Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 1 (5.1.1912)
- Date
- 1912-01-05
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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- Beirut 1× ep/1047833
- Safed 1× ep/1046078
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Nr. 1 DIEÄELT; 19 Hö~ IOO £0_ PALASTINA Im o o o || Von der Klagemauer Die Jerusalemer Stadtverwaltung" hat die Aufstellungvon Stühlen und Ruhebänken auf dem Platze vor der Klagemaer verboten. Diese Verfügung hat in allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung große Erregung hervorgerufen. In einer Versammlung des Waad-Hair wurde beschlossen, den neuen Chachambaschi Franco aufzufordern, beim Pascha von Jerusalem Protest zu erheben und nötigenfalls durch Vermittlung des Großrabbiners Haim Nahum bei der Zentralregierung vorstellig zu werden. Die Juden von Jerusalem sehen in der fraglichen Verordnung der Stadtverwaltung, die ohne jede Begründung erlassen würde, eine bloße Schikane, da die Aufstellung von Ruhebänken seit Jahrzehnten üblich war, ohne daß von irgendwelcher Seite Einspruch dagegen erhoben worden wäre. „Haor" erinnert daran, daß die Klagemauer auf Grund eines Firmans des Sultans A b d u 1 - A z i z Eigentum der jüdischen Gemeinde ist und der betreffende Firman den Juden die ungestörte Verrichtung ihrer Andacht an der Klagemauer gewährleistet. Elektrische Straßenbahn in Jerusalem und Jaffa Dem Vernehmen nach plant die Gesellschaft, die im Besitze der Konzession zum Betrieb einer elektrischen Straßenbahn in Jerusalem ist, auch in Jaffa eine solche einzurichten. Dieselbe soll späterhin möglicherweise über T e I - A w i w nach Sarona und Pethach-Tikwah durchgeführt werden. Eine neue Eisenbahnlinie Port-Said—Jaffa? Wie die Zeitung „Haor" in einer ihrer letzten Nummern mitteilt, bewirbt sich eine anglo-ägyptische Gesellschaft um die Konzession zum Bau einer neuen Eisenbahn von Port- Said nach Jaffa. Die seit längerer Zeit schwebenden Unterhandlungen mit der türkischen Regierung haben durch den Ausbruch des tripolitanischen Krieges eine Unterbrechung erlitten, doch sollen nach einer Meldung der englischen Zeitung „Globe" die Verhandlungen vor kurzem wieder aufgenommen worden und dem Abschluß nahe sein. Man schätzt die Kosten des Bahnbaues auf 60 Millionen Francs. Die betreffende Gesellschaft erwägt auch den Plan einer Weiterführung der Eisenbahn nach Jerusalem über Beer- Scheba. Sollte das Projekt zur Ausführung gelangen, so würde damit eine direkte Eisenbahnverbindung zwischen Jaffa bzw. Jerusalem und Kairo geschaffen sein. Dies wäre für die Entwicklung des Handels und Verkehrs zwischen Palästina und Aegypten von der allergrößten Bedeutung. Ein hebräisches Lehrerinnenseminar in Jaffa Das Odessaer Komitee der Chowewe-Zion geht daran, in Jaffa ein Seminar für hebräische Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen zu errichten. Die Anstalt soll schon zu Beginn des neuen Schuljahres eröffnet werden. Die erforderlichen Geldmittel werden in der Hauptsache durch einen Fonds aufgebracht, der den Namen des im Vorjahre verstorbenen hebräischen Schriftstellers E. L. Lewinsky trägt, und bereits eine ansehnliche Höhe erreicht hat. Die neue Lehranstalt soll an die vom Odessaer Palästinakomitee in Jaffa unterhaltene Mädchenschule (Beth Sepher Le-Banoth) angegliedert werden. Das Ende einer judenfeindlichen arabischen Zeitung Die Haifaer antisemitische Zeitung „El-Karmel", die, wie bekannt, eine gehässige Agitation gegen die jüdische Einwanderung nach Palästina, wie überhaupt gegen alles jüdische betrieb, hat aus Mangel an Abonnenten ihr Erscheinen eingestellt. Der Herausgeber des „Karmel" war ein christlicher Araber. Gründung eines jüdischen Arbeiterklubs in Beirut Dieser Tage wurde in Beirut ein jüdischer Arbeiterklub nebst Bibliothek und Lesehalle eröffnet. Dies ist der zweite jüdische Klub in Beirut. Einen solchen besitzen nämlich auch die jüdischen Hörer des dortigen amerikanischen College. Dieser Studentenzirkel führt den Namen „Kadimah". Eine neue hebräische Zeitung in Safed Seit kurzem besteht in Safed eine jüdische Buchdruckerei. Die beiden Eigentümer der Druckerei beabsichtigen nun, demnächst ein hebräisches Wochenblatt unter dem Namen „Hagali 1" („Galiläa") herauszugehen. Viele der in den galiläischen Städten und Kolonien lebenden hebräischen Schriftsteller haben sich bereit erklärt, an dem neuen Blatte, das in erster Linie die Interessen der jüdischen Bevölkerung in Galiläa pflegen will, mitzuarbeiten. Ein hebräischer Festabend in Jaffa zugunsten der türkischen Flotte Die Direktion des Hebräischen Gymnasiums veranstaltete in Gemeinschaft mit den übrigen Jaffaer hebräischen Schulen am Vorabend des Chanukahfestes einen hebräischen Festabend mit reichhaltigem Programm. Der Reinertrag der Veranstaltung war dem ottomanischen Flottenverein gewidmet. o r,- SIL □□□□□□ FEUILLETON Die Tat des Jacob Silber Ein Bild aus dem Golus. Von Leo G. Stein (Schluß.) In den sieben Tagen, da Jacob Silber auf der Erde saß und um seinen Sohn trauerte, da er morgens und abends bei düster flackernden Kerzen vor dem versammelten Minjan mit heiserer Stimme das Kaddisch-Gebet sprach, kam er allmählich wieder zu sich. Besonders in den Stunden, da er allein war, saß er da und dachte und grübelte, und seine Gedanken führten ihn über das frische Grab hinweg und zurück zu seinem Volke, auf dem die Not so schwer lastete. Den Mord, der an seinem Sohne begangen war, mochte er nicht als ein Zeichen bestehender o □ □□□□□ Ii o p— >y o Verhältnisse betrachten. In jedem andern Staate konnte ähnliches passieren. Daß der Mörder hinter Schloß und Riegel saß, ließ ihn auch gleichgültig; was konnte dies an der Sache ändern! Aber obschon seine Vernunft sich heftig dagegen sträubte, so konnte er sich des Gedankens nicht erwehren, daß er seinen Sohn hergeben mußte, um aus dem grüblerischen Dasein zu einem Leben der kraftvollen, zielbewußten Tat zu erwachen — für sein Volk. Er hatte sich früher in Stunden lächerlichein Stolzes und Eigendünkels über seine Brüder erhaben gefühlt, ohne die Kraft zu finden, ihnen, die im Dunkel wandelten, den rechten Weg zu weisen. Und so hatte das Unheil sie überrascht, wie die heranstürmende Meeresflut eine Herde wehrloser Schafe. Nun wollte er versuchen, etwas zu tun. Wie eine ungeheure Landschaft, von der die verhüllenden Nebel langsam zurückweichen, so daß Formen und Farben allgemach zum Vorschein