Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 4 (26.1.1912)
- Date
- 1912-01-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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112 DIE^ELT Nr. 4 einem längst empfundenen Bedürfnis nach einem gediegenen Fachorgan entspricht und sich bereits die Sympathien weiter Kreise von Fachleuten und Laien erworben hat. Wie in den vorigen Jahren unterstützte das Komitee auch in dieser Zeit den Lehrerverband. Diese Institution gewinnt immer mehr Einfluß auf das gesamte palästinensische Schulwesen, und entwickelt sich allmählich zu einem autoritativen Zentrum zur Behandlung und Erledigung pädagogischer Tagesfragen. Wenn wir noch am Schlüsse die Subventionierung von Abendkursen in Jaffa und Jerusalem, wie auch von Turnunterricht in letzterer Stadt erwähnen, so haben wir die Kulturarbeit des Komitees in Palästina in ihren Hauptlinien skizziert. Man sieht, es ist vielerlei, aber auch vieles, was die Chowewe-Zion auf diesem Gebiete in den letzten Jahren geleistet haben. — e) Förderung öffentlicher Einrichtungen und Anstalten. Es ist einer der charakteristischesten Züge des neuen Komitees, daß es mit dem ehemaligen System kleiner philanthropischer Tätigkeit und Hilfeleistung an einzelne Personen endgültig gebrochen hat. Statt dessen gilt seine Fürsorge in erhöhtem Maße gemeinnützigen Institutionen und Wohlfahrtseinrichtungcri. In diesem Sinne hat sich das Komitee für die Schaffung von billigem „ K l e i n k r e d i tli interessiert, der dem palästinensischen Handwerker und dem kleinen Gewerbetreibenden die Möglichkeit geben sollte, sich ökonomisch zu behaupten und dem Drucke des Wucherers zu entgehen. Das Komitee hat daher seinerzeit bei der Gründung der kooperativen Genossenschaft für K 1 e i n k r c d i t nach Kräften mitgearbeitet und der A. P. C. für diesen Zweck 50 000 Frcs. überantwortet. Im Laufe der Berichtsperiode hat sich die Genossenschaft sehr gut entwickelt und ihren Wirkungskreis bedeutend erweitert, wie aus folgender Tabelle deutlich hervorgeht : Anzahl der Gruppen der Genossenschaft Mitgliederzahl sämtlicher Gruppen Gesamtsumme der Darlehen Ausstände der allgemeinen Leihkasse Im Jahre Frs. Zum 1. Januar 1908 1907 18 623 371167.59 262248.67 Frs. Im Jahre Frs. Zum 1 Januar 1911 1910 34 1485 605604 437049 Frs. Man sieht also, daß im Laufe der drei Jahre 16 neue Gruppen mit insgesamt S62 Mitgliedern gebildet wurden. Wie aus der Darlehensumrne für 1910 hervorgeht, der noch die Ausstände zu Beginn, des Jahres zuzurechnen sind, beträgt zurzeit der Umsatz der Genossenschaft das sieben- bis achtfache ihres Grundkapitals. — In diesem Zusammenhange ist noch die kleine Leihkasse (G ' in i 1 u t h - C h e s s e d " ) zu erwähnen, die der Verband jüdischer Handwerker in Jaffa im letzten Berichtsjahre ins Leben gerufen hat. Da der größte Teil der Handwerker aus verschiedenen technischen Gründen sich der allgemeinen Leihkasse nicht bedienen kann, so ging der besagte Verband daran, eine eigene, den Bedürfnissen des kleinen Handwerks angepaßte Leihkasse zu gründen. Mit Hilfe eines vom Komitee zur Verfügung gestellten Betrages konnte diese Kasse im letzten Jahre eröffnet werden. — Im Laufe der Berichtsperiode hat das Komitee ferner — vo;; den oben erwähnten Wohlfahrtseinrichtimgen für Arbeiter abgesehen — verschiedene Subventionen für gemeinnützige Zwecke, als da sind: Krankenhäuser, Volkshallen, Volksküchen, Beiträge zu den allgemeinen öffentlichen Ausgaben der Kolonien usw., bewilligt. — Das Komitee hat ferner in verschiedenen Fällen beträchtliche Summen für juridischen Schutz zur Verfügung gestellt. Die Frage eines allgemeinen, rationell organisierten juridischen Schutzes interessiert das Komitee seit längerer Zeit. Die palästinensische Vertretung des Komitees wurde seinerzeit beauftragt, die Frage eingehend zu studieren und mit den anderen Organisationen und Gesellschaften, die für Palästina Interesse haben, wegen einer gemeinsamen Aktion nach dieser Richtung Fühlung zu nehmen. Es sind begründete Aussichten vorhanden, daß diese überaus wichtige Angelegenheit demnächst ihre günstige Erledigung finden wird. Es läßt sich nicht verkennen, daß dieser Arbeitszweig — die Förderung gemeinnütziger Einrichtungen und Organisationen — in den abgelaufenen drei Jahren einen gewissen Rückgang aufzuweisen hat. In dieser Beziehung stehen wir vor einem gewissen Widerspruch zwischen der Theorie und der Praxis des Komitees. Prinzipiell werden die g e - meinnützigen Zwecke betont und, im Gegensatz zum älteren System individueller Unterstützung, als Hauptaufgabe des Komitees hingestellt, tatsächlich aber wird für öffentliche Bedürfnisse im engeren Sinne des Wortes zurzeit weniger getan. Dies hat indes seine Erklärung in dem allgemeinen Arbeitssystem des Komitees. Das Komitee ist bestrebt, jedes Beginnen oder Unternehmen öffentlicher Natur oder von öffentlicher Bedeutung so lange zu fördern, bis es auf eigenen Füßen stellen kann. Sobald die materielle Unterstützung des Komitees nicht mehr unbedingt notwendig erscheint, werden die entsprechenden /Mittel für andere Zwecke freigemacht. Eine erhebliche Erweiterung der Tätigkeit des Komitees auf diesem Gebiete wird daher, wie im vorliegenden Berichte betont wird, erst dann zu erwarten sein, wenn die Kolonisation Palästinas einen neuen Aufschwung nehmen wird und die neuen Siedelungen und neuen Werke neue Bedürfnisse zeitigen werden, die zu befriedigen das Komitee als seine vornehmste Pflicht erachten wird. * . *• * Ich bin mit meinem Ueberblick über die Arbeit des Odessaer Komitees während der letzten drei Jahre zu Ende. Man wird sich der Erkenntnis nicht verschließen können, daß die dreißigjährige Erfahrung der Chowewe-Zion nicht umsonst war; daß das Odessaer Komitee ehrlich bestrebt ist, und sein bestes tut, um nach bescheidenen Kräften und Mitteln alles zu fördern, was unsere Position im Lande in irgendeiner Weise zu stärken geeignet erscheint. — Dr. Jakob Thon und Frau in Jaffa geben ihren Freunden und Bekannten von dem tiefen Schlag, der sie getroffen hat, Nachricht: ihr Töchterchen Hannah Rahel ist ihnen in der Nacht vom 4. zum 5. Januar (15. Teweth) für immer entrissen worden. Kongreßprotokoll Soeben ist das Stenographische Protokoll des X. Zionistenkongresses erschienen. Der Preis des Buches mußte infolge der bedeutend gestiegenen Herstellungskosten gegenüber den früheren Protokollen etwas erhöht werden. Das broschierte Exemplar kostet 1.50 M., das gebundene Exemplar 2.25 M. Außerdem wurde eine Luxusausgabe hergestellt. Preis pro Exemplar broschiert 2.50 M., gebunden 3.50 M. Wegen Bezug des Protokolls wende man sich an den „Jüdischen Verlag", der größere Partien aller Ausgaben des Protokolls zu ermäßigten Preisen an Ortsgruppen und Wiederverkäufer liefert.