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Die Welt · 1912-02-02 · 5 (2.2.1912) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
5 (2.2.1912)
Date
1912-02-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 5 DIE3&ELT 141 holten Bemühungen der Koiniteemajorität, den Vorwurf des Zionismus von sich abzuschütteln, absolut nicht auf eine prinzipielle Gegnerschaft dieser Staatsmänner gegen unsere Idee zurückgeht. Ihr Chauvinismus ist durch die Erfahrungen der letzten Jahre wesentlich gedämpft. Sie haben nach und nach die Ideen über Aufsaugung der nichtniohammedanischen Nationalitäten fallen gelassen. Selbst den Juden, von denen sie freilich auch heute noch am ehesten eine Unterwerfung unter ihren Standpunkt fordern — da sie sie nun einmal als willen- und kraftloses Anhängsel betrachten —, nehmen sie heute die Ablehnung einer türkisierenden Assimilation nicht mehr gar so übel. Auch an die Staatsgefährlichkeit des jüdischen Nationalismus glauben sie keineswegs. Aber sie sind taktisch gezwungen, vom Judentum soviel als möglich abzurücken, um sich nicht — so hat die Praktik unserer Verräter den jüdischen Namen hier heruntergebracht — durch seine Gemeinschaft zu kompromittieren. Für das türkische wie das universelle Judentum ist also die Epoche der ersten türkischen, nachrevolutionären Kammer alles andere als glücklich gewesen. Die innere Faulheit dieses Parlamentes und das Vorherrschen der persönlichen und der Parteipassionen über die wirklichen Staatsinteressen und den gesunden Menschenverstand haben dem Judenhasse den fruchtbarsten ' Boden geliefert. Wir haben also von unserem Standpunkte aus nicht die geringste Ursache, den vorzeitigen Untergang dieser Kammer zu beklagen. Ob freilich die nächste Kammer einen besseren Boden für die Judenfrage abgeben wird, steht dahin. Viel Gutes ist nicht zu hoffen, denn es ist ziemlich sicher, daß vielfach der Wahlkampf unter dem Feld- Geschrei des Antisemitismus vor sich gehen wird. Zur jüdischen Rassenfrage Die Zahl der angesehenen Gelehrten, die sich mit dem jüdischen Rassenproblem beschäftigen und dabei zum zionistischen Standpunkt gelangen, mehrt sich. Die Ortsgruppe Amsterdam der Niederländischen Organisation zionistischer Studenten hielt am Mittwoch Abend eine sehr besuchte Versammlung ab, in der Herr Professor Dr. S. R. Steinmetz, Professor der Völkerkunde an der Amsterdamer Universität, als Redner auftrat. Der Vorsitzende, Herr B. P. Gompertz, hieß die Anwesenden willkommen, und wies darauf hin, daß Herr Professor Steinmetz durch sein Studienfach der gegebene Mann sei, um auch das jüdische Problem zu besprechen. Der gewählte Gegenstand sei sicher einer, der das Interesse aller intellektuellen Kreise beanspruchen müsse, namentlich, da in letzter Zeit so viele neue W'erke darüber erschienen seien. Herr Professor Steinmetz sagte, daß er, bevor er dem Wunsche des Vorstandes, über den Kulturwert und die Zukunft der Juden zu sprechen, stattgab, sich gefragt hätte, ob es wohl noch Gründe gäbe, diesen Gegenstand im 20. Jahrhundert, dem Jahrhundert des Kosmopolitismus und der allgemeinen Verbrüderung, zu behandeln. Er sei aber zum Schlüsse gekommen, daß die Judenfrage leider noch aktuell sei, und daß ihre Besprechimg kaum irgendwo objektiver sein könne, als gerade in Holland, wo das Judenproblem einerseits sicher nicht brennend genannt werden darf, während andererseits doch die Tatsache, daß viele tausende Juden im Lande sich befinden, wohl ein zutreffendes Urteil ermöglicht. Nach einigen Auseinandersetzungen allgemeiner Art, wandte sich der Redner dem eigentlichen Thema des Vortrags zu. Was ist denn die jüdische Rasse? Wir müssen gestehen, daß unsere Wissenschaft, sofern sie sich mit diesem Problem zu befassen hat, hier noch nicht zu ganz festen Schlüssen gekommen ist. Gibt es ja sogar nicht einmal Einigkeit über die Kriterien der Rasseneinteilung. Man hat in den Juden eine Mischung der Hethiter, Semiten und einer kleineren Gruppe Amoriteii entdecken wollen; man hat auch gemeint, daß sie eigentlich überhaupt keine Semiten seien. Ferner hat man behauptet, daß sie sich in der Diaspora so sehr vermischt hätten, daß von einer jüdischen Rasse überhaupt eigentlich nicht mehr die Rede sein könne, und schließlich hat man auch beweisen wollen, daß die zwei großen Gruppen der europäischen Juden der Rasse nach überhaupt nichts gemein hätten. Die jüdische Rasse, an deren relativer Reinheit und Persistenz Redner festhalten zu müssen glaubt, bildet eine besondere Gruppe innerhalb der vorderasiatischen Rasse, die eng verwandt ist mit den Völkern Arabiens und Nordafrikas und, allerdings etwas weniger eng, mit denen des südlichen und südöstlichen Europas. Zu dieser vorderasiatischen Rasse müssen denn 'mit den Juden die alten Babylonier, die Phönizier, die Araber und vielleicht auch die Aegypter gerechnet werden. Diese Bestimmung der jüdischen Rasse ist nötig, um zu wissen, in welcher Umgebung und unter welchen Einflüssen der Natur und der Nachbarvölker das jüdische Volk sich entwickelt hat während all der Zeit, über die die Geschichte kein Licht verbreitet, namentlich aber auch, um zu wissen, welche Völker mit gleicher angeborener Veranlagung zum Vergleiche herbeizuziehen sind. Zolls ch an geht denn auch mit Recht ausführlich auf die wahrhaft imponierende Kultur der alten Babylonier und Assyrer ein; Weber bezeugt von der altarabischen Kultur vor dem Islam, daß sie die edelsten Geisteskeime befruchtet hat. Die Phönizier und Karthager gingen wohl zugrunde, aber welch eine Kraft ging von ihnen aus, wenn sie auch noch so klein an der Zahl waren! Eduard Meyer, der streng über die Juden urteilt, erklärt doch, daß sie ein außerordentlich begabter Volksstamm seien, der im historischen Leben der Menschheit gewaltig viel geleistet hätte. Und wahrlich, der Islam, der so zahllose Naturvölker auf eine höhere Stufe brachte, muß doch als eine gewaltige Kulturtat angesehen werden. Und wieviel hat das arabische goldene Zeitalter für die Erhaltung und Entwicklung der griechisch-römischen Kultur getan! Eine Rasse, die das alte Babel, das alte Aegypten, Phönizieu, Karthago und das große arabische Zeitalter hervorgebracht hat, kann sicher wohl nicht als unfähig zur höheren Kultur betrachtet werden. Was die allgemeinen Grundzüge der jüdischen Psyche betrifft, falls wir diese nach Analogie der mit ihnen verwandten Völker beurteilen dürfen, so gibt es sicher keinen Grund, sie niedrig zu veranschlagen. Mut und Tapferkeit fehlten den Arabern ebensowenig, als den Makkabäern oder den Verteidigern Jerusalems gegen Titus. Die allgemeine erbliche Begabung der Rasse muß zweifellos sehr hoch veranschlagt werden. Um jüdische Geistesleistungen gerecht zu beurteilen, dürfen wir nicht aus dem Auge verlieren, daß dieses Volk niemals zahlreich war, und daß mehr als die Hälfte unter Verhältnissen lebt, die sie von jeder höheren Bildung ausschließt. Und doch — wieviele von den höchsten Leistungen der Menschheit verdanken wir gerade diesem winzig kleinen Volke! Die allgemeine Begabung der Juden muß also sowohl aus Gründen der erblichen Rasseneigenschaften, als auf Grund dessen, was das kleine jüdische Volk selbst geleistet hat, sehr

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