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Die Welt · 1912-02-09 · 6 (9.2.1912) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
6 (9.2.1912)
Date
1912-02-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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178 DIE^KLT: Nr. 6 Ein Einwanderungsgesetz ist durch Senator Culberson dem Kongreß vorgelegt worden, welches, wenn es durchgeht, zur Folge haben wird, daß bedeutend mehr Juden als bisher von der Einwanderung ausgeschlossen werden. Das American Jewish Committee ist bei der Abteilung für äußere Angelegenheiten, welcher dieses Gesetz vorliegt, vorstellig geworden, aber es ist in der Presse wenig darüber mitgeteilt worden, weil das genannte Komitee den Wunsch ausgesprochen hat, nicht wieder mit der politischen Tätigkeit der Juden die amerikanische Oeffentlichkeit allzu sehr zu beschäftigen. Die Zionistischen Körperschaften haben dem amerikanischjüdischen Komitee wegen seiner Haltung in der Paßfrage ihre Anerkennung ausgesprochen. Wenn das Komitee jedoch wieder die furchtsame Organisation wird, die es vor drei Jahren war, so wird es sicherlich die Sympathien unserer Gesinnungsgenossen verlieren. Dr. Mossinsohns Besuch Dr. Benzion Mossinsohn aus Jaffa traf am 5. Januar in New York ein und befindet sich gegenwärtig auf einer Reise nach den größeren Städten Amerikas. Er hinterließ überall, wohin er kam, einen günstigen Eindruck, und es ist höchst wahrscheinlich, daß der Zweck seines Besuches, nämlich einen Fonds von 50 900 Dollar (200 000 Mark) für das Hebräische Gymnasium in Amerika aufzubringen, erreicht werden wird. Es ist Dr. Mossinsohn gelungen, einflußreiche Leute in N e w York, Chicago, Baltimore und Philadelphia für die Anstalt zu interessieren, und es besteht die Aussicht, daß ihm hier die nötigen Mittel zur Verfügung gestellt werden, um den Bestand des Gymnasiums dauernd zu sichern. Dr. Mossinsohn zu Ehren fand am 22. Januar eine große Versammlung in der Cooper Union zu New York statt, die sehr gut besucht war. Dr. Mossinsohn hielt eine glänzende Rede, welche einen tiefen Eindruck auf die Zuhörerschaft machte. Mr. Leon Zolotkoff brachte ein Dankesvotum ein. Dem New Yorker Komitee für das Hebräische Gymnasium gehören u. a. an: Joseph Barondeß, Dr. J. H. Hertz, Rabbiner Jacob Kohn, E. W. Lewin-Epstein, Louis L i p s k y , Dr. J. L. M a g n e s , David P i n s k i, Judge Leon Sanders, Miß Henrietta S z o 1 d , Cyrus L. Sulzberge r, Leon Zolotkoff. Am 1. Februar wird Dr. Mossinsohn im „Achieber" in New York hebräisch sprechen, und zwar zum Besten des „Hapoel Hazair". Am 4. Februar wird er in Baltimore einen Vortrag halten, und am IL wird er in einer Versammlung zugegen sein, bei welcher Judge Mayer Sulzberger und Dr. Cyrus Adler sprechen werden. Die jüdische und amerikanische Presse hat, bis auf eine Ausnahme, Dr. Mossinsohn sehr freundlich begrüßt. Die eine Ausnahme bildete das „Jüdische Morgen-Journal" in New York, welches als anti-zionistische Zeitung bekannt ist. Das „Morgen-Journal" lehnte es ab, die Nachricht von Dr. Mossinsohns Ankunft, so wie diejenige von der großen Versammlung am 22. Januar zu bringen, und brachte auch keinerlei Bericht über diese Versammlung. Vier Tage vor der Versammlung erschien hingegen im „Morgen-Journal" ein Artikel, dessen Inhalt eine Besprechung der Jubiläumsnummer des „Haschiloach" war, und worin Achad-Haam als Gegner des hebräischen Gymnasiums bezeichnet wurde. In den „Jewish Daily News" fand jedoch die Anstalt einen tüchtigen Verteidiger. Dieses Blatt gab die Bemerkungen von Achad-Haam über das Gymnasium richtig wieder. „Dos Yiddishe Folk" brachte am selben Tage den Abdruck eines Briefes von Achad Haam an Dr. Mossinsohn, in welchem Achad-Haam Dr. Mossinsohn versichert, daß er ein Freund des Gymnasiums im wahrsten Sinne des Wortes sei. Uebrigens ist es Dr. Mossinsohn gelungen, alle Kreise des amerikanischen Judentums für das Gymnasium zu interessieren, sowohl Orthodoxe als auch Assimilanten und extreme Reformer. In New York hat er u. a. großes Interesse für seine Mission bei Dr. Samuel S c h u I m a n , dem Präsidenten der Central Conference of American Rabbis erweckt, derselben Organisation, welche noch vor kurzem behauptete, daß Amerika unser Zion sei. In Chicago gehört Dr. Joseph Stolz, ein Graduierter des Hebrew Union College, zu dem Komitee des Gymnasiums, und in Philadelphia hat Dr. Henry Berkowitz^ der Gründer der Jewish Chautauqua seine Zustimmung gegeben, in einer großen Propagandaversammlung neben Judge Mayer Sulzberg er den Vorsitz zu führen. Brief aus Palästina (Von unserem Berichterstatter.) Josef Witkin Am 4. Schewat ist in Jaffa unser treuer Gesinnungsgenosse, Josef Witkin, nach schwerem Leiden gestorben. Witikm gehörte zu den ersten Pionieren der neuen Einwanderung nach Palästina, die etwa in der Zeit der Diskussion des Ugandaprojektes einsetzte. Vor etwa 8 Jahren verfaßte er einen längeren warmen Appell, der die jüdische Jugend in der Diaspora zur tätigen Arbeit in Palästina aufforderte. Nach Begründung der Organisation ,,Hapoel Hazaii" schloß er sich dieser an und förderte besonders das gleichnamige Organ der Organisation durch gediegene Aufsätze. In einer seiner letzten Arbeiten „Die Anhaltsamikeit in unserer Bewegung", die er schon als Schwerkranker veröffentlichte (und die inhaltlich in der „Welt" wiedergegeben wurde), fand er Worte der rückhaltlosen Zustimmung und Begeisterung für das Werk des Jüdischen Nationalfonds und unterschied sich dadurch vorteilhaft von so manchen Kollegen, denen die unserer Arbeit imlmerhin anhaftenden Mängel den Blick für das Ganze trüben. Seinen eigentlichen Lehrerberuf hat er sehr ernst genommen und besonders der Schule von Rischon le Zion, die er einige Jahre leitete, gute Dienste geleistet. Seine Freunde und Verehrer haben beschlossen, sein Angedenken durch eine Eintragung ins Goldene Buch des J. N. F. zu ehren. Es ist zu wünschen, daß auch unsere Freunde in Rußland, wo er im Auftrage des Odessaer Coinites eine Zeitlang für unsere Arbeit geworben hat, sich an dieser Eintragung beteiligen. Vom palästinischen Turnwesen Die Turnvereine beginnen allmählich den ihnen zukommenden Platz im palästinischen Volksleben auszufüllen. In erster Reihe ist natürlich wieder auf die frische Tätigkeit des Herrn Zwi Orloff hinzuweisen. Seit seiner Rückkehr von der zweiten Europareise, die ihn bis Dänemark geführt hat, ist er mit erneutem, nie ermüdendem Turneifer für die Ausbreitung des Turnwesens tätig. Vom frühen Morgen bis zum Abend setzt er seine segensreiche Tätigkeit in den Schulen Jaffas fort. Der Abend selbst ist dem Turnverein „Rischon le Zion" in Jaffa gewidmet. Schade, daß es Herrn Orloff bis nun aus pekuniären Gründen nicht möglich war, seinen in hebräischer Sprache verfaßten Leitfaden für den Turnunterricht herauszugeben. Auch im hiesigen Spitzenatelier, das vom „Frauenverband für Kulturarbeit in Palästina" unterhalten wird, soll jetzt täglich Turnunterricht nach neuer Methode erteilt werden. Der Turnverein „Makkabi" in Jerusalem macht gute Fortschritte. Er zählt bereits 120 Mitglieder und wird sich gewiß in Bälde vergrößern. In einer vor Kurzem abgehaltenen Generalversammlung wurde beschlossen, bis Pessach drei Referate über die Bedeutung des Turnens und am Pessach selbst eine große Propagandaversammlung für den „Makkabi" zu veranstalten, ferner einen weiblichen Turnverein ins Leben zu rufen und öfters größere Ausflüge in die Umgebung von Jerusalem zu veranstalten. Auch in der Kolonie Pethach-Tikwah geht man an die Gründung eines Turnvereins. Vereinigung jüdischer Aerzte Die Schaffung einer Vereinigung der jüdischen Aerzte Palästinas zu gemeinsamer tachwissenschaftlicher und volkshygienischer Tätigkeit bildet seit Jahren das Bestreben einzelner führender Aerzte. Namentlich haben Dr. Hille! Jotte und Dr. Bernstein-Kohan Versuche in dieser Richtung unternommen. Jetzt ist es gelungen, zumindest einen Teil dieser Autgabe zu lösen. In Jaffa und Umgebung ist eine Vereinigung der jüdischen Aerzte begründet worden, der nun 13 Aerzte angehören. Den Vorstand bilden: Dr. P i c h a w s k y , Dr. Scherrmann und Dr. K r i n k i n. Es wurde beschlossen, einmai in 14 Tagen eine Zusammenkunft abzuhalten. Bei besonders wichtigen Referaten werden auch die Aerzte der Kolonien sowie alle nichtjüdischen Aerzte benachrichtigt werden, damit sie sich ebenfalls beteiligen können. Wenn nun noch ähnliche Vereinigungen in Haifa fSamaria und Untergaliläa einbegriffen), Obergaliläa und Jerusalem entstehen, könnte man an die Schaffung einer Gesamtorganisation schreiten. i

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