Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 1 (5.1.1912)
- Date
- 1912-01-05
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE 3qKE LT: Nr. 18 „Kasionnoje") versehen wurde, welches bekanntlich das Zeichen für amtliche Bekanntmachungen ist. Das Blatt fragt naiv, weshalb soll denn ein Inserat der „Times" auf Kosten des Fiskus gedruckt werden? Was hat denn der russische Staatssäckel mit den „Times" zu tun? Ja, wer das wüßte! — Wie mit der jüdischen Koscherfleisch-Steuer gewirtschaftet wird Bekanntlich gibt es in Rußland keine direkte Gemeindesteuer, wie es im Grunde genommen überhaupt keine gesetzlich sanktionierte „jüdische Gemeinde" gibt. Die Kosten der öffentlichen jüdischen Bedürfnisse religiöser und wohltätiger Natur werden aus den Einnahmen der Koscherfleisch-Steuer gedeckt. Diese drückendste und ungerechteste aller indirekten Steuern, die man als Besteuerung der Volksgesundheit bezeichnen kann, bildet unter den obwaltenden Umständen ein notwendiges Uebel in unserem Leben, solange wir eine rechtlich anerkannte und mit direktem Besteuerungsrecht ausgestattete Gemeinde nicht haben. Die obere Verwaltung und Aufsicht über die Einnahmen dieser Steuer liegt in den Händen der Stadtobrigkeit bzw. der Regierungsbehörde. Das Gesetz verbietet ausdrücklich, und der regierende Senat erließ wiederholt entsprechende Verfügungen, daß die Einnahmen der Fleischsteuer für irgendwelche Zwecke, die nicht ausschließlich der jüdischen Bevölkerung zugute kommen, verwendet würden. Eine im letzten Heft der von der russisch-jüdischen Bildungsgesellschaft herausgegebenen pädagogischen Zeitschrift erschienene Aufstellung über die Verwendung der Koscherfleischsteuer im Gouvernement Wolhvnien (im Zusammenhange mit dem Schulwesen) gewährt aber einen Einblick in die unverschämte Wirtschaft der Behörde mit den blutigen jüdischen Groschen. Wir greifen nur einige Posten heraus: Für gouvernementale Bedürfnisse 32 506 Rubel; für die Feuerwehr 9276 Rubel; Remont und Beaufsichtigung von Landstraßen 12 540 Rubel; Subventionen an die Magistrate 6872 Rubel; Polizei 1092 Rubel; Kirchenabgaben an Kirchen und Klöster 100Q Rubel; an die Dorrgemeindeverwaltungen für Zustellung amtlicher Vorladungen an Juden, für den Fall, daß die spezielle Erlaubnis erfolgen wird 13 000 Rubel (notabene: ,,für den Fall usw. . . . wird vorläufig seit Jahren diese Summe regelmäßig für diesen kuriosen Zweck verbraucht); an die Wolhyner Gouvernenientsdruckerei insgesamt 11616 Rubel; Subvention an die Wolhvnier Gouvernementsverwaltung 1500 Rubel; dito an die Kanzlei des Gouverneurs 2000 Rubel usw. usw. . . . Man sieht schon aus diesen Ziffern, wieviel von dem Gesamtbetrag (325 000 Rubel) für rein jüdische Bedürfnisse übrig bleibt. Brief aus Bukarest (Von unserem Berichterstatter) Wenn man auf die Tätigkeit der hiesigen Zionisten in der letzten Woche zurückblickt, so kann man mit Freuden eine sehr rührige Arbeit verzeichnen, die ihren Ausdruck in den verschiedenen Chanukahfeiern der hiesigen zionistischen Vereine fand. Von den Veranstaltungen sei in erster Linie die der „Hebronia" erwähnt, die von dem verdienstvollen Vorsitzenden Herrn Dr. 1. W. Steiner mit Unterstützung der Herren S. M. Blumenf eld, I. M. Samsony, Salom Gelehrter und Louis Fruchter zugunsten der Kunst- und Gewerbeschule „Bezalel" organisiert wurde und einen sehr schönen Verlauf nahm. Es war für diese tätige Vereinigung eine große Genugtuung, daß die ganze Elite unserer Stadt der Einladung Folge geleistet hatte und eine vornehme Gesellschaft den großen Saal bis zum letzten Plätzchen füllte. Die. Orchestervorträge unter Leitung des Herrn Hugo Schwartz, mehrere von Frl. Loulou ßernard mit großer Sicherheit und viel Gefühl gespielte Violinkonzerte, sowie ein kleines Vaudeville, von jungen Damen und Herren der hiesigen Gesellschaft in französischer Sprache aufgeführt, unterhielten das Publikum ausgezeichnet, das auch in recht animierter Stimmung bis zum frühen Morgen dem Tanze huldigle. Die Festrede hatte Herr Dr. 1. W. Steiner übernommen, und seine Ausführungen waren von einer Begeisterung getragen, die sich den Hörern gewaltig mitteilte. Der Redner schilderte in großen Zügen das Wesen der zionistischen Bewegung unc( die Tätigkeit Herzls, der vor den Assiirnilanten nicht weichen und ihrer Aufforderung zum nationalen Selbstmord nicht Folge leisten wollte. — Er bespricht die Arbeiten des X. Kongresses i« Basel, den Präsidentenwechsel, das grundlegende Organisati onsstatut, die Auswandern ngs- und Kulturfrage. Redner erwähnt sodann das Referat von Frl. Schach über die jüdische Frauenfrage; ganz besonders auch die Tätigkeit des Verbandes jüdischer Frauen für Palästina-Arbeit, und appelliert an die anwesenden Frauen, sich der jüdischen Erziehung; ihrer Kinder zu widmen. Er gibt sodann ein Bild der bisherigen zionistischen Tätigkeit, der in den letzten 14 Jahren gegründeten Institutionen und betont die Aufgabe der Kunst- und Gewerbeschule „Bezalel". Er behandelt ferner das Verhältnis des Zionismus zu den anderen jüdischen Vereinigungen und zeigt, daß es viel richtiger wäre, die Auswanderung nach Palästina zu lenken, statt sie nach den Schwitzhöllen Amerikas gehen zu lassen. „Die Pariser Assimilanten können aber die Juden, die andere Ideale haben, nicht verstehen, und es ist zu bedauern, daß sie gegen den Zionismus Stellung nehmen; sie sollten vielmehr Hand in Hand mit uns arbeiten und uns In brüderlicher Weise behandeln. Die 280 Mill. oder deren Zinsen sollten zur Repatrierung und nicht zur Zerstreuung des jüdischen Volkes dienen." — Zum Schluß wies der Redner auf die Taten der Makkabäer hin und endete seine mit brausendem Beifall aufgenommene Rede mit einem warmen Appell an die Anwesenden, der zionistischen Bewegung beizutreten und werktätig für das Wohl des jüdischen Volkes zu wirken. Diese Rede verfehlte ihre Wirkung auf die Hörer nicht und fand in deren Herzen einen starken Nachhall, so daß dieser Abend nicht nur ein materieller Gewinn — er brachte einen Reinertrag von über 1000 Frs. —, sondern auch ein großer und nachhaltiger moralischer Erfolg war, da dem Zionismus neue Mitkämpfer, Freunde und Gönner gewonnen worden sind, denen sich sicherlich immer mehr und mehr anschließen werden. Sah man doch unter den Besuchern Persönlichkeiten, die im hiesigen öffentlichen Leben bedeutende Plätze einnehmen. So bemerkte man u. a. die Familien: R.-A. Dr. A. Stern, Manolo H alf on, J. Sterian, H. Kempner, Dr. Codreanu, Staadecker, Dr. Barasch, S. R. Halfon, Oskar Deutsch, Dr. Erdraich, J. Hechter, S. D. F a r c h y , H. L. Focsaneanu, Rubens, Silbermanii, Mauricin Stern, Einhorn, Dr. J. W. Steiner, Dr. Niemirower, Dr. H. A 1 p e r i n i, Max Steinhart, Dr. S. Frankel, Hermann Theiler, Isidor Lebowitz, Hugo Schwarz, Fink eis usw. Die wenige Tage vorher stattgefundene Chanukahfeier des Cercle „Idealul" nahm gleichfalls einen erhebenden Verlauf; sie gestaltete sich zu einer Festlichkeit, die ihrer Volkstümlichkeit halber einen so gewaltigen Andrang fand, daß die Polizei den Saal sehr bald wegen Ueberfüllung sperren mußte. Aus dem reichhaltigen Programm seien besonders die mit .varmer Begeisterung von der Chorvereinigung „Mizmor" unter der Leitung ihres tüchtigen Dirigenten Herrn A. Wecker, vorgetragenen jüdischen und hebräischen Lieder hervorgehoben, deren letztes, die Hatikwah, einen Sturm der Begeisterung beim Publikum auslöste. Herr Dr. Niemirower sprach in warmer, sichtlich tief bewegender Weise über die Bedeutung der Makkabäer und Herr Perlmutter erfreute, wie schon so oft, durch den Vortrag einiger jüdischer Gedichte. Auf der ferner noch veranstalteten Volksversammlung des Vereins „Chowewe Zion David" sprachen die Herren Schwarzfeld über den X. Kongreß und die praktische Arbeit, Dr. Niemirower über das Wesen des Chanukahfeste9 und j! Mayersohn in Jargon über den Zionismus im allgemeinen. Die sehr gut besuchte Versammlung, die in feierlicher Stimmung verlief, machte ihren Veranstaltern alle Ehre, Auch in den Vorstädten fanden Chanukahfeiern der zionistischen Vereinigungen statt, bei denen man mit besonderer Freude die Beteiligung der Schulkinder bemerken konnte; ein schönes Zeichen dafür, daß die Veranstalter bemüht sind, schon in diesen jungen Seelen die Liebe zum Judentum zu wecken und zu stärken und sie sich so zu späteren tätigen Genossen und Freunden zu erziehen. Es sei von diesen die Feiern des zionistischen Zirkels „B'er Bino" und der Vereinigung „Avoidas Zion" erwähnt. Deklamationen und Gesangsvorträge wechselten mit den Reden der Herren Horia C a r p und Weinberg in der erstgenannten Versammlung, sowie der Herren Geldmann und Meier in der letztgenannten ab. Die Sammlungen für den N.-F.?v?dl:?:\ < nnenswerte Betrage.