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Die Welt · 1912-02-02 · 5 (2.2.1912) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
5 (2.2.1912)
Date
1912-02-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 5 DIE^ELT 139 heiten schafft, so wird es immer nur möglich sein, einen Teil, nämlich die besser bezahlten Arbeiter in den Pflanzungskolonien und vielleicht alle Arbeiter in den Getreidebau - Kolonien, Es ist zu hoffen, da& die Kolonisten teilweise selbst aus eigener Initiative, da es ja auch ihr eigener Vorteil ist, dem Rechobother Musterbeispiel folgen werden. Auf die durch osteuropäische Landarbeiter zu ersetzen. Die große Mehrheit der arabischen Arbeitskräfte dagegen wird immer viel billiger arbeiten können, als diese, so daß wir nur die Möglichkeit haben, sie durch ein ihnen kulturell gleichstehendes, unter ähnlichen ökonomischen Bedingungen arbeitendes Element zu verdrängen, und das sind nur die Jemeniten. Darin ist das allgemeine Urteil in Palästina ziemlich einig. Selbstverständlich gibt es eine ganze Anzahl von Arbeiten, für die trotz der höheren Löhne jüdische Arbeiter sich besser bezahlt machen. Aber wie gesagt, es ist nur ein Bruchteil. Will man die heute ca. 5000 Köpfe zählenden arabischen Landarbeiter in den judäischen Kolonien durch jüdische ersetzen, so hat man nicht viel Auswahl, da sie eben nur durch die Jemeniten verdrängt werden können. Jemeniten beim Hausbau (im Hintergründe fertige Jemenitenhäuser in Rechoboth) vielen anderen von Herrn Trietsch und Herrn Feldmann angeregten Fragen will ich heute nicht näher eingehen. Jedenfalls sind dieselben nicht spielend zu lösen. Theoretisch wohl, in der Praxis aber sind die Verhältnisse oft anders. Wenn es uns gelingen sollte, nach bewährtem Muster die Ansiedlung der Jemeniten unter den gleichen finanziellen Bedingungen auszudehnen, so wäre es ein leichtes, aus der heute ca. 5000 Kolonisten betragenden Bevölkerung der judäischen und samarischen Kolonien in wenigen Jahren eine solche von über 8000 Seelen zu machen, d. h. sie um 50 °/o zu vergrößern. Eine Aufgabe, die sich wohl lohnt, näher behandelt zu werden, und für die auch, wie ich glaube gezeigt zu haben, unsere Mittel völlig ausreichen.;-*ÄV4\i -,>*'>K^ r * "v y. >,v r*. **^*.* f> * * -''' •'^'c^i./-- . Die türkische Kammer Von Dr. Israel Auerbach-Konstantinopel. II. Die Kammer und die Judenfrage Eine Judenfrage hat es in der Türkei vor dem 24. Juli 1908 nicht gegeben. Die Juden waren zwar hier wie in anderen Ländern Bürger zweiter Klasse, ausgeschlossen von den höheren Aemtern, ausgeschlossen vom Militär — die Colonels und die Admirale jüdischen Bekenntnisses waren lediglich Aerzte mit schwülstigen Titeln .—, aber diese bürgerliche Zurücksetzung war keine spezifisch antijüdische Praktik, sondern sie traf 'unsere Nation in Gemeinschaft mit den anderen nichtmohamedanischen Elementen, mit Griechen, Armeniern, Bulgaren, Walachen und Serben des Reiches. Man konnte also höchstens von einer Nichtmohamedanerfrage oder einer Natiounseren türkischen Stammesgenossen das Problem ihrer Existenz nalitätenfrage sprechen, aber von keiner Judenfrage. Indessen, nicht einmal in solcher Verallgemeinerung war fühlbar. Es fehlten ihnen jene aktiven Tendenzen, die bei den übrigen Völkerschaften das Gefühl der Unzulänglichkeit ihrer Position wachriefen, die propagandistische, ja revolutionäre Strömungen erzeugten und bei den herrschenden Instanzen des Reiches neuen und schärferen Gegendruck auslösten. Die Juden kannten weder eine „megali idia" wie die Griechen, noch großmannssüchtige Ambitionen wie die Südalavcn in Mazedonien, noch auch hatten sie Verfolgungen an Leib und Leben zu erdulden, wie die Armenier in Anatolien und Kurdistan. Sie fühlten keinen Druck von außen und keine Impulse von innen, sie fühlten sich also selbst nicht und blieben ebenso dem herrschenden Elemente unfühlbar. Sie waren in einer dumpf behaglichen Selbstvergessenheit eingeschlummert und priesen höchstens, wenn sie einmal auf Momente zum Bewußtsein gelangten, ihr besseres Los vor den anderen, die Ruhe, die sich um sie herausbreitete, und die Gunstbezeugungen, die ihnen ab und zu die despotische Laune Abdul Hamids gewährte. Es war kein Wunder, daß unter solchen Bedingungen die allgemeine jüdische Renaissance die Pässe des Balkan verschlossen fand. Das jüdische Geschichts- und Kulturbewußtsein fand in dieser schlummernden Welt keinen Eingang. Die zionistischen Träume irgendeines hier oder da versteckten Gelehrten oder Rabbis konnten daran nichts ändern; selbst das plötzliche Auftauchen einer so mächtigen Erscheinung wie die Herzls in der Hohen Pforte und im Palais des Sultans machte nur Kuriositäteneindruck; es war den türkischen Juden wie eine fremde Welt, um die es sich da handelte; sie hörten irgendwo etwas rauschen, es ging sie aber nichts an. In dieser Situation erfolgte mit der Julirevolution eine Wandlung. Die Staatsumwälzung brachte die Jungtürken zur Herrschaft und mit ihnen einen neuen, von innen her wirkenden historischen Faktor: den „Türkizismus". Den Besiegern

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