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Die Welt · 1912-01-12 · 2 (12.1.1912) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
2 (12.1.1912)
Date
1912-01-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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t 38 Heute ist in Berlin die Grundlage eines geeigneten hebräischen Sprachunterrichts im Entstehen begriffen. Will man es aber später erreichen, daß in Orten, in denen dazu die materiellen Mittel nicht aufgebracht werden können, wo aber doch das dringende Bedürfnis nach hebräischem Unterricht vorhanden ist, dieser geleistet werden kann, so muß die hebräische Sprach- und Kulturorganisation in der Lage sein, solche Unternehmungen vom Landeskomitee aus zu subventionieren. Auch dieses wird dazu nur imstande sein, wenn alle, die nationaljüdisch fühlen, sich mühen, die Organisation so auszubreiten und auszubauen, daß sie ein wohlgefügtes Gebäude im Judentum darstellt. Nicht minder wichtig, ja in Wahrheit viel bedeutsamer sind die vom Zentralausschuß der Hebräischen Gesamtorganisation in Aussicht und in Angriff genommenen Arbeiten, für die durch die Beiträge der Landeskomitees die Mittel aufgebracht werden müssen. Denn wenn die Histadrut ibrit in ihrem Zentralkomitee die Idee eines allgemeinen jüdischen Schulvereins erörtert, wenn sie Maßnahmen trifft, um sich das gesamte Material über die jetzige Lage des Unterrichts und der Erziehung bei den Juden aller Länder, vornehmlich auch des Ostens, zu verschaffen, so legt sie damit zum Teil bereits die Grundlagen, auf denen ein allgemeines jüdisches Schulgebäude der Juden in der gesamten Zerstreuung errichtet werden kann, aber auch muß. Denn nur diese große Kulturorganisation, deren Abteilung in Deutschland vorerst sich damit bescheiden muß, die Anfänge der Sprache wieder einzuführen und sonst Propaganda zu machen, vermag in ihrer Gesamtheit den jüdischen allgemeinen Schul verein und sein großes Werk zu schaffen. Es mag dabei als ein Symptom betrachtet werden, daß bisher der hebräische Buchhandel nur ganz klein und winkelhaft betrieben werden konnte, und daß jetzt zum ersten Male unter dem Schild und auf Veranlassung der Histadrut ibrit ein großer hebräischer Verlag mit großen Mitteln und ebenso großen Zielen ins Leben gerufen werden soll. Diese in Gründung begriffene hebräische Verlagsgesellschaft „Techijja", die von der Histadrut ibrit ausgeht, wird epochemachend für die Entwicklung des hebräischen Buchhandels und damit der hebräischen Literatur sein, wenn sie in dem Umfange und mit den Mitteln zustande kommt, wie ihre Gründer sie planen. Wenn es eine besondere Schwierigkeit ist, die hebräische Sprache aus ihrer starren Form, die sie als Schrift- und Wissenschaftssprache angenommen hat, zu lösen, um sie wieder in das tägliche Leben überzuführen, so hat auch hier die Gesamtorganisation für hebräische Sprache den richtigen und allein richtigen Weg eingeschlagen, indem sie in Jerusalem aus Gelehrten und Männern der Erziehungspraxis einen Rat schuf, den Wa'ad Halaschon, der die Ueberwachung und Förderung der weiteren Sprachentwicklung übernommen hat. Alle diese Arbeiten und viele andere beruhen aber auf der Voraussetzung, daß die Organisation als solche ausgebaut und ausgebreitet wird. Wir dürfen uns in Deutschland von unseren russischen und galizischen Brüdern darin nicht gar zu sehr übertreffen und beschämen lassen. Natürlich können wir noch lange nicht eine so hervorragende und bedeutsame Unternehmung einleiten, wie den glänzend verlaufenen Hebräertag, der Nr. 2 jüngst in Galizien stattfand. Wir müssen bescheiden sein, entsprechend den bescheidenen geistigen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen. Aber die praktischen Arbeiten, die wir in Angriff nehmen, müssen derartige sein, daß sie uns dazu führen, daß wir in späterer Zeit uns nicht vor unseren Brüdern zu verstecken brauchen, * wenn es zu zeigen gilt, daß die deutschen Juden im Hebräischen nicht hinter ihren östlichen Brüdern zurückstehen. Dazu bedarf es freilich auch der Geldmittel. Unser Idealismus allein reicht dazu nicht aus. Die Einsammlung dieser Geldmittel ist aber zugleich die Propaganda für die Gründung und den Ausbau der örtlichen Organisationen. Sie beruht vornehmlich auf der Einhebung der Teruma, des statutarischen Beitrages, der die Zugehörigkeit zur Organisation äußerlich erweist. Diese Teruma von zwei Mark jährlich, die eine uralte hebräische Institution neu aufleben läßt, verleiht allein äußerlich das Recht, ein Mitglied unserer hebräischen Organisation zu sein. Die regelmäßige Einsammlung der Terumot von allen, die in der Wiederbelebung unserer nationalen Sprache ein hohes und erstrebenswertes Ziel erblicken, ist der erste und notwendigste Schritt, wenn die Organisation für hebräische Sprache und Kultur ihren großen praktischen Zielen einigermaßen näher kommen soll. Es ist natürlich viel leichter, im öffentlichen Leben hervorzutreten, als die stille, notwendige Arbeit der Ausführung zu leisten. Dazu kommt, daß die Sache es mit sich bringt, daß die Kulturarbeit, zumal wenn sie zuerst und lange Zeit hindurch fast nur Sprach arbeit sein muß, nur ganz langsam und alimählich Fortschritte machen kann. Aktive Naturen aber lieben nun einmal die Oeffentliehkeit. Das kann und darf uns aber nicht abhalten, die schwere Arbeit für die hebräische Sprache keinen Augenblick aus den Augen zu verlieren. Natürlich kann sich die Zionistische Organisation nur insoweit direkt mit dieser Tätigkeit befassen, als sie im Lande Israel vor sich geht. Und dort hat sie auf diesem Gebiete ja an und für sich ein reiches und weites Feld. Aber die Arbeit in den andern Ländern hat sie den Landesorganisationen überlassen. Hier tritt die Wichtigkeit und Notwendigkeit der Histadrut ibrit in die Erscheinung. Denn auch die zionistischen Landesorganisationen können hier nur helfend und fördernd tätig sein, während ihre Haupttätigkeit naturgemäß der Propaganda der zionistischen Idee und ihrer Institutionen gewidmet sein muß. In Deutschland und Rußland fällt schon jetzt erstere Arbeit ganz und gar der Organisation für hebräische Sprache und Kultur zu, die ja auch satzungsgemäß nicht auf Zionisten beschränkt ist, sondern jeden heranziehen kann, der den nationalen Wert der hebräischen Sprache zu würdigen weiß. Diese Organisation für hebräische Sprache und Kultur (Histadrut ibrit), durch deren Existenz und Vorarbeit allein die hebräische Sitzung des Zionistenkongresses möglich wurde, auszubauen, ist des Schweißes der Edlen wert. Vor allem aber sollte jeder ihr Mitglied werden, der erkannt hat, daß sich ein selbständiges jüdisches Denken immer nur in der hebräischen Sprache gebildet und erhalten hat. Der Ausbau der Histadrut ibrit ist auch ein Weg zur jüdischen Kultur, und zwar der direkteste.

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