziege muß also untersucht und die kranken Tiere müssen getötet werden. 3. Die epidemische Genickstarre. Sie tritt sehr häufig in Palästina auf und zwar besonders bei Kindern. Früher starben an ihr 80 °,o: heute haben wir zu ihrer Heilung ein Serum, wodurch die Sterblichkeit auf 6 °<j gesunken ist. In Deutschland gibt es in jeder Apotheke besondere Entnahmegefäße, in die das Speichelsekret aufgenommen und an das nächste bakteriologische Institut gesandt wird. Werden dort Erreger darin gefunden, so wird der Betreffende behandelt, damit von ihm keine Infektion mehr ausgehen kann. Auch diese Prophylaxe müßte in Palästina durchgeführt werden. 4. Das Rückfalls fieber oder recurrens. Die Erreger dieser Krankheit sind eine den Syphiliserregern verwandte Art. Mit einer einzigen Injektion von Ehrlichs Salvarsan ist diese Krankheit weit leichter als die Syphilis zu heilen. Uebertragen wird die Krankheit durch die „Hühnermilbe", die sich auch in Ritzen verborgen hält. Hier muß also Sauberkeit gefordert werden, damit die Erreger sich nicht in Ritzen aufhalten können; ferner müssen die Menschen sich von den Hühnern fernhalten. Der Vortragende gelangte zu dem Schluß, daß Palästina nur durch ein hygienisches Zentralinstitut völlig saniert werden könnte, von dem aus ein Bakteriologe mit einem fliegenden Sanatorium in ein gefährdetes Gebiet eilen kann. Bekanntlich soll ein solches Institut in Haifa von jüdischer Seite errichtet werden. Dies wäre, meint Prof. Wassermann, nicht nur vom Standpunkt der Bekämpfung der Infektionskrankheiten sehr zu begrüßen, sondern würde den Juden auch mehr Einfluß bei den dortigen Behörden und bei der Bevölkerung verschaffen. Der einflußreichste Mensch, das wissen die Engländer, ist der Arzt. Hier könnte also das Judentum kraft seiner größeren Zivilisation gegenüber der anderen Bevölkerung in Palästina, abgesehen von der Heilwirkung, auch viel beitragen zur Erhöhung seines Ansehens und Einflusses. Eine Deputation in Angelegenheit der Klagemauer beim Pascha von Jerusalem Mittwoch, den 31. Januar sprach beim Pascha von Jerusalem Djaudat Bey eine jüdische Deputation vor, die aus dem Chachambaschi von Jerusalem, dem Chachambaschi von Bagdad und den aschkenasischen Rabbinern Chaim Berlin, I. Horowitz und A. L. D a j a n bestand. Die Deputation überreichte dem Pascha eine Beschwerdeschrift gegen die bekannte Verfügung der Stadtverwaltung vron Jerusalem, wonach die Aufstellung von Stühlen an der Klagemauer verboten ist. Der Pascha sprach seine Bereitwilligkeit aus, die Angelegenheit nach dem Wunsche der jüdischen Bevölkerung zu regeln und bemerkte, daß die Frage jetzt der Regierung in Konstantinopel zur Entscheidung unterbreitet worden sei. Der Pascha unterhielt sich eingehend mit den einzelnen Mitgliedern der Abordnung und ersuchte sie, ihm nötigenfalls auch in Zukunft die Wünsche der jüdischen Bevölkerung persönlich vorzutragen. In hiesigen jüdischen Kreisen erwartet man nun einen günstigen Ausgang der Angelegenheit, die in Palästina soviel Erregung hervorgerufen hat. Eine Ansiedlung bosnischer Sephardim in Palästina Demnächst begibt sich eine aus sephardischen Juden Bosniens bestehende Reisegesellschaft nach Palästina zu einer Pilger- und Studienfahrt. Die Reisegesellschaft wird auch nach einem geeigneten ländlichen Terrain Umschau halten, auf dem sich eine Anzahl bosnischer Sephardim als Ackerbauer niederlassen könnte. Es handelt sich um eine Gruppe junger, zum Teil verheirateter Leute, die bereits in Bosnien in der Landwirtschaft tätig waren.