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Die Welt · 1912-01-26 · 4 (26.1.1912) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
4 (26.1.1912)
Date
1912-01-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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106 DIEMELT: Nr. 4 Galiläas. Der Vortragende wandte sich dann den Ruinen von Petra, der Haupt- und Handelsstadt des Nabatäerreiches zu, über die einst die Waren aus Arabien, Indien und China zum Westen gelangten, bis Palmyra an dessen Stelle trat Hier stehen in den weichen raten und braunen Sandstein hineingebaut das „Schatzhaus" und die „Burg" des „Pharao" und Reste von arabischen Grabdenkmälern, deren Fassaden noch mm großen Teil erhalten sind. Auch ist eine Tempelruinie aufgedeckt, in deren Innern das Sinnbild des Sonnengottes, ein schwarzer Stein auf goldener Basis, ähnlich der Kaaba zu Mekka, gestanden hat, und dessen Wände Spuren einer Bedeckung mit Goldplatten aufweisen. In Jericho endlich ist es gelungen, ein Gesamtbild der Entwicklung zu erkennen, indem man die alte kanaanitische Mauer, die nur einen Umkreis von 600 Metern hatte, aufdeckte. Sie schloß die dort gelegene „Sultansquelle" ein. Sie war aus Ziegeln erbaut und 3 Meter bis 3,50 Meter dick. In 2,50 m Abstand folgte hinter ihr eine zweite 1,50 Meter starke Mauer. Beide waren oben durch starke Holzplanken verbunden. Die hintere Mauer war höher als die vordere und wurde selbst noch an einer Stelle durch einen Turm überragt. Die kanaanitische Stadt ist durch Feuer zerstört worden und erst gegen Ende des Reiches Israel ist dort wieder eine Festung durch einen König angelegt worden, der Jericho, um einer Unterminierung vorzubeugen, mit einer zyklopisch angelegten Steinböschung umwallte, auf der sich erst die Ziegelmauer erhob. Auch der dort von ihm erbaute Palast konnte zum Teil, ebenso wie mehrere Privathäuser, aufgedeckt werden. Das Königshaus erinnert in seiner Anlage an syrische und hetitische Schlösser. Aus den gefundenen Geräten kann man ein Bild der Kultur des Landes im 7. Jahrhundert v. Chr. gewinnen. Auch diese Mauern fielen nach Judas Zerstörung. Das Jericho der Makkabäerzeit und des Herodes lag weiter nach Süden zu. In frühbyzantinischer Zeit endlich haben sich dort Gutsbesitzer angesiedelt, deren Gräber erhalten und nachgewiesen sind. Mit der Aufforderung, die Orientgesellschaft möge den Boden Palästinas weiter erforschen, schloß der Vortrag, der durch Lichtbilder illustriert wurde. Bevor sich der Kaiser verabschiedete, zog er den Vortragenden, Admiral Hollrnann und Dr. James Simon in ein längeres Gespräch. Die türkische Kammer 17. Dezember 1908 bis 18. Januar 1912 Von Dr. Israel Auerbach-Konstantinopel. I. Die zweite türkische Kammer, die erste nach der antihamidischen Revolution, ist nicht mehr. Sie ging an sich selber zugrunde. Sie hatte weder Traditionen noch Kräfte. Sie besaß keine natürliche Gliederung und spiegelte nicht die Bedürfnisse und Interessen der Massen wieder. Sie war in Ueberhastung und unter gewissen Pressionen zustande gekommen und trug von Anfang an den Charakter des Unfertigen, Zusammengewürfelten an sich. Erst nach und nach strebten ihre wirren Elemente nach Kristallisierungspunkten und schoben sich fast unaufhörlich suchend durcheinander. Niemals vielleicht, ausgenommen die revolutionäre französische Nationalversammlung, sind innerhalb eines Parlamentes während derselben Legislaturperiode so viele Parteiverschiebungen vorgekommen, als in diesem. Noch wenige Momente vor der Auflösung waren ganze Gruppen im Wandern und Platzwechseln begriffen; andere glaubten eben erst ihren rechten Ort gefunden zu haben, als es schon zu spät war. Am Anfang war eine einzige parlamentarische Masse, sie nannte sich durchweg unionistisch. Es war kein Programm und kein Leitgedanke bemerkbar. Solche fanden sich erst beim Auftauchen der ersten Konflikte, zu denen die Ansprüche der nichttürkischen Elemente den Anlaß gaben. Je nachdem, ob man in der neuen Kammer geneigt war, diesen Ansprüchen nachzugeben oder sich ihnen entgegenzusetzen, teilte man sich in zwei Lager, in die Zentralisten und die Dezentralisten. Diese, die sich „Achrar" benannten, blieben aber ein bedeutungsloses Häuflein und wären es geblieben, wenn sie sich nicht Bundesgenossen außerhalb des Parlamentes gesucht hätten: die Spione, die entlassenen Beamten, die reaktionären Priester, Kiami, die bestochene Soldateska. Aber die Erneute vom 13. April 1909 trug ihnen nichts ein. Sie blieben nur, was sie waren, ein kleiner, verdächtiger Flügel. Ihr Prinzip, die Dezentralisierung, hatte einstweilen ausgespielt. Es war das Unheil dieser Gruppe,, daß sie von Anfang an zwar den gerechten Gedanken besaß, diesen aber durch alle Mittel, auch die ungerechtesten, zu verwirklichen strebte. Das rührte daher, weil bei ihren Führern, wie bald klar ward, weniger der Gedanke, als persönliche Motive wirkend waren. Diese suchten sich, als der dezentralistische Grundgedanke kompromittiert war, andere Vorwände und Methoden. Damals begannen soziale und Konstitutionsprinzipiein in den Vordergrund gestellt zu werden, Benennungen wie liberal, deiro> kratisch. konservativ, kamen in der Kammer auf und mußten Gruppen und Grüppchen mit ihrem Namen decken. In Wahrheit aber deckten sie nichts, was ihnen entsprochen hätte; dieselben Politiker, die sich vom unionistischen Blocke, als einem zu konservativen Gebilde, loslösten, um sich Demokraten, Volkspartei und dergl. zu nennen, ganz dieselben bezeichneten sich ein Jahr später, als ihnen daran lag, die Ulemas zu gewinnen, als konservativ. Und eben die gleichen, die darauf bestanden, das Khalifat zu stärken, damit es nicht durch die Volksmacht ganz verwischt werde, setzten hernach die Herstellung einer wahrhaft demokratischen Konstitution wieder in ihr Programm und behaupteten, das Parlament gegen einen Staatsstreich zu verteidigen. In Wirklichkeit gab es im großen wie im kleinen parlamentarischen Lager das gleiche Sammelsurium von allen politischen Elementen. Der junge, in Paris revolutionierte Doktor saß ruhig auf einer Bank neben dem finsteren Derwisch, und Wortführer der Arbeiter und Bauern stimmten genau so ab wie der räuberische Kurdenchef und der wucherische Großagrarier — und also geschah es auf dem linken gerade wie auf dem rechten Flügel. Es war nur die Farce von zwei politischen Parteien, und jeder Vergleich mit irgendwelchem anderen Parlamentsstaat ist sinnlos. Hier gab es nur eine Gruppe der Habenden und eine Gruppe, die haben wollte, und zwar nicht die Herrschaft ihres oder irgendeines Prinzips, sondern nur ihre persönliche Herrschaft. In dieser Formel ist das ganze politische und konstitutionelle Leben der Türkei in den letzten drei Jahren erschöpft. Dieses rücksichtslose Vorwiegen des persönlichen Interesses und die Heterogenität innerhalb beider Parteien w'ar es auch, was ihre immerwährenden inneren Verschiebungen zur Folge hatte. Es brauchte nur auf der Block&eite ein Ehrgeiz unbefriedigt, ein Verlangen enttäuscht, ein Appetit ungesättigt zu bleiben, eine Eitelkeit verletzt, ein Vorteil verwehrt worden zu sein, um den Konservativen zu den Demokraten hinüberzutreiben oder um aus dem Verfechter der Volkse

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