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Die Welt · 1912-01-19 · 3 (19.1.1912) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
3 (19.1.1912)
Date
1912-01-19
Page
– (sequence 18)
Language
German
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84 DIE^KELT: Preßorgan und „Poale Zion", mit dem etwas sozialistisch angehauchten Programm und dem Wochenblatt „Haachduth" in Jerusalem. Diese Zerklüftung der Arbeiter in zwei Lager hatte sich oft als sehr nachteilig erwiesen. Denn erstens befehdeten sich oft die beiden Organisationen aus parteipolitischen Gründen und verhinderten^ mitunter auch dort ein Zusammenarbeiten aller, wo es sehr geboten erschien. Andererseits hat es ein sehr beträchtlicher Teil der Arbeiterschaft überhaupt abgelehnt, in eine der beiden Organisationen einzutreten, was naturgemäß die Stoßkraft der Organisationen sehr abschwächte. Es ist daher im Interesse der gedeihlichen Entwicklung des Arbeiterstandes als einen Schritt vorwärts zu begrüßen, daß nun eine unparteiische Gesamtorganisation geschaffen wurde, an der sich voraussichtlich alle Arbeiter beteiligen werden. Als jährlicher Beitrag wurde der Betrag von 2 Frs. festgesetzt. Indessen hat auch diese Konferenz nicht in voller Einmütigkeit getagt. Besonders ist es der von den „Poale Zion" begründete „Palästina-Arbeiterfonds" der die Gemüter tief erregte. Ein großer Teil der Arbeiter erblickt nämlich in der Schaffung eines speziellen Palästina-Arbeiterfonds, für welchen im Auslande auch bei Nichtarbeitern gesammelt wird, eine Art Degradation des palästinischen Arbeiters. ... In der ersten Konferenz hatte diese Strömung die Mehrheit und es wurde damals beschlossen, daß für diesen Fonds nur bei palästinischen Arbeitern gesammelt werden darf. Die Anhänger des allgemeinen „Palästina-Arbeiterfonds" haben jedoch in der zweiten Konferenz die Angelegenheit nochmals zur Verhandlung gestellt und haben folgenden Beschluß mit einer Mehrheit von 13 gegen 12 Stimmen durchgesetzt: „Die zweite Konferenz erkennt die Notwendigkeit eines gemeinsamen Fonds für die palästinischen und die ausländischen Arbeiter an, die sich für die Arbeit in Palästina interessieren, zwecks Bestreitung der gemeinsamen Bedürfnisse. Der Fonds hat einer unparteiischen Gesamtorganisation aller palästinischen Arbeiter zu unterstehen." Nr. 3 Die übrigen Resolutionen beziehen sich auf die Organisierung des Informationswesens für Arbeiter, ferner auf die Organisierung von Arbeitergenossenschaften, die landwirtschaftliche, besonders Pflanzungsarbeiten, in Akkord übernehmen wollen, auf die Versicherung der bei einem Motor beschäftigten Arbeiter und auf die Schaffung einer landwirtschaftlichen Wanderbibliothek für die Arbeiter. > Einweihung des Arbeiterhauses in Pethach-Tikwah An einem Chanukahtage wurde das Arbeiterhaus m Pethach- Tikwah, welches bekanntlich zugleich mit dem Arbeiterhaus in Chederah vom jüdischen Nationalfonds erbaut wurde, eingeweiht. Die Feier begann mit der Ansprache eines Beamten des Palästina-Amtes, der in kurzen Worten die Gründe auseinandersetzte, die den J. N.-F. bewogen, an die Schaffung von Arbeiterhäusern (Ledigenheime) heranzutreten und zum Schluß die Glückwünsche des N.-F. an die Arbeiterschaft zu ihrem neuen Heim, das sie nun in eigene Verwaltung übernehmen, überbrachte. Daraufhin hielt der bekannte Literat J. Barsilai (Eisenstadt) aus Jerusalem die eigentliche Festrede, die mit großem Beifall aufgenommen wurde. Von den folgenden Darbietungen zeichnete sich besonders eine Deklamation des Dr. To rtsehyner, eines Lehrers am Jerusalemer Gymnasium, aus. Es machten sich ferner die Herren Klotten s k y , Duschmann aus Jaffa und ein Seminarschüler aus Jerusalem um das Gelingen des Abends verdient. Das Arbeiterhaus in Pethach-Tikwah umfaßt 10 hübsche, geräumige Zimmer und einen großen, schönen Saal, der als Aufenthaltsort für die Arbeiter in ihrer Mußezeit bestimmt ist. Vorläufig haben darin 24 Arbeiter Unterkunft gefunden. Der Mietszins für einen Arbeiter beträgt ca. 3 Frs. monatlich. Das Arbeiterhaus ist das größte und auch ansehnlichste Gebäude in der Kolonie. Von der Siedlungsgenossenschaft Herr Agr. S. Dyk, der zum Leiter der ersten Siedlungsgenossenschaft im Öppenlieimerschen Sinne bestimmt ist, ist von einer Europareise zurückgekehrt und wird demnächst die Arbeit für die Siedlungsgenossenschaft wieder aufnehmen. Ein-Gannim — eine palästinensische Arbeiter-Kolonie Ein-Gannim ist eine von jüdischen Landarbeitern mit Hilfe der russischen Chowewe-Zion vor drei Jahren begründete Pflanzungskolonie in unmittelbarer Nähe von Pethach- Tikwah. Die neue Siedelung hat sich in der kurzen Zeit ihres Bestandes sehr günstig entwickelt, insbesondere, seitdem vor einigen Monaten eine Gruppe neuer Ansiedler, durchweg junge, kräftige und in der Landwirtschaft erfahrene Arbeiter, hinzugekommen waren. Die Kolonie zählt bereits 60 Wohnhäuser, auch ausgedehnte Stallungen sind vorhanden, und alle diese Bauten sind ausschließlich von jüdischen Arbeitskräften errichtet worden. In diesem Jahre wurde wieder eine Bodenfläche von 60 Dunam urbar gemacht. Gegenwärtig werden etwa 2000 Zitronen- und Ethrogbäume neu angepflanzt. Die Kolonisten legen auch Baumschulen und Gemüsegärten an und treiben Geflügel- und Viehzucht. Auf einer 100 Dunam großen Fläche, die die Ansiedler gemeinschaftlich erworben haben, ist ein Eukalyptus Wäldchen gepflanzt worden. Demnächst soll ein zweiter Brunnen gegraben und ein neuer Motor aufgestellt werden. Die Kolonisten sind voll Zuversicht und Arbeitsfreude. Sie scheuen keine Mühe und keine Kosten, um ihren Boden zu ameliorieren und ihn immer ertragreicher zu gestalten. Zur Zeit, wenn es in Ein-Gannim nicht genügend landwirtschaftliche Beschäftigung gibt, sind manche Kolonisten im benachbarten Pethach-Tikwah als Lohnarbeiter tätig und finden so guten Nebenerwerb. Die ersten Ansiedler von Ein-Gannim waren meist völlig mittellose Arbeiter. Den Boden erhielten sie von dem Odessaer Komitee der Chowewe-Zion auf Abzahlung, ebenso wurde ihnen der Motor leihweise von der Steinschen Fabrik zur Verfügung gestellt. Trotzdem ist es ihnen im Laufe von drei Jahren gelungen, Eigentümer eines beträchtlichen lebenden Inventars und wertvoller Gebäude zu werden, sowie etwa 25 000 Frcs. an Schulden zu bezahlen. All dies dank ihrer mühevollen Arbeit und ohne daß sie von irgendwelcher Seite materielle Unterstützung in Anspruch genommen hätten. In Ein-Gannim werden sämtliche landwirtschaftlichen und sonstigen Arbeiten ausschließlich durch jüdische Arbeitskräfte verrichtet. Auch die Frauen und Töchter der Kolonisten sind vielfach in der Landwirtschaft tätig, i Ein großes Verdienst an den Aufschwung von Ein-Gannim hat die zionistische Bank (Anglo-Palestine Company) in Jaffa, die dort eine Darlehenskasse einrichtete. Der Direktor der Anglo-Palestine Company, Herr Levontin, und der verstorbene Vizedirektor Saphir brachten der Entwicklung der Kolonie stets lebhaftes Interesse entgegen und standen den Kolonisten mit Rat und Tat bei. In diesem Jahre hat die A. P. C. der Kolonie einen größeren Kredit eingeräumt, der für aussichtsreiche Investionen Verwendung finden soll. Eine Darlehnskasse in Jerusalem zum Andenken an Rabbi Samuel Salant Ein Lieblingsgedanke des vor einigen Jahren verstorbenen Oberrabbiners der Aschkenasim in Jerusalem, Rabbi Samuel Salant, den er selbst nicht mehr zur Ausführung bringen konnte, ist nunmehr verwirklicht worden. Auf Initiative einer Anzahl angesehener jüdischer Kaufleute und des Rabbiners Chaim Ber- 1 i n wurde nämlich unter dem Namen ,,0zar Hachessed Keren Schemuel" eine Vorschußkasse zur Erinnerung an Rabbi Samuel Salant begründet, die den Zweck hat, jüdischen Gewerbetreibenden und Kleinkaufleuten Jerusalems zinsfreie Darlehen zu gewähren. Die Kasse verfügt bis jetzt über ein Kapital von 10 000 Frcs., das zum großen Teil durch die Beisteuer von in Amerika lebenden Verehrern Rabbif Samuel Salants aufgebracht worden ist. Dem leitenden Komitee der neuen Anstalt gehören namhafte Personen aus allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung Jerusalems an. Die Eröffnungsfeier der Darlehnskasse fand am vierten Chanukahtage im Hause des Rabbiners Chaim V

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