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Die Welt · 1912-02-02 · 5 (2.2.1912) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
5 (2.2.1912)
Date
1912-02-02
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Bezalel-Ausstellung in Lodz Die Leitung der Jerusalemer jüdischen Kunstgewerbeschule „Bezalel" veranstaltet zur Zeit eine Ausstellung ihrer Erzeugnisse in Lodz. Die Ausstellung wurde vorige Woche im Beisein der vornehmsten Kreise der jüdischen und nichtjüdischen Gesellschaft feierlich eröffnet. Rabbiner Dr. B r a u d e hielt die Eröffnungsrede in polnischer und hebräischer Sprache. Die lokale Presse in Lodz äußert sich in geradezu überschwenglicher Weise über die Darbietungen der Bezalel-Ausstellung. Der Andrang zur Ausstellung ist fortgesetzt sehr groß, und die Bestellungen auf die verschiedenen Objekte mehren sich von Tag zu Tag. Gleich am Eröffnungsabend liefen Bestellungen im Werte von 2000 Rubel ein. Personen, die Gelegenheit hatten, die früheren Ausstellungen des Bezalel in Warschau, Odessa und Basel zu besuchen, versichern, daß die Lodzer Ausstellung ihre Vorgängerinnen in jeder Beziehung übertreffe. Demgemäß dürfte auch der materielle Erfolg der Veranstaltung ein sehr bedeutender sein. Die jüdische Wissenschaft an europäischen Universitäten Das Beispiel der Leipziger Universität, die vom 1. April ab ein Lektorat für späthebräische, jüdisch-aramäische und talmudische Literatur einrichtet, dürfte bald auch an anderen Universitäten Nachahmung finden. In einflußreichen jüdischen Kreisen Berlins wird die Errichtung eines Lehrstuhls für die Wissenschaft des Judentums an einer preußischen, womöglich der Berliner Universität angestrebt. Zu diesem Zwecke sollen Anfang März d. J. in allen preußischen Gemeinden Geldsammlungen veranstaltet werden. Bedenken bestehen nur in der Richtung, ob ein einziger Lehrstuhl für das umfangreiche Gebiet der jüdischen Wissenschaft genügt. Die ungarische Regierung trägt sich schon lange mit dem Gedanken, an der Budapester Universität einen Lehrstuhl für Talmud und talmudische Literatur zu errichten. Die Verhandlungen stießen ursprünglich in den Kreisen des hohen Klerus auf Widerspruch. Nun sind diese Verhandlungen so weit gediehen, daß die Vereinbarung getroffen wurde, anstatt einer Lehrkanzel zwei solche für Talmud zu schaffen, und zwar eine auf der katholisch-theologischen Fakultät und die zweite auf der philosophischen Fakultät. Die maßgebenden Kreise haben sich auch bereits auf die Personen der für diese Disziplin zu berufenden Gelehrten geeinigt. Demnach wurde für die talmudische Lehrkanzel auf der katholischtheologischen Fakultät der Jesuitenpater Professor Leopold Huber, gegenwärtig Lehrer am erzbischöflichen theologischen Seminar in Kolocsa, und für die philosophische Fakultät der Professor für Talmud am Budapester Rabbinerseminar, Dr. Ludwig Blau, in Aussicht genommen. Beide Lehrkanzeln sollen zu Beginn des nächsten Schuljahres inauguriert werden. Von der hebräischen Übersetzungsliteratur Die hebräische Tageszeitung „Hasman" bietet ihren Lesern Uebersetzungen der hervorragendsten Neuerscheinungen der national-jüdischen Literatur. So erscheint jetzt in dem genannten Blatte fortlaufend eine Uebertragung der Schrift von Dr. Felix A. Theilhaber „Der Untergang der deutschen Juden". Demnächst wird „Hasman" das bekannte Buch von Dr. Arthur R u p p i n „Die Juden der Gegenwart", ferner Dr. Ignatz Zollschan's „Rassenproblem" in hebräischer Uebersetzung veröffentlichen. Der hebräische Verlag „Turgeman" in Odessa veranstaltet Uebersetzungen der bedeutendsten Jugend- und Volksschriften der Weltliteratur. In nächster Zeit erscheint im genannten Verlag „Don Quichotte" von Cervantes in einer von dem Dichter Ch. N. B i a 1 i k besorgten hebräischen Uebertragung. Im Druck befindet sich ferner die Märchensammlung „Tausend und eine Nacht", aus dem arabischen Original übersetzt von dem bekannten Jerusalemer Hebraisten David J e 11 i n. Vorlesungen über hebräische Literatur Der zionistische Verein West-Berlin veranstaltet gemeinsam mit der Organisation für hebräische Sprache und Kultur einen Vortragszyklus über die hebräische Literatur, welchen Herr Nahum Sokolow gütigst übernommen hat. Ort: Konservatoriums des Westens, Grolmanstr. 27/28. Zeit: Montag, 29. Januar, 5. und 12. Februar, abends 9 Uhr. Eintrittskarten an der Abendkasse. Demission des türkischen Großrabbiners! (Eigener Drahtbericht der „Welt") Konstantinopel, 31. Januar, 8.30 abends. Rabbi Haim Nahum hat soeben infolge der Einigungdes Konsistoriums (Medsehliss) mit den Aschkenasim sein Amt niedergelegt. .g°- SPRECHSAAL ^°gj Wir erhalten folgende Zuschrift: Genf, Anfang Schewat 5672. Sehr geehrter Herr Redakteur! Wir bitten Sie, in Ihrer werten Zeitung folgendes zu veröffentlichen: In diesem Jahre feiert einer unserer besten Voiksschriftsteller, Ben-Ammi, das 30jährige Jubiläum seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Da dieser Schriftsteller seit Jahren in Genf, fern von den Mittelpunkten jüdischen Lebens, wohnt, konnten seine zahlreichen Verehrer ihm nicht in gebührender Weise ihre Liebe und Dankbarkeit bekunden, — die Dankbarkeit dafür, daß er während eines ganzen Menschenalters durch seine künstlerischen Schöpfungen wie durch seine publizistischen Arbeiten treue Anhänglichkeit und Begeisterung für das jüdische Volk und seine Heiligtümer im Herzen vieler Tausende entfacht hat. Darum haben wir Unterzeichneten, die wir an dem Wohnorte des verehrten Jubilars weilen, uns der Aufgabe unterzogen, die Jubiläumsfeier vorzubereiten und die jüdische Oeffentlichkeit auf das denkwürdige Datum des 15. Schewat dieses Jahres hinzuweisen. Wir haben zur Erinnerung an diesen Tag beschlossen: 1. Die Schriften von Ben-Ammi in hebräischer Uebersetzung herauszugeben. Wir hoffen zuversichtlich, daß alle Freunde unserer nationalen Literatur uns in unserem Bestreben unterstützen werden, die in fremder Sprache zerstreuten Schöpfungen dieses hochbegabten jüdischen Volksschriftstellers m den Heimatsboden der hebräischen Literatur zu verpflanzen Wir haben diese Arbeit bereits in Angriff genommen, und werden demnächst die Einzelheiten veröffentlichen. 2. Einen Oelbaumhain im Herzlwalde auf den Namen von Ben-Ammi zu pflanzen. Wir bitten daher, die dem Jubilar zugedachten Glückwunschtelegramme zugunsten dieses Üelbaumhaines abzulösen und den entsprechenden Betrag an das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds nach Köln oder an Dr. A. R u p p i n nach Jaffa zu senden. Die Jubiläumsfeier findet am 15. Schewat (3. Februar) d. J. statt, und wir richten hierdurch an alle Verehrer von B e n - A m m l die Bitte, diesen Tag festlich zu begehen und uns bei der Durchführung unserer obigen Beschlüsse behilflich zu sein. Mit Zionsgruß hochachtungsvoll Z w i Aberson, Bar-Tobia (Dr. Franke 1), M. Zlatkin, Dr. Israel J e I s k i, Jacob Kahn, I. Singalowsky (namens des zionistischen Studentenvereins in Genf). Adresse des Festkomitees: Dr. J e l s k i, Genf (Schweiz), Rue de Charmil 9. Wie uns aus Manchester geschrieben wird, beabsichtigt ein wohlhabender Zionist, zwei Exemplare der hebräischen Enzyklopädie, die von Herrn Eisenstein in Amerika herausgegeben wurde, zu verschenken. Er will dieses Werk zwei Personen zuwenden, die nach ihrer Persönlichkeit einer solchen Gabe würdig, aber nicht imstande sind, sich das Werk selber anzuschaffen. Zuschriften sind zu richten an Herrn A. Gable, Hauptvertreter der „Hebräischen Enzyklopädie", 56 Stocks street Cheetham Manchester (England).

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