Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 4 (26.1.1912)
- Date
- 1912-01-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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- Beirut 1× ep/1047833
- Haifa 1× ep/1047930
- Odesa 1× ep/1000834
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Nr. 4 Auskmiftsstellen für Emigranten und Arbeitsuchende wesentlich unterscheiden müssen. Wenn sie ein wirklicher Ansporn für die Privatinitiative sein wollen, so dürfen sie sich nicht auf die Beantwortung von Anfragen in jedem einzelnen vorliegenden Falle, oder auf die Erweisung der üblichen, allerdings sehr wichtigen Dienste an die Einwanderer in der ersten Zeit beschränken, sondern müßten sich geradezu mit ausgedehnten systematischen Forschungen und Untersuchungen auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens in Palästina und den Nachbarländern befassen, um über die verschiedenen Betätigungsmöglichkeiten in Landwirtschaft, Handel und Industrie Bescheid zu wissen und über die Schwankungen in Angebot und Nachfrage in jedem einzelnen Wirtschaftszweig auf dem Laufenden zu sein. Diese Aufgabe ist aber um so verwickelter, als es in Palästina an den elementarsten Hilfsmitteln für derartige Arbeiten, wie sie in allen Kulturländern in Hülle und Fülle geboten sind, fehlt. Eine halbwegs befriedigende Lösung dieser Aufgabe müßte daher einen enormen Aufwand von Geldmitteln und intelligenten Kräften erforderlich machen, über die das Komitee nicht verfügt. Die letzte Konferenz der Chowewe-Zion (Februar 1909) hat daher auch in Erwägung dieses Umstandes dem Komitee anempfohlen, ,,zwecks weiterer Entwicklung des Palästina- Informationsdienstes mit den verschiedenen jüdischen Institutionen und Gesellschaften Rußlands und des Auslandes in Verbindung zu treten, um das Interesse und die materielle Mitwirkung derselben für die Sache zu gewinnen/4 D'as Komitee hat aber nach dieser Richtung keine Erfolge zu verzeichnen. Nicht nur, daß es ihm nicht gelungen ist, abseits stellende jüdische Organisationen heranzuziehen, sondern es hat auch die bisherige tätige Unterstützung befreundeter Organisationen zum größten Teil eingebüßt. Eine früher durch Professor Warburg bezogene recht beträchtliche Subvention versiegte im Laufe der Berichtsperiode völlig, während der Hilfsverein der Deutschen Juden seine Subvention für den gleichen Zweck auf 2500 Frcs. reduzierte. Da der Ausgabenetat für den Informationsdienst sich jährlich auf ca. 15 000 Francs beläuft, so war es schon viel, daß das Komitee unter diesen Umständen sich nicht zu einer Verminderung dieses Postens verstand, an eine Erweiterung und Ausgestaltung dieses Arbeitszweiges war indes nicht zu denken. Bei dieser Sachlage wird man dem Komitee recht geben müssen, wenn es das unter den obwaltenden Umständen Mögliche getan zu haben versichert. In der abgelaufenen Berichtsperiode unterhielt das Komitee 1 nformationsb u r e a u s in Odessa, Konstantinopel, Beirut, Haifa, J a f f a und Jerusalem. All diese Bureaus erweisen den Emigranten und neuen Ansiedlern alle mögliche moralische Unterstützung, deren der Neuling im fremden Lande so sehr bedarf, und stehen ihnen mit Anleitung und Auskünften über alle das Ansiedelungswesen in Syrien und Palästina betreffenden Angelegenheiten bei. Die Bureaus haben ferner die Aufgabe, Privatpersonen sowohl wie öffentlichen Institutionen und Preßorganen schriftliche Auskünfte über das Kolonisationswesen, wirtschaftliche Verhältnisse, Kulturleben, Schulwesen in Palästina u. ä. zu erteilen. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß das Odessaer Bureau, einem Abkommen mit der russischen Schiffahrtsgesellschaft zufolge, sämtlichen Passagieren Fahrkarten zu bedeutend ermäßigten Preisen (für die dritte Klasse 40 °/o, für die erste und zweite Klasse 30 «>'<> Rabatt) abgeben konnte. Auf diese Weise wurden jährlich den Emigranten viele tausende Rubel erspart. Folgende statistische Tabelle zeigt, wieviel Personen sich im Laufe der letzten sechs Jahre des Odessaer Informations- 109 bureaus bedienten, und gewährt gleichzeitig einen Ueberblick über die Auswanderungsbcwegung nach Palästina überhaupt. Jahr Personenzahl Darunter Frauen Auf Einladung! Zahl der beim in Palästina anj Informationssässiger Ver- | bureau eingewandter laufenen Briefe 1905 1230 533 177 *)- 1906 3450 1518 832 137 1907 1750 726 591 926 1908 2097 824 603 2256 1909 2459 997 741 3370 1910 1979 726 588 2210 Man sieht also, daß die Zahl der Auswanderer mit jedem Jahre zunimmt. Die hohe Zahl des Jahres 1906 hat ihre Erklärung in der allgemeinen ungeheuren Massenemigration dieses Jahres, die durch die blutigen Pogrome und die Wirren der Revolution hervorgerufen wurde. Der Mißerfolg vieler ungeeigneter Emigranten in Palästina hatte sodann eine natürliche Reaktion zur Folge, vermochte aber nicht den natürlichen allmählichen Zuwachs einer gesunden Emigration zu unterbinden, und so weist denn das Jahr 1907 1750 Auswanderer auf gegen 1230 im Jahre 1905. Der Rückgang der Auswandererzahl im Jahre 1910 hat seine spezieilen Gründe (außerordentliche Quarantäneschwierigkeiten, Abschaffung der billigen Pilgerpässe usw.). In der Hauptsache darf hier wohl viel eher eine Ablenkung eines Teiles der Palästinaemigration über Triest und andere ausländische Häfen, als ein wirklich beträchtlicher Rückgang der Auswanderung nach Palästina angenommen werden. Es würde uns zu weit führen, wenn wir hier im einzelnen die Tätigkeit der verschiedenen Inforniationsbureaus in Palästina an der Hand des Berichtes skizzieren und zahlenmäßig festhalten wollten. Es genügt, wenn wir feststellen, daß, von verschwindend geringen Ausnahmen abgesehen, sämtliche Palästinareisenden unterwegs und im Landimgshafen von den Diensten der betreffenden Bureaus Gebrauch machen. — b) Vorbereitende Schritte zur Schaffung eines Instituts für B o d e n k r e d i t. Wie das Komitee seit Jahren immer wieder und wieder für die Schaffung eines Instituts für Bodenkredit in Palästina Propaganda machte, so hat es auch die ersten praktischen Schritte nach dieser Richtung getan. Die Generalversammlung von 190S hatte nämlich das Komitee beauftragt, zur Schaffung eines Bankinstituts für langfristigen Agrarkredit nach Kräften beizutragen. Im Sinne dieses Beschlusses sah sich das Komitee veranlaßt, einen praktischen Versuch zu machen, der ihm einen sicheren Anhaltspunkt darüber bieten sollte, ob und inwiefern dieses Beginnen auf die Sympathien und die tatkräftige Förderung weiter Volkskreise rechnen dürfte. Es gelang dem Komitee, Flerrn Dr. O. Buchmil, der während seines dreijährigen Aufenthaltes in Palästina Gelegenheit hatte, die rechtlichen und ökonomischen Verhältnisse der Türkei im allgemeinen und Palästinas im besonderen gründlich zu studieren, zu bewegen, eine Agitations- und Werbetournee in Südrußland für diesen Zweck zu unternehmen. Herr Dr. Buchmil besuchte 50 zum größten Teil kleinere und mittlere Punkte Südrußlands, wo er für die Idee der Agrarbank Propaganda machte und gleichzeitig eine Vorsubskription für das zu schaffende Agrarkredit-Institut veranstaltete. Ueberall fand er offene Herzen und Taschen. Das Ergebnis seiner . *) 1905 gab es im Komitee noch keine spezielle Registratur für die auf das Informationswesen bezüglichen Briefe.