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Die Welt · 1912-02-23 · 8 (23.2.1912) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
8 (23.2.1912)
Date
1912-02-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 8 beginnt uns zu verstehen. Die Institutionen, die wir uns geschaffen, haben sich bewährt. Der zionistische Geist hat in der vergangenen Zeit nicht geruht. Wir hören seine Schwingen lauter und kräftiger rauschen, als je zuvor." Zu der Autopsie kommt seitens des Verfassers eine anerkennenswerte Kenntnis der einschlägigen Literatur. Er kennt und verwertet neben der älteren Palästinaliteratur (S epp, Burkhardt, Frankl) das Zentralorgan des Zionismus „Die Welt", die Monatsschrift für die Erschließung des Landes ,,Palästina", die hebräische Monatsschrift „Haschiloah", die Orientierungsbroschüre über die „Zionistische Palästinaarbeit" von A. Böhm, den vom Wiener Informationsbureau herausgegebenen „Kleinen Reiseführer durch Palästina'1 und die Monographie von Friedemann. Er zitiert den Reisebericht des Rabbiners R eich „Misrachah"*) und kennt die Urteile J. H. Kanus und Loe w es über die Chaluka. Der erste Aufsatz, in dem H. „Jüdisches Dorf leben im heiligen Lande" vor unserem Auge erstehen läßt, gibt ihm besonders Veranlassung, das wirtschaftliche Programm des Zionismus zu entrollen, das das verderbliche Wohltätigkeitssystem durch eine großzügige und planmäßige Unterstützungsaktion ersetzt. Wir hören von den Landankäufen des Nationalfonds, der Agudath Netaim, der Geulah; wir sehen die Jüdische Kolonialbank ihre finanzielle, die palästinische Landentwicklungsgesellschaft ihre kolonisatorische Wirksamkeit entfalten. Wir lernen die Tätigkeit des jaffaer Informationsbureaus sehätzen, und sehen, wie durch den Fleiß der jüdischen Bauern und die planmäßige praktische Arbeit des Zionismus neben der Landwirtschaft und Fruchtbaumkultur auch die Industrie in dem Lande sich entwickelt und der innere Ausbau durch die Schulanstalten, Bibliotheken und die hebräische Presse gepflegt wird. Weiter ist von den Arbeiter-, den Kredit- und Berufsgenossenschaften die Rede. Der nächste Artikel schildert eingehend „die Judenschaft in den Städten des heiligen Landes". Wie ist sie nicht seit ca. 50 Jahren numerisch gewachsen, ohne in gleichem Maße innerlich erstarkt zu sein! Die nationalen, religiösen, wirtschaftlichen Gegensätze werfen ihre Schatten in die vier heiligen" Städte Erez Israels, aber auch „in den Ghettos Palästinas regt sich neues Leben!*' Welche Fortschritte hat vor allem das Schulwesen gemacht! Die Gründungen der Alliance, des Berliner Hilfsvereins, des Odessaer Komitees, die hebräischen Gymnasien zu Jaffa und Jerusalem werden gewürdigt, aber es fehlt noch das System! Offenkundige Mängel des palästinischen Schulwesens sind noch die organisatorische Zersplitterung und eine gewisse kulturkämpferische Tendenz. Die national-jüdische Volksschule und besonders auch •Mittelschule ist für Palästina noch nicht geschaffen. An der Entwicklung des Schulwesens arbeitet der Lehrerverband Histadruth Hamo>rim, die Kindergartenpädagogik, indirekt auch die „Organisation für hebräische Sprache und Kultur" (Histadruth. Ibrith). Die Pflege der hebräischen Sprache, die „mit Recht als unerläßliche Bedingung für eine jüdische nationale Kultur angesehen wird", wird außerdem im Lande durch die Presse (Tageszeitungen, Monatsschriften) und durch eine Reihe jüdischer Verlagsgründungen betrieben; dem breiteren Bildungsbedürfnis dienen die bekannten Bibliotheken. Ob aber die journalistischen Bestrebungen und die Wohlfahrtsanstalten nicht unter der gleichen Dezentralisation zu leiden haben wie das Schulwesen? Einen, wenn auch nicht so rapiden Aufschwung" wie Bildung und Kultur haben Handel und Industrie unter der städtischen Judenschaft des heiligen Landes gefunden; verwiesen sei hier nur auf die von dem Deutschen Schulverein *) Aus dem gleichen Jahre (IQÜo) stammt ein weiterer instruktiver Vortrag über seine Palästina reise von Ignatz Braun jun. (Budapest). E. 235 unterstützte Kunstgewerbeschule Bezalel. So treibt der Zionismus heute „praktische Palästinaarbeit''' durch Förderung der kulturellen und wirtschaftlichen Bestrebungen der palästinischen Juden. „Ob aber das jüdische Volk durch seine geeinte Kraft eine gesicherte Heimstätte, einen türkischen Vasallenstaat in Palästina sich schaffen wird, hängt einmal von einer gesunden, vom zionistischen Kapital wie von dem Volkse ganzen getragenen Fortentwicklung ab, sowie von der Stellung der neuen türkischen Regierung zur palästinischen Judenfrage. Und über der Menschen Pläne und Gedanken faßt doch der den letzten und besten Ratschluß, der auch über diesem Volk- Gedanken des Friedens hat und es schließlich so führt, wie Er will." Die Gedanken der beiden Artikel reproduziert der Verfasser, straffer zusammengefaßt, vor einem andern Leserkreis in der „Evangelischen K i r c h e n z e i t u n g" 1911 Nr. 43 f. unter dem Titel: „Jüdisches Leben im heiligen Lande*'. Auch sonst wendet er in seinen „Neuesten Nachrichten pp.u namentlich unter der Rubrik „Verschiedenes", der jüdischen Palästinapresse und der palästinischen Judenschaft ein besonderes Augenmerk zu. In der Zeitschrift „S a a t a u f Ii o f f n u n g" (1911, Nr. 4) charakterisiert P. von H a r 1 i n g den X. Zionistenkongreß. Er anerkennt die Ruhe und Würde der Verhandlungen gegenüber der Hamburger Tagung, und die positive Arbeitsleistung des Kongresses. „Eine neue Aera ist mit der Neuwahl des Aktionskomitees und mit der Verlegung desselben von Köln nach Berlin eingeleitet ... in Zukunft soll es mehr demokratisch regiert werden/1 Der nächste Artikel der Zeitschrift bespricht die Aufsehen erregende Studie Dr. F. T h e i 1 h a b e r s „Der Untergang der deutschen Juden". „Was sollen wir als Christen zu diesem Todesurteil über das jüdische Volk sagen? Wir werden nicht leugnen wollen, daß hier Tatsachen zu uns reden, die allerdings den Bestand des jüdischen Volkes ernstlich in Frage stellen, und wir zweifeln ebensowenig wie der Verfasser daran, daß man vergeblich nach Mitteln suchen wird, dem Verderhen zu steuern. Hier kann nichts helfen, als eine innere Wiedergeburt des Judentums. Es läge nahe, daß der Verfasser, der diese Möglichkeit nicht kennt, auf den Zionismus als einen Weg /Air Rettung hingewiesen hätte; der Zionismus hat ja die Gefahr des allmählichen Untergangs der Juden unter den Völkern anerkannt und erwartet Rettung allein von einer Wiedereinwur/.elung der Juden im Boden der Väter. Offenbar steht auch der Verfasser dem Zionismus freundlich gegenüber und kann sich, wie eine Anmerkung zeigt, die Erhaltung wenigstens eines Volksteiles in gesicherter Position im eigenen Lande denken, der noch einmal von Bedeutung werden könnte. Das ist wenigstens ein schwacher Schimmer von Hoffnung in dein Dunkel der Zukunft/'! Zu erwarten steht, daß auch das ,,D eu t s c h e E v a ri g e - i I 1 i s c h e Institut für Altertumswissenschaft des; h eiligen Landes zu J e r u s a 1 e in" dem jüdischen Palä- | stina seine Aufmerksamkeit zuwendet. Umfaßt das Arbeitsbereich des Instituts doch die palästinische Landes- und Volkskunde in weitestem Sinne, so daß uns bereits bei umserrn Studienaufenthalt im Jahre 1905 unter einer Reihe von zu bearbeitenden wissenschaftlichen Themen auch das folgende benannt wurde: der wirtschaftliche Bestand einer Judenkolonie j (/.. B. Rischon Ie Zion). Bisher sind mir in den gediegenen p „Jahrbüchern" des Instituts nur gelegentlich anläßlich i der Reiseberichte Notizen über jüdische Kolonien, namentlich Zammarin (Zichron Ja 'akob VII S. 131, VI S. 11, V S. 16) und Zubed (Jesud ham-ma 'ala V S. 18) begegnet. In der „Jüdischen Rundschau" (1911, Nr. 11) hat der Rezensent des „Palästinajahrbuches 1910" Anstoß daran genommen, daß der Leiter des Instituts die Notwendigkeit eines eigenen Heims DIE3^ELT

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