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Die Welt · 1912-02-23 · 8 (23.2.1912) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
8 (23.2.1912)
Date
1912-02-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 8 DIE3SEELT 241 Man sieht an diesen Beispielen, daß die geplante politische Konferenz der westösterreichischen Zionisten hoch an der Zeit ist. Bezalel-Ausstellung In dem historischen Saale in der Türkenstraße, in welchem einst Theodor H erzl den Sitzungen des zionistischen Aktionskomitees präsidierte, sind gegenwärtig stolze Erzeugnisse jungjüdischer Arbeit zu sehen. Der „Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina" hat in diesen Räumen Produkte seines Spitzenateliers im B e z a 1 e i — bekanntlich besitzt der Frauenverband jetzt sofion drei weitere Spitzenschulen in Jaffa, Tiberias und der Kolonie Ekron —, sowie einzelne kunstgewerbliche Bezalelerzeugnisse zur Schau gestellt. Wie nach den bisherigen Erfolgen in anderen Städten zu erwarten war, haben die überaus geschmackvollen, duftigen Spitzenarbeiten alle Besucher der Ausstellung geradezu überrascht. Insbesondere die Nadelspitzen, die von Kennern als hervorragend bezeichnet werden, fanden raschen Absatz, und die intervenierenden Damen des Komitees durften zahlreiche Nachbestellungen übernehmen. Viel bewundert wurden die neuen Elfenbeinschnitzereien und Holz- sowie Metallgegenstände in Batik-Technik, neue Errungenschaften unseres Bezalel, die man bei der letzten großen Wiener Bezalelexposition noch nicht gesehen hat. Bis zur Stunde haben mehr als tausend Personen die Schaustellung besucht. Um das gelungene Arrangement haben sich Frau Dr. Paula Arnold und Herr Lasar Tannenbaum besonders verdient gemacht. Die Gesinnungsgenossinnen, Frau Diamant, Frl. Gottlieb, Frl. Kellner und Frl. Weiner machen in den Ausstellungsräumen in liebenswürdigster Weise die Honneurs, geben die gewünschten Aufklärungen und vermitteln den Verkauf. Wie wir vernehmen, wird die Wiener Firma Hof baue r als ständige Verkaufsstelle der palästinensischen Spitzen für Wien fungieren. Die galizische Landtagswahlreform und die „Poale Zion" Die Leser der „Welt" wurden bereits aus Galizien darüber informiert, daß gegenwärtig die galizischen Gesinnungsgenossen im Kampf um die Landtagswahlreform ihre Stimme erheben, um womöglich dem jüdischen Volke die ihm gebührenden 20 Mandate zu sichern, die Wahlordnung zu demokratisieren und hintanzuhalten, daß der polnisch-ruthenische Ausgleich etwa auf Kosten der Juden erfolge. Mit besonderem Nachdrucke ist auch die galizische Landespartei der „Poale Z i o n" in den Kampf um die Landtagswahlreform eingetreten. Gemäß den Informationen, die Ihrem Berichterstatter vom Wiener Verbandsbureau der allweltlichen poale-zionistischen Organisation erteilt wurden, hat in allen Landesteilen eine großzügige Aktion der Poale-Zionisten eingesetzt. In Lemberg wurden bisher drei Massenversammlungen abgehalten. Außerdem fanden Volksversammlungen statt in: Krakau, Tarnovv, Drohobycz, Neu-Sandez, Jaroslau, Przemysl, Stanislau, Kolomea und zahlreichen kleineren Orten. Die Parole der „Poale-Zion" in diesem politischen Kampfe lautet: Allgemeines, gleiches, geheimes und direktes Wahlrecht mit Sicherstellung jüdischer Wahlkreise. Vortrag Professor Sombart Sombarts Wiener Vortrag über „Die Zukunft der Juden" hatte ein interessantes Vorspiel. Die antizionistischen und assimilatorischen Kreise boten alles auf, um den Boykott des Abends zu erzielen. Der löbliche Kultusvorstand setzte alle Hebel gegen den „Antisemiten Sombart" in Bewegung, das Organ des Kultusvorstandes sekundierte und die Tempelk a n z e 1 wurde in den Dienst der guten Sache gestellt. Der Erfolg war ein Massenbesuch, wie wir ihn bei Vorträgen noch nie gesehen haben. Weit über 2000 Menschen füllten am 18. Feber den Sophiensaal. Der Inhalt des zweistündigen Vortrags ist, soweit er sich mit dem Judenproblem beschäftigt, bereits allgemein bekannt und in diesen Blättern wiederholt kritisch behandelt worden. Es soll hier nur berichtet werden, was Sombart Persönliches hinzugefügt und wie das starke und logische Bekenntnis des arischen Gelehrten zum Nationaljudentum und Zionismus auf das Auditorium wirkte. Zunächst reagierte der Redner auf das mitunter sehr giftige Tuscheln gewisser jüdischer Kreise, er sei Antisemit, folgendermaßen: „Ist Sombart Antisemit? Ich hörte es, seitdem ich mich mit dem Judentum beschäftigte, so häufig, daß ich mich ernstlich prüfte. Wenn derjenige ein Antisemit ist, der in den Juden eine Menschengruppe von völkischer Eigenart erkennt und der Meinung ist, daß die Angehörigen dieser Gruppe ihre Eigenart auch beibehalten, wenn sie den mosaischen Glauben ablegen; wenn derjenige ein Antisemit ist, der einen Unterschied zwischen jüdischer und deutscher Art behauptet — — dann bin ich ein Antisemit! Damit endigt aber auch mein Antisemitismus." Sombart ging dann auf das eigentliche Thema über und erläuterte seine bekannte Theorie vom östlichen „U m - schientungsproble m" und westlichen „Gesinnungsproblem4'. Mit starken Akzenten wendet er sich unter stürmischem Beifall gegen die Anwürfe, der Zionismus „führe ins Ghetto zurück" und das national jüdische Bekenntnis stände im Gegensatz zum Staatsinteresse. Das moderne Kulturbewußtsein und Verantwortungsgefühl des Europäertums lasse ein „Ghetto" überhaupt nicht mehr zu. Auch sei es unsinnig zu glauben, daß das nationaljüdische Bekenntnis die Teilnahme an der Kultur anderer Völker ausschließe. „In Palästina wird der Jude Goethe und Beethoven ebenso wenig entbehren wollen, wie der Deutsche auf Shakespeare, Dante oder die französische Literatur verzichten kann. Jeder moderne Mensch bewegt sich gleichzeitig in mehreren Kulturen." Die Behauptung, daß sich .,Nationaljudentum"' und „Staatsinteresse" nicht vertragen, sei ihm insbesondere im Nationalitätenstaat Oesterreich unerfindlich. Heute sei ein Staat auf Basis zahlloser Nationalitäten und Kulturen möglich und die Erhaltung nationaler Eigenart sei überaus wünschenswert. Sehr eindringlich legte Sombart die Unmöglichkeit der Assimilation dar (man vernahm indignierte Zwischenrufe) und zeigte, daß das nationaljüdische Bekennen für die Juden schon jetzt gute Früchte trage. Ein. Wort des Lobes spendet er insbesondere der bewußt-jüdischen Studentenschaft, die er als Lehrer kenne und schätze. Zum Schlüsse befaßte sich der Vortragende mit dem Vorwurfe von jüdischer Seite, es sei eine Taktlosigkeit, wenn sich Sombart, der Nichtjude, in jüdische Fragen menge. Auf den Zwischenruf eines streitbaren Zuhörers, der sich dieser Meinung erregt anschloß, replizierte er also: „Sie hätten recht, wenn ich mich in die Frage der Besetzung von Rabbiner stellen mengen w ü r d e. Das Judenproblem als solches aber ist eine Angelegenheit der ganzen Menschheit und niemand kann mir das Recht, ja die Pflicht, absprechen, mich damit zu befassen. Zum Unglück war der also apostrophierte Zwischenruter -- ein Rabbiner . . . Der Vortrag hinterließ einen sehr starken Eindruck. Brief aus der Bukowina (Von unserem Berichterstatter.) Jüdische Toynbee-Halie Vor einem Jahre wurde auf Anregung unseres Gg. Prof. Kellner, der diese Institution aus England nach dem Kontinente gebracht hat, in Czernowitz von der jüd.-nat.-akad. Verbindung „Hebronia h" eine Toynbeehalle gegründet. Anfangs wurde diese Gründung von politischen Gegnern als politisch-tendenziös mißdeutet und vielfach offen angegriffen, nach und nach hörte jedoch die Offensive auf, als auch die Gegner die „Toynbeehalle" bei ihrer Arbeit beobachten und so ihren wahren Zweck erkennen konnten. So ist denn jetzt die Toynbeehalle, deren Veranstaltungen jeden Sonnabend, natürlich bei freiem Entree, stattfinden, allgemein beliebt und weist stets einen Besuch von 600—700 Personen auf. Die Verbindung „Hebroniah" konstituierte seinerzeit ein Damenkomitee aus den besten Kreisen der jüdischen Gesellschaft, welches das Arrangement des Abends trifft. Das Programm besteht aus einem belehrenden Vortrag aus dem Gebiete der

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