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Die Welt · 1912-02-02 · 5 (2.2.1912) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
5 (2.2.1912)
Date
1912-02-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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136 DIElj haben wir im letzten Jahre einen erfreulichen Umschwung zu verzeichnen. Die jetzige Leitung - und ich persönlich habe nicht genug Worte der Anerkennung dafür — wendet ihre Aufmerksamkeit insbesondere dem im Absätze I des Programms („Die zweckdienliche Förderung der Besiedlung Palästinas mit jüdischen Ackerbauern, Handwerkern und Gewerbetreibenden") enthaltenen Mittel zu. Ad 2. Die wichtigsten Aufgaben unserer Organisation bezüglich der Palästinaarbeit in der nächsten Zukunft sind: a) Ausbau aller existierenden Anstalten, damit sie ehestens selbständig werden; b) Schaffung neuer wichtiger Institutionen (Polytechnikum, Hygienisches Institut usw.), welche dem Lande Kultur und den Juden Erwerbsmöglichkeiten schaffen; und Erwerbsmöglicnkeiten den Juden schaffen; c) Gewinnung der autochthonen palästinensischen Judensehaft für unsere Idee; d) Erweckung eines starken Interesses für obige Zwecke unter allen Juden der Golusländer ohne Rücksicht auf ihre religiösen oder politischen Ueberzeugungen; e) die Beruhigung der maßgebenden Kreise des ottomanischen Reiches durch loyales Vorgehen gegenüber der türkischen Regierung und friedliches Einvernehmen mit der arabischen Bevölkerung. Julius Simon: Zur Frage 1: In der theoretischen Fundamentierung des Zionismus haben sich kaum Aenderungen vollzogen; aber die grundlegenden Prinzipien des Zionismus werden heute — im Gegensatz zu früher — von der Mehrheit der Zionisten anders und besser verstanden. Das, was früher von der Mehrheit mißverstanden und heute richtig verstanden wird, ist m. E. dieses: Der Glaube, daß man durch einen großen diplomatischen Erfolg das Volk und Palästina zugleich —- auf einmal — gewinnen werde, ward durch die Erkenntnis besiegt, daß die nationale Begeisterung im Volk erst allmählich geweckt werden kann, parallel mit Erfolgen in Palästina, daß diese Erfolge aber nicht plötzlich erzielt werden und nicht durch diplomatische Tätigkeit allein: sondern allmählich, in ununterbrochener Wechselwirkung aller Tätigkeitsgebiete im Zionismus, wie sie im Baseler Programm formuliert sind. E i n Tätigkeitsgebiet aber, das sich im Baseler Programm nur angedeutet findet, ist heute allgemein in seiner Bedeutung erkannt: die kulturelle Arbeit. Die überwiegende Mehrheit anerkennt, daß jeder politische oder wirtschaftliche Erfolg in Palästina bedeutungslos ist für die nationale Wiedergeburt ohne die Entwicklung einer nationalen Kultur in Palästina, also ohne nationale Erziehung und — vor allem — die Förderung der hebräischen Sprache. Zur Frage 2: 1. Bodenkauf und Förderung des Bodenkaufs — dreimal unterstrichen! 2. Parzellierungstätigkeit, insbesondere Förderung der P. L. D. C. 3. Siedelung eines gesunden Arbeiterstammes (also Förderung der Siedlungsgenossenschaft wie überhaupt aller Institutionen, die jüdische Landarbeiter beschäftigen). 4. Vorbereitende Schritte zur Regelung des Agrarkredits. 5. Konzentration der Gelder des J. C. T. in Palästina — soweit sie nicht für jederzeit greifbare Reserven (in Wertpapieren) erforderlich sind. 6. Gründung und Subventionierung nationaler Erziehungsanstalten. Davis Trietsch: Ad 1. Die Frage, ob die grundlegenden Prinzipien des Zionismus heute anders verstanden werden als im Anfang, [ELT — Nr. 5 beziehe ich auf den Zionismus als politische Bewegung und infolgedessen auf seine politischen Prinzipien. In dieser Hinsicht haben nun die denkbar größten Veränderungen stattgefunden. Das zionistische Programm will die Heimstätte für das Volk in Palästina schaffen. Das heißt also Einwanderung im größtmöglichen Stil. Zur Erreichung dieses Zweckes wurden im Baseler Programm verschiedene Mittel in Aussicht genommen. Von diesen bezieht sich das erste auf Palästina, die anderen drei auf die übrige jüdische Welt. Das Paiästinamittel, das an erster Stelle steht, bezieht sich auf die Kolonisation, zu der selbstverständlich auch organisatorische und kulturelle Maßnahmen und Einrichtungen gehören, soweit sie sich auf die palästinensische Arbeit beziehen. Die anderen drei Mittel, nämlich die Organisation der gesamten Judenheit und die alljüdischen kulturellen Bestrebungen sind von rechtswegen nicht einmal in irgendwelchem direkten Sinne als Mittel zum Hauptzweck anzusehen. Der letzte Punkt des Programmes — die Schritte zur Erlangung von Regierungszustimmungen — war rein politischer Art, und es war sicherlich nicht so gedacht, daß diese Tätigkeit von Palästina aus erfolgen sollte. Diejenigen, die am Baseler Programm festhalten, werden mir nicht widersprechen wollen, wenn ich in der Reihenfolge von Hauptsatz und Nebensätzen und ebenfalls in der Reihenfolge innerhalb der letzteren keinen Zufall, sondern den Willensausdruck des ersten Baseler Kongresses sehe. Bekanntlich aber wurde in der bisherigen Arbeit diese Reihenfolge in ihr genaues Gegenteil verwandelt! — Statt einer Einwanderungsaktion größten Stils wurde das Streben nach politischen Erfolgen (Charter-Verhandlung mit den Mächten usw.) an die erste Stelle gerückt oder, richtiger gesagt, an die Stelle aller fünf Punkte, denn jahrelang wollte man anderes überhaupt nicht zulassen, und gerade die Einwanderung wurde direkt „verboten". Später kam eine kulturelle Strömung auf, die im gesamten Bereich der zionistischen Organisation wachsende Zustimmung findet, aber die drei übrigen Punkte, nämlich Gesamtorganisation der Juden (die freilich eher unser aller größter Zweck als — wie nach dem Programme — nur ein Mittel zu einem jüdischen Teil zweck sein sollte), ferner die vorbereitende Kolonisation und schließlich die Einwanderungsaktion größten Stiles — diese sind bei uns noch heute nicht durchgedrungen. Die Gesamtorganisation findet Gegner, weil instinktiv empfunden wird, daß sie über den Zionismus hinausgeht, die Kolonisation wird mit einer Zaghaftigkeit und Langsamkeit betrieben, die einer Gegnerschaft viel näher steht, als freudiger Erfüllung eines Programms, und die Einwanderungsaktion größten Stiles scheint weitaus den meisten noch in s o weiter Ferne zu liegen, daß ihrer Meinung nach hieran erst zu allerletzt einmal zu denken sein wird. — — Diese Schilderung entspricht den Auffassungen der zionistischen Majorität. Diese Mehrheit ist sogar so groß, daß sie ihrer Zahl nach fast der Gesamtheit gleich gesetzt werden kann. Aber glücklicherweise gibt es bei uns Wirksameres als die Zahl, und die Entwicklung der letzten Jahre ist trotz aller Majoritätsmeinungen bereits bei einem kleinen Anfang von Kolonisationstätigkeit angelangt und zeigt schon Ansätze zum Verständnis von der alles überragenden Wichtigkeit der Emigrationsfrage. Die auf dem letzten Kongreß erfolgte Einsetzung einer neuen Leitung, in der die sogenannte politische Richtung radikal

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