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Die Welt · 1911-12-29 · 52 (29.12.1911) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
52 (29.12.1911)
Date
1911-12-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Schäften abgeliefert worden sind. Ferner sammelt die galizische Organisation zurzeit 30 000 Kronen für den Zentralfonds, wovon bereits 5000 Kronen bar eingegangen sind. Der Redner wies ferner aut die Arbeit des Zentralkomitees zur Zeit der Volkszählung hin, die eine imposante Kundgebung der jüdischen Massen für die national-jüdische Idee zur Folge hatte, sowie aut die Aktion in der Schän kerfrage. In der Nachmittagssitzung fand die Ge nera Idebatte über den Bericht des Zentralkomitees statt. Daran schlössen sich die verschiedenen Referate. Dr. Schreiber sprach über „Die Organisation", Dr. Spindel über „Unsere Aufgaben in Palästina", Dr. Leon Reich über „Unsere politischen und wirtschaftlichen Aufgaben". Dem Zentralkomitee wurde Dank und Anerkennung ausgesprochen und das Absolutorium erteilt. Dr. O. Th o n hielt in hebräischer Sprache das Referat über „Die Kulturarbeit". Dr. Lauf er beantragte namens des Permanenz-Ausschusses die Beibehaltung der von der 8. Landeskonferenz vom Jahre 1909 beschlossenen Landespolitik. Bezüglich der Organisationsfrage schlägt er die Beibehaltung der Distriktskofnitecs, ferner die Schaffung eines Parteirats von 25 Mitgliedern, die von der Landeskonferenz gewählt werden sollen, vor. An der Spitze soll ein Zentralkomitee von Q Personen stehen. An diese Vorschläge knüpfte sich eine lange, zum Teil erregte Debatte. Schließlich wurden die Anträge angenommen. In den Parteirat wurden folgende Gesinnungsgenossen gewählt: Backenroth, Bard, Byk, Feldblum, Gel bard, Halpern, Jonas, Kornhäuser, Landau, Malz, Meier, Neiger, Orange, Pacht mann, Rittermann, Salz, Silber mann, S u ß m a n n , S y r o p , Tartakower, Taubes, Wahrhaftig, Waldmann, Wurzel, W a s c Ii i t z. In das Zentralkomitee wurden gewählt: Adolf Stand, Dr. I. Loewenherz, Dr. L. Reich, Dr. M. Ringel, Rosmarin, Dr. Schreiber, D. Schön f e 1 d, Spindel, Zipper. Am Abend des 2. Tages schloß Herr Adolt Stand die Konferenz mit einer schwungvollen Schlußrede. Die Türkei und die jüdische Einwanderung Vor einigen Tagen erschien in mehreren großen Zeitungen eine aus Konstantinopel datierte Nachricht, der zufolge neue Einwanderung-sbeschränkungen gegen die Juden geplant seien. Der „Temps" meldete, es handle sich um ein Niederlassungsverbot für ausländische Juden in Syrien und Palästina. Eine ähnliche Information ging einem Berliner Preßbureau zu und gelangte in verschiedene Zeitungen. Nach unseren Ermittelungen liegt kein Grund zur Beunruhigung vor. Wir lassen zunächst folgen, was unser Konstantinopeler Korrespondet berichtet: „Die hiesigen Blätter bringen eine Information, der zufolge dem Staatsrate ein Gesetzprojekt zur Begutachtung unterbreitet worden sei, das die Bedingungen festsetzen soll, unter denen jüdische Einwanderer sich in Syrien und Palästina ansiedeln können. Ueber den Charakter des G esetzvor- Schlages liegen zuverlässige Auskünfte noch nicht vor. Der „Liberte" zufolge soll es sich um neue Erschwerungen handeln. Die vorherrschende Meinung ist, daß es sich um den alten Entwurf des ehemaligen Ministers des Innern, Ferid Pascha, handle. Jedenfalls dürfte von einer Uebervveisung dieses Entwurfes an die Kammer oder gar von einer Behandlung desselben im Parlamente noch sehr lange nicht die Rede sein können. Die Verwirrung und die Nöte des Staates sind so groß, daß selbst die grundlegendsten Gesetze und wichtigsten Reformen in den Archiven der Ministerien, des Staatsrates und der Kammer ruhen und verstauben. Es wird also wohl noch viel Wasser den Bosporus hinunterlaufen, ehe Muße sein wird, die jüdische. Einwanderungsfrage der Lösung näherzubringen." Wir teilen durchaus die Ansicht unseres Korrespondenten, daß derartige Nachrichten, die von Zeit zu Zeit auftauchen, mit aller Ruhe aufgenommen werden sollten. Die Frage der jüdischen Einwanderung ist sehr kompliziert, und alle bisherigen, seitens der türkischen Regierung getroffenen Maßnahmen sind nicht geeignet, besondere Befürchtungen zu rechtfertigen. Seihon im Jahre 1882 wurden seitens der türkischen Regierung Einwanderungsbesdhränkungen gegen die Juden verfügt, die nach den großen Judenverfolgungen in Rußland nach Palästina kamen und dort die ersten Kolonien gründeten. 1892 wurde ein formelles Einwanderungsverbot erlassen. Diese Maßregeln entsprangen mehr allgemein-politischen Erwägungen, als antisemitischen Stimmungen. Daß die türkische Regierung trotz dieser seit 30 Jahren bestehenden Beschränkungen keine eigentlich judenfeindliche Haltung einnimmt, geht daraus hervor, daß von 1882 1896 25 jüdische Kolonien in Palästina gegründet wurden, und seit 1896 weitere 10 Kolonien, ohne daß die Regierung erhebliche Schwierigkeiten gemacht hätte. Was nun die heutige Situation betrifft, so sind tatsächlich seit der Revolution von Zeit zu Zeit Anzeichen antisemitischer Stimmungen autgetaucht, die aber künstlich von außen hervorgerufen waren und gewissen politischen Plänen fremder Agenten dienten. Die Judensache wurde dann auch für die innerpolitischen Kämpfe ausgenutzt, was zu der Kammerdebatte über den Zionismus führte. Zweck der Ucbung war die Kompromittierung des Ministeriums. Vor einiger Zeit wurde dann im türkischen Ministerrat ein Gesetzentwurf beraten, der die weitere Einwanderung von Juden beschränken sollte. Dieser Entwurf, der von Ferid Pascha stammte, wurde mit der Begründung abgelehnt, er verstoße g e g e n die Konstitution. In den letzten Tagen wurde nun ein neuer Entwurf, der sich ebenfalls mit der jüdischen Einwanderungsfrage beschäftigt, dem Staatsrat vorgelegt. Ueber den Inhalt ist bis zur Stunde nichts bekannt. Die Meldung des „Temps", es sei ein Niederlassungsverbot beabsichtigt, ist demnach eine leere Vermutung. Ob der Entwurf für die jüdische Einwanderung günstig oder ungünstig ist, steht dahin. Der Erlaß eines Gesetzes, das die Einwanderungausländischer Juden verbietet, würde in striktem Widerspruch zu den internationalen Abmachungen der Türkei stehen, wie das ,,Berliner Tageblatt" mit Bezug auf die Meldung des „Ternps" ganz richtig bemerkt hat. Die Kapitulationen verbürgen jedem Ausländer das Recht, sich in der Türkei niederzulassen und Grundeigentum zu erwerben. Eine Beschränkung dieses Rechtes zu Ungunsten der Juden wäre völkerrechtlich unhaltbar. Bei dieser Sachlage und in Anbetracht de/ bisherigen Haltung der Behörden ist zu ernstlichen Besorgnissen kein Anlaß. Daß sich zuweilen gegen uns gerichtete Einflüsse geltend machen, ist nicht überraschend, kann uns aber nicht aus der Richtung unserer Arbeit drängen. _

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