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Die Welt · 1912-02-16 · 7 (16.2.1912) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
7 (16.2.1912)
Date
1912-02-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7 : DIElj relativen Betonung der Mittel stattgefunden, aber durch kein Aufgeben irgendeines Punktes des Baseler Programms. Ad 2. Treu dem Grundzuge unserer Bewegung müssen wir in unseren kolonisatorischen Aktionen uns vor Augen halten, was Zangwill einst epigrammatisch erklärte: „Der Zionismus schafft keine Dinge, sondern Bedingungen." In diesem Sinne und zu diesem Zwecke sollen alle landwirtschaftlichen und industriellen Möglichkeiten in Palästina erprobt und verwertet werden. Mit dem Wegfall der Charter-Idee, die doch nur eine vorübergehende Phase in der Entwicklung des zionistischen Gedankens darstellte, sollen die Gelder der Bank aber nicht länger in Erwartung des „großen Tages" aufgespeichert liegen, sondern sollen in Palästina in vollstem Maße befruchtend angelegt werden. Der Nationalfonds soll seine Landkäu>fe bis zur äußersten Anwendung seiner Mittel fortsetzen. Die Organisation hat darauf zu sehen, daß nicht nur die bestehenden zionistischen Institutionen (fürs Erste die P. L. D. C. und der Bezalel) ausgebaut werden, sondern daß auch die Juden Palästinas in engerer, freundschaftlicher Beziehung zu den türkischen Behörden sowie zu den arabischen Nachbarn treten. Einen der wichtigsten Punkte dieser Aufklärungsarbeit bildet die türkische Naturalisation unserer ausländischen Gesinnungsgenossen in Palästina. Es ist das, trotz mancher schwerwiegender Gegengründe, eine gebieterische Forderung der zionistischen Loyalität gegen den ottomanischen Staat, sowie das wirksamste Mittel, einen wachsenden Einfluß auf die lokalen Verwaltungen auszuüben. In gleichem Schritt soll die zionistische Erziehung der jüdischen Bevölkerung Palästinas (womöglich auch anderer Teile der Türkei) vor sich gehen, und das kann bisweilen durch eine zionistische Presse und die existierenden Mustersc'hulen gefördert werden. Sir Francis Montefiore: Ich muß gestehen, daß ich mit einigem Mißtrauen an die Beantwortung Ihrer Fragen gehe, da meine Ansichten möglicherweise nicht mit den Ansichten derjenigen übereinstimmen, welche sich praktisch mehr mit der zionistischen Bewegung beschäftigen, als ich jetzt tun kann. Aber bei allem Respekt vor denjenigen, welche anderer Ansicht sind wie ich, will ich versuchen, Ihre Fragen zu beantworten. Meiner Meinung nach bleiben die Grundprinzipien dieselben, wie sie von unserem verehrten Führer, dem verstorbenen Dr. Herzl, ausgesprochen wurden, obgleich ich verstehen kann, daß Einige, die erst kürzlich der Bewegung beigetreten sind und nicht mehr den Vorzug hatten, ihn zu kennen, eine etwas abweichende Auffassung von der großen nationalen Bewegung haben mögen. Was Ihre zweite Frage anbelangt, so halte ich es für gut, sich von den Umständen und Ereignissen leiten zu lassen, und daß alle guten Zionisten ihren Führern treu folgen sollten, da wir nur bei vollkommener innerer Einigkeit hoffen können, praktische Resultate zu erzielen. Ich weiß, daß, um das zu erreichen, manchmal Opfer zu bringen sein werden, aber es handelt sich um eine große und heilige Sache, sicherlich ein Werk der Entsagung. Ich bin entschieden der Meinung, daß unsere Führer all ihre Diplomatie aufwenden sollten, um sich um die Erlangung der Sympathie und der Geneigtheit der Regierungen derjenigen Länder zu bemühen, welche Interesse an Palästina haben, und daß sie klar darlegen sollten, daß sie wünschen, auf keine Weise den Weltfrieden zu stören oder den Interessen derjenigen entgegenzuarbeiten, die jetzt in Palästina regieren. Was die Frage betrifft, ob es wünschenswert sei, die Kolonisation in dem Heiligen Lande zu fördern, so ist es besser, diese Frage den führenden Persönlichkeiten der Bewegung zur Beantwortung zu überlassen. [ELT 201 I. A. Naiditsch: Ad 1. Die grundlegenden Prinzipien des Zionismus — die auf der Erkenntnis beruhen, daß unser Unglück in dem 'Mangel einer Heimstätte und unsere Erlösung in der Schaffung einer solchen Heimstätte im Lande der Väter besteht — haben sich gar nicht geändert. Sie bilden nach wie vor die Basis für unsere Theorie und unsere praktischen Bestrebungen. Wenn das Ziel jedoch auch das gleiche geblieben ist, so haben die Mittel, die zur Erreichung dieses Zieles angewandt werden, eine sehr wesentliche Aenderung erfahren. Während der Zionismus in den Anfängen der Bewegung seinen Blick nach außen richtete — alle seine Bestrebungen und Hoffnungen gipfelten in der Erlangung diplomatischer Hilfe seitens der Herrscher und Regierungen -- wendet der jetzige Zionismus sein Augenmerk der. inneren Arbeit zu. Wir alle wissen und begreifen es heute, daß kein Staat und keine regierenden Persönlichkeiten ihre Kräfte für unsere Bestrebungen einsetzen werden, sondern daß dies unsere eigene Sache ist. Um unser Ziel zu erreichen, ist die Konzentration der Kräfte aller Kreise des jüdischen Volkes erforderlich. Diese Konzentration der Kräfte ist nur möglich, wenn es uns gelingt, dem Volke die Erkenntnis beizubringen, daß ihm nur geholfen werden kann, wenn es wieder fest im eigenen Boden wurzelt. Da wir inun die Hoffnung, von außen her Hilfe zu erlangen, aufgegeben hatten, mußten wir selbstverständlich auch unsere Taktik hinsichtlich der Palästina-Arbeit ändern. Da wir keine plötzlichen „Wunder'' erwarten können, dürfen wir?nicht zugeben, daß der palästinensische Boden in fremden Besitz übergeht. Darum müsesn wir jeden Augenblick in Palästina zu erreichen suchen, was sich eben erreichen läßt. Ad 2. A. Wir dürfen uns jetzt nur mit der Schaffung günstiger Bedingungen für die Kolonisation, durch die Ausgestaltung unserer Institute, nicht aber mit der Kolonisation selbst befassen. Wir dürfen nicht an die Gründung irgend eines Agrarinstitutes herantreten, solange die gesetzlichen Vorbedingungen hierfür in (der Türkei nicht vorhanden sind. Wir dürfen auch die Gelder unserer Finanzinstitute, der A. P. C. und des I. C. T., nicht in verschiedenen Hypotheken und Immobilien anlegen, kurz, wir dürfen unser flüssiges Kapital nicht in totes Kapital umwandeln. Unsere Aufgabe ist es, lediglich günstige Bedingungen für die Kolonisation zu schaffen, die Privatinitiative anzuregen, und den Ansiedlern, die sich aus eigenem Antrieb in Palästina niederlassen wollen, durch Rat und Tat behilflich zu sein. Aus diesem Grunde glaube ich, daß unsere hauptsächlichste Aufgabe gegenwärtig in der Förderung der P. L. Di. C. besteht. Diese Gesellschaft ist bei dem derzeitigen Stand des palästinensischen Kolon isations Werkes die notwendigste für uns. Es muß das Bestreben der Zionisten in allen Ländern sein, das Kapital dieser Gesellschaft zu vergrößern. Selbstverständlich muß die P. L. D. C. die Bewirtschaftung von Farmen aufgeben und ihre ganze Tätigkeit auf die Erwerbung von Grundstücken und auf deren Weiterverkauf an Privatleute, ferner auf die Urbarmachung von Ländereien für neue Ansiedler konzentrieren. B. Wir müssen bemüht sein, eine Lösung für die Arbeiterfrage zu finden. Solange in Palästina die landwirtschaftlichen Arbeiten nicht durch richtige jüdische Landarbeiter verrichtet werden, können wir das neue Kolonisationswerk nicht als jüdisch bezeichnen. C. Eine unserer Hauptaufgaben in Palästina ist auch die kulturelle Tätigkeit. Um für dieselbe einen umfassenden Arbeitsplan zu erhalten, müssen wir sämtliche Gesellschaften und Institute, die auf kulturellem Gebiete tätig sind, zu gemeinschaftlichem Wirken zusammenschließen.

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