Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 2 (12.1.1912)
- Date
- 1912-01-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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festhält. Es wird jetzt ein neuer Aufruf zur Zahlung- und eine Aufforderung zur Selbsteinschätzung der Gemeindemitglieder lanziert; es besteht aber keinerlei Hoffnung, daß damit irgendein Eindruck erzielt werden wird. So ist denn auchnoch nicht recht abzusehen, wie der Medschlis dschismani die Realisierung seines Beschlusses zur Gründung eines Lehrerseminars durchzuführen gedenkt, da ihm alle finanziellen Mittel dazu mangeln. Auch auf anderem Gebiete herrscht die alte Stagnation. Die Aktion zu Gunsten der Abgebrannten von Balat und der Cholera-Geschädigten von Hasköj ist noch immer nicht recht von der Stelle gerückt. Der Versuch zur Fusionierung der für die Abgebrannten eingetroffenen Gelder und der ursprünglich zur Gründung einer Spar- und Leihkasse bestimmten, ist leider mißlungen. Mit dem Bau der Häuser wird kaum vor dem Frühjahr begonnen werden können. Hoffentlich geht es dann etwas schneller im Tempo vorwärts. Wenn dergestalt die allgemeinjüdischen Angelegenheiten noch immer in einem beklagenswerten Tiefstande sich befinden, so ist doch in privaten Kreisen hie und da ein frischeres Pulsieren jüdischen Lebens konstatierbar. Die kürzlich stattgehabte Preisverteilung an jüdische Schüler hat den besten Eindruck in der Stadt hervorgerufen. Wichtiger aber ist, daß sie zu einer edlen Nacheiferung die Veranlassung gegeben hat. Es haben nämlich zur Beförderung der gutjiidischen Jugenderziehung zwei einfache jüdische Bürger der Stadt, die beiden Brüder Barzilai, einen Jahrespreis für jüdische Geschichte und einen zweiten für hebräische Sprache gestiftet, die alljährlich am Purim an diejenigen Schüler verteilt werden sollen, die sich beim allgemeinen Wettbewerb sämtlicher jüdischen Schulen der Hauptstadt hervortun werden. Wenn die hiesige Bürgerschaft fortfährt, solchen schönen Beispielen zu folgen, so ist Gutes für die Zukunft zu erwarten. Auch die jüdischen Vereine tun viel mehr als früher ihre Schuldigkeit. Wir haben im letzten Berichte schon verschiedener Chanukahfeiern gedacht, die einen nationalen Verlauf genommen haben. Zwei bedeutungsvolle Ereignisse auf diesem Gebiete sind nachzutragen. Das erste ist die Veranstaltung der Deutsch-Israelitischen Schule" („Goldschmidt-Stiftung"). Diese Anstalt scheint, seit der neue Vorstand die Leitung übernommen hat, von ihrem jahrelangen Winterschlafe erwachen zu wollen. Wenigstens umweht ein frisches Leben und ein jüdisch-nationaler Hauch die letzten Beschlüsse des Schulvorstandes, wenn nach der in diesem Jahre seit Bestand der Schule zum ersten Male stattgehabten Chanukahfeier geurteilt werden darf. Mehr als dreihundert Gäste hatten der Einladung des Vorstandes Folge geleistet, die den Turnsaal der Pera-Sektion des „Makkabi" füllten. Der Vorsitzende, Herr Elias Grünberg, eröffnete die Feier mit einer kernigen Ansprache, die den Zweck solcher nationalen Veranstaltungen auseinandersetzte. Besondere Erwähnung fand auch der „Jüdische Mädchen- und Frauen- Verein", der anläßlich der Feier 50 Knaben mit Kleidern beschenkt hatte. Es folgte alsdann das Anstecken der Chanukah- Kerzen und "Rezitationen der Schüler, auch in hebräischer Sprache, sowie der Gesang mehrerer hebräischer Lieder. Der Eindruck der Feier war höchst erfreulich; der Präsident verdient für seine Initiative allgemeinen Glückwunsch. Die zweite der zu registrierenden Veranstaltungen war das Jahresfest des „Jüdischen Turnvereins M a k k a b iu, das zwar nicht den ungeheuren Eclat des vorjährigen, im Kampf mit den Gegnern zu einem Triumphe gestalteten Festes erreichte, aber doch zu großer Befriedigung unter stärkster Beteiligung verlief. Diesmal brachte der „Makkabi" etwas völlig Neues: einen Lichtbildervortrag über Palästina, gehalten vom Vorsitzenden Abramowitz, der außerordentlichen Beifall fand. Der Gouverneur von Pera, Muhieddin Bej, wohnte dem Feste bei und hielt zum Schlüsse eine Ansprache, die seiner tiefsten Bewunderung für das ihm im Bilde vorgeführte jüdische Kolonisationswerk in Palästina Ausdruck gab. Der Gouverneur äußerte: Die Jungtürken wüßten die patriotische Hingabe und den Wert der Juden zu schätzen. Die Empfindungen, die die Juden dem Reiche entgegenbrächten, würden von diesem genau so erwidert. Der hiesige ,,Bne Berith'4 setzt seine eifrige Tätigkeit, die ihn in kurzer Zeit in die erste Reihe der hiesigen wahrhaft jüdischen Vereine gestellt hat, mit Entschiedenheit und Erfolg fort. Dem Vortrage von Dr. Auerbach folgte ein anderer, gehalten vom Direktor des Kusgundschuker Rabbinerseminars, dem bekannten Gelehrten Rabbi Abraham Danon, der das Thema „Israel uni et patriote" behandelte. Der Vortrag bewies den unerschütterlichen Zusammenhalt des Gesamtjudentums, der durch den Einzelpatriotismus in den Aufenthaltshindern absolut nicht zu beeinträchtigen sei. Er war von schönem nationalen Gefühl getragen und fand, insbesondere wegen der ihn auszeichnenden Gelehrsamkeit, lebhaften Beifall. — Der dritte Vortrag wird vom Großrabbiner gehalten werden. Sitzung des Central-Comites der zionistischen Föderation „Misrachi" am Montag, den 25. Dezember, und Dienstag, den 26. Dezember 1911, in Hamburg, Logenheim. Anwesend: vom Zentral-Bureau: die Herren Dr. Franck, Rechtsanwalt David und Referendar Möller; vom Central- Comite: die Herren Redakteur Berlin, Berlin, Rüben Cohn, Antwerpen, Albert El lern, Nürnberg, S. Jurovicz, Berlin, Dr. Wilhelm L e w y , Charlottenburg, Zahnarzt Rothschild, Lübeck, Moritz S. W o 1 f f, Hamburg, und Herr Magnus als Sekretär. 'Von den Herren: Dr. Jeremias, Posen, Hermann Struck, Berlin, S. W o 1 f f , Antwerpen, Rabbiner Reines, Lida, und Rabbiner Fischmann, Ungeni, waren schriftliche Meinungsäußerungen zu den einzelnen Punkten der Tagesordnung eingetroffen, die zur Kenntnis des Central-Comites gebracht wurden. Von den Herren: Rabbiner Schmelkes, Przemysl, H. F a r b s t e i n«, Warschau, lagen telegraphische Begrüßungen der Central-Comite-Sitzung vor. Zu Punkt 1 der Tagesordnung berichtete der Vorsitzende über die bisherige Tätigkeit des Zentral-Bureaus. — Das Zentral-Bureau hat seine Tätigkeit nach der Berliner Konferenz vom 10. September 1911 aufgenommen und sich sofort mit sämtlichen zionistischen Institutionen in Verbindung gesetzt. Gemäß dem Beschlüsse der Konferenz ist das Zentral- Bureau mit dem Engeren Actions-Comite in Verhandlungen über die zur Sicherung des Punktes II der Kultur-Resolution des X. Kongresses zu treffenden Maßnahmen getreten. Die vorläufigen Abmachungen wurden dann von der Sitzung des G. A. C. am 4. bis 7. November 1911 in Berlin genehmigt. Die Beschlüsse der G. A. C. - Sitzung sind bereits veröffentlicht worden. — Im übrigen verbreitet sich der Bericht über die Tätigkeit des Zentral-Bureaus in sämtlichen Ländern. Es wurde mitgeteilt, daß in Berlin eine Agitations-Zentrale unter Leitung des Mitgliedes des C. C, Herrn Rabbiner Dr. Wilhelm L e w y , in Rußland ein Landeskomitee unter dem Vorsitz des Herrn Rabbiner Reines in Lida, in Jaffa ein Landeskiomitee unter Leitung des Herrn Eliahu Kahan in Jaffa, eingerichtet worden sei, und daß die Zentrale für Galizien, wie bisher, unter der Leitung des Herrn M. Hochmann in Stanislau stehe. In dem Bericht konnte konstatiert werden, daß in sämtlichen Ländern die Tätigkeit in vollem Umfange aufgenommen worden ist, daß auch in Ungarn, wo die bisherige Zentrale sich auf-