Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 4 (26.1.1912)
- Date
- 1912-01-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Mr. 4 DIEE^KELT — 113 Bezalel-Ausstellung Von Albert Reimann. Die folgenden Ausführungen aus der Feder eines Fachmanns werden für unsere Leser von besonderem Interesse sein. Die Redaktion. In der Volksknnstabteilung des Warenhauses A. W e r t h e i m in der Leipziger Straße fand vor kurzem eine Ausstellung der Kimstgevverbeschule „Bezalel" zu Jerusalem statt, die sich eines außerordentlichen Zuspruchs erfreute und auch über die beteiligten Kreise hinaus allgemeines Interesse fand. Die Arbeiten boten insofern etwas Besonderes, weil sich in ihnen altpalästinensischer Geschmack mit moderner Auffassungpaart und dadurch eine nicht alltägliche Note hineinkommt. Wenn man die ausgestellten Arbeiten kritisch beurteilt, so muß man allerdings zugeben, daß sowohl in geschmacklicher als auch in technischer Hinsicht noch manches zu verbessern wäre, doch in Anbetracht der kurzen Zeit von etwa 5 Jahren, die die Schule jetzt besteht, sind die Leistungen doch als gute zu bezeichnen; besonders wenn man sich vergegenwärtigt, wie in Jerusalem aus dem Nichts heraus eine Arbeitsstätte geschaffen worden ist, mit der man heute nicht nur als wichtigen Faktor für die Kulturarbeit in Palästina zu rechnen hat, sondern die über 400 vorher erwerbslosen hungernden Menschen Arbeit und Brot schafft. Die ausgestellten Teppiche haben sich sowohl in Farbe wie in Zeichnung gegen die Arbeiten der ersten Jahre wesentlich verbessert. Die Technik läßt nicht mehr viel zu wünschen übrig, aber schwer ist ein Wettbewerb mit der uralten Kunst des Orients, da wo sie durch eine Jahrtausende alte Tradition eingewurzelt ist. Trotzdem scheint mir nach der ständig steigenden Qualität die Zeit nicht mehr fern, wo die Bezalel-Teppiche voll und ganz den Wettbewerb mit persischen und türkischen Erzeugnissen werden aufnehmen können. Die Spitzen bewegen sich im wesentlichen in arabischen Formen, die durch die streng linearen Motive durchaus moderner wirken, als die modernen französischen Erzeugnisse; und weil sie aus diesen Gründen besser in ein zeitgemäß eingerichtetes Heim passen, haben sie guten Absatz gefunden. Die Filigran-Arbeiten aus Silber sind sauber ausgeführt, würden sich aber nicht wesentlich von den ägyptischen und italienischen Arbeiten dieser Art unterscheiden, wenn nicht durch das oft angewendete Zeichen .Davids oder durch hebräische Schriftzeichen der Ursprung gekennzeichnet wäre. Die Lötarbeiten sind sauber ausgeführt, die Behandlung; des Materials sicher, wenn auch noch etwas unbeholfen. In der sogenannten Damaskustechnik sah man einige recht gut gelungene Stücke an Tellern, Vasen usw. Bei dieser Technik werden die Ornamente mit dem Stichel aus den Messinggegenständen ausgegründet. In die dadurch entstandenen Vertiefungen wird dann Silber und Kupfer eingehämmert und durch Gravierungen verziert. Außerordentlich überrascht haben eine große Anzahl von getriebenen Arbeiten, teils mit Elfenbeinschnitzereien und teils mit Filigranarbeiten und farbigen Steinen verbunden. Auch die Batik-Technik ist in einer Anzahl Arbeiten auf Metall und Holz sehr interessant vertreten. Die Batik ist eine uralte, jetzt wieder neubelebte Technik, bei welcher man mit Hilfe des Batikstiftes Ornamente in flüssigem Wachs auf Stoff, Holz, Metall oder andere Materialien aufträgt. Die durch Wachs reservierten Linien oder Flächen sind unempfindlich gegen Farben loder ätzende Säuren. Nunmehr wird der zu dekorierende Gegenstand gefärbt oder geätzt, je nachdem das Material es erfordert, so daß die Ornamente in dem Grundton stehen bleiben, während die Fläche entweder eine andere Farbe oder einen tiefer liegenden Grund erhält. In dieser Technik waren viele Holzarbeiten, Kästen, Vasen, Falzmesser usw. zu sehen, auch Metallteller, Schalen, Becher usw. in Kupfer und Messing. Als ich im Frühjahr 1910 die Schule in Jerusalem besucht hatte, erstattete ich dem unermüdlich arbeitenden Vorstande in Berlin einen Bericht, in welchem ich auch auf gewiße andere von der Schule bisher noch nicht genügend kultivierte Gebiete hinwies. Die Ausstellung hat mich auch aus dem Grunde doppelt überrascht, weil ein Teil dieses Programms bereits berücksichtigt ist oder der Erfüllung entgegengeht. Die Schule hat mit dieser Ausstellung gezeigt, daß sie eine lebensfähige Institution ist, die eine Beachtung und Unterstützung aller interessierten Kreise verdient. Wenn man in Betracht zieht, das hier mitten in dem versandeten, steinigen Jerusalem, in dem nichts mehr von der Kultur früherer Jahrtausende übrig geblieben ist, die Schule ins Leben gerufen worden ist, ohne irgendwie vorgebildete Kunsthandwerker, sondern mit einem Menschenmaterial, das weder Kunstverständnis, noch Handfertigkeit hatte, so muß man die Leitung doppelt bewundern. Ich glaube, daß wir noch vieles Gute von der Bezalel-Schule zu erwarten haben. o o o o o o o C o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG Bankdirektoriums-Sitzungen Am 14. Januar haben im Haag in dem Bureau des Herrn J. H. Kann, Direktoriums-Sitzungen der Jüdischen Kolonialbank (Jewish Colonial Trust) der Anglo Palestine Company und der Anglo Levantine Banking Company, stattgefunden. Außer Herrn Kann waren die Herren D. Wolffsohn, Dr. Katzenelsohn, Joseph Co wen und der Manager Herr Theodor Hirsch aus London anwesend. Die laufenden Geschäfte wurden erledigt, und obgleich die Bilanz des J. C. T. per 1911 noch nicht ganz abgeschlossen ist, konnte doch schon festgestellt werden, o o o o o o o llooooooo vs daß das abgelaufene Geschäftsjahr 1911, trotz der ungünstigen Geschäftslage des letzten Quartals, mindestens ebenso günstig wie das vorhergegangene Jahr 1910 ausfallen dürfte. Auch die Branch im Eastend von London hat in diesem Jahre, zum ersten Male, ein befriedigendes Resultat erzielt. Die Bilanzen der Anglo Palestine Company und der Anglo Levantine Banking Company sind noch nicht eingetroffen, aber auch diese Banken werden, so weit es sich jetzt schon übersehen läßt, voraussichtlich befriedigende Abschlüsse erzielt haben.