Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 52 (29.12.1911)
- Date
- 1911-12-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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mehrung und kräftige Erhaltung einer gewissen Eigenart und durch unvergleichliche Erfolge auf allen Gebieten ihrer Tätigkeit bewiesen. Man findet ihre Namen im Verzeichnis der hervorragenden Pfleger der Wissenschaften und Künste . .. Sie haben in jeder Generation ihren Adoptiv-Vaterländern Förderer kultureller Entwicklung gegeben. Sie sind überall dem Lande, das sie aufgenommen hat, zum Segen geworden. Und Spanien? Man kann ohne Uebertreibung sagen: sein Verfall datiert von dem Auszuge des jüdischen Volkes. Die spanischen Juden hatten starre Rücken und wußten die Rechte ihrer Individualität gegen jeden Versuch einer Vergewaltigung zu wahren. Als sie ausgewandert waren, wurde die Bevölkerung willenlos und ließ sich von da an widerstandslos von Tyrannen beherrschen. Aufstände und Erneuten hat das spanische Volk genug gemacht und durch plötzliches Sichaufrecken Throne umgestürzt, aber Bedriickungsversuchen niemals die gleichmäßige, ausdauernde Widerstandskraft entgegengesetzt, die eben nur von Völkern ausgehen kann, welche eine große Anzahl selbständiger und willensstarker Individuen in sich schließen. Die alten Sephardirn und die jetzigen, ich meine die östlichen Juden, die jetzt auf der Wanderung begriffen sind, ge-. hören zusammen. Nur Mißverstand trennt sie; aber der Mißverstand muß früher oder später dem Verstand und dem Gefühl den Platz räumen. N. S. >\ ooooooo « ooooooo -il REVUE DER PRESSE OOOOOOO II OOOOOOO - Der alte und der neue Jischub in Palästina. In unserem Wilnaer Bruderblatt „Haolam'' veröffentlicht Josua Ei sen stadt (Barsilai) einen längeren Aufsatz über die verschiedenen Wohlfahrts-, Kultur- und Erziehungsanstalten Jerusalems, der überaus interessantes Ziffernmaterial über die einzelnen Institutionen, ihr Budget, die Art ihrer Verwaltung, den Umfang ihrer Tätigkeit usw. enthält. Die Redaktion des ,,Haolam'4 knüpft an diese rein statistische, zahlen mäßige Darstellung folgende beachtenswerte Ausführungen: ,,Als die neue Kolonisation in Palästina ihren Anfang nahm, brachen die Fanatiker Jerusalems in stürmische Wehklagen aus und meinten, die ländliche Kolonisation werde den völligen Ruin des alten städtischen Jischub herbeiführen. Diesem Vorwurf sind wir schon vor 25 Jahren in gewissen Jerusalemer Schmähschriften begegnet, und er wird gelegentlich auch jetzt noch hervorgeholt, wenn es gilt, den Zionismus und die Zionisten oder den neuen Jischub und seine Vorkämpfer in Verruf zu bringen. Zu diesem Zwecke sind den Dunkelmännern alle Waffen recht, mögen sie noch so schartig und verrostet sein. Demgegenüber wollen wir die trockenen Zahlen sprechen lassen; sie lehren uns, wie grundlos alle derartigen Beschuldigungen sind. Von den 60 Wohlfahrtsanstalten Jerusalems, die in dein Artikel des Herrn Barsilai aufgezählt sind, wurden bloß S vor dem Jahre 1 SSO gegründet, '5 entstanden in den Jahren 1 SSO Sl und alle übrigen erst nachher, d. h. nachdem die neue Kolonisation bereits eingesetzt hatte. Auch von den 12 Tahntid-Thora-Anstalten und Jesehiboth in Jerusalem sind ') erst nach dem Jahre 1884 ins Leben gerufen worden. Alle ernsthaften Institutionen, die in Palästina geschaffen werden, haben einen nationalen Wert. Von diesem Gesichtspunkte betrachtet, ist es ein großer Irrtum, wenn man auf irgendeine ehrliche Schöpfung, die ihre Existenz der Macht des alten Jischub verdankt, geringschätzig herabsieht. Allein wir, deren Herz vornehmlich am neuen Jischub hängt, dürfen mit größtem Stolz daraut hinweisen, daß dieser das werktätige Interesse des Volkes für Palästina während der '30 Jahre seines Bestehens in weit höherem Maße wachgerufen hat, als dies dem alten Jischub im Laufe vieler Jahrhunderte gelungen ist. Der alte Jischub wachte darüber, daß der Funke der Palästinaliebe im Herzen des Volkes niemals verglomm, und dieses Verdienst soll ihm immer unvergessen bleiben. Allein der neue Jischub, der so viele Kämpfer und schöpferische Kräfte zählt, von den Gründern Petach-Tikwahs angefangen bis zu den Erbauern von Tel- Awiw, von Rothschild, dessen glühende Palästinaliebe jeder Stein in den jüdischen Kolonien bezeugt, bis zu HerzI, durch dessen gewaltige Schöpferkraft seinerzeit die Finanz- Tätigkeit im Lande fördern, - der neue Jischub, sagen wir, hat den Begriff der V o 1 k s h e i m a t, der unseren Massen im Laufe der Zeit ganz abhanden gekommen war, in deren Herzen zu neuem Leben erweckt. Lassen wir die Zahlen sprechen. Vor 55 Jahre belief sich der gesamte Geldbetrag, den Jerusalem jährlich aus der Diaspora empfing, auf etwa 75 000 Frs. Wieviel „Chaluka" Jerusalem jetzt aus den Ländern des Galuth bezieht, ist nicht genau bekannt und wird wohl noch lange Zeit ein undurchdringliches Geheimnis bleiben. Jedenfalls werden sich die Leiter der Chaluka nicht beeilen, dieses Geheimnis der Oeffentlichkeit preiszugeben. Aus den von Herrn Eisenstadt mitgeteilten Ziffern ersehen wir jedoch, daß die Jerusalemer Anstalten allein (d. h. also ein verschwindender Bruchteil des Komplexes, der unter den Begriff der Chaluka fällt) alljährlich ungefähr 2 Mill. Frs. aus der Diaspora erhalten zwölf mal soviel als vor 55 Jahren insgesamt für Jerusalem einging! Die armen jüdischen Volksmasseii hätten eine so gewaltige Summe für die Wohlfahrtsanstalten einer einzigen Stadt keineswegs aufbringen können, wenn das Bewußtsein in ihnen nicht lebendig wäre, daß diese Stadt eben die Hauptstadt der historischen Volksheimat ist. Wir, deren Herz vornehmlich am neuen Jischub hängt, pflegen uns selbst anzuklagen, daß wir unsere Pflichten gegenv über dem Lande unserer Zukunft nicht in vollem Maße erfüllen, und daß wir in dieser Hinsicht hinter den Anhängern des alten Jischub zurückstehen. Die Richtigkeit des ersten Satzes geben wir ohne weiteres zu. Die Wichten gegen das Heimatland müssen eben mit ganz anderem Maßstäbe gemessen werden als alle anderen Pflichten eines einzelnen oder einer Gesamtheit. Wir zweifeln aber, ob auch der zweite Satz völlig zutreffend ist, daß wir nämlich hinsichtlich unserer Palästinaarbeit hinter den Anhängern des alten Jischub zurückstehen. Wenn wir den quantitativen Maßstab der Höhe der ( j e 1 d e i n g ä n g e an die geleistete Arbeit anlegen, so werden vielleicht die Leistungen der Anhänger des alten Jischub schwerer ins Gewicht fallen, zumal ja, wie gesagt, nicht genau bekannt ist, wieviel Geld die Diaspora für die Zwecke des alten Jischub aufbringt. Wenn jedoch die Qualität der Arbeit als Maßstab für deren Wertbestimmung gelten soll, dann wird das Ergebnis ein ganz anderes sein. Wir wollen damit nicht sagen, daß beispielsweise der Nutzen, den die nach modernen Prinzipien geleiteten Schulen in Jerusalem stiften, größer ist, als der Nutzen, den die altmodischen Jesehiboth und Talmudthoraanstalten dem Jischub bringen. Eine derartige Gegenüberstellung läßt sich nicht ohne weiteres vornehmen und mit ein paar Worten abtun, denn Herr Eisenstadt hat ja recht, wenn er sagt, daß die Jerusalemer Jesehiboth für die Erhaltung des Tho-rastudiums, das zurzeit lediglich in