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Die Welt · 1912-02-16 · 7 (16.2.1912) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
7 (16.2.1912)
Date
1912-02-16
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 7 DIE ELT 215 des Botschafters gehorchend nachgeben. — N i s s e 1 o vv i t s c h lehnte aber die Einladung, unter Berufung auf die traurige jüdische Lage und das feindliche Verhalten der Duma den Juden gegenüber, höflich ab. Eine neue jüdische Ansiedlung in Portugiesisch-Westafrika Der jüdische Großkaufmann W. Terlo in Lissabon hat der portugiesischen Kammer eine Denkschrift nebst einem Gesetzentwurf über die Ansiedlung von Juden auf den Plateaux von Angola und Mossamedes (Portugiesisch-Westafrika) unterbreitet. Der Entwurf, den der Deputierte Dr. Manuel Bravo, im Einverständnis mit sämtlichen parlamentarischen Gruppen, der Kammer vorlegte, gelangte dort am 6. Februar zur Verhandlung und fand eine sehr günstige Aufnahme, nachdem er schon vorher in den bedeutendsten Tagesblättern bekanntgegeben und sympathisch besprochen worden war. Die Annahme des Entwurfs sowohl in der Deputiertenkammer als auch im Senat erscheint gesichert. Der Gesetzentwurf sieht vor, daß die Regierung an die jüdischen Ansiedler 500 Hektar pro Familie unentgeltlich abgibt und ihnen außerdem verschiedene Vergünstigungen gewährt. Die portugiesische Tagespresse hebt bei Besprechung des Projekts hervor, daß der politische und wirtschaftliche Verfall Portugals von der Vertreibung der Juden datiert. — Das in Rede stehende Gebiet liegt an der Westküste von Südafrika und ist reich an pflanzlichen und tierischen Produkten aller Art. Eine patriotische Kundgebung der bulgarischen Juden Am 2. Februar fand in der herrlichen spaniolischen Synagoge in Sofia anläßlich der Großjährigkeitserklärung des Kronprinzen Boris ein feierlicher Gottesdienst statt, der imposant verlief. Es waren u. a. anwesend: Vertreter des Königspaares, Ministerpräsident Geschow und mehrere Mitglieder des Kabinetts, der Chef der Spanischen Sondermission, Graf de la Vianza, spanischer Botschafter in Petersburg, der Vorsitzende der Heiligen Synode, Erzbischof Vassiii, ferner der Erzbischof von Sofia Partnern und die Vertreter aller anderen Religionsgenossenschaften. Der Besuch hoher kirchlicher Würdenträger in der Synagoge geschah hier zum ersten Male und ist von guter Vorbedeutung für das friedliche Zusammenleben der Bürger. Großrabbiner Dr. Ehrenpreis hielt eine sehr eindrucksvolle Festrede in bulgarischer Sprache, die von der bulgarischen Tagespresse vollinhaltlich wiedergegeben wurde. Bei dem am Abend abgehaltenen offiziellen Empfang am Hofe wurde Dr. Ehrenpreis von König Ferdinand zu seiner Rede und zum schönen Verlauf der Feier beglückwünscht. Der König dankte für die patriotische Kundgebung und schloß die Unterredung mit den Worten: „Ich kenne die Treue und Loyalität der jüdischen Bürger/' Am darauffolgenden Tage erschien Dr. Ehrenpreis mit den Mitgliedern des Zentralkonsistoriuims beim Thronfolger, Kronprinz Boris, um die Glückwünsche aller jüdischen Kultusgemeinden des Königsreichs zu überbringen. Judentum und Sozialismus Der Zionistische Verein West-Berlin veranstaltet als Fortsetzung des Vortrages von Herrn G u s t a v Landauer am Mittwoch, den 21. Februar, einen Diskussionsabend über das Thema „ J u d e n t u m u n d Sozialismus". Ort: Augusta-Viktoria-Säle, Lutherstr. 31/32, gegenüber dem Eispalast. Beginn 9 Uhr. Zur Diskussion sind bereits vorgemeldet: Herr Buber, Herr I t e 1 s o h n und einige politisch organisierte Sozialdemokraten. Da der Abend eine interessante Debatte zwischen Zionismus und Sozialismus zu bringen verspricht, wäre zahlreiches Erscheinen unserer Gesinnungsgenossen sehr erwünscht. Am 30. Januar veranstaltete der Verein Jüdischer Studierender au,s Rußland an der Universität in Königsberg ein Wohltätigkeitsfest zum Besten unterstützungsbedürftiger Studenten. Das Fest war sehr besucht und ergab einen stattlichen Reingewinn. rö^sr SPRECHSAAL 13^= Herr Dr. Martin Buber bittet uns um Veröffentlichung nachstehender Zeilen: Durch verschiedene Anfragen veranlaßt, teile ich hierdurch mit, daß ich an der Leitung der Organisation für hebräische Sprache und Kultur nicht beteiligt bin. Die Ursache meines Ausscheidens war keinerlei prinzipielle Meinungsverschiedenheit, sondern lediglich die Einsicht, daß eine Verwirklichung der Absichten, die mich zur Histadruth geführt haben, in dem von mir gemeinten Maßstab für absehbare Zeit in ihr nicht möglich ist. Die Genossen, die mit mir gedacht und gearbeitet haben, grüße ich zum Abschied in treuer Erinnerung an all die Stunden ernster, tätiger Gemeinsamkeit. Zehlendorf bei Berlin, 8. Februar 1912. M a r t i n Bub e r. * * * Das Präsidium der Deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance ersucht uns um Abdruck folgender Zeilen: 13. Februar 1912. In verschiedenen Blättern erläßt Herr Rabbiner Dr. F ra nk , Köln, ein Inserat, wonach seit 1907 in Köln ein Lokalkomitee der Alliance Israelite Universelle bestehe. Diese Angabe ist unrichtig. Nach Mitteilung in Heft 2 Jahrgang 1907 von „Ost und West", Seite' U4, hatte sich wohl 1907 in Köln ,ein Lokalkomitee gebildet, welches vorläufig aus 7 dort genannten Herren bestand, aber dieses Komitee ist weder für 1907 noch für ein folgendes Jahr von den Mitgliedern der A. I. U. in Köin gewählt oder bestätigt worden. Nach 15 und 17 der allgemeinen Satzungen der A. I. U. müssen die Lokalkomitees von den Mitgliedern am Orte in einer Generalversammlung, und zwar jedes Jahr von neuem, gewählt werden. Es ist aber bereits festgestellt worden, daß in Köln seit mehr als 20 Jahren niemals eine Versammlung der Alliance-Mitglieder stattgefunden hat oder einberufen worden ist. Demgemäß hat bisher in Köln auch kein satzungsgernäß gültiges Lokalkomitee bestanden. Nachdem die Kölner Mitglieder in einer Versammlung am 23. Januar unter ausdrücklicher Ausschaltung des Herrn Dr. Frank, den Satzungen gemäß ein Lokalkomitee, bestehend aus den Herren Rechtsanwalt Dr. Apfel, Dr. Albcrsh e i m , J. D ü 1 k e n , Hermann Ster n a u , Max Goldreich gewählt haben, ist nur dieses Komitee als Vertreterin der Kölner Mitglieder der A. I. U. anzusehen. Weder Herr Dr. Frank, noch da_s von ihm allein ernannte, nicht mehr im Amt befindliche 1907er Komitee sind berechtigt, sich als Lokalkomitee Köln zu bezeichnen, Mitgliederbeiträge einzuziehen, Versammlungen einzuberufen oder sonstige Handlungen für die Mitglieder der A. I. U. in Köln vorzunehmen. Nur die von Herrn Hermann Sternau, Mozartstraße Nr. 17, I, Köln, ausgestellten Beitragsquittungen sind gültig, und nur diejenigen ^Mitglieder erhalten die Zeitschrift^ „Ost und West", deren Adressen dem satzungsgemär> gewählten Lokalkomitee Köln bekannt gegeben werden. Da s P r ä s i d i u m der Deutschen Kon f crenz- G e m e i n s c h a f t. Justizrat Max Fuchs. Geh. Rat Prof. Dr. L a n d a u. (2T O CIL, FEUILLETON ^^3) O ,^JD Auswanderer Von Sara Schlesinger-Silenski An der Grenzstation. Ich hatte meinen Zug versäumt und saß nun allein im gut durchwärmten, hellbeleuchteten Wartesaal. Wie ich zu diesem Mißgeschick gekommen war, Ö O 7 wußte ich mir selber nicht zu erklären. War ich doch zur bestimmten Abgangszeit des Zuges schon dort gewesen, hatte mich durch eine Barrikade von Schachteln und allerlei Gepäckstücken zu einem bequemen Ruhe-

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