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Die Welt · 1912-01-05 · 1 (5.1.1912) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
1 (5.1.1912)
Date
1912-01-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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nicht die Scheidung, sondern die gehörige Arbeitsteilung. Was sein Referat anbetrifft, habe er den Eindruck, daß der Permanenzausschuß darüber zur Tagesordnung übergehe, wogegen er sich verwahre. (Lebhafter Widerspruch.) Dr. Wald mann (Tarnopol) verteidigt den Permanenzausschuß vor diesem letzten Vorwurfe des Dr. Reich, und polemisiert gegen seine Ansicht betreffs der proponierten Arbeitsteilung. An der weiteren Diskussion, die sich einerseits um die politische Resolution des Permanenzausschusses, andererseits um die heikle Frage der Abschaffung der Distrikte drehte, nahmen die Herren Horowitz (Stanislau), Honig wachs (Krakau), Heller (BüCZaw) und Dr. Mandel (Lemberg) teil, auf dessen Antrag zur Wahl zweier Generalredner geschritten wurde. Inzwischen referierte Dr. David Spindel die Anträge der P alä stinakomm i ssio n, we 1 che 1. eine energischere und intensivere Palästinatätigkeit seitens der Parteileitung; 2. die Schaffung eines Palästinaressortes im Zentralkomitee; 3. die Zuweisung von 25,,'«> aller Einnahmen an dasselbe; 4. die Unterstützung aller palästinensischen Institutionen, insbesondere der P. L. D. C. und,des Jerusalemer Beth-ha-am verlangen. Ueber die Fassung der ersten Resolution entsteht zwischen dem Referenten und dem Präsidium ein Wortwechsel, da das Präsidium nur eine „energische" Tätigkeit der Parteileitung mr Abstimmung bringen möchte, während der Referent sich für eine energischere'4 einsetzte. Die Konferenz entschied für den Referenten. Als Generalredner gegen die Anträge des Permanenzausschusses sprach Herr Löbel Taubes, der in scharfer, sachlicher Rede für die Schaffung einer politischen Organisation eintrat. Als Generalredner pro fungierte Redakteur Frostig, der beweist, daß wir in kurzer Zeit mit solch einer neuen Partei kämpfen müßten. Wir sind Zionisten und sollen als solche kämpfen, die neue Partei wäre nicht zionistisch, was bei uns bald mit antizionistisch identisch wird. Sollte sie zionistisch sein, so ist sie überflüssig. Vor der endgültigen Abstimmung entwickelt sich noch eine lebhafte Palästinadebatte in welcher die Herren Ing. Gold wasser, Fett, Margulies, Bernstein, Friedmann das Wort ergriffen, worauf die Anträge der Palästinakommission zum Beschlüsse erhoben werden. Zum Schlüsse werden auch die Anträge des Permanenzausschusses mit Stimmenmehrheit angenommen. Es wurden nur kleine Aenderungen vorgenommen und zwar: 1. das Referat des Herrn Dr. Reich zum Gegenstand der öffentlichen Diskussion in der Parteipresse zu machen; 2. die Zahl der Mitglieder des Parteirates auf 25 zu reduzieren; 3. die Wahl der Vizepräsidenten dem Zentralkomitee selbst zu überlassen. Auf Antrag des Herrn Dr. Thon wurden die in der vorigen Nummer genannten Herren in den Parteirat und das Zentralkomitee gewählt. Dem Zentralkomitee wurden außerdem je zwei Mitglieder der existierenden Distrikte, der Präsident des Hebr. Schulvereins und der Histadruth lasafa welatarbut mit entscheidender, die Redakteure der Parteiblätter mit beratender Stimme beigesellt. Mit einer feierlichen Ansprache Adolf Stands und dem Absingen der Hatikwah endete die X. Landeskonferenz der ga Ii zischen Zionisten. Das Jubiläum des „Haschiloah" Von N. M. Gelber (Brody). Voll Freude begrüßen die hebräischen Leser das 150. Heft der hebräischen Zeitschrift „Haschiloah". Der Tag seines Erscheinens ist für uns ein Festtag. Ein jeder, der die Entwicklung der modernen hebräischen Literatur verfolgt, wird wissen, welche große Bedeutung dem „Haschiloah" in der hebräischen Literatur zuzuschreiben ist. Schon die Tatsache allein, daß es einer hebräischen Monatsschrift gelungen ist, in 25 Bänden (mit 150 Heften) zu erscheinen, legt davon Zeugnis ab, welcher Beliebtheit sich der „Haschiloah" unter dem hebräischlesenden Publikum erfreut. Wenn wir die Entwicklung der übrigen hebräischen Zeitschriften betrachten, so finden wir, daß es keiner einzigen gelungen ist, sich 15 Jahre lang zu erhalten. In der modernen hebräischen Literatur hat der „Haschiloah" eine große Lücke ausgefüllt. Die Zeitschriften der. Haskalazeit, von den Meaßfim bis zum „Haschachar", entsprachen nicht den Anforderungen eines an europäischen Vorbildern genährten literarisch-kritischen Empfindens. Da kam der „Haschiloah^ und revolutionierte die Geister. Hier fand man nicht mehr jene berüchtigten hohlen „Melizoth" der früheren Zeit; eine ganz neue Note ließ sein erster Redakteur Achad- Haam erklingen. Um den '„Haschiloah" begannen sich junge, frische Talente zu konzentrieren. Ja, er wurde gewissermaßen zur Erziehungsstätte der modernen Schriftstellergarde. Bialik, Tscher nichowski, Steinberg, Jakob Kah an,Schneier, die Vertreter der junghebräischen Dichtung; Ehrenpreis, Thon, Jakob Rabbinowitz, Kleinrnann, die Repräsentanten der Publizistik; Klausner, »Ne um arJk, Thos f ai, Rab-Zair, die Wortführer der hebräischen Wissenschaft, sind ohne Zweifel Jünger des „Haschiloah". Der „Haschiloah" war die erste Zeitschrift, die an Stelle des sogenanten „schwungvollen", den exakten modernen hebräischen Stil einbürgerte. Aber nicht den modernen Stil allein hat der „Haschiloah" geschaffen. Er hat zu allen Fragen des jüdischen Lebens freimütig Stellung genommen und die hebräische Publizistik auf ein Niveau emporgehoben, wie wir es in den früheren Zeitschriften vergebens suchen würden. Denn nicht nur eine literarische und wissenschaftliche Zeitschrift allein wollte der „Haschiloah" sein, sondern „eine Monatsschrift für Literatur, Wissenschaft und soziale Angelegenheiten" und als solche hat er tatsächlich Großes geleistet. Die bisher erschienenen 25 Bände sind ei achtunggebietendes Werk der modernen nationaljüdischen Kultur und ein Zeugnis des frisch pulsierenden hebräischen Geisteslebens. Und wenn wir Zionisten auf dem letzten Kongreß mit der Einbeziehung der hebräischen Kulturarbeit in unseren Aufgabenkreis unsere innere Entwicklung um einen Schritt weiter gefördert haben, dann müssen wir eingestehen, daß die Proklamierung dieses Kulturzionismus die Tat des „Haschiloah" gewesen ist. Mit Freuden begrüßen wir das 150. Heft der ausgetzeichneten Zeitschrift, das einen stattlichen Band von über 660 Seiten darstellt. Die meisten bisherigen Mitarbeiter haben Beiträge für das Jubiläumsheft geliefert; nur eines vermissen wir darin, eine eingehende Darstellung des 15jährigen Werdeganges der Zeitschrift, ihrer bisherigen Entwicklung. Einen Wunsch wollen wir dem „Haschiloah" auf seinen weiteren Weg mitgeben: er möge sein zweites Jubiläum im Lande unserer Väter feiern.

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