Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 2 (12.1.1912)
- Date
- 1912-01-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 2 DIE die verschiedenartigsten Eindrücke und auf die leisesten Anregungen kräftig und eigenartig zu reagieren begann, die Kraft des Enthusiasmus, das innere Pathos, das weit über die Grenzen des früheren „Chibbath-Zion" hinauslangte, zu einem tieferen, feineren Miterleben. Das, was uns nicht nur dazu verhalf, Institute zu gründen, sondern uns auch eine Jugend gab, welche sang und [dichtete und kämpfte, alle unsere Saiten zum Klingen brachte und in unserer nationalen Literatur die volle Resonanz fand. ELT 45 Dazu gehört eben die ganze Vergangenheit: Deshalb ist jede Gedenkfeier der Choveve-Zion eine zionistische Gedenkfeier. Wir gehören jetzt zusammen. Der Geist der Gemeinschaft muß in uns wieder lebendig werden. Es muß uns wieder zum Bewußtsein kommen, daß wir einer großen Zionsliebe bedürfen, um zu streben und zu schaffen. Zions-sehnsüchtig und tiefnational — das ist die Rüstung, deren wir bedürfen. Wer sich ihrer rühmen kann, mag getrost auf den Kampfplatz schreiten. N. S. Ein Betriebsfonds für den Bezalel! Keine der jüdischen Institutionen in Palästina hat eine so rapide Entwicklung aufzuweisen, wie die Kunstgewerbeschule „Bezalel" in Jerusalem. Sie wurde im Januar 1906 von einem hierzu in Berlin gebildeten Komitee begründet und im Oktober desselben Jahres von dem Verein Bezalel übernommen. Schon im gleichen Jahre wurde, abgesehen von der aus einer höheren und einer Vorbereitungsklasse bestehenden Schule, ein Teppichknüpfatelier nebst Spinnerei und Färberei eingerichtet. In den folgenden Jahren traten dann Abteilungen für Holzschnitzerei-, Filigran- und Steinhauerarbeiten hinzu. Es wurde ferner seitdem eingerichtet: ein Atelier für Damaskus-Metallarbeiten, Abteilungen für Möbel- und Korbflechterei und für lithographische Arbeiten, 'und im verflossenen Jahre noch solche für Metalltreiberei, für Batikgegenstände und für Elfenbeinschnitzereien. Ein kleines Museum mit archäologischen, kunstgewerblichen und naturhistorischen Sammlungen ist der Schule angegliedert. Seit Februar 1908 bewohnt der Verein ein prächtiges, dem Nationalfonds gehörendes, im besten Teil Jerusalems gelegenes Gebäude; im Jahre 1910 wurde außerdem noch ein ebenso großes Nachbarhaus vom Nationalfonds gemietet und ein neues großes Teppichatelier gebaut. Gleichzeitig wurde auch die erste Arbeiterkolonie für jemenitische Filigranarbeiter aut dem Lande, bei Lydda, auf einem Gut des Nationalfonds, eingerichtet, während 1911 zum ersten Male eine Anzahl ausgebildeter Teppichknüpferinnen in ihren eigenen Wohnungen für die Schule beschäftigt werden konnte. Damit ist der Grundstein gelegt einerseits zur Verpflanzung des Kunstgewerbes auf das Land, andererseits zur Einführung regelrechter Heimarbeiten den Städten. Wer die Verhältnisse Palästinas kennt, weiß, was es heißt, der Bevölkerung Jerusalems die Möglichkeit zu geben, aufs Land überzusiedeln oder bei sich zu Hause Arbeit zu finden. Für das Wachstum des Vereins und der Schule legen folgende Zahlen beredtes Zeugnis ab. Beiiräge u. Spenden des Vereins M. Aktiva der Bilanz der Schule Frs. Ueberschuss d. Aktiva über die Passiva in der Bilanz der Schule Frs. In d. Schul»" hergestellte Waren Frs. Verdienst durch Verkauf der Waren Frs. 1908 1909 19L0 1911 19 516 52 808 68 118 69 651 36 204 55 650 85 549 104 704 23 484 41 897 51*421 50 904 20 000 35 000 90 000 133 000 0 0 1 500 29 000 Die Zahl der im Bezalel beschäftigten Männer, Frauen und Kinder ist in den letzten vier Jahren von 100 auf 457 gestiegen, und schon jetzt stellt diese Institution das bei weitem größte industrielle Unternehmen in Jerusalem und in ganz Palästina dar. Ca die dort hergestellten Waren neuerdings durchweg dem verfeinerten Geschmack Europas und Amerikas entsprechen, ist der Absatz ein relativ leichter. Unverkäufliche oder im Preise herabgesetzte Waren kommen infolge der Wanderausstellungen überhaupt nicht vor. Auch große Geschäfte und Warenhäuser interessieren sich für die kunstgewerblichen Gegenstände des Hezalel und haben im letzten Jahr schon einige bedeutendere Abschlüsse getätigt. Mit Beginn dieses Jahres tritt auch ein Vertrag in Kraft mit einer größeren eigens zu diesem Zwecke gebildeten Vertriebsgesellschaft in Warschau, welche sich verpflichtet hat, in den nächsten 4 Jahren für zusammen 560 000 Francs gegen Kassazahlung in Jaffa zu übernehmen. So ist also die Zukunft der Institution nach menschlichem Ermessen gesichert, zumal von den Einnahmen des Vereins schon ca. 25 000 M. genügen, um die Schule selbst aufrecht /u erhalten, so daß von den fast 45 000 M. betragenden Mehreinnahmen nicht nur die Miete, Heizung, Beleuchtung und die Vermehrung des Inventars und der Materialien des gewerblichen Betriebes gedeckt werden, sondern beträchtliche Summen als Betriebsfonds benutzt werden können. Dennoch befindet sich der Verein momentan in einer überaus schwierigen Lage, da er infolge der schnellen Entwicklung des Gewerbebetriebes schon seit mehr als einem halben Jahre nicht mehr imstande ist, den größer werdenden Anforderungen des Betriebes aus dem Ueberschuß seiner Einnahmen zu genügen. Da die Rohmaterialien in Europa gekauft, in Palastina verarbeitet und in Europa wieder verkauft werden, so verfließt eine geraume Zeit, bis das verauslagte Geld wieder eingeht. Im normalen Fabrikbetrieb rechnet man bei uns auf jeden Arbeiter ein Kapital von 1000 M. Der Bezalel würde demnach ein Betriebskapital von ca. 450 000 M. benötigen, bei den Verhältnissen Palästinas würde aber schon ein Betriebskapital von 150 000 M. für den BezaleJ genügen, immerhin eine Summe, die sich aus den Vereinsüberschüssen natürlich erst in einer Reihe von Jahren erzielen ließe. Es ist dem Verein zwar ein Kredit von 50 000 Frcs. seitens der Anglo Palestine Co. eingeräumt worden und der Vorstand des Vereins hat außerdem noch eine beträchtliche Summe garantiert, doch genügen diese Kredite nicht mehr, um das täglich steigende Bedürfnis zu decken. Schon jetzt belaufen sich die Schulden auf über 80 000 M. und sind naturgemäß noch in schneller Steigerung begriffen. Während das monatliche Budget der Schule 1900 noch 6000 Frcs. betrug, stieg es 1910 auf 10 000 Frcs. und hatte Ende 1911 schon die stattliche Summe von 20 000 Frcs. überschritten. Im Hinblick auf die Lieferungsverpflichtungen, die der für die weitere Entwicklung des Institutes sehr günstige Vertrag mit der Warschauer Vertriebsgesellschaft dem Bezalel auferlegt, läßt sich natürlich die Produktion nicht einschränken, sie muß ja auch schon eine Zeitlang weiter steigen, da jeder Arbeiter und jede Arbeiterin fortgesetzt eine größere Fingerfertigkeit erlangt. Der Vorstand des Vereins hat deshalb in seiner letzten Sitzung beschlossen, sich an die zahlreichen Freunde des Bezalel mit dem Ersuchen zu wenden, sieh an einer Anleihe zur Bildung eines Betriebsfonds in Höhe von etwa 100 000 M. zu beteiligen, und zwar soll dieser Fonds zur Zurückzahlung gelangen, wenn der definitive geschäftliche Ausbau des Betriebes des Bezalel in die Wege geleitet sein wird; es soll nämlich sobald wie möglich zur Uebernahme des Betriebes in Palästina eine Erwerbsgesellschaft gebildet werden. Wir hoffen für diese Anleihe auf recht zahlreiche größere Beiträge von 1000 M. und darüber. Aber auch kleinere Beiträge sind erwünscht, und zwar sollen diejenigen, die mindestens 250 M. für die Anleihe beisteuern, eine jährliche Verzinsung von 5 (,<i erhalten, zu deren Zahlung der Verein infolge seiner beträchtlichen Einnahmen nach den oben angeführten Zahlen sicherlich imstande sein wird. Beträge unter 100 M. werden nicht als Darlehensbeträge, sondern als Spenden angesehen. Wir hoffen, daß jeder Freund unserer Arbeit der Aufforderung, uns in diesem schwierigen Momente zu helfen, freundliches Gehör schenken wird, damit wir nicht in die Notlage versetzt werden, einen größeren Teil der mühsam angelernten Arbeiter und Arbeiterinnen entlassen zu müssen, was ja in Jerusalem, wo keine andere Arbeit zu finden ist, diejenigen, die nicht die Mittel haben, auszuwandern, zur Verzweiflung treiben würde. Nach unserer festen. Ueberzeugung kann bei dieser Anleihe von einem Risiko nicht die Rede sein, dagegen tut jeder, der sich nach seinen Kräften an derselben beteiligt, ein wirklich gutes und fruchtbringendes Werk, für das ihm die ganze Judenheit Palästinas dankbar sein wird. Briefe sind zu richten an den Vorsitzenden des Vereins „Bezalel" Prof. O. Warburg , Berlin W. 15, Sächsische Str. 8. Geldsendungen nimmt entgegen der Schatzmeister des Vereins