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Die Welt · 1912-02-02 · 5 (2.2.1912) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
5 (2.2.1912)
Date
1912-02-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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R e i c h s r a t s w a h 1 e ii, des blutigen Ereignisses in Droit o b y c z und der Gründung des Jüdischen Volksh e i ni e s in der Leopoldstadt wirkte das D. K. an den würdigen und erfolgreichen Aktionen des „Jüdischen Nationalvereines" hervorragend mit. Bei den Kultus vorstandswählen stieg dank der zielbewußten zionistischen Arbeit die Stimmenzahl unserer Kandidaten gegenüber den letzten Wahlen um 40 Prozent. Trefflich war auch die Organisationsarbeit. Die mühevolle Anlegung des Parteikatasters, der musterhaft geführt ist, wird künftighin die Basis für alle Aktionen bilden. In der Berichtszeit wurden 6 neue Vereine gegründet und fünf hebräische Sprachkurse in Wien eingerichtet. Diie Palästinaarbeit war sehr erfolgreich. Innerösterreich hat eine sehr hohe Zahl von P. L. I). C.-Aktien abgesetzt, für die Siedlungsgenossenschaft energisch gearbeitet und der Gründung von' Sliareklubs besondere Aufmerksamkeit zugewendet. Auch die dankenswerte Mitwirkung des D. K. an der „M e n s a academica j u d a i c a" und an der Sammeltätigkeit für das jüdische S t u d e n t e n h e i m ist besonders hervorzuheben. Gg. Adolf B ö h m besprach in einer längeren Rede die Ergebnisse des Brünner Zionistentages und Gg. Ing. üroag erstattete ein ausführliches Budgetreferat. Resolution Dir. Beer: „Der Distriktstag erklärt sich mit den Beschlüssen des Brünn er Zionistentages vollkommen einverstanden, billigt das Verhalten der innerösterreichischen Delegierten bei dieser Tagung und spricht ihnen seinen Dank aus/4 (Einstimmig angenommen.) Lieber die Frage der Besteuerung, die Höhe der Beiträge und die Art der Einhebung entspann sich eine fruchtbare Debatte. Außer den Vorschlägen des Referenten Groag wurde noch der wichtige Antrag Ge witsch angenommen, der die Einhebung eines „Sekrctär/usc h 1 a g e s" vorsieht. Die etwa erzielten Ueberschüsse aus diesem Zuschlage sollen zu Wohltätigkeitszwecken und zwar zur Aussetzung von Reisestipendien nach Palästina und Unterstützung bedürftiger Studenten verwendet werden. Hervorzuheben sind noch das gediegene Nationalfondsreferat (Dr. W eine r) und das Kulturreferat (Reize s), das in dem Vorschlage gipfelte, eine fünf gliederige Konimission einzusetzen, die sich ausschließlich mit der Frage der jüdischen Kulturarbeit zu befassen hätte. Die nächsten Aufgaben dieses Kollegiums seien die nationale Erziehung der Mittelschuljugend und die Gründung eines Vereines für hebräische Sprache und Kultur. (Angenommen.) Laut Auftrag des Distriktstages hat die neugewählte Kommission bis längstens 1. März a. c. dem D. K. ihre Vorschläge zu unterbreiten. Die Neuwahlen in das Distriktskomitee hatten folgendes Ergebnis: L. Bat 6 (Obmann), Fränkel (Kassier), Ing. Groag (Bureauleitung), Dr. K a d i s c h (Außenagitation), Dr. Körner (Kultusgemeindereferat), Krämer (Pressereferat), Reizes (Kulturreferat), Dr. W e i n e r (Nationalfonds- und Palästinareferat) und Dr. Werner (Leitung der Studentenorganisationen). Vom Wiener zionistischen^Frauenverein?< Der 1. Wiener zionistische Frauenverein läßt seit Jahren seine besondere Fürsorge dein Wiener Palästinainformation sbureau angedeihen, über dessen Tätigkeit erst jüngst an dieser Stelle ausführlich berichtet wurde. Wenn das Iiiformationsbureau überhaupt besteht und sich immer erfreulicher entwickelt, ist dies vor allem unserem Frauenvereine zu danken, der einen großen Teil des Budgets bestreitet. Zur Aufbringung von Mitteln für diese wichtige zionistische Institution veranstaltete der genannte Verein wie alijährlich auch heuer einen Festabend, der den überaus zahlreichen Gästen in vergnüglichster Erinnerung bleiben wird. [>ie Festakademie wurde nämlich durchaus von Kindern bestritten. Die musikalischen und deklamatorischen Vorträge der kleinen Künstler, insbesondere aber der liebliche, von Tanzmeister Herrn Heimann einstudierte Kinderreigen wurden geradezu bejubelt. Die Veranstaltung, um deren Zustandekommen und Gelingen sich die Vorstandsdamen des Vereines, vor allem die Gesinnungsgenossinnen Frau Weiß und Frau Rappaport sehr verdient gemacht haben, ergab einen Reingewinn von 1100 Kronen. — Bei diesem Anlasse sei erwähnt, daß der zionistische Frauenverein bereits über die nötige Summe verfügt, um eine Grundparzelle in Palästina zu erwerben. Er wixd in Kafar Saba ein Grundstück (eine Mandelpflanzung) erstehen, dessen Erträgnis zur Subventionierung wichtiger zionistischer Institutionen, namentlich unseres Palästinainformationsbureaus, verwendet werden soll. Wir werden über dieses so schöne und wichtige Unternehmen, das hoffentlich Nachahmung finden wird, noch des Näheren berichten. Bezalel-Ausstellung in Wien Wie wir vernehmen, wird der „Verband jüdischer Frauen zur Förderung der Kulturarbeit in Palästina" in den Sälen des zionistischen Zentralvereines (IX., Türkenstr. 9) eine Ausstellung von Spitzen aus der Kunstgewerbeschule „Bezalel" in Jerusalem veranstalten. Die Ausstellung findet in der Zeit vom 11. bis zum 18. Februar statt. An der Spitze des Ausstellungskomitees stehen Frau Dr. Paula Arnold und Herr Lasar Tennenbaum. Da die Ausstellung von Bezalelarbeiten, die vor 2 Jahren in Wien von der jüdisch-akademischen Verbindung „Bar-Kochba" veranstaltet wurde, überaus erfolgreich war und in allen jüdischen Kreisen dem Bezalel zahlreiche Freunde und Käufer warb, wird der Spitzenausstellung großes Interesse entgegengebracht. Verband ehemaliger zionistische1- Hochschüler Dieser neugegründete Verband, an dessen Spitze Gg. Ob.- Ing. Fried steht, hat bereits mit seiner Tätigkeit begonnen. Es erging an alle ehemaligen zionistischen Akademiker Oesterreichs ein Aufruf, in weichem die unbedingte Notwendigkeit des Zusammenschlusses zwecks zionistischer und jüdisch-kultureller Fortbildung, Erziehung der Studenten und Mitwirkung an der materiellen Parteifundierung beleuchtet wurde. Auch wurde ein Ehrengericht konstituiert und der zionistischen Studentenschaft angeboren. Innerhalb des Verbandes haben sich drei Berufssektionen konstituiert (medizinische, juristische und technische Sektion), welche sich den spezifischen Aufgaben der einzelnen Berufszweige widmen werden. So wird sich die juristische Sektion dem Rechtsschutze, die Aerztesektion der so nötigen Fürsorge für die aus Galizien zugereisten jüdischen Kranken widmen. Allmonatlich wird der Verband wichtige zionistische Probleme in Form von Vorträgen behandeln. Die wichtigsten Vorträge werden halten: Adolf Böhm („Die Entwicklung des Zionismus seit Herzl"), Ob.-Ing. Fried („Das Problem der Führerschaft im Judentume") und Dr. Otto A b e 1 e s („Das Problem des Westjuden/'). Wenn der Verband hält, was seine erste Tätigkeit verspricht, wird er für die zionistische Bewegung in jeder Hinsicht von großer Bedeutung werden. Brief aus Prag (Von unserem Berichterstatter.) Ein jüdischer Volksliederabend Der Verein jüdischer Hochschüler Barkochba in Prag, dem es durch rastlose Arbeit geglückt ist, seine alljährlichen großen Festabende so auszugestalten, daß das ganze jüdische Prag lebhaften Anteil an ihnen nimmt, hat heuer, am 18. Januar, einen jüdischen Volksliederabend veranstaltet, dem ein großartiger Erfolg beschieden war. Der große Festsaal des Hotel Zentral war überfüllt, die Gäste standen in den Gängen und auf der Stiege, so daß der anwesende Polizeikommissär auf der Einstellung der weiteren Kartenausgabe bestand. Erfreulicher aber noch als der Besuch des Abends war seine Wirkung. Es zeigte sich, daß kein Westjude so stark entjudet sein kann, daß ihn der lebendige jüdische Geist, wie er aus den jüdischen Volksliedern spricht, nicht aufrütteln könnte. Als die Lieder durch den Saal klangen, von der meisterhaften Kunst des Berliner Sängers Leo G o 1 - 1 a n i n geadelt, schmolzen alle Widerstände, die einige Menschenalter verschiedener Entwicklung aufgebaut haben mögen, wie der Schnee unter der Sonne; aus den einzelnen Westjuden, die da zusammengekommen waren, um etwas Neues und Interessantes zu hören, wurde ein einziger Körper, in dem das gleiche Blut rollt wie in dem Volke, dessen Lieder Zeugnis ablegen von seiner schöpferischen Kraft. Wer den Jubel gehört hat, den „Dos Packele" entfachte, wer die Augen der

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