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Die Welt · 1912-02-09 · 6 (9.2.1912) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
6 (9.2.1912)
Date
1912-02-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 6 DIETOELT 179 PALASTINA ■m ooo || m& Eine Eisenbahnverbindung Jerusalem—Damaskus? Wie dem Jerusalemer „Haor" aus Damaskus mitgeteilt wird, hat die Direktion der Hedschasbahn in ihrer jüngsten Sitzung beschlossen, die nötigen Vorbereitungen zu treffen, um den Bau einer Zweiglinie Kerak — Jerusalem ehestens in Angriff zu nehmen. Durch den Bau dieser Zweiglinie würde Jerusalem eine direkte Eisenbahnverbindung einerseits mit Damaskus, andererseits mit Mekka erlangen. Die Ingenieure der Hedschasbahn sollen bereits Anfang April nach Jerusalem kommen, um die Trace abzustecken. Vermutlich wird mit dem Bau noch im Laufe dieses Jahres begonnen werden; innerhalb zweier Jahre dürfte die neue Zweiglinie betriebsfertig hergestellt sein. Die Baukosten der 85 km langen Bahn werden auf ca. 40 Millionen Francs geschätzt. Es wird ferner geplant, nach Vollendung der Eisenbahnlinie Kerak—Jerusalem sogleich mit dem Bau einer zweiten Zweiglinie Haifa — Jerusalem zu beginnen. Gesellschaftsreise nach Palästina Das Wiener Palästina-Informationsbureau veranstaltet auch in diesem Jahre eine Gesellschaftsfahrt nach dem heiligen Lande. Die gemeinsame Abfahrt erfolgt von Triest Sonntag, den 24. März 1. J. mit dem Lloyd-Eildampfer „Wien", der schnellsten Verbindung mit Palästina (70 Stunden nach Alexanr drien, Jaffa wird in 4i/2 Tagen erreicht). Die Preise des Schiffskarten sind bedeutend ermäßigt und betragen für die Tour- und Retourfahrt samt Verpflegung (rituelle): I. Klasse.....Fr. 639.60 II. Klasse ... . „ 434.10 III. Klasse ..... „ 170.— ohne Verpflegung IV. Klasse ..... „ 120.- Die Retoiuirkarte hat 4 Mlonate Gültigkeit (kann auch prolongiert werden) und gestattet mehrere Fahrtunterbrechungen. Da die Palästina-Institutionen den Exkursanten in allem mit Rat [und Tat beistehen werden, werden sich auch die Aufenthaltskosten im Lande auf das Minimum reduzieren. Der Zeitpunkt der Reise ist sehr glücklich gewählt, da Palästina in dieser Zeit im herrlichsten Frühlingsschmucke steht. Es liegt im Interesse derjenigen, die sich der Gesellschaftsfahrt anschließen möchten, ihre Teilnahme ehebaldigst dem Informationsbureau für Palästina, Wien IX., Türkenstraße 9, anzumelden, bei Angabe der Klasse und ob Herren¬ oder Damenkajüte, damit die Plätze rechtzeitig reserviert werden können. Die definitive Fixierung der Plätze erfolgt bis inklusive 2. März und muß das Geld für die Karten bis zu diesem Zeitpunkte im 'Bureau erlegt werden. Das Bureau erteilt jedem Interessenten gerne sämtliche die Fahrt betreffenden Informationen und ersucht die Auskunftverlangenden zur Deckung der Regiekosten 1 Krone (0,90 M., 40 Kop.) in Brietmarken beilegen zu wollen, wofür sie nebst den näheren Angaben den im Verlage des Bureaus erschienenen „Kleinen Reiseführer durch Palästina für jüd. Touristen" gratis zugeschickt bekommen. Der Reiseführer enthält sämtliche Angaben über Verhältnisse, Sehenswürdigkeiten des Landes, Reiseausrüstung usw. Deutsche Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Isra€lite Universelle In Ergänzung unserer Mitteilungen veröffentlichen wir nachstehend den Wortlaut der am 28. Januar in der deutschen Alliance-Versammlung angenommenen Resolution: „Die heutige Versammlung beschließt die Begründung eines Landes-Comites behufs Zusammenfassung der in Deutschland bestehenden Lökal-Comites. Sie bestellt eine Kommission von 15 Mitgliedern, von denen 8 aus Nord-, 7 aus Süddeutsdiland gewählt werden, die beauftragt werden, die Satzungen dieses Landes-Comites nach Maßgabe des Artikels 18 der Satzungen der A. I. U. vorzubereiten." Mit Ausnahme des Bezirks-Comites Nürnberg, ddas gegen diesen Beschluß gestimmt hat, haben folgende 61 Comites teils schriftlich, teils mündlich ihre Zustimmung zur Gründung eines Landes-Comites gegeben: Aachen, Barmen, Berlin, Beuthen, Bleicherode, Bocholt, Bochum, Braunschweig, Breslau, Castrop, Cöln, Crefeld, Darizig, Dortmund, Dresden, Duisburg, Dülmen, Eisenach, Essen, Filehne, Forbach i. L., Freiburg, Gelnhausen, Gelsenkirchen, Gera-Reuß, Görlitz, Graudenz, Guben, Halle, Hildesheim, Kattowitz, Königsberg, Königshütte, Kottbus, Lauenburg, Leipzig, Linz, Lissa, Magdeburg, Mainz, Mülheim a. d. Ruhr, München, M.-Gladbach, Myslowitz, Oeffingen, Osterode, Pinne, Potsdam, Prenzlaui, Ratibor, Schneidemühl, Schönlanke, Schrimm, Schweinfurt, Schwerin, Stettin, Tarnowitz, Thorn, Wesel, Wreschen, Würzburg. Von allen Seiten ist die feste Ueberzeugung ausgesprochen worden, daß nur durch Gründung eines solchen Landes-Comites für die deutschen Mitglieder der A. I. U. die Möglichkeit geschaffen werde, einen maßgebenden Einfluß auf die Leitung der Alliance-Angelegenheiten zu gewinnen. Das Landes-Comite soll dazu beitragen, daß das große Werk der Alliance in dem Geist seiner Gründer und in einem durch keinen nationalem Einfluß beeinträchtigten jüdischen Sinn fortgeführt wird. * Das Lokalkomitee Frankfurt a. M. der A. J. U. hat für Sonntag, den 11. d. M., eine Versammlung nach Frankfurt a. M. einberufen, vm ein Bezirkskomitee für Süd- und Westdeutschland zu begründen und gegen den Beschluß der Deutschen Konferenzgemeinschaft vom 28. Januar betreffs Schaffung eines Landeskomitees Front zu machen. In der von Justizrat Dr. Blau, Direktor Adler und Dr. B ä r - w a 1 d unterzeichneten Einladung zur Frankfurter Versammlung wird versucht, gegen das Deutsche Landeskomitee mit der sonderbaren Begründung Stimmung zu machen, dieses habe den Zweck, deutsch-nationale Tendenzen in die Alliance hineinzutragen! Als ob diese Herren nicht wüßten, daß der ganze Kampf der Deutschen Konferenzgerneinschaft gegen die Pariser Gewaltherrschaft im Grunde nur der Wahrung und Wiederherstellung des allgemein -jüdischen Charakters der Alliance gegenüber den Französierungsbestrebungen der Pariser Autokraten gilt. Im übrigen wird es einem schwer zu glauben — so erfreulich es an sich wäre —, daß gerade die Herren in Frankfurt ernsthaft als Kämpen gegen „deutsch-nationale" und für alljüdische Bestrebungen auftreten wollen und daß sie damit bei den übrigen süddeutschen Mitgliedern der Alliance Anklang finden werden. Eine neue Wendung in der Affäre des Kiewer Knabenmordes In Angelegenheit der Ermordung des Knaben Justschi n s k y, die von den reaktionären Kreisen Rußlands bekanntlich als „Ritualmord" hingestellt wird, hat der Mitarbeiter des „Russkoje Slowo", Brasul Brüsehkowski, der Kiewer Staatsanwaltschaft eine Denkschrift überreicht, die sensationelle Enthüllungen enthält. Bruschkowski ist auf Grund eines von ihm gesammelten umfangreichen Materials zu der Ueberzeugung gelangt, daß der Mord das Werk einer berüchtigten Verbrecherbande ist, die unter der Leitung des in Kiew ansässigen französischen Staatsangehörigen M i 11 e und der Verwandten des ermordeten Justschinski steht. Für Mifle und Konsorten war die Beseitigung Justschinkis notwendig, weil dieser Kenntnis von ihrem verbrecherischen Treiben hatte und sie Verrat von seiner Seite fürchten mußten. Zwei Zeugen, die mit der Verbrecherbande in Beziehung standen, die ehemalige Geliebte Mifles, Tschebirjakowa, und der Tischler Petrow, haben außerordentlich schwerwiegende Tatsachen bekundet, die zur Feststellung der wirklichen Mörder führen müssen. Dieser Tage hat nun Bruschkowski die beiden genannten Zeugen der Staatsanwaltschaft vorgeführt. Die anwesenden Staatsanwaltsgehilfen weigerten sich aber, die Bekundungen der Zeugen, die die Situation völlig ändern und Licht in das Dunkel bringen, entgegenzunehmen, und begründeten ihre Weigerung damit, daß der Hauptstaatsanwalt in Angelegenheit Justschinskis nach Petersburg abgereist sei. * In dieser Angelegenheit erhielt der Hilfsverein der deutschien Juden folgende Mitteilungen aus Kiew, datiert vom 2. Februar:

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