Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 4 (26.1.1912)
- Date
- 1912-01-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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110 Bemühungen war, daß bis zum Abschlußtermin des vorliegenden R e c h e n s c h a f t s - Berichtes 961 Personen die formelle Verpflichtung unterschrieben, Anteilscheine des zu gründenden Instituts im Betrage von insgesamt 192 200 R ubcl *) z u e r w erbe n u n d z u g 1 e i c h 10 °'o des Subskription s - B c t r a g c s , also 19 220 Rubel anzahlte n. Diese durchaus gewährleistete und recht beträchtliche Subskriptionssuinme soll nun nach Ansicht und Absicht des Komitees den Grundstein bieten für das zu errichtende Institut. Das Komitee blickt mit Genugtuung auf seinen diesbezüglichen Versuch zurück. In dem schönen Erfolg der bisherigen Bemühungen sieht es den Beweis, daß die Gründung einer Agrarbank für Palästina in weiten Kreisen großen Anklang finden wird. Somit erscheint der finanzielle Erfolg dieses für die Kolonisation Palästinas eminent wichtigen Institutes vollauf gesichert. c) Arbeiterfürsorge. Das Komitee vertrat immer den Standpunkt, daß die Konsolidierung und Seßhaftmachimg eines jüdischen 1 a n d - wirtschaftlichen Arbeiterstandes in Palästina eine unerläßliche Bedingung für die gedeihliche Entwicklung des jüdischen Kolonisationswerkes im heiligen Lande ist. Schon in den ersten Jahren seiner Tätigkeit hat sich das Komitee angelegen sein lassen, für die landwirtschaftlichen Arbeiter in den Kolonien zu sorgen. Gründlicher und folgerichtiger wurde dieses Problem auf der Generalversammlung von 1902 behandelt. Diese Versammlung hat die Schaffung eines speziellen Arbeiterfonds in die Wege geleitet, aus dessen Mitteln später ein Teil der Arbeiter durch Verleihung von Grundstücken und Inventar seßhaft gemacht und im übrigen allgemeine, der gesamten Arbeiterschaft zugute kommende Wohlfahrtseinrichtungen, als da sind billige Wohnungen, Leihkassen usw., geschaffen wurden. In den letzten Jahren legt das Komitee besonderes Gewicht auf die Schaffung und Befestigung von Arbeiterdörfern in der Nähe der größeren Kolonien. Hierdurch soll den Landarbeitern die Möglichkeit geboten werden, in den benachbarten Kolonien als Tagelöhner zu arbeiten, gleichzeitig aber in der eigenen kleinen Wirtschaft einen beständigen Rückhalt zu haben. Der Schaffung dieses neuen Typus von seßhaften Landarbeitern sollten die beiden Arbeiterdörfer „ B e e r- J a k o b " in der Nähe von Rischon-Lezion und „ E n - G a n i m 61 bei P e t h a c h - T i k w a h , die sich beim Abschluß des vorletzten Rechenschaftsberichtes noch im embryonalen Zustande befanden, dienen. Im Laufe der letzten drei Jahre haben diese neuen Siedelungen gute Fortschritte gemacht und sind in erfreulicher Entwicklung begriffen. Hierzu trug nicht wenig das Komitee bei, indem es ihnen, durch Uebernahme der Garantie der A. P. C. gegenüber, größere Darlehen (17 000 bzw. 20 000 Frcs.) auf Ratenabzahlungen im Laufe von fünfzehn Jahren verschaffte. Diese Darlehen setzten die Arbeiter in den Stand, die für die Gemüse- und Plantagenwirtschaften unentbehrlichen Bewässerungsanlagen zu schaffen. Der Bericht spricht allerdings die Vermutung aus, daß ein Teil der Ansiedler, namentlich in Beer-Jakob, sich nicht werde behaupten können, sondern, dem Gesetze der natürlichen Zuchtwahl gehorchend, widerstandsfähigeren Kameraden den Platz räumen wrerde. Diese, im übrigen bei jedem neuen kolonisatorischen Beginnen, gewöhnliche Erscheinung wird indes kaum die gesunde Entwicklung der neuen Kolonien beeinträchtigen. Mit Genugtuung stellt das Komitee fest, daß die Ratenabzahlungen *) Bis zur Drucklegung des vorliegenden Berichtes wurden von weiteren 60 Personen Aktien im Betrage von rund 20 000 Rubel gezeichnet. Nr. 4 für den gegen langfristigen Kredit verliehenen Boden von beiden Kolonien ziemlich regelmäßig einlaufen. Im Laufe der Berichtsperiode hat das Komitee neue Arbeiterdörfer nicht gegründet. Die palästinensischen Vertreter des Komitees befassen sich indes seit längerer Zeit mit den nötigen Vorstudien und Vorarbeiten nach dieser Richtung. Zurzeit stehen sie in Unterhandlungen bezüglich des Erwerbs zweier geeigneter Grundstücke in der Nähe von größeren Kolonien, und das Komitee spricht die Hoffnung aus, daß es binnen kurzem in der Lage sein wird, dem Netzwerk der jüdischen Kolonisation in Palästina neue Maschen an wichtigen Punkten anzufügen. Was die Schaffung und Förderung von Wolilfahrtseinrichtungen für die Arbeiter anbetrifft, so wurde im Laufe der Berichtsperiode der galiläischen Arbeiterorganisation „Abo da" ein größerer Betrag zur G r ü n d u n g billiger K ü eben zur Verfügung gestellt. Weitere beträchtliche Summen bewilligte das Komitee zur Errichtung eines Hauses für die jemenitischen Arbeiter in G e d e r a h , ferner zur Gründung einer Küche für die Arbeiter in Sichron-Jakob. Besonderes Interesse brachte das Komitee dem Verbände jüdischer Wächter „ Hase h o m e r " entgegen. Dieser vor vier Jahren von einer Gruppe junger Arbeiter gegründete Verband hatte sich zur Aufgabe gestellt, den bis dahin den Arabern überantworteten Schutz der Kolonien gegen Raub und Diebstahl zu übernehmen. Der Standhaftigkeit und dein Opfermut dieser edlen Enthusiasten gelang es, nach und nach den hartnäckigen Skeptizismus der Kolonisten und den noch hartnäckigeren, mit rücksichtslosester Konsequenz geführten Kampf der arabischen Wächter und ihrer Dorfgenossen, dem mehr als ein junges Menschenleben zum Opfer fiel, zu überwinden. Die tadellose Organisation der Wacht in Sedjerah und später auch in den anderen galiläischen Kolonien, besiegte den vorsichtigen Konservatismus unseres Bauernstandes, und an dem Opfermut unbeugsamer Pioniere der jüdischen Renaissance scheiterten die ungestümen Ueberfälle der Araber. Verschiedene Kolonien traten nach und nach aus eigener Initiative an den „Haschomer" mit dem Ersuchen heran, ihr Hab und Gut in Schutz und Bewachung nehmen zu wollen. Es sollte sich aber bald herausstellen, daß Begeisterung und Opfermut allein noch nicht ausreichten, um der jungen Organisation eine normale Existenz zu sichern. Dazu gehörten noch gewisse Geldmittel. Die Wächter sollten mit Reitpferden, Sätteln und Gewehren versehen werden, für die in den Kämpfen mit den Arabern verwundeten oder verstümmelten bzw. für die Hinterbliebenen hingemordeter Kameraden sollte gesorgt werden usw. Der Verband wandte sich nun an das Komitee der Chowewe-Zion mit dem Ersuchen um Hilfe. Das Komitee kam der sympathischen Organisation bereitwillig entgegen. Es gelang ihm für diesen Zweck aus Kiew und Moskau spezielle Spenden zu erhalten, stellte daneben auch seinerseits eine beträchtliche Summe zur Verfügung, so daß dem „Haschomer" 2000 Frcs. für allgemeine Ausgaben, 1500 Frcs. zur Versicherung von 40- Mitgliedern gegen Unglücksfälle und 4000 Frcs. als Garantiefonds für eventuellen Schadenersatz an die Kolonisten bewilligt werden konnten. c) K u 11 u r a r b e i t. Die nationale Erziehungsarbeit in Paliistina gehört bekanntlich seit längerer Zeit zu den vornehmsten Aufgaben des Komitees der Chowewe-Zion. Schon 1893 stellte Ach ad - H a a m unter anderen Reformvorschlägen auch die Forderung auf, die nationale Erziehung im Lande sei als wichtigster Faktor der Palästinaarbeit zu betrachten. Schärfer und präziser faßte Achad-Haam diese Forderung in seinem DIEE^ELT