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Die Welt · 1912-01-05 · 1 (5.1.1912) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
1 (5.1.1912)
Date
1912-01-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1 Schekels geschadet. Denn das Prinzip der absoluten Gleichheit, das der Schekel darstellt, hat einen hohen inneren Wert. Der Zentralfonds aber ergänzt die Schekelinstitution in glücklichster Weise. Er ermöglicht jedem Gesinnungsgenossen, in Form einer Selbstbesteuerung nach seinen Kräften zur Entfaltung der Organisation beizutragen. Es wird sich empfehlen, die Agitation für den Zentralfonds so einzurichten, daß die Zuwendungen als ständige Jahresbeiträge gezeichnet werden und daß nur für Beiträge von einer gewissen Höhe an, etwa von 20 AMI .c, 10 Rbl. usw.) agitiert wird. Einmalige größere Beiträge sind gewiß erwünscht, haben aber vom Standpunkt der Organisation nicht den Wert ständiger Beiträge, mögen diese auch erheblich kleiner sein. Allzu geringe Beiträge wiederum sind von geringem Nutzen, weil Einziehung und Kontrolle zu große Spesen verursachen. Wenn unsere Landesorganisationen und Federationen, unsere Vereine und alle einzelnen Gesinnungsgenossen nunmehr der Parole des Actions-Comites folgen und die idee des Zentralfonds tatkräftig propagieren, so mögen sie sich stets vor Augen halten, daß es sich nicht darum handelt, Bureaukosten zu decken, sondern der Parteileitung die Möglichkeit fruchtbarer Arbeit zu erschließen. Das Actions-Comite besitzt keinen Pfennig. Es wird keinen ungedeckten Kredit in Anspruch nehmen und hat die Leitung in der sicheren Erwartung übernommen, daß die Einsicht und der Opfersinn, der von jedem organisierten Zionisten gefordert werden muß, ihm die nötigen Mittel schaffen wird. 5 Im Vertrauen auf die Anhänger der zionistischen Idee hat das Actions-Comite seine Arbeit begonnen. Und schon sehen wir, wie rings das Verantwortungsgefühl der Zionisten erwacht. In G a 1 i z i e n haben die vier Distriktskomitees sich verpflichtet, je 7500 Kronen aufzubringen. Schon sind 5000 Kronen gesammelt. In Oesterreich wird nach der festen Zusage der Leitung ein entsprechender Betrag aufgebracht werden. Sicherlich werden alle anderen Länder rasch folgen, und so werden wir endlich zur Gesundung unserer Finanzen gelangen. Das Beispiel der Deutschen Landesorganisation zeigt, was durch energische Organisationsarbeit an Beiträgen aufgebracht werden kann. Bis zum Frankfurter Delegiertentag vom Jahre 1910 mußte sich die deutsche Zentrale mit einem Jahreseinkommen von 3000 M. behelfen. Da beschloß der Delegiertentag die Einführung regelmäßiger Jahresbeiträge — und heute verfügt die Zentrale über ein Jahreseinkommen von 18 000 M. Es ist kein Zweifel, daß die Gründung des Zentra 1fonds der einzige richtige Weg ist, die regelmäßigen Einnahmen des A. C, die bisher durchschnittlich nur 70- 80 000 M. an Schekeln betrugen, zu verdreifachen. Und sie müssen verdreifacht werden, wenn das A. C. seinen großen Aufgaben auf politischem, kulturellem und organisatorischem Gebiet gerecht werden soll. Die Arbeit für den Zentralfonds wird daran zweifeln wir nicht — den Beweis erbringen, daß alle organisierten Zionisten sich mit der Parteileitung eins fühlen, daß sie sich der Verantwortung bewußt sind, die auf ihnen ruht, und daß sie das Vertrauen, das die Parteileitung in sie setzt, mit Taten belohnen wollen. Wieder in Palästina Von Norman Bentwich. „Die ersten Gedanken/4 sagt ein englisches Sprichwort, „sind die besten*'. Aber es mag doch sein, daß eine zweite Beobachtung zuverlässiger als die erste ist. Sicher beobachtet man mit kritischerem Blick, wenn man Palästina zum zweiten Male besucht. Es sind 3lj Jahre her, seitdem ich im Heiligen Lande war, und vieles ist inzwischen innerhalb und außerhalb der zionistischen Bewegung geschehen, was auf unsere Arbeit tiefen Einfluß ausgeübt hat. In erster Linie war es die türkische Revolution, die einen gründlichen Wechsel unserer Politik verursachte. In Palästina sieht man ihre hauptsächlichen Folgen in der Entwicklung der Preßfreiheit, die einerseits eine Reihe jüdischer Wochen- und Monatsschriften hervorgerufen, andererseits einen ruchlosen antisemitischen Journalismus seitens der christlichen Landesbevvohner ermöglicht hat, dessen Hauptvertreter die in Haifa erscheinende arabische Zeitung „Karmer ist.*) Andere Zeichen des neuen Regimes in Palästina sind die schönen Wege, die jetzt im Lande gebaut werden, bessere Polizeiverhältnisse, die Beleuchtung der Städte und die Anlage von Wasserleitungen für die Hauptstädte, die in einigen Städten bereits fertig, in anderen Gegenstand ständiger Verhandlungen sind. Andererseits finden wir die strengere Durchführung der Aushebung *) Inzwischen hat dieses Hetzblatt sein Erscheinen eingestellt. Vgl. die Notiz unter „Palästina" in der vorliegenden Nummer. Die Redaktion. zum Militär, die leider zur Auswanderung einer Anzahl junger Leute führte. Manche jüdischen Ansiedler scheinen gehofft zu haben, die Gewährung der Konstitution werde das tausendjährige Reich mit sich bringen. Sie sind enttäuscht, daß dies nicht der Fall ist, und neigen deshalb einem recht unvernünftigen Pessimismus zu. Die Jungtürken haben bisher die zionistische Arbeit nicht so begünstigt, wie man hätte wünschen können; ob die Schuld nicht vielleicht zum Teil die unsere ist, wird später erörtert werd-en. Aber ohne Zweifel hat sich die Verwaltung in Palästina seit der Umwälzung verbessert, und alle wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Bestrebungen haben einen bedeutenden Aufschwung genommen. Wenden wir uns nun der Entwicklung des jüdischen Lebens während der letzten drei Jahre zu. Zunächst ist die Kolonisationsarbeit im Lande seitens der zionistischen Gesellschaften energisch aufgenommen worden. Während die 1. C. A. nichts oder wenig getan hat, um ihre Ansiedlungen in Palästina zu erweitern, hat die P. L. D. C. Musterfarmen in Kinercth am Ufer des galiläischen Sees und in Phoule, in der Ebene Jesreel, gegründet. Der Plan der Siedlungsgenossenschaft ist schon zum Teil verwirklicht. Eine russische Gesellschaft hat eine Plantagenwirtschaft in Medschdel, etwas nördlich von Tiberias, an dem Orte des alten Magdala, eingerichtet, und das Odessaer Comite sowie der J. N. F. haben die Ansiedlung von Gruppen jüdischer Arbeiter in der Nähe größerer Kolonien unterstützt. In den

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