Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 8 (23.2.1912)
- Date
- 1912-02-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdischen Geschichte oder Wissenschaft oder über ein wichtiges Thema aus dein Alltag und der Hygiene und in der Regel aus einem musikalischen oder deklamatorischen Teil. Bei der am 12. d. M. unter dem Vorsitze des Handelskammerrates Markus K i ß 1 i n g e r ■ abgehaltenen konstituierenden Sitzung des neu gegründeten Vereins ^Jüdische Toynbeehalle" referierte Gg. Dr. Meyer Ebner über Wesen und Zweck des Vereins, ,,der sich zur Aufgabe gesetzt hat, wissensbedürftigen Juden im Vereinshause Belehrung und bildende Unterhaltung zu bieten, die notleidenden Schichten der jüdischen Bevölkerung wirtschaftlich zu fördern, sowie die Bestrebungen zu unterstützen, welche geeignet sind, der jüdischen Bevölkerung in geistiger und sittlicher Hinsicht zu nützen. Der Zweck soll erreicht werden durch - Abhaltung belehrender V o r t r ä g e u n d Vorlesungen, durch Unterrichtskurse, durch eine Bibliothek u n d Lesehalle und durch J u g e n d f ü r s o r g e.*1 Ins Kuratorium des Vereins wurden für Lebenszeit berufen : Gg. Oberrabbiner Dr. Josef Rosens feld, Gg. Prof. Dr. Leon Kellner, Landtags-Abg. Dr. Max Eckschaner, Gg. Dr. Meyer Ebner, Redakteur Dr. Ph. Menczel, Großindustrieller Aron Rosenkranz, Finanzsekretär L. Weinrtb, Gg. Prof. Dr. L. H o f f m a n n , Prof. G. Winkler, Gemeinderat A. Wallstein, Gg. S. Landau, J. Ell n er, Gg. Dr. F. Mclzer, Kulka. Zum P r ä s i d e n t e n des Kuratoriums wurde Gg. Prof. Kellner gewählt, über dessen Antrag dem Großindustriellen Gg. Markus Kißling er für die numifizente Spende, die die Errichtung eines eigenen Toynbeehauses ermöglicht, der besondere Dank der Versammlung votiert wurde. Der bisherige Erfolg der Toynbeehalle verspricht dieser Institution, in welcher sich alle Schichten der Gesellschaft begegnen, eine hoffnungsreiche Entwicklung und Zukunft und verdient Nachahmung. „Bukowinaer" Kolonie in Palästina Es unterliegt sicherlich keinem Zweifel mehr, daß die praktische Palästinaarbeit, die Kolonisierung, nächst der Ideenpropaganda die wichtigste Aufgabe unserer Weltorganisation wie unserer Gesinnungsgenossen ist. In allen gutjüdischen Kreisen hat bereits die Erkenntnis Platz gegriffen, daß die Regeneration und Verjüngung unseres Stammes nur durch die Rückkehr zur Scholle, und zwar auf unserem Boden in Palästina, möglich ist. In diesem Sinne hat im Juli v. J. Gg. Prof. Dr. L. Kellner bei den vier zionistischen akad. Korporationen von Czernowitz und den anderen zionistischen Vereinigungen der Provinz die Gründung einer Kolonie der Bukowinaer Judenheit in Palästina angeregt. Das Mitglied des A. C, Gg. Johann Kremenezky aus Wien, begrüßte diese Idee aufs lebhafteste und machte auf Grund seiner persönlichen Erfahrungen in Palästina bezüglich der zu gründenden Kolonie folgenden Vorschlag: Es sollen 10 junge Leute, die hinausgeschickt werden, vorläufig der Siedlungsgenossenschaft angegliedert werden, damit sie den Befähigungsnachweis erbringen, ob sie für die Zukunft die Eignung besitzen, Ackerbau oder Baunikultur zu treiben. Erst dann sollte man sie in der neu zu errichtenden Kolonie installieren. Kremenezky äußerte sich ferner über diesbezügliche Details und empfahl die Schaffung eines Fonds hierfür, zu dem er mit einer Spende 'von 100 Kronen den Grundstein legte. Zugunsten dieses Fonds veranstalteten im August v. J. die Verbindungen „E m u n a h", „Hebroni a h" und ,,Z e - phirah" ein Gartenfest, welches ein Reinerträgnis von 740 Kronen abwarf. Hierauf wurden noch in Suczara vom akad. Verein „T i k w a h" in K i m p o 1 u n g usw. Veranstaltungen getroffen, deren beträchtliche Erträgnisse gleichfalls dem Fonds zufallen. Eine systematische ausgiebige Agitation für das Projekt der Kolonie „Bukowina" kündigt für das Frühjahr 1 Ql 2 die Verbindung ,,Zephirah" an, indem sie unter Mitwirkung unserer Qgp£- Vroi. Kellner und Schriftsteller Davis T r i e t s c h in Czernowitz und einigen Städten der Provinz sog. ,,Kolonisationsabende" veranstalten will. Makka bäe rf ei e r n In der zweiten Hälfte des Monats Dezember fanden in Czernowitz und in fast allen größeren Ortschaften der Bukowina zahlreich besuchte Makkabäerfeiern statt. Hervorgehoben zu werden verdient die vom akad. Verein „Emu nah" in Czernowitz veranstaltete Makkabäerfeier, bei welcher Gg. Dr. Leon Reich, Lemberg, eine glänzende Festrede hielt. In Sadagöra veranstaltete die dort vor wenigen Monaten gegründete akad. Ferialvereinigung „M accabäa" eine Makkabäerfeier, Festredner: Gg. Prof. Dr. Leon Kellner; in Waschkoutz, Festredner: Gg. Gg. Dr. Meyer Ebner und Prof. A. R i m , ferner in Kimpolung, Gurahumora, Bojan, Kotzman usw. Außerdem fanden zwei „Volks-Makkabäerfeiern" statt, und zwar veranstaltet vom Zion-Verein und von der jüd.- akad. Verbindung „Hebroniah". In Suczawa veranstaltete der akad. Verein „T i k w a h" in den Monaten November und Dezember einen Vortrags- Zyklus, der gut besucht war und in welchem u. a. die Gg. Prof. Kellner und Gemeinderat A. Wallstein sprachen. Brief aus London (Von unserem Berichterstatter.) Die Jahreskonferenz der English Zionist Federation Die Jahreskonferenz der English Zionist Federation, die vorigen Sonntag in Liverpool stattfand, stand unter dem Zeichen der normalen Entwicklung. Vor einiger Zeit wurde der Fortschritt des Zionismus durch verschiedene interne Reibungen gehemmt, aber voriges Jahr in Manchester wurde bei dem allseitigen guten Willen eine Verständigung erzielt, die gute Folgen zeitigte. Hat doch die Schekelsammlung für 5671 C 223 (4460 Schekel) ergeben*). Das Exekutiv-Komitee konnte sich nunmehr ganz seiner Arbeit widmen, so daß manches Bleibende während des verflossenen Jahres geschaffen wurde. Von der Propagandaarbeit soll besonders erwähnt werden, daß alle jüdischen Prediger im Lande während der Schekelvvoche aufgefordert wurden, der zionistischen Sache ein gutes Wort in ihren Ansprachen zu widmen, was in vielen Fällen den gewünschten Erfolg hatte. Auch hat gegen Ende des Jahres das Palästinakomitee seine Tätigkeit mit der Ausgabe einer Broschüre über „Die Entwicklung Palästinas" aufgenommen, und es steht zu hoffen, daß die P. L. D. C. sowie die „Landspende" des Nationalfonds, für die das Komitee besonders wirbt, bedeutend gefördert werden. 40 Vereinigungen in 24 Städten (darunter zwei in Melbourne, Australien, Shanghai) mit einer Mitgliederzahl von nahezu 3000, gehören zur English Zionist Federation. Die David WoIIfsohn Zionist Benefit Society zählt etwa 1000 Mitglieder. Die Jahreskonferenz der English Zionist Federation wurde im Hotel St. George in Liverpool, unter Vorsitz des Präsidenten Mr. Joseph Co wen eröffnet. Ungefähr 40 Delegierte waren zugegen. Die beiden Fragen, welche die lebhafteste Diskussion veranlaßten, waren die Frage der Anerkennung des Order of Ancient Maccabaeans als Sonderverband und die Wahl des neuen Präsidiums der Federation. Schon bei dem Antrag zur Annahme des Jahresberichtes erklärte Mr. Joseph C o \v e n ganz entschieden, daß er nicht die Absicht habe, für den Präsidentenposten zu kandidieren, und wiederholte dies, als man zur Wahl eines neuen Exekutivkomitees schritt. Er schlug Mr. S. B. Ruhe nstein vor, aber dieser lehnte die Wahl auch ab. Endlich beantragte Mr. B. G r a d die Aufhebung der Konstitution, um die Wahl eines Präsidenten zu verschieben, bis das neue Exekutivkomitee mit seiner Arbeit beginnen würde. Dieser Antrag wurde von Mr. Leon S i m o n unterstützt und einstimmig angenommen. Die Debatte über die Anerkennung des Order ot Ancient Maccabaeans als Sonderverband nahm fast den größten Teil der Verhandlungen in Anspruch. Es wurde behauptet, daß die Maccabaeans als Körperschaft nicht den Wunsch hätten, als Sonderverband anerkannt zu werden, sondern daß dieses nur der persönliche Ehrgeiz einiger an der Spitze stehender Männer wäre. Andere rieten zu einem Kompromiß, während noch andere vorschlugen, daß ein gemeinsamer Council der Federation und Maccabaeans gegründet werden solle, fügten aber hinzu, daß sie diesen Vorschlag gegen ihren Willen machten. Schließlich wurde folgender Antrag im Namen von Mr. Cowen mit 20 gegen 7 Stimmen angenommen: „Diese Konferenz ist der Meinung, daß die einzige zufriedenstellende Lösung der lokalen Differenzen in diesem Lande die ist, eine Federation zu haben oder, wenn das nicht, einen *) Das ist noch immer sehr wenig. (Anm. d. Red.)