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Die Welt · 1912-02-23 · 8 (23.2.1912) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
8 (23.2.1912)
Date
1912-02-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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? 236 u. a. auch damit begründet, daß die Stadt „in neuester Zeit von einem Ring" von Judenkolonien mit unbeschreiblichem Schmutz und tieftraurigen gesundheitlichen Verhältnissen eingeschlossen wurde''. Ob das ein genommener oder gegebener Anstoß ist, bleibe hier dahingestellt. < Als berechtigt erkennt der Rezensent das Urteil über die große Kolonie Zammarin an, die „freilich in der sauberen Haltung der Häuser und Gärten sich mit den deutschen Kolonien Palästinas nicht messen kann." Dies Urteil wird in dem eben erschienenen VII. Jahrgang von anderer Seite bestätigt: „Auf steilem, gewundenem Felsenwege erklommen wir nun die Höhe, auf der die größte Judenkolonie Palästinas, Zammarin, liegt. Der Ort, dessen Bewohner hauptsächlich Weinbau treiben, besteht .aus etwa 100 Haushaltungen und ist schön gelegen. Das Straßenbild mit seinen Eukalypten, Palmen und Kakteen ist nicht übel, aber im ganzen macht die Kolonie doch keinen besonders guten Eindruck . . ." Ueber Jesud ham-ma 'ala heißt es, daß die Kolonie mit ihren Baumpflanzungen dem einsamen Gewässer des Hulesees eine ihm früher fremde Anmut verleihe. Weitere jüdische Gründungen werden ohne nähere Ortsbenennung noch Jahrbuch II S. 126 und I S. 110 f. erwähnt. Eine mustergültige Monographie über das Land hat uns der bewährte Palästinaforscher Prof. G u t h e in seinem Werk „Palästina", (Leipzig 190S) geschenkt. Als Motiv für den Einwanderungsstrom werden hier neben den Opfern einzelner reicher Wohltäter die Gedanken der zionistischen Bewegung genannt. Das Urteil über den Stand der Kolonien lautet: „Mit der Menge der aufgewandten Mittel steht das Gedeihen derselben nicht im rechten Verhältnis. Daß es viel Mühe macht, für das erworbene Land den gesicherten Besitztitel zu erlangen, liegt an den eigentümlichen Verhältnissen des Grundbesitzrechtes in Palästina und an dem zögernden Verhalten der türkischen Regierung. Diese Schwierigkeiten hat jede Niederlassung von Fremden in der Türkei zu überwinden. Doch fehlt es nicht an Stimmen aus jüdischen Kreisen selbst, die in der Begründung und Ausstattung der Kolonien fast ausschließlich durch fremde Mittel den Grundschaden des ganzen Nr. 8 Unternehmens erblicken. Soweit meine Beobachtung reicht, halte ich dies Urteil für richtig. Der Mangel an Sorgfalt, Ordnung und Sparsamkeit im Kleinen hängt damit eng zusammen. Es wird noch der angestrengten Arbeit vieler Jahre bedürfen, ehe aus der Treibhauspflanze ein gesunder, wurzelkräftiger Baum wird." Auch in den bekannten wissenschaftlich-populären Sammlungen finden wir „das Land" vertreten und in dem Kapitel über die Bevölkerung auch ein Urteil über die jüdische Bewegung. Ob D. von Soden in der dritten, jüngst erschienenen Auflage seines Büchleins „Palästina und seine Geschieh t e" (Aus Natur und Geisteswelt, Leipzig, 2. Auflage, 1904) das frühere Urteil noch aufrecht erhält: „Auch eine starke zionistische Einwanderung verspricht nach den bisherigen Erfahrungen mit den jüdischen Siedelungen im Lande kaum einen wesentlichen Beitrag zur Hebung der Kultur," entzieht sich unserer Kenntnis. Prof. Lohr („Volksleben im Lande der B i b e 1", Wissenschaft und Bildung, Leipzig 1907) schließt seine detaillierten Ausführungen mit dem Urteil: „Es ist der deutsche Zionismus, der mit enormem Eifer an der wirtschaftlichen Erschließung Palästinas arbeitet; und jedenfalls ist es ihm bisher gelungen, die jüdische Kolonisation zu einem Faktor im Geschäftsleben des Landes zu machen, an welchem kein Reisender mehr achtlos vorübergehen darf. Uebrigens orientiert die Monatsschrift „Altneuland" über die gesamte Arbeit dieser kolonisatorischen Unternehmung, deren Zukunft jeder Palästinafreund mit Spannung entgegensehen wird." Lic. Hölscher endlich konstatiert in seiner knappen ,,La ndes- und Volkskunde Palästinas" (Sammlung Göschen, Leipzig 1907), daß in dem Anbau des Landes durch die deutsche und jüdische Kolonisation ein neuer Aufschwung langsam eingetreten ist. „Neuen Antrieb erhielt die Einwanderung zuletzt durch die zionistische Bewegung, die neben Ackerbaukolonien auch gewerbliche und industrielle Betriebe eröffnete (zionistisches Finanzinstitut J.C. T. mit Filialen in Jaffa, Jerusalem und Beirut): Webereischule, Kunstgewerbeschule, Färberei in Jerusalem u. a." (Schluß folgt.) DIEXaKELT v Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina Der 4. Jahresbericht des Verbandes gibt ein Bild des eryreulichen Wachstums und der Tätigkeit des Verbandes. Wir entnehmen dem Bericht folgendes: Spitzenateliers. Wir haben in Palästina jetzt vier Spitzenschulen, in Jaffa, Jerusalem, Tiberias und in der Kolonie Ckron. Die Ateliers stehen alle unter der Leitung von Frau Dr. Thon in Jaffa, in deren Haus auch unser ältestes, das Jaffaer Atelier, untergebracht ist. Zirka 40 Mädchen sind hier beschäftigt, die alle einen gesunden und sauberen Eindruck machen. Die Spitzen, die wir aus Jaffa geschickt bekommen, sind fast ausnahmslos vorzügliche Arbeiten. Außer dem Unterricht im Spitzennähen erhalten die Schülerinnen in sämtlichen Ateliers noch hebräische Stunden und Turnunterricht. Nicht nur, daß die Mädchen selbst in unseren Ateliers einen guten Erwerb gefunden haben und durch sie zur Arbeit, Sauberkeit und Ordnung erzögen werden, sie sind oft in der Lage, ihre Familie zu unterstützen und ihr bei dem wirtschaftlichen Fortkommen behilflich zu sein. In Jaffa und auch in einigen nahegelegenen Kolonien gibt es jetzt einige Arbeiterinnen, die zu Hause arbeiten und ihre fertigen Arbeiten im Atelier abliefern. Die Spitzenschule in Jerusalem ist im Hause der Kunstgewerbeschule „Bezalel" untergebracht und wird von fünfzig Mädchen besucht. Voraussichtlich wird sich im nächsten Jahre eine Moskauer Dame dieser Schule annehmen und sie vergrößern. Die Arbeiten aus diesem Atelier haben in der ersten Zeit darunter gelitten, daß man zu junge Kinder aufgenommen hat. Jetzt ist es aber auch hier besser geworden. Durch die Bemühung von Frau Mayer wurden die jüngsten in Schulen untergebracht, und inzwischen haben auch die anderen sich im Nähen vervollkommnet. Es ist eine dankenswerte und notwendige Aufgabe, gerade dieses Atelier zu vergrößern, da es für die Mädchen Jerusalems so wenig Erwerbsmöglichkeiten gibt und die N'Ot und das Elend dort besonders groß sind. Das Atelier in Tiberias besteht aus 30 Mädchen. Es ist von der Moskauer Ortsgruppe des Verbandes eingerichtet worden, und bekommt auch jetzt noch von dort einen kleinen Zuschuß. Die Arbeiten werden nach Jaffa geschickt, und mit den anderen Spitzen aus unseren Ateliers durch uns verkauft. Die Arbeiten sind sehr gut und sauber genäht; das Atelier macht einen vorzüglichen Eindruck. Die Räume, in denen es untergebracht ist, sind hell und luftig, mit einer wundervollen Aussicht auf den See; meist arbeiten die Mädchen auf einer gedeckten Veranda, da Kälte in Tiberias kaum vorkommt. Das Atelier in Ek'ron ist erst vor kurzer Zeit von uns gegründet worden und wird von 25 Mädchen besucht. Außer einigen kleinen Proben haben wir von dort noch keine Ware erhalten; es sollen hier nur Meterspitzen gearbeitet werden, nach denen eine große Nachfrage ist und die wir bisher nicht liefern konnten. Das Interesse für die feinen Palästinaspitzen ist in Europa in erfreulichem Wachsen begriffen, und wir finden für unsere Ware reichlich Absatz. Es haben im verflossenen Jahre eine Reihe von Ausstellungen unserer Spitzen stattgefunden, meist im Anschluß an eine Ausstellung aii6 den kunstgewerblichen Werkstätten

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