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Die Welt · 1912-02-16 · 7 (16.2.1912) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
7 (16.2.1912)
Date
1912-02-16
Page
– (sequence 16)
Language
German
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214 DIETOELT: Nr. 7 hat sicli Dr. Maines geäußert, dal) er der jüdischen Sache am besten dienen zu können glaube, wenn er, unabhängig von irgendeiner Synagoge, seine Tätigkeit auf das Problem der religiösen Organisation und des jüdischen Erziehungswesens konzentriere. Der erste Verein zur Förderung des Judent u in s ist schon in New York gegründet worden. Dr. A\agnes, der auch Vorsitzender der New Yorker Kehillah ist, hat jetzt einen großen Fonds für jüdische Erziehung in New York aufgebracht, der sich auf über £ 300 000 (M. f200 000) beläuft. Die Zeichnungen für diesen Fonds sind auf 5 Jahre verteilt. Dr. Mossinsohn in Amerika Herr Dr. M os s i n s o h n aus J a f f a hat seine Vortragstournee in Amerika im Interesse des hebräischen Gymnasiums mit einer Ansprache in einer großen Versammlung in New Y o r k am 22. Januar begonnen. Dr. Harry Frieden w a 1 d aus Baltimore, Ehrenpräsident der amerikanischen zionistischen Federation, führte den Vorsitz, und unter den Anwesenden waren viele hervorragende New Yorker Gesinnungsgenossen. Die Rede Dr. Mossinsohns über die Autgaben des Gymnasiums und über die jüdische Renaissancebewegung in Palästina dm allgemeinen wurde mit großem Beifall aufgenommen, und ein einflußreiches Komitee wurde begründet, um einen Unterstützungsfonds für das Gymnasium zu sammeln. In der folgenden Woche hat Dr. Mossinsohn in Baltimore in einer geschlossenen Versammhing sowie auch in einer groben öffentlichen Volksversammlung gesprochen. Ein Komitee ist auch in Baltimore gebildet, das schon Zeichnungen bis zu 8000 M. erhalten hat. Dr. Mossinsohn hat auch in einer großen öffentlichen Versammlung in P h i l a d e 1 p h i a gesprochen, wo Herr Richter Mayer Sulzberg er den Vorsitz führte, und er war auch der Gast bei einem von dem jüdischen Studentenverein „Menorah44' der Pennsylvania-Universität veranstalteten Empfangsabend. Ferner wird er die Städte C 1 e v e 1 a n d , P i 11 s b u r g , C h i c a g o , St. Louis, B o ston und W a s h i n g ton besuchen und an allen diesen Orten in öffentlichen Versammlungen sprechen. Die letzten 10 Tage seines Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten wird er in New York verbringen. PALASTINA o o o || Wiedereröffnung des Beth-Haam in Jerusalem Das Jerusalemer B e t h - Fl a a m , ein jüdisches Volksbild ungsheim, in dem populär-wissenschaftliche Vorträge — meist in hebräischer Sprache , ferner Unterrichtskurse, Diskussionsabende und öffentliche Versammlungen abgehalten werden, mußte vor drei Monaten geschlossen werden, da der Besitzer der bisherigen Lokalitäten den Mietsvertrag gekündigt hatte und sich kein anderes geeignetes Lokal fand. Nunmehr hat die Verwaltung des Beth-Haam ein geräumiges Haus gegenüber der Laemelschule gemietet, das einen großen Vortragssaal und zahlreiche kleinere Räume, ferner einen Hof und einen schönen Garten enthält. Die Anstalt wird nunmehr in den nächsten Tagen neu eröffnet werden. Das leitende Komitee beabsichtigt, clie kulturelle Tätigkeit des Beth- Haam bedeutend zu erweitern, insbesondere verschiedene Vortragszyklen und Unterrichtskurse einzurichten, für die bereits eine Reihe freiwilliger Kräfte aus den Kreisen der Jerusalemer Intelligenz gewonnen worden sind. In der kurzen Spanne Zeit, während das Beth-Haam geschlossen war, zeigte sich erst recht deutlich, wie notwendig ein solches Institut für Jerusalem ist und welchen segensreichen Einfluß es auf das geistige Leben der jüdischen Bevölkerung unserer Stadt auszuüben berufen ist. Versammlung der jüdischen Landarbeiter in Galiläa Am 24. Tebeth (13. Januar) fand auf der Farm Kinereth der Palestine Land Development Company die zweite Jahresversammlung der in den jüdischen Kolonien Galiläas tätigen jüdischen Landarbeiter statt. Es wurde ein Zentralkomitee von drei Mitgliedern eingesetzt, dessen Aufgabe hauptsächlich die Vermittlung landwirtschaftlicher Arbeit und die Erteilung zuverlässiger Informationen über die Arbeitsverhältnisse in den einzelnen jüdischen Ansiedlungen Galiläas bilden soll. Es wurde ferner beschlossen, eine Leihkasse für die Mitglieder der galiläischen Landarbeiter-Organisation einzurichten. Anstellung eines Tierarztes in den judäischen Kolonien Die Vorstände der jüdischen Kolonien in Judäa beabsichtigen, gemeinsam einen Tierarzt anzustellen. Die galiläischen Kolonien sowie die Kolonien Sichron Jacob und Chedera in Samaria werden bereits regelmäßig von einem sehr tüchtigen Tierarzt besucht, der seinen Wohnsitz in Haifa hat. Derselbe hat auch die Viehversicherung in allen galiläischen Kolonien durchgeführt. Von der landwirtschaftlichen Schule in Ben-Schamen Seit einigen Monaten besteht in der Kolonie Ben- Schamen bei L y d d a im Anschluß an die Gutswirtschaft des Nationalfonds und die Bezalelkolonie eine Landwirtschaftsschule, die den Zweck hat, junge Leute im Pflänzlings- und Ackerbau praktisch auszubilden. Es ist auch in Aussicht genommen, daß der Leiter der Schule als Wanderlehrer für die benachbarten Kolonien fungieren soll. Später sollen von Seiten der Schule periodische kleine Veröffentlichungen, enthaltend praktische Anleitungen und Fingerzeige für die Kolonisten, herausgegeben werden. Der Kiewer Ritualmordprozeß Der Hilfsverein der Deutschen Juden erhielt folgendes Telegramm: Kiew, 10. Februar 1912. Die Mordaffäre Justschinski in Kiew zieht nach den Enthüllungen des Korrespondenten B rasul Brüse h kowski immer weitere Kreise. Jetzt ist auch die ehemalige Geliebte des mutmaßlichen Mörders M i 11 e , welche als Hauptzeugin gegen ihn auftrat, als Beteiligte am Morde bloßgestellt. Eine gewisse Frau M a 1 i t z k a j a , die zur Mordzeit unterhalb der Wohnung der Tschebyrjako w a wohnte, hörte durch die dünne Zimmerdecke am Tage des Verbrechens ein sehr verdächtiges Geräusch mehrerer geschäftig hin und hergehender Personen und das erschütternde Schreien eines Kindes. Es wurde weiter festgestellt, daß in der Wohnung der Tschebyrjakowa nach dem Mordtage blutgetränkte Lappen gefunden wurden, die man in die Müllgrube warf und mit Sand bedeckte. Außer den durch die ersten Enthüllungen bloßgestellten Personen sind jetzt noch die Personen Monzejewski und L a d i s c h e s dringend des Mordes verdächtig. Von der englischen Wallfahrt nach Rußland Finita la comedia. Die „Sendboten des englischen Volkes*4 sind wieder nach Hause gegangen, nachdem sie ihre Pflicht mit echt englischer Tüchtigkeit und Gewissenhaftigkeit erfüllt und mehrere Tage hindurch in schweren lukullischen Anstrengungen zugebracht hatten. Das Hauptziel ist erreicht. Die russischen Verhältnisse hat man aus unmittelbarer Anschauung gründlich kennen gelernt. Als Zeuge kann jener englische Parlamentarier gelten, der auf dem parlamentarischen Mittagessen erklärte, er habe die Ueberzeugung gewonnen, daß es dem russischen Volke im allgemeinen sehr wohl ergehe, da er nirgends zerlumpten und heruntergekommenen Menschen begegnet sei, wie es deren in England in Hülle und Fülle gäbe. Es ging auch nicht ohne Kuriosa zu, wie sie hierzulande üblich sind. Auf dem besagten parlamentarischen Festessen haben die russischen Parlamentarier von den rechten Bänken der Reichsduma während der Reden der fortschrittlichen Dumaabgeordneten nach Gewohnheit großen Lärm gemacht, so daß die englischen Gäste sich veranlaßt sahen, um Ruhe zu bitten. Der Empfang der englischen Gäste gab auch zu einer kleinen „jüdischen" Streitfrage Anlaß. Der englische Botschafter hielt es für angezeigt, N i s s e 1 o w i t s c h als Vertreter der jüdischen Nation zur Tafel zu laden. Das Empfangskomitee sträubte sich zunächst gegen diese unerhörte Zumutung, mußte aber schließlich doch dem beharrlichen Wunsche

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