Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1911-12-29 · 52 (29.12.1911) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
52 (29.12.1911)
Date
1911-12-29
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316458-3316513--55442-3349269
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

1430 DIEIaEELT Nr. 52 wohlergeht, so müssen wir an der Gründung dieser Institution arbeiten, und zwar nicht nur mit Hilfe des hiesigen Kapitals, was unmöglich wäre, sondern in Verbindung mit einer der oben erwähnten Banken, die bereits über alles Notwendige verfügen. Entschlafen wir uns jener leeren Befürchtungen, und zittern wir nicht vor einem Schatten/4' So äußert sich die Zeitung „Liberal" in einem Leitartikel, ein jüdisches Blatt, das sich bisher zum Zionismus nicht besonders freundlich verhalten hat. Brief aus Haifa (Von unserem Berichterstatter.) Bahnbau Haifa Akka Nunmehr sind die Arbeiten für den Unterbau der Bahnlinie Haifa—Akka vergeben worden. Die Bahn wird eine Länge von 16 km haben; die fSauzeit ist auf 16 Monate festgesetzt worden. An dem Unternehmen ist eine jüdische Baufirma aus Haifa zusammen mit einem Türken beteiligt. Die Bedeutung der Bahn liegt vor allem in dem Anschluß des Handels von Akka und seinem fruchtbaren Hinterlande, das Getreide, Oel, Melonen usw. liefert, an die Linie Haifa- Damaskus und an den Schiffsverkehr, der über Haifa geht. Sicherlich hat sie auch strategische Zwecke. Die Städte Haifa und Akka dürften gleichmäßig durch die Bahn gewinnen. Eine notwendige Folge wird die Beschleunigung des schon seit langem projektierten Hafenbaues an einem der beiden Häfen sein. Es ist natürlich ein lebhafter Wettstreit um den Hafen im Gange, doch dürfte Haifa die besseren Chancen haben. Für die Entwicklung der Stadt Haifa bedeutet der Hafen alles. Die neue Bahnlinie wird die Landverbindung zwischen Beirut und Haifa, die bisher nur über Damaskus (!) möglich war, weiter erleichtern. An einer Küstenstraße von Akka nach Saida (Sidon) wird schon lange gearbeitet, von hier führt schon heute eine gute Chaussee nach Beirut. Diese Straße wird sicher später viel benutzt werden. Erlöschen der Cholera In Haifa ist die Cholera erloschen. Im ganzen hat sie b*ei etwa 110 Erkrankungen ca. 60 Opfer gefordert. Die Stadt hat wieder vollständig ihr normales Aussehen. Wenn auch die tiefen Wunden, die die Epidemie dem Wirtschaftsleben geschlagen hat, nur langsam heilen können, beginnt doch die Depression allmählich zu weichen. Eine kurze Epidemie war auch im November in Akka. Es kamen plötzlich und gleichzeitig, anscheinend durch Infektion der Wasserleitung, eine größere Anzahl von Erkrankungen vor, die jedoch ebenso rasch nachließen. Jetzt ist auch dort jede Gefahr vorüber und der unheimliche Gast hoffentlich für immer verschwunden. In Haifa verdient die Tätigkeit einer jüdischen Gruppe von etwa 15 Männern, die sich als freiwillige Sanitäts-Mannschaft organisierten, alles Lob. Es war der einzige Versuch einer systematischen Bekämpfung der Krankheit, der hier unternommen wurde. Auch die Regierung hat nunmehr in der Erkenntnis der steten Gefahr, die der Mekka-Pilgerzug jedes Jahr mit sich bringt, energische Maßregeln ergriffen. Wenn der Pilgerstrom zurückkehrt, wird er bei Haifa eine Quarantäne durchzumachen haben und die Stadt nicht mehr berühren. Große Transporte von Sanitätsmaterial sind hier bereits eingetroffen. — Der neue mit dieser Aufgabe betraute Quarantäne-Arzt von Haifa, Dr. Feder, ist ein Jude, der seit 14 Jahren in türkischen Diensten steht. Eine Synagoge für Haifa Die jüdische Gemeinde in Haifa hat noch immer keine Synagoge. Sie hat vor kurzem eine Kommission zur energischen Inangriffnahme dieser besonders im repräsentativen Interesse sehr wichtigen Arbeit gewählt. Leider hat gerade jetzt eine kleine Gruppe, die Sonderinteressen verfolgt, durch den Bau einer winzigen, völlig ungenügenden, an sehr schlechter Stelle gelegenen Winkel-Synagoge die gemeinsame Aktion gestört. Trotzdem ist zu hoffen, daß das Werk Zustandekommen und besonders auch die Unterstützung auswärtiger Zionisten finden iärd, die sich für die Entwicklung von Haifa interessieren. Von der Mittelschule des Hilfsvereins Die vom „Hilfsverein der Deutschen Juden" vor einem Jahre ins Leben gerufene Mittelschule in Haifa, die später vom Technikum als Vorbereitungsschule übernommen werden soll, hat das Winterhalbjahr mit etwa 55 Schülern begonnen. Der geringe Fortschritt in der Zahl der Schüler ist ein Ausdruck der Tatsache, daß die Schule noch mit großen Schwierigkeiten kämpft. Bisher ist es dein Hilfsverein noch nicht gelungen, einen geeigneten Leiter für die Schule zu finden, so daß die Direktion noch immer von einem der Lehrer verwaltet werden muß. Da auch noch eine Lehrkraft fehlt, und das Lehrprogramm infolgedessen nicht voll ausgestaltet werden kann, hat die Schule noch immer den Charakter des Provisorischen, Unfertigen, was viele Eltern abhält, ihre Kinder in diese Schule zu schicken. Gerade mit Rücksicht auf die wichtige Sonderaufgabe dieser Schule wäre dringend zu wünschen, daß an ihrem systematischen Ausbau mit allen Kräften gearbeitet wird. Die Witterung Die Winterregen lassen dieses Jahr lange auf sich warten. Bisher waren nur sehr wenige Regentage, so daß das Wetter für den Städter prachtvoll, für die Landwirte unerwünscht trocken war. Es scheint jedoch jetzt ein Witterungsumschlag bevorzustehen. || o o o W. PALASTINA "QJ^ o o o \\ 3l9p Das jüdische Technikum in Haifa Vor einigen Jahren wurde bekanntlich seitens der Familie Wissotzky eine Stiftung von 100 000 Rubeln errichtet, die der Begründungeines technischen Instituts in Palästina dienen sollte. Die leitenden Männer des Hilfsvereins der Deutschen Juden, denen die Verwaltung der Stiftung übertragen wurde, bekundeten das größte Interesse für das Zustandekommen des Werkes. Auch in zionistischen Kreisen fand der Gedanke lebhaften Anklang, und zwar war es vor allem Dr. Schmarja L e v i n, der durch hingebungsvolle Arbeit mit dazu beitrug, das Unternehmen materiell zu fundieren. Seine Reisen nach Amerika bewirkten die Beteiligung einer Gruppe reicher amerikanischer Juden, unter denen an erster Stelle Jakob H. Schiff zu nennen ist, der 100 000 Dollar (über 400 000 M.) zur Verfügung stellte. An Jahresbeiträgen wurden ferner 57 000 M. gezeichnet. Der Jüdische Nationalfonds trug zum Erwerb des Bodens 100 000 Frs. bei, und kleinere Sammlungen und Stipendien ergaben weitere 100 000 Frs. Dazu trat die Baronin Cohn- Oppen h e i m - Stiftung des Hilfsvereins mit 300 000 M. Der materielle Grundstock war somit gegeben, und es wurde eine besondere Gesellschaft, „Jüdisches Institut für technische Erziehung in Palästina", mit dem Sitze in Berlin, errichtet. Den Vorsitz übernahm Herr James Simo n. Leider stieß dann die weitere Ausführung auf Hindernisse, denn die Erlaubnis der türkischen Regierung war längere Zeit hindurch nicht zu erlangen. Diese Erlaubnis ist nunmehr erteilt. Wie wir vor einiger Zeit erfuhren und hiermit der Öffentlichkeit bekanntgeben können, ist die Errichtung des Technikums durch ein Irade des Sultans genehmigt worden. Hoffen wir, daß dieses hochwichtige Institut nunmehr in raschem Tempo erbaut und in Betrieb gesetzt wird. Für die Stadt Haifa wie für das aufblühende jüdische Leben in Palästina wird es ein Segen sein.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.