Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 4 (26.1.1912)
- Date
- 1912-01-26
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 blETOELT 117 PALASTINA TOm ooo || Der Synagogenbau in Haifa Berichtigung: In Nr. 49 der „Welt" 1911 findet sicli eine Notiz über die Einweihung einer neuen Synagoge in Haifa. Diese Notiz verrät den Versuch einer bewußten Irreführung. Es handelt sich nicht um die von der Gemeinde dringend benötigte öffentliche Synagoge, sondern um eine winzige „Schul", die etwa 60 Menschen Raum gibt, und die von einer kleinen Sondergruppe mit dem Gelde eines Warschauer Spenders erbaut worden ist — gegen den Willen der Gemeindemehrheit. Diese kleine Gruppe arbeitet jetzt mit allen Mitteln gegen eine allgemeine Synagoge und hat wohl auch jene Notiz in die Zeitungen lanciert. Dr. Elias Auerbach, Haifa. Aufruf Haifa, das Tor von Galiläa, mit einer Judenschaft von 3000 Seelen, hat infolge seiner raschen Entwicklung noch keine der öffentlichen Institutionen, die ältere Gemeinden sich allmählich schaffen. Vor allem fehlt eine allgemeine öffentliche Synagoge. Die Gemeinde ist gezwungen, hier und da in gemieteten, nieist sehr schlechten Räumen den Gottesdienst abzuhalten, wodurch die Gemeinde in kleine Gruppen zersplittert wird. Da diese Zustände im religiösen und nationalen Sinne unhaltbar geworden sind, soll jetzt energisch an der Schaffung eines würdigen Gotteshauses gearbeitet werden. Die Haifaer Gemeinde gibt zu diesem Zwecke, um die erforderlichen Mittel aufzubringen, Lose zu zwanzig Francs heraus. Von den Losen wird eines als Gewinn gezogen werden. Dem Gewinner wird eine Ehrung dadurch bereitet werden, daß er als Stifter des Bauplatzes auf einer Tafel an der Misrachwand des Tempels verewigt wird. Die Namen der Spender von wenigstens 50 Losen werden auf einer Marmortafel eingezeichnet werden. Ein großer Teil dieser Lose wird von den Mitgliedern der Gemeinde selbst übernommen. Ohne die tatkräftige Unterstützung aber der Juden außerhalb Palästinas kann ein solches Werk nicht zustande kommen. Wir haben die feste Zuversicht, daß sich viele gern an einer Palästina-Arbeit beteiligen werden, die zur Repräsentation des Judentums in dieser zukunftsreichen Stadt in hervorragendem Maße beitragen wird. Die Baukommission: N. Kaisermann, Dir. d. Anglo-Pal. Co., Haifa. Dr. E. Auerbach, Arzt. S. Friedmann. S. Banderly. Joseph Lipschitz. Adresse für Geldsendungen: The Anglo-Palestine Co. Ltd. Haita für „Synagoge". Adresse für Briefe: Joseph Lipschitz, Haifa. Daganja — eine genossenschaftliche Siedelung jüdischer Landarbeiter am Tiberiassee Die jüdische Ackerbaukolonie Daganja (früher nach dem benachbarten arabischen Dorf Um-Djuni genannt) liegt im Jordantale. Nördlich wird sie vom Jordan bei seinem Austritt aus dem Tiberiassee begrenzt. Die ungefähr fünf Kilometer lange und einen Kilometer breite Bodenfläche eignet sich infolge ihrer gleichmäßig ebenen Gestalt zu intensiver Bewirtschaftung. An einzelnen Stellen erhebt sich der Boden kaum fünf Meter über den Wasserspiegel des Jordans, so daß er ohne erhebliche Kosten reichlich bewässert werden kann. Im allgemeinen ist der Boden von mittlerer Qualität und leidet zuweilen durch den'Regenmangel — eine in der Jordansenkung nicht ungewöhnliche Erscheinung. Anfangs wurde Daganja teilweise von den Arbeitern der jüdischen Farm Kinnereth bewirtschaftet Dieser Modus stellte sich jedoch als unzweckmäßig heraus, da die Entfernung zwischen Kinnereth und Daganja zu groß ist. Zwischen den beiden Gütern liegt der Jordan, der hier zur Winterszeit nicht passierbar ist. Vor zwei Jahren übertrug die Palestine Land Development Company die Bestellung von Daganja einer Gruppe von sechs jüdischen Landarbeitern aus Galiläa, die die Bewirtschaftung ganz selbständig, ohne jede administrative Oberaufsicht, durchführen sollte. Dafür wurde den Mitgliedern der Gruppe ein fester Monatslohn gewährt, und außerdem sollten sie zur Hälfte an dem Reingewinn des Gutes partizipieren. Der Versuch gelang sehr gut, obwohl die Ansiedler mit unzähligen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten und einzelne von ihnen an Fieber erkrankten. Das erste Betriebsjahr schloß mit einem Reinertrag von 4000 Frcs. Aus verschiedenen Gründen verließ diese erste Gruppe nach einem Jahre den Boden von Daganja und fand auf einem anderen genossenschaftlichen Gut der Palestine Land Development Company in Galiläa Beschäftigung. An ihre Steile trat eine andere Arbeitergenossenschaft von '9 Mitgliedern, die vorher, in der Kolonie C heder a als Landarbeiter tätig gewesen und schon dort genossenschaft- 'lich organisiert waren. Die' zweite Gruppe übernahm die Bewirtschaftung von 1400 Dunam unter den gleichen Bedingungen, wie sie ihren Vorgängern zugestanden worden waren/ Leider war die Regenmenge im letzten Jahre viel geringer als im vorhergehenden und auch sonst hatten sieh die Lebensverhältnisse in der neuen Siedlung gegenüber dein Vorjahre nicht gebessert, trotzdem wurde auch im zweiten Betriebsjahre ein Reingewinn von über 2500 Frcs. erzielt. Vor kurzem ging der Jüdische. N a t i o n a I f o n d s daran, Wohnhäuser für die Landarbeiter in Daganja zu errichten. Diese Häuser werden in der Nähe des Jordans an einein sehr schön gelegenen Punkte der neuen Kolonie gebaut. Durch den Bau der Häuser ist dem Hauptübel, unter dem die neuen Ansiedler bisher zu leiden hatten, abgeholfen und es besteht nunmehr die Möglichkeit, die Wirtschaft zu vergrößern. Einstweilen sollen noch weitere vier Genossenschafter eingestellt und die zu bearbeitende Fläche auf 2000 Dunam ergänzt werden. Für später ist eine bedeutende Ausdehnung des Betriebes vorgesehen. Die Mitglieder der Genossenschaft Daganja sind voll froher Zuversicht und hegen die feste Ueberzeugung, daß die genossenschaftliche Betriebsweise nach Ueberwindung der ersten Schwierigkeiten, die jedem neuen Unternehmen anhaften, sich glänzend bewähren und die einzige gesunde Basis für die künftige Kolonisationstätigkeit in Palästina abgeben wird. Max Nordau über die russisch-amerikanische Paßfrage Herr N. S. B u r s t e i n in C a r d i f f hatte an M a x Nordau ein Schreiben gerichtet, worin er ihn um seine Meinung über den russisch-amerikanischen Paßkonflikt befragte Nordau erwiderte folgendermaßen: „Paris, 12. Januar 1912. Geehrter Herr Burstein! Wir Juden haben tatsächlich nicht unseresgleichen in unserem unverwüstlichen Optimismus, den kein Mißerfolg zu trüben vermag. Den Ihren bewundere ich geradezu. Wie können Sie erwarten, dal] die Paßagitation, der die Schlauheit kriecherischer Achselträger in Amt und Würden den Stachel genommen hat, irgendwelche gute Folgen zeitigen wird? Mr. Taft war gezwungen, den Vertrag mit Kußland zu kündigen, aber er wußte die Form dieser Kündigung so einzurichten, daß es Kußland ermöglicht wurde, schamlos zu versichern, die Paßfrage habe mit diesem Schritt nichts zu tun. Rußland wird nicht nachgeben. Amerika wird auf seiner Forderung nicht bestehen, und keine andere Regierung wird das Beispiel der Vereinigten Staaten nachahmen. Die englischen Juden werden sich nicht rühren. Die Lage der Juden in Rußland wird schlimmer sein als zuvor, und die Antisemiten in Amerika werden die amerikanischen Juden für ihr mannhaftes Auftreten schwer büßen lassen. Das ist alles. Ihr ergebener Dr. M. Nord a u.fc< Allgemeine Jüdische Kolonisations- Organisation Die A. J. K. O. versendet folgendes Zirkular: „Die A. J. K. O., welche, wie aus ihrem letzten Jahresberichte zu ersehen war, bereits konkrete Kolonisatious-Unternehmungen in Angriff genommen und organisatorisch in Eng-