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Die Welt · 1912-01-19 · 3 (19.1.1912) · page 21

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
3 (19.1.1912)
Date
1912-01-19
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Nr. 3 87 oder der Mutter den schädlichen Trunk reichen werde - - da ja ähnliches auch gestattet ist, wenn es sich um einen (heidnischen) erfahrenen, vertrauenswürdigen Arzt handelt. Diese und ähnliche Versehen, sie mögen an sich nicht unbedeutend sein, müssen im Verhältnis zum Ganzen als Kleinigkeiten bezeichnet werden; sie beeinträchtigen den Wert des Buches nicht im geringsten, weil sie in keinem wesentlichen Punkte das Gesamtbild beeinträchtigen, das wir von dem Leben und Treiben der Juden in der talmudischen Epoche gewinnen. Darin liegt ja einer der Hauptvorzüge des Buches, daß es nicht — wie der Titel vermuten läßt — trockene Gelehrsamkeit bietet, sondern einen Einblick in eine fast ungekannte Welt gewährt. „Diese Archäologie sagt Verfasser --■ will kein Lehrbuch, sondern die Schilderung eines hochinteressanten Volkslebens sein;" es ist nicht für Studierende allein und auch nicht bloß für Fachgelehrte geschrieben. Darum wurden ja die vielen Anmerkungen, die außer Stellennachweisen, Quellenangaben und Belegen zahlreiche gelehrte Untersuchungen über Einzelfragen enthalten und oft durch Umfang und Inhalt den Charakter selbständiger Abhandlungen annehmen, vom Texte gesondert. Der Text selbst, unbeschwert von „Notenkram", liest sich leicht, fließend und anziehend, und er zeigt uns die Juden Palästinas und Babyloniens, die Jungen und die Alten, die Männer und die Frauen, die Gelehrten und die Laien, die Gesunden und die Kranken, er zeigt sie uns im Hause und in der Gesellschaft, beim Essen und beim Trinken, bei der Arbeit und bei der Erholung, in Freuden und in Leiden, in Jubel und in Trauer, im Wohlstand und in Armut, in Handel und in Gewerbe, kurz in allen Lagen und Verhältnissen, in allen Beziehungen zum Leben. Ich pflege nicht in Superlativen zu sprechen, ich gebrauche auch sehr ungerne durch häufigen und dep-lazierten Gebrauch abgenutzte Ausdrücke, wie „Standard work" u. dgl., aber ich sage ungescheut: Kraus hat hier nicht Alltagliches, er hat Großes, überaus Großes geleistet, wofür ihm der Dank aller Gebildeten sicher ist. Dank gebührt aber auch der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums," die das Zustandekommen des auch in typographischer Beziehung ausgezeichneten Werkes ermöglicht hat. Ich habe dem Buche einen speziellen Literaturbrief4* gewidmet - nicht zuviel für die erste „Talmudische Archäologie"! Bücherbesprechungen Die Mächte und die Türkei Mit der politischen Situation des ottomanischen Reiches beschäftigt sich eine soeben erschienene Schrift: „Deutschland und der Isla m"*). Es wird darin ein deutschtürkisches Bündnis als die beste Lösungder schwebenden Orientfragen proponiert. Der Gedankengang des Verfassers ist in großen Zügen der folgende: Deutschland und Oesterreich (mit oder ohne Italien) sind an dem großen wirtschaftlichen Markt des türkischen Reiches außerordentlich interessiert, teils, weil ihnen eigene größere Kolonialgebiete fehlen, teils weil sie durch die koloniale Expansion der konkurrierenden Großmächte in zahlreichen wichtigen Absatzgebieten sich auf Schritt und Tritt behindert sehen. Die Nähe des türkischen Reiches *) „Deutschland und der Islam", eine weltpolitische Studie von Davis T r i e t s c h. (112 Seiten mit vier Kartenskizzen und zahlreichen Tabellen, — Preis 1 Mark.) — Orient-Verlag, Berlin. macht ihnen diesen Länderkreis als Absatzgebiet doppelt wertvoll. Für eine solche rein wirtschaftliche Expansion sind Deutschland und Oesterreich an der Stärke der Türkei interessiert. Nur sie bietet eine Gewähr für die Sicherheit von Kapitalsanlagen und angeknüpften Beziehungen. Ueberdies würde eine schwache Türkei mehr oder weniger von den dem deutschen Konzern gegenüberstehenden Mächten aufgeteilt oder in Interessensphären zerlegt werden, in denen der deutsche Handel usw. wiederum verdrängt oder beeinträchtigt werden würde. Das Interesse Deutschlands und Oesterreichs an dem Wirtschaftsmarkt des türkischen Reiches sei so groß, daß man eine Schwächung des Reiches durch die anderen Mächte nicht riskieren dürfe, sondern daß mit allen Mitteln für die Unverletzlichkeit des türkischen Besitzstandes einzutreten sei. Hierzu würde nichts so dienlich sein, wie eine deutschtürkische Bündniserklärung oder wenigstens die unzweideutige Erklärung einer festen Interessengemeinschaft. Wenn demgegenüber geltend gemacht würde, daß ein solcher Schritt zu einem Weltkrieg führen könne, so sei das ganz falsch. Deutschland und Oesterreich seien schon zu zweit stark genug für jede denkbare europäische Kombination (wenigstens zu Lande). Durch die starke Militärmacht der Türken würde diese Position bis zur Unangreifbar k e i t gesteigert, während gleichzeitig eine gerade durch ein deutsches Bündnis erstarkte Türkei eine Bedrohung der englischen, französischen und russischen Positionen in Kerngebieten des Islams bedeuten würde. Dadurch kämen die genannten Mächte in eine defensive Stellung, in der sie froh sein müßten, ihren bisherigen Besitz ungeschmälert zu erhalten. Durch ein deutsch-österreichisches Bündnis gedeckt, könnte die Türkei auch in politischer Hinsicht als Vormacht des Islams auftreten und sogar eine Art Protektorat über Marokko und Persien ausüben, um diese Länder vor den Begehrlichkeiten der europäischen Großmächte zu schützen. Daß der italienische Feldzug am Tage einer solchen Bündniserklärung sein Ende finden würde, hält der Verfasser für selbstverständlich, um so mehr, als Tripolitanien nicht zu den Gebieten gehöre, die von einer europäischen Macht heute noch erobert werden könnten. Auch Aegypten würde wieder in ein engeres Verhältnis zur Türkei treten, wodurch der Markt des türkischen Bereiches eine außerordentliche Vergrößerung erfahren würde. Schließlich sei die durch eine solche Büntlniserk'lärung geschaffene neue Mächtekombination so stark, daß darin eine bessere G e w ä h r des Welt f r i e d e n s läge, als in irgend welcher Waffenrüstung. Soweit der Gedankengang des Verfassers, aus dessen interessanter Darstellung auch diejenigen, die seinen politischen Erwägungen nicht im Einzelnen beizustimmen vermögen, viele Anregungen schöpfen können. Verzeichnis sämtlicher Oertlichkeiten Palästinas nach ihren alten und neueren Benennungen. Von E. S a p h i r. Verlag „Koheleth<\ Jaffa 5071 (Hebräisch). In diesem Werke hat uns der leider zu früh verstorbene Verfasser, als ausgezeichneter Kenner seines Heimatlandes Palästina, ein schönes Denkmai seines Riescnfleißes und seiner gediegenen Kenntnisse hinterlassen. Ursprünglich war die Arbeit als Erläuterung zu, der vom Verlage „Koheleth" vorbereiteten und von Prof. Warburg besorgten hebräischen Landkarte von Palästina gedacht, aber der Verfasser war von dem Wunsche beseelt, für die Kunde Palästinas mehr zu leisten und erweiterte später seine Schrift über die Grenzen einer Erläuterung zu. der genannten Landkarte hinaus, indem er sie zu einer selbständigen topographischen Studie umgestaltete. Er nahm daher nicht bloß jene Namen von Oertlichkeiten auf, die sich auf der Landkarte befinden, sondern führte auch die wichtigsten in -Bibel, Talmud und M i d r a s c h , sowie in den Hasmo näerbüchern und bei Joseph us vorkommenden Ortsbezeichnungen in geordneter alphabethischer Reihenfolge an und berücksichtigte in den beigefügten historischen Anmerkungen die gesamte geographische Literatur, in einzelnen Fällen auch die Tel-el- A m a r n a - Funde. Neben diesen alten Namen sind aber auch arabische neuere Oertlichkeiten angeführt, deren hebräische Benennung aus alter Zeit nicht mehr festgestellt werden kann. Die gründliche Kenntnis des Arabischen und ein feines Gefühl für Sprachvergleichung haben es dem Verfasser ermöglicht, Ursprung und Bedeutung vieler Namen festzustellen und eine klare, übersichtliche Gruppierung durchzuführen. Wie so ort

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