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Die Welt · 1912-01-05 · 1 (5.1.1912) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
1 (5.1.1912)
Date
1912-01-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1 DIE3q£ELT Dr. Reitzes vermißt in der Debatte die Behandlung national kultureller Fragen und beantragt folgende Resolution: „Der III. westösterreichische Zionistentag beschließt die Einberufung einer Konferenz der Jüdisch-Nationalen Westösterreichs, deren Programm sich mit der Frage der jüdisch-nationalen Politik zu befassen hat." Ob.-Ing. Stricker: Es befremde, daß Zollschan ohne Erbringung von Beweisen Behauptungen aufstellt, die nicht neutraler Natur und gegen die jüdischnationale Politik gerichtet sind. Er belegt mit zahlreichen Beispielen, daß die jüdisch-nationale Politik ein. wirksames Mittel zur Nationalisierung und Erziehung der Massen zum Zionismus darstelle. Den Antrag Reitzes unterstütze er aufs wärmste. Prof. Dir. Lieben: Im Auftrage einer Reihe mährischer Delegierter erkläre ich mich mit der B egründung des Herrn Dr. Ehrlich für steine Resolutionen nicht ganz einverstanden. Für die Resolutionen werden wir stimmen. Ich beantrage folgenden Zusatz: „Der III. westösterreichische Zio nistentag spricht die Erwartung aus, daß der jüdische Nationalverein sich durch Einsetzung von Vertrauensmännern und alle sonstigen zweckdienlichen Maßnahmen aus einer Wiener Lokalorganisation zu einer österreichischen Reichsorganisation ausgestalte." Sämtliche Resolutionen werden einstimmig und mit großem Beifall zum Beschlüsse erhoben. Dr. Stein erstattet das Budgetreferat. Seine Anträge, die angenommen werden, setzen die jährliche Parteisteuer (Schekelsteuer und Distriktszuschläge inbegriffen) auf 4 Kr. fest. Es folgt das von Adolf Böhm erstattete Palästinareferat. Das Referat behandelt zunächst die prinzipielle Frage der praktischen Palästinaarbeit, die durch den X. Kongreß entschieden ist. Oesterreich hat sich für das praktische Palästinawerk schon 1907 (Bielitzer Parteitag) durch eine Resolution erklärt. Böhm spricht dann ausführlich und fesselnd über die Entwicklung in Palästina selbst, um dann die Aufgaben der einzelnen Organisationen und Institutionen darzulegen. Der N.-F. kann den Boden nur kaufen. Zur Bewirtschaftung dienen die Oelbaumspende, die P. L. D. C, auf die sich jetzt alle Kräfte konzentrieren müssen, und die Siedlungsgenossenschaft. Er entwickelt die kulturellen Aufgaben in Palästina, die allein uns auf 10 Jahre genug Arbeit geben würden, berichtet über den Stand des Technikums, des Bezalel, der hebräischen Gymnasien in Jaffa und Jerusalem und über die städtischen Siedlungen. Was die Propaganda in Oesterreich anbelangt, sei vor allem die Ausarbeitung typischer Instruktionsvorträge über die einzelnen Palästinainstitutionen dringend nötig. Er betont den Segen der „direkten Aktion". Jeder müsse selbst etwas für Palästina tun. Ein Stück Grund erwerben, Bäume pflanzen, Produkte der Natur und Arbeiten des Bezalel erwerben, vor allem aber nach Tunlichkeit h i nreisen. Jedes Land muß sich ein Palästinawerk zur speziellen Fürsorge erwählen. Galizien läßt sich den Bau eines jüdischen Heimes in Jerusalem angelegen sein, Westösterreich möge für das Gymnasium in Jerusalem sorgen. Seine Anträge faßt er, wie folgt, zusammen: I. Der westösterreichische Zionistentag hält die Agitation für die P. L. D. C. für die wichtigste Aufgabe der Palästina- Propaganda des Z. K. und fordert alle Gesinnungsgenossen auf, die Werbearbeit des Z. K. für diese Institution eifrigst zu unterstützen. II. Der westösterreichische Zionistentag begrüßt den Vorschlag Dr. Friedemanns, den 15. Schebat als Palästinatag zu erklären und empfiehlt den Vereinen, an diesem Tage überall Palästinafeste zu veranstalten. Das Z. K. wird beauftragt, im Verein mit dem Antragsteller und der Sammelstelle des J. N. F. die nötigen Hilfsmittel zu beschaffen und die Organisation dieser Einrichtung zu übernehmen. III. Der III. westösterreichische Zionistentag spricht den Wunsch aus, daß sich die westösterreichische Organisation des Hebr. Gymnasiums in Jerusalem annehmen möge und fordert alle der Organisation angehörigen Gesinnungsgenossen zur 9 regsten Unterstützung jeder zugunsten dieser Anstalt vom Z. K. zu unternehmenden Aktionen auf. IV. Der III. westösterreichische Zionistentag fordert die Vereine zu korporativem Abonnement der Zeitschrift „Palästina" auf. Der Obmann der österr. N. F. Sammelstelle, Dr. E g o n Zweig, referiert über den Nationalfonds. Inmitten des Ringens um die Lösung grundsätzlicher zionistischer Fragen ist der N. F. eine Friedensinsel, auf der sich alle Gesinnungsgenossen wiederfinden, und es ist bezeichnend, daß die Organisation dieses Instituts auch nach der Zweiteilung der österreichischen zionistischen Partei e i nh ertlich geblieben ist und eine mustergültige Entwicklung genommen hat. Der Ertrag der österreichischen Sammlungen hat sich seit der Schaffung der Sammelstelle (1907) fast verdreifacht, seit Herzls Tod, der nach der Prophezeihung unserer Gegner das Ende des Zionismus bedeuten sollte, versechsfacht, und seit Ablauf der ersten Zählperiode (1903) verzehnfacht. Im verflossenen Jahre betrug der Monatsdurchschnitt Kr. 10 200,—. Unter den wetteifernden Landsmannschaften ist Oesterreich von der fünften an die zweite Stelle gerückt, die es seit 190S behauptet. 1910 gab die Landessammelstelle die Parole der „Selbstbesteuerung durch die Büchse" aus: Jeder Büchseninhaber hat täglich 2 Heller in seine Büchse zu legen. Diese Institution bewährt sich sehr. Interessant ist der gelungene Versuch, das Versicherungswesen in den Dienst des N. F. zu stellen. Eine bekannte Versicherungsgesellschaft räumt für die vom N. F. zugebrachten Geschäfte Provisionen und andere Vorteile ein. Der Referent gedenkt unseres Gg. Baruch Kahane, der durch einen munifizenten Leibrentenvertrag 100 000 Frs., einen großen Teil seines in mühereichem Leben erworbenen Vermögens, dem N. F. zugesichert hat, mit der Bestimmung, eine Kolonie in Erez Israel zu gründen, die seinen Namen trägt. Kahane setzt alles daran, um die zur Komplettierung noch fehlenden Raten flüssig zu machen. „Möge diesem bescheidenen, opferfrohen Zionisten, der das siebzigste Lebensjahr bereits überschritten hat, gegönnt sein, das ersehnte Lebenswerk mit eigenen Augen sprossen zu sehen." (Langanhaltende Ovation für Gg. Kahane.) „Ich werde Gg. Kahane den Dank des Zionisten tages übermitteln." Zum Schlüsse teilt Dr. Zweig mit, daß er in den letzten Jahren wiederholt bei Errichtung von Testamenten zugunsten des N. F. und unserer übrigen P a - iä stin ai n sti t u t e intervenieren durfte. In absehbarer Zeit müssen diese stillen Zuwendungen segenspendend in die Erscheinung treten. Mit einem Appell zu energischer Weiterarbeit schloß der mit begeistertem Beifall aufgenommene Bericht. An einer kurzen Debatte über beide Referate beteiligten sich Dr. F r i e d m a n n , Prof. Wertheim und Dr. W e i n e r, der wertvolle Anregungen für Palästinareisen gibt. Der Vorsitzende Prof. Engel gedenkt der verstorbenen Gesinnungsgenossen (die Versammlung erhebt sich) Frau Julie Herzl, Dr. Gabel, Dr. Rappaport und Hugo Eben, sowie der Opfer von Drohoby cz. Zum Punkte „Eventualia" regt Schwarz die energische Förderung der Turnbewegung und G e r s 11 die Schaffung von Jugendorganisationen an. Mit Absingung der Hatikwah schloß der denkwürdige Parteitag. Zur Beachtung Die Telegramm-Adresse des Zionistischen Zentralbureaus, der Redaktion und Administration der „Welt", sowie des Jüdischen Verlages lautet: Orghip, Berlin. Die Telegramm-Adresse des Hauptbureaus des Jüdischen Nationalfonds in Köln ist: Keren, Köln.

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