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Die Welt · 1912-01-12 · 2 (12.1.1912) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
2 (12.1.1912)
Date
1912-01-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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36 DIE30gELT= Nr. 2 mehr nach aussen gerichtet ist, und die wir unaufhörlich durch energisches zielbewusstes Vorgehen zu fördern bestrebt sind, tritt heute die Kulturarbeit, die uns die Führung des palästinensischen und orientalischen Judentums sichern soll. Wir dürfen uns nicht mehr der Sorge um die Pflege der höchsten Güter unseres Volkes mit der tröstlichen Hoffnung entschlagen, dass die Dinge sich von selbst entwickeln werden. Der X. Kongress hat mit voller Klarheit erkannt, das nur durch allseitige planvolle Tätigkeit der Zionismus einen erneuten Aufschwung erfahren und im Orient den längst ersehnten, ihm gebührenden Einfluss auf die nationale Erziehung und Entwicklung erlangen kann. Mit diesem Programm und unter diesen Voraussetzungen haben wir die Arbeit übernommen. Damit sie sich zuverlässig, dauerhaft und fruchtbringend gestaltet, benötigen wir eine sichere finanzielle Basis. Denn der Mangel an Mitteln erstickt jedes Projekt im Keime. Der Zionismus muss aber im Bewusstsein seiner Kraft und seines Wertes jeden Tag zu neuer Arbeit bereit sein können. Die Arbeitsmöglichkeit muss stets durch unsere Organisation garantiert sein, denn wer den Zweck will, muss auch die Mittel zu dem Zweck gewähren. Aus der Erwägung, dass wir unsere Fonds und Institutionen nicht schmälern sollen, ist die Besteuerung derselben vom Kongress abgelehnt worden. Bis auf einen dem Actions-Comite vom Jewish Colonial Trust vorgestreckten Betrag, der für kurze Zeit zur Deckung unserer laufenden Ausgaben bestimmt ist, und dessen Rückzahlung von vermögenden Gesinnungsgenossen garantiert wurde, wird daher eine Inanspruchnahme unserer Finanzinstitutionen nicht erfolgen. Wir haben aber die Verpflichtung übernommen, für die Bereicherung und die Ausgestaltung all dieser Institutionen zu arbeiten, denn alles, was auf dem Gebiete der Organisation und der Propaganda von unserer Zentralstelle aus geleistet wird, kommt diesen Institutionen zugute, ZIONISTEN! Wir wollen uns würdig erweisen des Vertrauens, das uns der Kongress geschenkt hat, sowie des Fortschrittes unserer Idee, den wir konstatieren können. Wir wissen aber, dass für die Ausführung der Kongressbeschlüsse und die weitere Ausgestaltung unserer Tätigkeit die Schaffung eines Zentralfonds unerlässliche Voraussetzung ist. In dieser Erkenntnis begründen wir den Zionistischen Zentralfonds und fordern sämtliche Landesorganisationen, Föderationen, Ortsgruppen und einzelne-Gesinnungsgenossen auf, mit allen Kräften die Agitation für den Zionistischen Zentralfonds einzuleiten. Das Actions-Comite. Ein Weg zur jüdischen Kultur Von Heinrich Loewe Das Bedürfnis nach neuer jüdischer Kultur ist aus dem Lebensdrang des jüdischen Volkes erwachsen, der auch den Zionismus als eine gleichgerichtete Erscheinung nationaljüdischen Willens und hebräischer Lebenskraft gezeitigt hat. Dieses Bedürfnis nach jüdischer Kultur, nach originalem Denken und der Unabhängigkeit jüdischer Oedankenwelt von der zufalligen Umwohnerschaft ist der beste Beweis für die lebendige Kraft, die der jüdischen Seele noch immer innewohnt, und die trotz aller Schrecknisse einer zweitausendjährigen Entfernung vom heimatlichen Mutterboden nicht erloschen ist. Das Verlangen nach jüdischer Kultur ist der Heißhunger nach Judentum, der in uns westlichen Juden naturgemäß stärker sein muß, weil wir dieses Hungegefühl noch weniger zu befriedigen vermögen als unsere östlichen Brüder, die, wenn auch nicht immer in angemessener Form, doch viel mehr in der Lage waren, an den tausendjährigen Ueberlieferungen teilzunehmen, und denen diese Ueberlieferung einen viel unmittelbareren Einblick in die Quellen des hebräischen Lebens und Wesens gestattet. Ist aber im Osten dem Verständnis altjüdischen Wesens viel mehr vorgearbeitet als in Deutschland und seinen kulturell zugehörigen Nachbarländern, so ist doch auch bei den Juden dieser Länder das Bedürfnis nicht um ein Härchen geringer, an der jüdischen Kultur empfangend und weiterbildend, lernend und schaffend teilzunehmen. Dabei hat sich der äußere Rahmen dieses Kulturbedürfnisses bei uns in den letzten Jahren geändert. Glaubte man früher bereits an die Möglichkeit einer jüdischen Kunst, eines besonderen jüdischen Kulturlebens in den Ländern fern von der heimatlichen Scholle, so hat sich jetzt mehr und mehr die Erkenntnis Bahn gebrochen, daß das Gefäß aller hebräischen Kultur die hebräische Sprache ist, und daß man ein solches Fluidum, wie Kultur, ohne das Gefäß der Sprache nicht zu fassen vermag, daß aber auch dieses Fluidum seine Form von dem Gefäße annimmt, in dem es gefaßt wird. Dieses

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