Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 4 (26.1.1912)
- Date
- 1912-01-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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- Beirut 2× ep/1047833
- Haifa 1× ep/1047930
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Nr. 4 Berichte über die irn Auftrage des Komitees im Jahre 1899 unternommene Studienreise nach Palästina, in welchem er genaue Vorschläge, betreffend die Aufgaben des Komitees auf dem Gebiete des Schul w e s e n s machte. Die diesbezüglichen Ansichten Achad-Haams fanden immer mehr Anklang in weiten Kreisen der Chowewe-Zion. So hat denn die Generalversammlung von 1902 den Beschluß gefaßt, daß 25 bis 30 o/o der Einnahmen für Schul- und Erziehungswesen zu verwenden seien. Zu völligem Siege gelangte diese Anschauung erst im neuen Komitee unter Ussischkin. In dem vorliegenden Berichte finden wir eine Erklärung für die außerordentlich liebevolle Sorgfalt und Hingebung, mit welcher das Komitee die Kulturarbeit in Palästina pflegt. Das Komitee erblickt in einer rationellen Erziehungsarbeit, namentlich in der Wiederbelebung der hebräischen Sprache bei dem heranwachsenden Geschlechte das sichere Mittel, aus den einzelnen heterogenen und kulturell zerrissenen Gemeinden Palästinas eine zielbewußte und widerstandsfähige nationale Einheit zu schmieden. Die moderne nationale Schule soll ein realer Machtfaktor werden. Sie soll ein neues Geschlecht heranziehen, das mit seinem Volke, seiner nationalen Sprache und seinem Lande mit unlöslichen Banden verknüpft ist, sich wirtschaftlich produktiv betätigt und seinen national-historischen Aufgaben gewachsen ist. Das Bestreben des Komitees geht darauf aus, Musterschulen verschiedener Stufen und Arten zu gründen und zu fördern, die berufen wären, das palästinensische Schulwesen im allgemeinen günstig zu beeinflussen und zur Bildung eines in sich geschlossenen und organisch gegliederten Schulsystems beizutragen. Die diesbezüglichen Bemühungen des Komitees gelten in erster Reihe der J a f f a e r T ö c h t e r s c h u 1 e (Beth-Sefer ironi lebanoth), welche für die nationale Erziehung und für das siegreiche Vordringen der hebräischen Sprache in Palästina von entscheidender Bedeutung wurde. Das Komitee scheut vor keinen noch so bedeutenden Ausgaben zurück, im Bestreben, diese Schule, in welcher das Hebräische zum ersten Male als Unterrichtssprache für alle Lehrfächer zur Anwendung gelangte, zu einem Musterinstitut zu gestalten. Der jährliche Ausgabenetat dieser Schule beläuft sich nunmehr auf 30 000—35 000 Frcs. Im Laufe der Berichtsperiode nahm die Schule einen sehr erfreulichen Aufschwung. Das neue prächtige Schulgebäude, das einen Aufwand von mehr als 105 000 Frcs. erforderte, blieb nicht ohne Einfluß auch auf die innere Entwicklung der Schule. Während dieser Zeit wurde auch das Reglement der Schule und das auf acht Schuljahre berechnete Lehrprogramm endgültig, in allen Einzelheiten ausgearbeitet, wodurch erst ein fester und zielsicherer Lehrplan ermöglicht wurde. In der abgelaufenen Berichtsperiode wurde zum ersten Male der Turnunterricht eingeführt, dessen günstiger Einfluß auf den physischen Zustand der Schülerinnen sich bereits bemerkbar macht. In diese Zeit fällt auch die Anstellung von speziellen Lehrkräften für Gesang und Zeichnen. Auch die Einführung des Unterrichts in den feineren Handarbeiten — neben dem älteren Unterricht im Nähen und Zuschneiden — datiert aus dieser Zeit. Neben Turnen, Gesang und Zeichnen wird noch durch sorgfältigen Unterricht in Naturlehre (elementare Mineralogie, Botanik, Zoologie, Physiologie, Hygiene, Physik und Chemie) und durch häufige Ausflüge ins F'reie auf die weiteste Hinlenkung zur Natur und Entwicklung des Anschauungsvermögens hingearbeitet. Im allgemeinen entspricht das Programm dieser Schule demjenigen der europäischen Sekundärschulen. Nur daß hier neben den allgemeinen Fächern (Geographie und Geschichte, Mathematik, französische Sprache usw.) besonderes Gewicht 111 auf hebräische Sprache und Literatur, Bibel und jüdische Geschichte gelegt wird. — Der Schule, die, nebenbei bemerkt, erst zu Beginn des laufenden Schuljahres ihre letzte — achte — Klasse bekam, soll zum künftigen Schuljahre das Seminar für Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen zum Andenken des verewigten Lewinsky angegliedert werden. Eine Anzahl von den Schülerinnen, die dieses Jahr die Schule absolvieren werden, wird also die Möglichkeit haben, sogleich in das Seminar einzutreten. — Was die Zahl der Schülerinnen anbetrifft, so belief sich dieselbe im Anfange des Jahres 5609 auf 354, im Anfange 5670 auf 391 und im Anfange 5671 auf 431. Tatkräftige Förderung erwies das Komitee in den abgelaufenen drei Jahren auch dem H e b r ä i s c h e n Gymnasium zu Jaffa, welches bekanntlich sein Entstehen nicht zuletzt dem Interesse des Odessaer Komitees verdankt. Das Gymnasium ist in den Augen des Komitees nicht nur eine hervorra g e n d c P flau z s t ä 11 e nationale n Geistes und ein Musterinstitut zur Vorbereitung für w i s s e n s c h a f 11 i ch c Berufe im Lande, sondern hat jetzt schon einen nicht zu unterschätzenden kolonisatorischen Wert, indem es viele Familien von der Auswanderung aus Palästina zurückhält und für viele andere in den Golusländern, die ihren Kindern eine gediegene nationale und allgemein menschliehe Erziehung geben wollen, als Anziehungspunkt dient. Der Bericht gibt einen genauen Ucbcrblick über die Entwicklung des Gymnasiums in den letzten drei Jahren, die wir in den wesentlichsten Zügen als bekannt voraussetzen dürfen. Die Hilfeleistung des Komitees für diese Zeit bestand darin, daß das Komitee aus eigenen Mitteln jährlich zu den Ausgaben des Gymnasiums 5000 Frcs. beitrug, das gesamte Budget (im letzten Jahre 56 00O Frcs.) verbürgte, die Verwaltung des Kassawesens versah und für die Vergrößerung des Fonds des Gymnasiums Sorge trug. Während der Berichtsperiode liefen beim Komitee für diesen Fonds, vornehmlich dank der Bemühungen der Herren M. Schein k i n und Dr. B. M o s s i n - söhn, rund 45 000 Rubel ein. Es würde uns zu weit führen, wenn wir hier die Schultätigkeit des Komitees in ihren einzelnen Erscheinungen näher behandeln wollten. Eine trockene Auf/.ähhmg der vom Komitee in den letzten drei Jahren erhaltenen bzw. subventionierten Lehranstalten in den Städten und Kolonien dürfte genügen, um einen Begriff über diese weit verzweigte Tätigkeit zu geben: a) Kindergärten in Beirut, S i d o n , S a f f e d , T i b e r i a s , Haifa, Jaffa und Jerusalem. b) Koloniesc h ulen — in Ma chna jim, Cheder a h , Beer -Jakob, Wadi-C hanin, A r t u f f , M o z a und K a s t i n i e. c) Städtische Schulen in Beirut, T i b e r i a s , Haifa, Jaffa (Tachkemoni und die Handwerksschule der Talmud-Tora), Jerusalem („Bezalel") und Gaza. Die Kulturarbeit des Komitees beschränkt sich indes nicht auf das Schulwesen. Das Komitee fördert und unterstützt jedes Beginnen, das das kulturelle Niveau und die nationale Widerstandsfähigkeit der jüdischen Bevölkerung des Landes in irgendeiner Weise zu heben und zu stärken geeignet erscheint. Und so wurden denn in der Berichtsperiode folgende Kulturwerke subventioniert: Bibliotheken T i b e r i a s , Haifa und Jaffa. Zeitschriften und B ü c h e r v e r 1 a g e — ,,Haomer", „ H a p o e 1 - H a z a i r " , „Moledcth", Hame'ir", „Laam". Mit groBer Genugtuung blickt das Komitee auf die gedeihliche Entwicklung der mit seiner Hilfe in diesem Zeitraum geschaffenen und von ihm subventionierten pädagogischen Zeitschrift „Hachinn uch{l zurück, weiche DIE^KELT