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Die Welt · 1912-01-05 · 1 (5.1.1912) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
1 (5.1.1912)
Date
1912-01-05
Page
– (sequence 15)
Language
German
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die3§p ELT 17 Nr. 1 Glasgow. Der Bnei Zion Verein veranstaltete am letzten Sonntag ein Konzert in der Beth Herzl Zion Hall. Ein ausgezeichnetes zionistisches Konzert fand am letzten Sonntag in der Herzl Hall statt. Sunderland. Am Sonntag fand eine öffentliche Versammlung der hiesigen zionistischen Vereinigung statt. Rabbiner Dr. Samuel Da ich es sprach über den gegenwärtigen Stand des Zionismus. Frankreich Paris. Am 24. Dezember fand in dem Erziehungsheim „Machtela" unter der Leitung des rührigen Direktors, des Herrn Diraant, eine Chanukah-Feier statt. Das Institut des Herrn Dimant ist das einzige Erziehungsinstitut in Paris, das neben dem Französischen auch das Hebräische pflegt. Das Fest verlief in Form einer literarischen Matinee und machte auf alle Anwesenden einen vorzüglichen Eindruck. Dr. Marmorek sprach in kurzen, beredten Worten zu den Kindern über ihre doppelte Pflicht als Juden und Menschen und begrüßte besonders die hervorragende Tätigkeit des Direktors des Erziehungsinstituts. Darauf folgte ein reichhaltiges Vortragsprogramm. Canada Die kanadischen Zionisten arbeiten ununterbrochen eifrig für die Bewegung, und ihre Tätigkeit erstreckt sich von Küste zu Küste. Augenblicklich wird besonders eitrig an einem Plan zur Erlangung von 10 000 Dollar gearbeitet, die zum Ankauf von Land in Palästina verwendet werden sollen. Das Bureau der Federation hat eine vollständige Reorganisation erfahren und Mr. H. J a c o b y ist als Schriftführer angestellt. Mr Jacoby ist neben seiner Eigenschaft als enragierter Zionist ein ausgezeichneter Redner und Schriftsteller in der hebräischen, deutschen und yiddischen Sprache. Unter seiner Aufsicht wird die Arbeit des Bureaus, wie man hofft, vorzüglich geleitet werden. Brief aus Rußland (Von unserem Berichterstatter.) Zur Aufhebung des russisch-amerikanischen Handelsvertrages. Die Erbitterung über die Schlappe, die sich das offizielle Rußland in der amerikanisch-jüdischen Paßfrage holte, greift immer mehr um sich. Natürlich richtet sie sich in erster Reihe gegen „die geschworenen Blutfeinde Rußlands", „die internationalen Ränkeschmiede", die den Konflikt mit den Vereinigten Staaten heraufbeschworen hätten — die Juden. Seit der offiziellen Kündigung des russisch-amerikanischen Handelsvertrages hört man in „patriotischen" Kreisen nicht auf, sich in den wüstesten antisemitischen Ausfällen zu ergehen. Diese Wut wird durch das Bewußtsein der eigenen Machtlosigkeit womöglich noch gesteigert. Die schmetternden Fanfaren, mit denen Gutschkow und Konsorten den Zollkrieg gegen Amerika ankündigten, haben ihre Wirkung ganz verfehlt. Die Lächerlichkeit und Nutzlosigkeit dieser hochpolitischen Aktion liegt bereits auf der Hand. Die wichtigste Industriellenorganisation des Landes, der Vorstand der sog. Konferenzgemeinschaft für Handel und Industrie, hat sich einmütig gegen den Antrag Gutschkow ausgesprochen. — Wie aus Warschau unter dem 29. Dezember telegraphisch berichtet wird, haben telich die großen Firmen der Stadt Lodz, dieses wichtigsten Zentrums der Textilindustrie des Landes, an Dumaabgeordneten Jukowsky mit dem Ersuchen gewandt, gegen den geplanten Zollkrieg anzukämpfen, da mit der Erhöhung der Zölle auf amerikanische Baumwolle die zurzeit in Lodz herrschende wirtschaftliche Krise in eine förmliche Katastrophe übergehen könnte. Die einmütige Ablehnung, die die Gutschkowschen Pläne in den maßgebenden Industriekreisen, wie auch in der unabhängigen Presse erfuhren, schreckten aber gewisse wackere Vaterlandsretter nicht ab. So hat denn die Chersoner Landschaftsverwaltung (Zemstwo) den mutigen Beschluß gefaßt, den allseitigen Boykott der amerikanischen landwirtschaftlichen Maschinen durchzusetzen. Gegen diesen weisen Beschluß sprach sich indes sogar das erzreaktionäre Mitglied des Staatsrates Ofrosimow in der ultra-patriotischen „Nowoje Wremja" aus. Bedeutet sonach der oktobristische Antrag in politischer und volkswirtschaftlicher Beziehung einen Schlag ins Wasser, so hat er doch seinen Urhebern' gewisse patriotische Lorbeeren und das uneingeschränkte Lob der „Nowoje Wremja" — und dies will heutzutage für eine politische Laufbahn in Rußland etwas bedeuten! — eingebracht. Dies genügte, um eine andere staatserhaltende Partei, unsere famosen „Nationalisten", zu einer verwandten patriotischen Aktion zu veranlassen. Am 27. Dezember brachte die Nationalistenfraktion in der Reichsduma einen Antrag ein, der in zollpolitischer Beziehung den vorangegangenen Antrag der Oktobristen nur erweitert. Den Reiz der Neuheit hat diese Enunziation nur insofern, als sie die völlige Sperrung der russischen Grenze vor den amerikanischen Bürgern jüdischer Nation, welche Stellung in der Gesellschaft sie immer einnehmen, und welchen Beruf sie immer ausüben mögen, verlangt. Das nationalistische Elaborat sieht eher einem schneidigen Flugblatte als einer sachlichen politischen Auseinandersetzung ähnlich. Weitläufig wird hier ausgeführt, daß der russischamerikanische Konflikt lediglich dem Haß der Juden gegen Rußland, der Agitation der Juden und der Judenpresse zu verdanken sei; daß die Juden viel schädlicher seien, als ausländische Zigeuner und Jesuiten, die ja gleichfalls in Rußland nicht zugelassen würden; daß der russisch-amerikanische Handelsvertrag eigentlich für Rußland nie vorteilhaft gewesen wäre usw. usw. Sehr bezeichnend für die im Zusammenhange mit dem amerikanischen Konflikte herrschende Stimmung sind die Auslassungen des Abgeordneten Sch ubinsky. Der ausgezeichnete Oktobristenführer kritisierte scharf das Verhalten der Industriellen dem Gutschkowschen Antrag gegenüber, und warf ihnen Mangel an Patriotismus vor, der sie nicht sehen lasse, daß der Konflikt Zeugnis von der jüdischen Gewaltherrschaft in Amerika ablege. „Der Handel New Yorks liegt in jüdischen Händen. Nun wollen unsere Industriellen offenbar diesen Volksstamm auch in der russischen Industrie und im russischen Leben haben. Ohnmächtig, die Grenze des Ansiedlungsrayons zu sprengen, wollen die Juden den Ansturm über Amerika versuchen. Wir haben aber genug der unheilvollen Erfolge der Juden im russisch-japanischen Kriege. Jetzt sind wir stärker. Wir haben den Feind erkannt und wissen, wie ihn zu bekämpfen/' Schubinsky sucht ferner unter Bezugnahme auf die herrschenden Gesetze nachzuweisen, daß die nach Amerika ausgewanderten und dort naturalisierten russischen Juden, im Falle der Rückkehr nach Rußland, mit der Verbannung nach Sibirien bestraft werden müßten. Die entente cordiale zwischen der russischen Regierung und — den „Times" Eine treue Bundesgenossin hat die russische Regierung in ihrem Konflikte mit den Vereinigten Staaten, wie übrigens seit einiger Zeit auch in ihrer allgemeinen Politik, in den Londoner „Times". Die Beweisführung des ehrenwerten englischen Blattes zugunsten der russischen Machthaber zeigt eine merkwürdige Aehnlichkeit mit den diesbezüglichen stilistischen Uebungen unserer vaterländischen Regierungsfreunde. Man vergleiche z. B. den Leitartikel der „Times" vom 21. Dezember. Dieselben Redensarten über „Militärpflichtentziehung", über „Revolutionäre und Anarchisten" usw. usw., wie in den Kundgebungen unserer staatserhaltenden Parteien und wie in den Auslassungen gewisser Petersburger Preßorgane. Die rührende Liebe der „Times" zum offiziellen Rußland kam besonders machtvoll zum Ausdruck in ihrer unlängst erschienenen speziellen russischen Nummer, die dem Blatte ein herzliches Glückwunschtelegramm Kokowzews eingebracht hat. . . Wieso das vornehme Blatt, das vor noch nicht so langer Zeit zu den schärfsten Gegnern der zarischen Regierung zählte, plötzlich in Sympathie und Liebe zu eben dieser Regierung entbrennen konnte, erschien manchen sehr rätselhaft. Eine geringfügige Tatsache aus den letzten Tagen wirft indes ein merkwürdiges Schlaglicht auf dieses Rätsel. Der offizielle oktobristische „Golos Moskwy" wies dieser Tage, nicht ohne die Boshaftigkeit des weniger glücklichen Konkurrenten, auf den merkwürdigen Umstand hin, daß das Inserat in den „Mokowskija Wjedoniosti" über die erwähnte russische Nummer der „Times" mit dem Buchstaben „K." (will sagen:

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