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Die Welt · 1912-01-19 · 3 (19.1.1912) · page 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
3 (19.1.1912)
Date
1912-01-19
Page
– (sequence 22)
Language
German
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auf anderen Forschungsgebieten, erfahren wir auch aus dieser Arbeit, welche grolkn Dienste die weitverzweigte jüdische Literatur der historischen Forschung zu leisten vermag und welches fruchtbare Gebiet wissenschaftlicher Arbeit denjenigen offen steht, die in unserem alten Schrifttum heimisch sind. Auch die Toponomastik Palästinas erfährt durch manche Angabe, Uebersetzung und Lirklärung unserer Alten eine nicht zu unterschätzende Förderung in vielen Details, bei denen wir sonst auf vage Hypothesen angewiesen sind. Trotz der Gediegenheit, welche das Werk als Ganzes auszeichnet, scheint mir darin manches ungenau und lückenhaft zu sein, worauf ich die Herausgeber der Landkarte aufmerksam machen möchte, falls noch eine Korrektur derselben möglich ist. Die Stadt ~pss (Nr. 65 des Toponomastikons) wird nicht anders als die vorangehende (Nr. 64) pSN, heißen. Sowohl die Syntax als die Akzentuierung beweisen, daß das!"! ein 1 o c a 1 e ist und in IL Kön. 13, 17 wird die Stadt, bei welcher der Syrerkönig Ben-Hadad eine Niederlage erleidet und die der Verfasser nach L Kön. 20, 20 nennt, ausdrücklich 7genannt. Merkwürdigerweise heißt die Stadt im Arabischen ebenfalls P^D ohne die Femininendung!"!. Auch die Ortsbezeichnung yrsyp (Nr. 1027) nach Josua 12, 19 scheint unrichtig, wenn auch manche Landkarte des alten Palästina es so schreibt, wie z. B. die Karte der Bibel- Gesellschaft. Das wird ebenso ein Dativ sein wie in den anderen an derselben Stelle vorkommenden Namen: TiTPBJ? rSHD?/ unc* m^^; die vom Verfasser beigefügte arabische Bezeichnung lautet ebenfalls ohne p einfach: "JVID. Auch sonst fehlen einige Namen biblischer Oertlichkeiten und bei anderen wäre die Vergleichung mit ägyptischen und assyrischen Bezeichnungen möglich gewesen. Es wäre zu wünschen, daß das ausgezeichnete Buch, dessen Bedeutung für die Kunde unseres Ahnenlandes so groß ist, baldigst einen Neudruck erlebt, in welchem die angedeuteten Lücken ausgefüllt werden könnten. Dies war auch der Wunsch des Verfassers, der sich dessen bewußt war, den ersten Versuch zu einer vollständigen Toponomastik gemacht zu haben und der sein Vorwort mit dem Ausruf schließt: nXDH mIm"^ B i e 1 i t z. Dr. M. Berko w i c z. Der goldene Spiegel, Erzählungen in einein Rahmen von Jakob Wassermann. (S. Fischer, Verlag, Berlin 1911.) Ein neues Buch Wassermanns geht mir stets über die Erfüllung hinaus. Ein Gefühl bleibt, als bewegten sich vor dem Auge die Dinge an einem schmalen Rand und jenseit des Randes ist ein Abgrund mit gcheimnisvoll-unlotbaren Tiefen. So wird mir Wassermanns Werk stets zur neuen Frage: „Wo ist die Erfüllung?" Lind mit Angst warte ich nach jedem neuen Buche auf das nächste. „Erzählungen in einem Rahmen" — der erste Gedanke führt zu A p u 1 e j u s , zu Schehcrzadens Märchennächten, zu Boccaccio, Jean Paul, E. T. A. Hoffmann, zu allen Wandlungen einer alten lieben Form. Hier ist alles ganz anders. Der Rahmen ist hier nicht die Form, sondern das Wesen jener zwölf größeren und vielen kleinen Erzählungen und zugleich die Distanz zu diesem Wesen. Er ist das Bekennen des Erlebens: „Es gibt auch eine mittelbare Art zu leben und zu erleben; obschon sie nicht so zwingt, zum Entschluß nicht und zur Verwandlung nicht, ist sie oft doch viel schmerzlicher, — dem unverschlossenen Herzen nämlich, das dann so belastet, so verwundet, so zerrissen sich findet, so zerteilt in die wechselnden Lose, daß es nicht einmal zu einer Tat der Selbstbcwahrung mehr die Kraft hat. Das heißt mit gefesselten Gliedern dem" Moloch übergeben werden." Das mittelbare Erleben, in dessen Bewußtwerden die Sehnsucht nach dem Unmittelbaren liegt, es ist die Ich-Gestaltung, die dem Künstler Wassermann sein Werk entfesselt. In ihr wird er schöpferisch hart an jenen Grenzen, wo bereits das Grauen vor dem einem Künstler unfaßbaren Gegenbild des Schöpferischen beginnt. Ist das ein Anfang oder ein Ende? Es ist dieselbe Frage, die wir an das Wesen unseres heutigen Judentums richten. Wassermann ist Jude. Sein Schaffen birgt die bange Frage .... Die Handlung der Rahmengeschichte im „Goldenen Spiegel" ist bald wiedergegeben. „Die äußerlichsten Vorgänge lassen sich in drei Worten wiedergeben/' Franziska hat vier Freunde. ,,Mancher liebt sie, manchem ist sie viel." Sie erlebt in ihrer Seele ein Bild. Das Bild wird durch einen Mann lebendig. Sie zieht mit ihm in die Welt. Ihren Freunden läßt sie einen goldenen Spiegel, und bittet sie, an einem bestimmten Tage ihrer zu harren. Sie kommt wieder, nachdem sie das Bitterste erfahren hat, zerrissen und zerstört. Ihr Wesen löst sich im Kreis der Freunde. Und der Spiegel soll dem zufallen, der die schönste Geschichte erzählt. Die Freunde erzählen wechselnd zwölf Geschichten. Hadwiger, der nur eine erzählt, eine unmittelbar erlebte seines eigenen Lebens, soll der Preis zufallen. Doch indes ist ein Affe, das Haustier eines der Freunde, mit dem Spiegel entflohen. Er ist nicht mehr zu finden. Und Franziska, die im Hören und Erzählen der Schicksale in der Welt — die immer ihre ist — sich befreit hat, lebt ihr nach außen zerstörtes Leben zu Ende im ruhigen Erlöstsein . . . .! Die zwölf Erzählungen sind seltsam, wunderbar und in ernster Kunst gestaltet. Die Geschichte von „Nimführ und Willenius", jenen beiden Malern, von denen der eine die verbrecherische Leidenschaft zur Kunst büßt, da ,,er vergaß, daß man auch leben muß, um zu schaffen, . . . und gegen sich barmherzig sein", die ,,Geschichte des Grafen Erdmann Promnitz", „Die Pest im Vintschgau" — sie sind Werke reinsten Schaffens. Und doch — sie führen in entfesseltem Fluge an den Rand der Welt. Das mittelbare Erleben vollendet sich durch das Werk Wassermanns mit schöpferischer Macht, doch fast vor dem Ende des künstlerischen Erlebens überhaupt. Und es ist eigenartig: Die Geschichte, welche Hadwiger erzählt, jene Geschichte, die sein iWesen gestaltet, da sie aus seinem unmittelbaren Erleben kommt, erscheint mir am wenigsten ganz. Kann sich der Dichter nicht mehr in das Unmittelbare gestaltend finden? Oder liegt die Lösung in Franziskas Erzählung, der das mittelbare Erleben ins Leben trat und es zerstörte? Und die Erlösung liegt für sie — und für den Dichter — im steten Versinken ins Mittelbare? Doch so ist das Leben „zu Ende gelebt, so bis an den letzten Rand, daß es in Wahrheit nur eines leichten Hinüberbeugens bedarf, und das Herz hört auf zu schlagen, gleich einer Uhr, die nicht mehr tickt, weil die Ewigkeit beginnt". In d icser1 Relation Leben liegt das Versinken der Tat der Selbstbewahrung. Sie aber ist erst das wahre Leben, nach dem sich Wassermanns Schaffen sehnt. Er schafft in der Relation — wundervolles, wie sein neues Werk wieder erweist . . . LJnd die Furcht bleibt doch: Der Abgrund ist so nah. Ein Hinüberbeugen und das Ende ist da. Wir glauben frohsinnig, es sei ein Anfang. Wassermann ist Jude . . . Wann wird er, wann werden wir unmittelbar erleben können in unserem Schaffenstum? . . . Unser schöpferisches Wesen ist am Rande der Welt . . . Und die Dinge werden immer ferner, immer ferner . . . Wassermanns Sennen, unser Sehnen dart nicht ungestillt bleiben. Wien. " Siegfried Schmitz. _Schluß des redaktionellen Teiles_ Ausweis Für den Bezalel gingen bei der Schule in Jerusalem ein: Mitgliedsbeiträge von Jakob Ben-Dow, Sam. Bersoff, Abraham Bar-Adon je 5 Frs., B. Zuckermann, Direktor der Schule „Or Jehuda" bei Smyrna, Frau Schoschana Zuckermann, dessen Gemahlin, ä 6 Frs., ferner zahlte Herr Direktor Isac Levy, Direktor der A. P. C. in Jerusalem nicht 5 Frs., sondern 6 Frs. KONFITÜREN S—i PACKUNG für Pralines, Katzenzungen, Mokkabohnen Ueberau zu haben SCHOKOLADEN M— N — V Milch Nuss Vanille Die Drei Neuen Edelschokoladen BERLIN Dresden 1911: Kgl. Sächs. Staatspreis

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