Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 52 (29.12.1911)
- Date
- 1911-12-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1422 DIEE^ELT- Nr. 52 Organisation der zionistischen Studenten Von B. Papert (Bern). Zum zweitenmal hat jetzt Herr Prof. Ornstein einen Aufruf an die zionistischen Studenten ergehen lassen zur Sammlung der akad. zion. Kräfte, in welchem er um weitere Meinungsäußerungen zur Organisationsfonn bittet. Von den bis jetzt eingelaufenen Organisationsvorschlägen sind mir zwei bekannt. Der eine vonseiten des K. Z. V.,*) der andere von der Organisation zionistischer Studenten aus Osteuropa. Sie sind es auch, die für die Meinung der zionistischen Studenten maßgebend sind, und in den Organisationsvorschlägen des K. Z. V. werden wohl die Ansichten der deutschen und teilweise auch der österreichischen inkorporierten Studenten zum Ausdruck kommen, wie in denen der Organisation zion. Studenten aus Osteuropa der Gedankengang der Studenten aus Rußland ausgesprochen ist. Das K. Z. V. denkt sich die Organisation zion. Studenten als eine lockere Verbindung der existierenden Vereine und Verbände ohne jede Einschränkung der Freiheiten der einzelnen Glieder und ohne den Mitgliedern der der Organisation angehörenden Vereine besondere Verpflichtungen aufzuerlegen. Die Organisation zion. Studenten aus Osteuropa setzt dagegen, wenigstens nach den in der ersten Sitzung in Basel gefaßten Beschlüssen, eine straffe Disziplin, ein Sammeln und Organisieren der akademischen Kräfte der Partei voraus, um zu lernen und zu lehren, um sich selbst national auszubilden und weitere Kreise durch Agitation des Wortes und der Tat für die Idee, für die Partei zu gewinnen. Die Organisation zion. Studenten aus Osteuropa wird in einiger Zeit ihre erste Konferenz abhalten; von der Zusammensetzung derselben wird es abhängen, ob das vom zeitweiligen Komitee vorgeschlagene Programm angenommen wird, was nach der Stimmung der bis jetzt beigetretenen 15 Studentenvereine sehr wahrscheinlich ist Der erste Punkt des Programms wird dann folgendermaßen lauten: „Die Organisation zion. Studenten erstrebt die Vereinigung aller zionistischen Studenten zur Förderung des Zionismus." Dabei ist der Begriff des Zionismus im weitesten Sinne zu verstehen, insbesondere wird das Schwergewicht auf die Renaissance der jüdischem Kultur und der hebräischen Sprache gelegt Es folgt daher im Programm ein zweiter Punkt des Inhalts, daß die Organisation für die nationale Ausbildung ihrer Mitglieder durch hebräische und Geschichtskurse Sorge tragen wird. Durch diese Kurse soll gleichsam die uns im Golus fehlende Volksschule wenigstens für uns Studenten ersetzt werden. Als ausgesprochen zionistische wird die Organisation Kurse für Palästinakunde abhalten, denn nicht durch viele Worte kann etwas getan werden, sondern durch selbstbewußtes und vernünftiges Handeln. Die Organisation zion. Studenten aus Osteuropa geht vom Standpunkt aus, daß die Organisation nie die Privatinitiative wird ersetzen können, denn diese ist überhaupt nicht ersetzbar. Die Partei kann in gewissem Sinne und im besten Falle als kolonisierende Macht in Palästina wirken, aber keine Kolonialmacht *) Kartell Zionistischer Verbindungen. ist imstande, unter Ausschluß der Privatinitiative fruchtbringende kolonisatorische Arbeit zu leisten. Die Organisation zion. Studenten aus Osteuropa will eben ihren Mitgliedern klarmachen, daß ohne sie, ohne den einzelnen, nichts geschehen wird, nichts geschehen kann, daß es ihre Pflicht ist, selbst nach Palästina zu gehen, um dort das zu schaffen, was für eine planmäßige Kolonisation Vorbedingung ist — ein Zentrum, das sich allmählich ausbreitet. Aber die Tat soll nicht nur als Opfer der Idee gebracht worden. Die Tat ist eine Erlösung der einzelnen. Jeder, der sich in Palästina ansiedelt, soll es nicht nur im Interesse der Idee oder gar der Partei tun, um etwa den anderen Zionisten als Muster zu gelten, auch nicht, um den Gegnern des Zionismus zu zeigen, daß es sich in Palästina leben läßt, sondern um die Judenfrage für sich selbst zu lösen. Darin aber, daß er sich aus der fremden Kultur und der feindlichen Umgebung befreit, daß er aufhört, dem Zwittergeschlechte der national Verirrten der Diaspora anzugehören, und anfängt, ein Leben der Freiheit des Geistes, der unbegrenzten und unbeengten Natur im Lande der Vater zu führen, soll ein jeder von uns eine Befriedigung linden, die vollständig die damit verbundenen Opfer aufwiegt. Daß solche Kolonisten, seien sie von welchem Stande sie wollen, auch für die zionistische Idee, für ihre Verwirklichung und Propaganda mehr tun, als alle Agitatoren der Diaspora, ist für uns selbstverständlich. Denn sie wirken gleichzeitig agitatorisch und positiv für den Ausbau ,der Kolonisation^ indem sie den Boden für weitere Einwanderung schaffen. Man könnte noch die national-kulturellen Ausstrahlungen, die Palästina schon jetzt der Diaspora sendet, dazu rechnen, und man wird die Bedeutung, die einem jeden Unternehmen im Lande zukommt, ermessen können. Die Organisation zion. Studenten wird es als eine ihrer Hauptaufgaben betrachten, „für die Ausbildung ihrer Mitglieder zur zionistischen Tätigkeit in Palästina und im Orient zu sorgen." Die geeignetem Mittel sind teilweise schon vorgesehen, teilweise sollen sie von der nächsten Konferenz angegeben werden. Durch Turnsektionen sollen die Muskeln gestärkt und abgehärtet werden, durch öffentliche Vorträge und andere Veranstaltungen soll die Studentenschaft herangezogen und gewonnen werden. Zu allem diesem muß die Organisation eine straffe Disziplin besitzen, das zu wählende Komitee mit weitgehenden Machtbefugnissen ausgestattet sein, in den Vereinen muß nach einem bestimmten Plan gearbeitet werden, sonst bleibt alles beim alten und wir werden nur um einen mißlungenen Versuch reicher werden. Aus den Befreiungskämpfen Deutschlands sind die Burschenschaften hervorgegangen mit ihrer fast militärischen Disziplin, wir wollen auch eine zum Schutz und Trutz gerüstete Studentenschaft heranbilden, die ergeben dem zionistischen Banner, den zionistischen Führern folgen soll, ein Heer friedlicher, aber für die schwere Kolonisationsarbeit wohlgerüsteter junger Männer und Frauen. Notizbuch Der russisch-amerikanische Konflikt. — „Anders, begreif ich wohl, als sonst in Menschenköpfen, malt sich in diesem Kopf die Welt'/' Wer hätte nicht dieser Worte denken sollen bei den seltsamen Anschauungen über die amerikanischen, insbesondere über die russischen Juden, die ein hochgestellter russischer Diplomat unlängst geäußert hat? Es gibt Meister der Geschichtsforschung, welche jeden Stein der alten Akropolis kennen, aber bei der Betrachtung des Hauses, in welchem sie seit Jahren wohnen, plötzlich erstaunen; geniale Künstler, welche an den Pyramiden besser daheim sind, als in ihrer Vaterstadt. Herr v. Sasonow ist über alle Strömungen im Leben der Staaten unterrichtet; er beherrscht mit